Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1928 (28.6.1924)
- Date
- 1924-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ElnzelnnimmRIIOO Wien: Zum Abholen In der Expedition, II^Taborstr.1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in W i en dürch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I.Bez4 Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr.. monatl. K 85.000 Ts ch e e h o-S! owt k e i: Mon. K18. lu?o*lawien: Mon. DinarfiO.'P o 1 en: Mon. 3l/» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Frcs. 12 ftaP N a’eh z a hi an; eo '-WW PreizerhnhuajreB Vorbehalten lener Italien: Monatl. 12 1 -ire. Rami n i en Mon. 150l.ef. Bulgarien Mon.80 l.ewa. S c Hw e! z und das übrig« Ansland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, Taborstrassei7-3 Telephone: 44-0-38 A3-3»1 ab 6 Uhr abd» 21-102,25-282 IX. Uni versltätsatr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichischea Post spar * kassen Konto NV- ,|50.698 Sit 1928 Wien, Zamstag, 28. 8nni 1924 9. k! W i e n. 23. Juni. >. Bei einer Hamburger R'athenau-Feier hat jüngst der ehemalige Staatsminister Pt'eüß von der blutigen Internationale gesprochen. Sie besteht und lebt, und wenn auch bisher ihre Existenz, nicht impolizeitechnischen Sinne fest-gestellt Worden ist, so legt doch jeder Tag dafür Zeugnis.ab,' daß sie--vorhanden ist. Sie ist ein Erbteil des Krieges,, das. einzige, das aus/der großen Zeit zurückgeblieben ist, m der die Kannibaleninstinkte der Trogtodyten von den Hemmungen. bet Kultur sich losgerungen hatten.- -Der Mord galt vier Iahr.e lang als Pflicht, Plünderung,. Zerstörung fremden Besitzes als Mittel zum Endsieg. Bis dahin hatte die weiße Rasse sich begnügt, ihre Menschenkräfte zw-schonen; Blut war ein kostbarer Saft, den man für den Ernstfall' oufzusparen beflissen war. Die Bereitschaft zunr Dreinschlagen. gab man für Ethik aus,- die Rüstungen, das „Abrichten" der - Menschen für das Metzgerwerk 'fälschte man in Vorbeugungsmaßregeln um, für. deren Anwendung man -in einem sogenannten Völkerrecht sogar eine anerkannte s Grundlage' geschaffen hatte. Der Mord war verboten/.unter strenge Strafsänkt'im gestellt, nämlich der Mord an Cinzelindividuen. Der-Mord an VolksindiyidmlftÄew w.ar dagegen'das tägliü-e .Handwerk der Berufs-Politik. Bis sie-vor'mm Mau.zehn: Ighren, als > Franz/'Ferdinand.wor/ dem Rächan^Wn^erajMo,^zMmmeW -bie^^ten Schleier fallen ^Mß. PmeskerMM^ÄM^WyckenMäW" ftftnetc den Orküy em».der-.tzas BibtzlwoXL verWäng, .das;-das Menschenleben hejlig'.ist.-Nichts blieb aufrecht' vons'dems was Man in den Schulen die' Kitider gelehrt hatte-. Die Achtung vor fremder.. Persönlichkeit; fremder Meinung, fremder.Arbeit, fremder Ehre schwand in wesenlosem "Schein. Für. die Ächtung fremden Lebens öffnete sich das Massengrab. Was von. diesem Augenblick an an sittlichen Merten zerstört'wurde, das wäre aber doch wieder aufzubanen. wenn die Menschheit darin, eines . Willens wäre, wenn ,sie einig in dem Bestreben'wäre, unter alle Verbrechen dieser Jahre einen Strich'zu ziehen und sich.zur Sittlichkeit und? Wahrheit - zw' bekennen. Dieser' Wille besteht in den Massen.'Sie haben der Lüge ihren.Tribut . entrichten müssen und kennen ihre Wirkung.. Die Kriegspechiener aber, die politischen wie die ökonomischen. denen das Meer von Blut Land oder Schätze znschwemmte, leisten Widerstand.' .Die',' allgemeineVerw.a hrlo.sung /hat ihnen Nutzen gebracht. Nun soll'doch, das ist ihr gegenwärtiges Bestreben, die noch vorhandene Verwilderung Persteift werden, damit, die Hetze fortgefü hrt werden kann. Die Leute,. Pie das Morden gelernt und geübt haben^ sollen es im Dienste des Großwuchers weiter "betreiben. Alle Staaten, alle Völker sind in irgend einer Weise in den Kreis dieser Aktion einbe- ,u?gen worden, am stärksten die Länder.der Besagten, .