Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1927 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gestern mchmittags ereignete sich in Hart bei Gloggnitz in dem dortigen K oh 1 c « b e t $ to e'x 1 aus bisher unaufgeklärter Ursache ein furchtbares Grubenunglück. Nach den bis abends vorliegenden Meldungen find bereits 12 Todesopfer zu beklagen. 26 Bergleute sollen in den Gruben noch lebeneingeschlosien fern, fürderen Leben man schwer fürchtet. Die Bergungsarbeiten wurden unverzüglich ausgenommen. Nach den weiteren Meldungen entstand das Unglück durch überaus große GasausströmuW aus einer Verdämmung. Die Zahl der verunglückten. Arbeiter sticht noch nicht fest, dürfte aber etwa 30 betragen. Für die in der Grube eingeschlossenen Arbeiter besteht wenig Hoffnung aus Rettung. Die Rettungsarbeiten wurden zunächst durch die eigenen Arbeiter vorgenommen, welche die größte Opferwilligkeit an den Tag legen. Später langte auch eine RettungKexpedition vom Grünbacher Steinkohlenbergwerk ein. Gegenwärtig wird daran gearbeitet, die Eindämmung, die,/wie man vermutet, durch gebrochen ist, wieder in Stand zu setzen. Landeshauptmann Dr. Brr res ch hat sich an die Unglucksstelle begeben. PaEtwf der Unglücksstätte. ' - - - Bon -unserem Berichterstatter erhalten chrr telephonisch folgende Mitteilungen: Vor einiger Zeit toä* int Kohlenbergwerk in Haxt ein B ran d ausgebrochen, der damals a b g e m a u e r t wurde. Heute, als sich eine Schicht der Bergarbeiter, welche von 6 Uhr früh bis 2 Uhr mittags in den Stollen arbeitet, im Bergwerk, befand, bemerkte man, daß Rauchw o.l k e n aufstiegen. Man befürchtete sofort eine Gefahr für die Arbeiter, doch es war zu spät. Das durch den erwähnten Adand mit der Zeit entwickelte Rauchgas war auf bisher unerklärliche Weise durch die Stollen, in denen sich 70 Arbeiter befanden, durchgebrochen und strömte hinein. Bisher konnten 11 Tote und 16 Lebende geborgen werden; die letzteren sind teil's schwer, teils leicht verletzt. Die Geretteten beteiligten sich trotz ihrer Verletzungen sofort an den Rettungsarbeitendie sich sehr schwierig gestalten, da nur die Arbeiter selbst mit der Situation des Bergwerkes vertraut sind und Uneingeweihte kaum helfen können. Die Toten und Schwerverwundeten konnten durch die entstandene P a u i k noch n ichtagnosziert werden. Aus der Unfallstelle spielen sich Verzweiflmrgsszenen ab, da sämtliche Arbeiter der Ortsbevölkerung angehören. Durch den bisherigen Fortschritt der Bergungsarbeiten darf man annchmen, daß noch etwa 10 bis 15 A r b e i t e r g e r e t t e -t werden können. In später Nachtstunde erfahren wir: Einstweilen ist die Bergung der Toten eingestellt worden, da der Schacht vorerst e ntl üfte t Wecken muß, was fünf bis sechs. Stunden sn Anspruch nehmen wird. Es sind noch ungefähr a cht Pe rs on en ei nges chlosse n. Die Bilanz desMvMück^ — 3Y Dyte. - Die MlMchäft im BWAD-. rbetrWMO 'Personen, dle'T'brerHHWen'?eHW^''M^'SchiW^vn'HMann. War heute früh eing^ahM. Von den 70 Eingefährenen konnten sich 40 r e ch t z e i t i g vor der Explosion retten, 30 a n d e r e s i n d t o t, 11 Personen wurden bereits aus dem Schacht gebrächt, 11 Personen liegen schon im Bergwerk drinnen vor der Förderschale zum Abtransport bereit. Die anderen 8, welche sicher auch-tot sind und nicht mehr gerettet werden können, sind jetzt noch nicht geborgen. Um den Wert der deutschen Schulden. Erklärungen HerriotS. Paris,. 26. Juni. (Havas.) In der Kammer und im 4^rnat gab Herriot -über das Ergebnis von Chequers eine Erklärung ab, in der die Zuversicht auf d'ie Annahme des Sachverständigenplanes auSgefrpochen wird. Er erklärte, die verbündet en werden durchsetzen inüffen, daß die Schuldsorderung an Deutschland kaufmännischen Wert habe. Es sei niemals die Rede davon gewesen, Frankreich und Belgien die Freiheit bezüglich der militärischen Besetzung des Ziuhroeb'eteS zu nehmen. Mac Donald habe beteuert, daß, falls Ideurschland den Dawes-Plan vereiteln sollte, England e>!5 Hüterin des Vertrages sich feierlich verpflichten würde, an jar Seite der Alliierten zu stehen.' Wir werden, sagte Herriot, im Falle deutscher Verfehlungen ein entsprechendes Verfahren zu prüfen haben. Die Konferenz in Chequers berührte auch die Garanten für Frankreich gegen einen deutfchen Angriff. Die Frage der Sicherheit soll einem militärischen Sachverständigenkomitee unterbreitet werden, damit Europa in Friede n .leben kann iiub Deutschland vollkommen entwaffnet werde. England wünscht, daß Deutschland sich durch Vertrage binde. Ich habe alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, damit diese Verträge ulcht den Versailler Friedensvertrag ändern. Der Ministerpräsident beendet seine Erklärung mit den Worten: Wir haben erklärt, daß an dem Tage, an dem Deutschland die Bestimmuugen des Friedensvertrageö erfüllt haben wird, es nur von Deutschland abhängt, in den Völkerbund einzutreten. Wir sind darüber einig zu sagen, daß Deutschland nicht belästigt werden wird, solange es sich loyal verhält. Ein Deutschland, das nicht loyal ist, wird nichtig eschont werden. Vertrauensvotum für Herriot. Im Senat brachte Senator Meledia folgende Tagesord« 'u'na ein: Nach Anhörung der EMärungen deS Mnisterpästdenr >,! sprich: der Senat unter Billigung der kundlgegebenen Msicht, mit aller Energie an die Wiederherstellung der Vollen Herrschaft des Gesetzes, an die notwendigen Säuberungsaktionen und an die Befriedung des Landes zu schreiten, sein Vertrauen zum Vorgehen der Regierung aus und geht zur Tagesordnung über. Bei der Abstimmung wurde der erste Teil bis zu den Worten „Befriedung de8 Landes" mit 249 gegen i Stimmen angenommen. Der zweite Teil, worin der Regierung das Vertrauen ausgesprochen, wird, wurde mit 326 gegen 21 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen angenommen. Der Eintritt Deutschlands in den Völker« Hund.. Berlin, 26. Juni. Die sozialdemokratische ReichstagSfraktion hat heute soHende Interpellation eingebracht: Ist die Regierung bereit, den Antrag auf Aufnahme Deutschlands in den V ö l k e r b u n d noch vor dem 1. September 1924 zu stellen? Die Rückkehr der Ausgewiesenen ins Ruhrgebret. Koblenz, 26. Juni. (Havas.) Heber Vorschlag des französischen Oberkommissärs hat die Rheinlandkommission 30.000 Personen die Rückkehr in die besetzten Gebiete bewilligt. Infolge dieser Maßnahme und der bereits früher ergriffenen Maßnahmen sind, insgesamt 60.000 Personen begnadigt worden. Neuerliche Begnadigungen Ausgewiesener, werden binnen kurzem stattfinden. Aehuliche Maßnahmen sind bezüglich der belgischen Zone auf Vorschlag des belgischen Oberlommissärs getroffen worden. Die Deutschnationalen verschleppen die deutsche Antwort. .(Eiigendi-enft der „Wiener Morgenzeitun-g^.) Berlin, 26. Juni. Die Reichsregierung hotte anfangs die Absicht, heute nachmittags zu einer Kabinettssitzung zusammeuzutreten, mm den Inhalt und Wortlaut' zur Note an die Botschafterkonferenz, betreffend die Militär.kontrolle, endgültig sestzusetzen. Diese Absicht ist jedoch durch eine Aktion',, der deutschnationalen Vo I kspart ei v rreitelt worden. Neue Methoden. —y. SB i e«, 27. Juni. Für den 3. Juli sind die Ministerpräsidenten aller deutschen Länder nach Berlin berufen, um die letzten Entscheidungen Wer das Sachverständigengutachten zu treffen. Die Beschlüsse, die bei dieser Gelegenheit gefaßt werden sollen, sind maßgebend dafür, ob die sich' anbahnende Beruhigung der Verhältnisse in Europa ungestört