^ier ist an Politischer, sozialer und wirtschaftlicher Verbitterung zu verdienen. Der Betriebsfonds ist -dem großen. Zweck entsprechend sehr hoch undnach sicheren - Anzeichen 'in' Amerika bei dem Friedensschwindler Ford zentralisiert. Der wichtigste Angriffspunkt ist.-das Judentum, gegen das auf der ganzen Welt ein wütender Krieg geführt wird.. Das ist verständlich und muß sv. sein,'. Denn das.Judentum ^wertet den Mord &en nur a's Mord und will den Krieg als politisches Mittel nicht anerkennen. Es wirkt-nur für den Frieden. Du für-muß es büßen. Der Krieg Hat ihm' Verluste an Menschen und Gut gebracht wie keinem anderen Volk; er hot aber auch nach dem Friedensschluß die Anerkmnluig - des -jüdischen Rechtesauf Land', auf -freie 'geistige und . kulturelle Entwicklung gebracht. Auch dafür -muß die jüdische Gesamtheit bestraft'werden. < - | - Sie. ist das vornehmlichste Opfer der blutigey'Jnt ^nationale, freilich nicht'ihr einziges. Befehlsgemäß - gebt es. gegen die letzten Reste cilropäischer Gesmung, die b"t Krieg noch bestehen ließ, gegen das bißchen De- ■ntoüvatlejdas sich dann die aüs'gebluteten. Völker'-rnit d-r letzten Atemkraft -erzjwäuge'ni Die-'JnterüctstoWe d-'S Geistesist - vernichtet Wörden, an ihre Stetst' ist dir Juiwwationale der Niedertracht 'getreten.^ ' . ilttelmeerflotte vor Athen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) - London, 27. Juni. „Daily Expreß"- meldet aus A th en: Der Streik der Marine und die Unruhe in der Armee sowie ein wütender Kampf -zwischen dem Premierminister und dem Präsidenten charakterisieren die Lage. 150 Marineoffiziere verließen die Schiffe und trafen in Athen ein, wo sie den Rücktritt des Marineministers Hadzrky.riakos forderten. Sie protestierten namentlich gegen die Beförderung von Protektionskindern. Der Präsident/der griechischen Republik b e g ü nst i g t dieBe w e g u 'n g der Offizier e; sein Sohn nahm an der Aktion teil.' Wahrend der Streik der Marineoffiziere andaüert, rühren sich nunmehr auch die Jnsanterieoffiziere und verlangen die-Freilassung des Generals Ma zara k i s, der verhaftet worden war, weil er behauptet hatte, der Kriegsm-ini-sker-Panga-los sei während des Krieges immer hin i e r der Front gewesen. Das Kabinett beriet die ganze Nachts Veichattrmg Vpn'.-SL . Athen, 27. Juni. Nachdem MinMHvafidmt -Pa- - p a na sta s iu sich geweigert .hätte, -eine Abordnung der ,, Marineoffiziere zu' emPfangeHv.' verliehen 'die. Offiziere. die--! Schiffe und das Marinearsenal von Sala m is it"b reichten ihre Entlassung ein. Papanastasiu versicherte, d'e' Regierung werde nicht z u r ü ck w ei che n,'Er ordnete die Verhaftung von 52 Offizieren <üb ’ die das Memorandum unterzeichnet hatten. Sie werden - vor Gericht gestellt. Unter ihnen befindet sich der'Söhn des Präsidenten Eonduriotis sowie ein Adjutant des Prä sidenten. - Die Stellung der Negierung ist sehr s ch w i-e rig ge« worden, da ihr verschiedene Gruppen der Kammer das Vertrauen gekündigt haben. Die Negierung will - ' das Gesetz zum Schutz der Republik gegen die Offiziere in Anwendung bringen. Mehr als 100 Marineflieger haben demissioniert. ... . Die enMsche Flotte. Athen, 27. Juni. Die ersten Einheiten deren-g.stische n Mit t elm e er fl.otte find im von Phaleron cingelaufen.. Das Gros., der Flotte trisst ein. - - - ■-"' •- 1 - "«sSP»“ Düsseldors, 27. Juri. (Havas.) Weitgehende Gnadenmaßnahmen Frankreichs gestatten bis aus wenige Ausnahmen sämtlichen' aus. dem 'Ruhrgebiet und dem Düsseldorfer Brückenkopf Ansgewiesenen die gleichzeitige - Rückkehr in die französische Zone. Strasna chsichtansna'hmen, denen demnächst e u d g ü l t ig e B egnadigungen folgen werden, sind gleichfalls zugunsten der wegen Teilnahme am passiven-Widerstand Veritrteilten getroffen worden. Die Mender wegen gemeiner. Vergehen Verurteilten werden zum Zwecke einer eventuellen Begnadigung einer neuerlichen Ueberprusung unterzogen werden.. Herrivt «nd