bleibt und ob es den Bemühungen Frankreichs und Englands gelingen wirdeinen Erfolg der Londoner Konferenz zu sichern. Die Beratung der deutschen. Staatsmänner ist von der Frage der Militärkontrolle bereits entlastet, da diese schon mit Ende dieses Monats entschieden sein muß. Damit ist aus der Tagesordnung ein sehr beunruhigendes Prvpagandamittel der Demagogie entfernt worden und die Expertengutachten können sachlich dmchberaten werden. Freilich ist auch gegen sie eine heftige Agitation der Nationalen im Gange. Aber die Stimmung der breiten Massen der Bevölkerung erkennt in diesen Gutachten den Weg, der aus der Sackgasse der Reparationen hinausfilhrt. Die Alliierten sind. Deutschland ein gutes Stück entgegengekonmren. Sie haben die Prüfung der Rüstungen nicht in einer diplomatisch. kalt stilisierten Note verlangt, sondern in einem warmherzigen persönlichen Appell an den ReichSkanzler, den sie auf die Gefahr einer Weigerung Hinweisen und, was der chauvinistischen Agitation beson-. ders unangenehm ist, die werteren Schritte dem WMrbund Vorbehalten. Es find neue Methoden nt die intzxriationalek nicht mehr der Revolver gezeigt. Es wird wirAich ver>? handelt und die Gleichwertigkeit der KvmpLttiszenLen wird ängsMch gewahrt. Mer auch die Verbündeten , stehen ganz anders zueinander. Die Mrrister, die in Chequers miteinander sprachen, stehen auf der gleichen Basis, denken in den gleichen Bahnen der internationalen Solidarität, deren Bekenntnis ihnen ein Teil ihres Wesens ist. Beide haben die zerstörenden Wirkungen der Phrase gesehen und beide überschauen das Unheil, das die Gewalt anrichtet. Herriot hat selbst in der Kammer hervorgehoben, daß die Ruhrokkupation Frankreich keine finanziellen Vorteile, dagegen aber einen Sack neuer Komplikationen gebracht hat. Die Polizeiaktion, von der Poineare sich und seinen Landesgenossen so viel versprochen hat, ist ins Leere gegangen,, hat ungeheuerliche Ausgaben verschlungen und die Er* ■ regung in dem betroffenen Land ins Maßlose gesteigert. Men Warnungen und Einwendungen Englands zum Trotze hat Poineare starrsinnig an seinem Entschidrfse festgehalten und erst die Wahlen konnten Frankreich eine Befreiung aus der schon fast lächerlichen, für Deutschland aber unendlich demütigenden Lage bringen. Herriot hat die Räumung des Gebietes in Aussicht gestellt, mußte sie aber als Kompensationsmittel behandeln und an die ErMung der ersten, von den Experten vorgeschlagenen Maßnahmen Deutschlands knüpfen. Dies setzt wieder voraus, daß das deutsche Reichskabinett der naüonalrstifchen Gegenarbeit die Stirn bietet und den Reichstag zu einer offenen Stellungnahme veranlaßt. . Daß sie hierbei der Mehrheit der Wählerschaft gewiß ist, bestätigt der gestern Publizierte Aufruf der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, der die Vornahme einer Volksabstimmung über die. Berichte der Sachverständigen vorschlägt. Zweifellos haben die politischen Wandlungen in der Entente auch in Deutschland eine starke Wirkung geübt, wozu vielleicht weniger die elegante Form des in Ehequers beschlossenen Briefes, als die in den Besprechungen zutage getretene Sanktionsbereitschaft das ihrige getan hat. Das ist ein Argument, auf das die militaristischen Kreise rascher reagieren, das sie besser verstehen. Die Mehrheit des deutschen Volkes ist im klaren darüber, daß ein Rachekrieg ein Wahnsinnsabenteuer wäre und auch die Ludendorffschen Patentlöser sind sachverständig genug. Ihre Wa,ftnspiele sind auch gar nicht gegen Frankreich gerichtet, ' sie gelten nur den uHöewasfneten Juden uW „Marxisten". Der heilige Krieg um den Rhein ist nur ein-.beifällig beklatschtes Demonstrationsanittel für die Seancen des alldeutickien Okkultismus, bei denen Jicfi