Norman AngÄ. London, 27. Juni. Die sozialistische Zeitschrift „New Leader" veröffentlicht ein Interview, das Herriot dem bekannten Verfasser der „Great Jllufiöns", Norman An gell gewährt hat. Herriot erklärt, er habe' vom ersten Augenblick an den Eindruck gehabt, daß er'- mit Mac Donald zusammenar'beiten.könne. Er sei bereit, den alten Haß zu be- Zaisnl kommt nach London. London, 27. Juni. König F a isul. verläßt Bagdadr um persönlich in London über den Vertrag zwischen England und dem Irak zu verhandeln.. Warschau, 27. Juni. Dar polnische. Außenminister hat in Beantwortung einer - Jn-tevpellati-on - des Senators Dr.- R i n g e I - über die Anknüpfung - -von Handelsbeziehungen' zwischen Polen und Paläftina an den Interpellanten ein Schreiben gerichtet, in welchem erklärt wird,. daß. gemäß -den Mitteihtngen der britischen - Gesandtschaft Pälästi n a in den britisch--polni sche n Handelsvertrag einbezagen ist, der spätestens am Ende dieses Monats in Kraft tritt. - Irr Saüstall kn der SrdnuyWelle. . München, 27. Juni. (S. K.-B.) Die. heutige -Plenarsitzung des bayrischen L a n b t a g e's ,, wurde . nachmittags vom Präsidenten Königbau e mit dec'Mtteilklng eröffnet, daß der Fraktionsführer öer Kömmmüsten Schlaffer für eine Studienreise d"urch Rußland einen sechswöchigen Urlaub beantragt habe. -Auf Vörschlä-g des Präsidenten wurden die Punkte der Tagcs- 'I nüdnüngi-b?tv.'/seUd' die Wahl dc-s MÜn isie r präsigräben, .wenn dies zu besseren Zeiten führen könne. Seim erste Tat nach Uebernahme der -R-egierüng sei'gewesen,-di e- R. u -h r g e f a n g e n e n z u b e f re <i e n und ^den - - Ausgewi esenen. die. Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen.. Es habe ihn gewundert, daß die -d i e d eu t s ch e P-r e s se diese Tat nicht würdigte. ,. . ' Die S i ch e r h e i t 's.f r a g e. Mche er vollständig auf den Völkerbund abstellen. Dann werde Den ts. ch l.a.n d. eingeladen, werden sich mit allen Rechten und Pflichten einem Garantievertrag'anzuschließen.- Die Ueberraschüng Norman Angells bemerkend, fuhr der Ministerpräsident fort, er könne ihm etwas sagend was ihn noch mehr überraschen werde, >daß nämlich G'.e n e r a l N-o ll e t bereit sei, das Pvinzip der Beteiligung Deutschlands an dem zukünftigen, Garantievert-t'a-g zu unterstützen. Als sich Norman Angell dieser Erklärung gegenüber ungläubig zeigte, 'zog. Herrrot .ein Blatt-Papier hervor,- auf welchem er seine - Unterredung - -mit-General Nolle-t im Eisenbahnzuge von Paris nach Calais -notiert hatte.; ■ . : ' .beuten und betreffend die Mitteilung über die'Bildung der Regierung von der Tagesordnung 'abgesetzt, da -dic Verhandlungen über die Regierungsbildung noch'z n k e i'-n e m E xg e b n i s geführt haben. - - . Der v ö l k i s che B l o ck ließ durch den Abg. Straßer erklären, diese Tatsache ' bedeüte-den vollkommenen Zu.- sammenbruch des Parlamentarismus-. Dadurch werde die 'seitlangem -erhobene völkische Forderung; nach Errichtung einer, völkischen Diktatur auf neue' gerechtfertigt.' -Tie Erklärung wurde von den Mehrheitsparteien mit Ä> ilä-chter aufgenommey. Abg. Büchse (Kommunist) > beantragte .)':eraul fosortige- Beratung der.kommunistischen Anträgeaus Freilassung des Abg. Groenfelder, dessen Verhaftung 'einen S, a-u ft a ll daxstclle. Dieser Ausdruck -wurde,vom. Präsidenten gerügt. Gegen-den Widerspruch der KomMÜnisten iwür-de die Beratung h'ieser Anträge zurückgeste.!lü^Nachdem dgs Haus darauf die- Wahl der Aüsschußmiigl'e.d^r erledigthatte, erhoben, die Kommunisten in einer. Erelänrng neuerdings schärfsten Protest gegen die D u r H fp ch u n g ‘i h'r e.r Fraktionsrä-u m e, wofür netzen dem- Ministerium des Innern das -Präsidium des Landtagesverantwo^rtstch sei. Präsident Koni,gbauer erklWe hierzu daß'er ausschließlich nach -Pflicht und Gewissen gehandelt habe, als er die G-'n-rhmst'Mg zudiestr Durck>- fujhüug gast . - . .