Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1926 (26.6.1924)
- Date
- 1924-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981009--19464-3006613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oslo 1× ep/1045381
OCR text
ElnzelsummerKttOO Wien: Zum Abholen in der Expedition, Ü^T aborstr. 1-3, oder in einer Verachleiaatelle monati. K itrass’enverkaaf in 35.000 Wien durch die Kolporteure der Firma Go!dschmiedt,I.Bez, Wollzeileil. ' 1 Mit Poatversand für Wien n.. Oesterr. monati. K 85.000 Ts ch e ch o-Slo.wa.lc e.i: . Mon. K18.; Jugoslawien; Mon. Pinar60.Po 1 en: Mon. 3V* Zloty, D eutschland: Mon; Goldmark 4, 'Fr an k r., Belgien: .Mon.- Fres. 12 Na efav »hl u n ge n b«j Prei*erhchnnj*a Vorbehalte» SICHERN SIE SICH , DIE - WERDEN SIE . JAHRES/ |k ABONNE NTj PRÄMIE Pol8n:poInJft.J50.00# Italien: Monati. 12 Lire. Rn man i e n Mon. lSOLet. Bulgarien-Mon.flOLewa. Schweiz and das Sbrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasael—>3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ah 6Uhrabds.21-102,25-282 IX. Uni versltätsstf. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 »r. 1928 Wien. Sonnerstllg, 26. Juni 1924 6. Jahrsaug Marx nimmt die Forderung an. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 25. Juni. Das Reichskabiriett ist heute Ehrend der Beratungen des Reichstagsplenums -u einer Sitzung -zusammengetreten. Das Kabinett beschäftigte sich ausschließlich mit der Frage der Beantwortung der MilttSrkontrölle-Note, und zwar' in Form, einer Generaldebatte aus Grund des Ergebnisses der von den einzelnen beteiligten Ressorts zum Mschlusse gebrachten Vorarbeiten. Ein Beschluß «wurde heute noch nicht gefaßt. Die entscheidende Kabinettssitzung dürste /bereits im' Laufe des morgigen Tages stattfinden. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Reichsregiemng rm Prinzips der Forderung der Alliierten Nachkommen wird. In unterrichteten Kreisen pertritt man die Auffassung, daß die gestrige Note Mae Donalds und. Herr io ts gewisse Bedenken, die hinsichtlich der weiteren Behandlung der Kontrollfrage durch Frankreich-und England bestanden haben, beseitigt. Man hebt hervor, -aß jetzt durch die.Pote endgültig .klargestellt .ist, -daß'die vorgeschlagene S.chl.ußrevisio.n tatsächlich von der Gegenseite als Abschluß der Kontrolle, MM^pie/KoMnDonenMedacht ist und daß die Kontrollfrage nach .der SchlUßrKiion inHinkunst M einer Angelegenheit des Bölkerbmches gemacht werden solle. Für S a m S t a g hat dirr. Reichskanzler 'die M i n isterpräfidenten der Lä'nder zu einer Besprechung etngeladen. Bei' dieser Zusammenkunft wird vom Ministerpräsidenten, die Antwort der deutschen Regierung auf die Militärkontrolle-Note vorgelegt werden, die dann sofort, also innerhalb deS von den Alliierten'geforderten Termins, nach Paris übermittelt werden wird. Die „Zeit", das Organ des Außenministers Doktor Streferuann, erzählt über die Form der gestrigen Ueberreichung der Kontrollnote folgendes: Die Ueberveichung selbst trug die Form einer ausgesprochenen Demarche. Der englische Botschafter und der französische Botschaftsrat waren gemeinschaftlich erschienen. Sie haben die Note in Gegenwart des Reichskanzlers und des Ministerialdirektors vorgelesen und so zur Kenntnis der Reichsregierung gebracht. Diese Form dev Uebermittlung unterstreicht die Bedeutung des Schrittes. Reichskanzler Marx fährt «ach Pari«? Parts, 26. Juni. In politischen Kreisen -e-rhält sich das Gerücht, daß der deutsche Reichskanzler Dr. Marx am 6. Juli hier eintreffen werde. Er will die Besprechungen deS Botschafters H o e s ch mit H e r r i o t «persönlich' fortführen und insbesondere in der Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund zu einer Einigung gelangen. Die Micnmverträge. Berlin, 25. Juni. Die Vertreter des Ruhrbergbaues sind auf den 27. Juni nach Düsseldorf zu neuen Verhandlungen über die Verlängerung der Mieumverträge eingeladen worden. Die Verträge wurden bekanntlich am 15. Juni bis zum Ablauf dieses Monates verlängert. Herriot und Mm Donald an Mark. Gegen die national-militaristischen Organisationen. (EigeUdienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 25. Juni. Gestern nachmittags überreichte der englische Botschafter und der französische GeschäftStr^er m Berlin dem Außenminister -Dr. Streftmann die emgekÜndigte Note ihrer Regiewngen in der Frage der MMtärk-ontrolle. Die Note ist aus Ehequers vom 22. Juni datiert, richtet sich an den ReichslanAer «persönlich und besagt im Wort-, laut: Wir haben nicht ohne größte BesovgMs erfahren, daß die deutsche Regierung vielleicht die Absicht haben könnte, auf die kürzlich wegen der M i l i t ä r k o n t r o l I e in Deutschland an ihren Botschafter in Paris gerichtete -Note keine zustimm ende Antwort zu geben. Gleichzeitig erhalten wir die beunruhigende»! Berichte über unausgesetzte und zunehmende Aktivitat det - nationalistischen und Militaristischen Organ is a t i o n e n, die mehr oder weniger offen . militLrische BorLereitmt-en treffen, um in Europa neue «bewaffnete Konflikte hervor», zurufen. f - •?'> Diese Berichte sind zu zahlreich und zu Substanz i e r t, als daß man sie vernachlässigen konnte. - Die führen dazu, die öffentliche Meinung U einer Besorgnis zu bestärken, die unvermeidlich die HÄltung der beiden Regierungen beinfluffen muß.? Wir sind sicher, daß die deutsche Regierung, falls diese Bericht« unbegründet sind, nicht nur ihre eigenen Interessen «wahren, sondern auch ganzE nropa einen großen MeH erweisen wird, wenn sie an einer Untersuchung mitwirkt, die so durchgeführt wird, daß sie die Besorgnisse vor geheimen militärischen Borber ei tun gen zerstreut. Wir können der deutschen Regierung nicht verbergen und wir Hallen es für gut, sie davon zu verständigen, daß' jeder neue Verstoß gegen die loyale und «genaue Durchführung der Verachtungen aus Teil 5 des Vertragevon Versailles die internationale Lage gerade rn dem Augenblick schwer belasten «würde, in dem die Aussicht auf schnelle Inkraftsetzung de's Dawes-BerichteSin allen beteiligten 'Ländern die Hoffnung «ruf eine endgültige Regelung der Reparattonsftage, die einer allgemeinen und wirklichen Befriedigung die Wege ebnen soll, aufkeimen läßt. Wir bitten daher die deutsche Regierung, diese Befriedigung zu erleichtern und zu diesem Zwecke zunächst mit Nachdruck und gutem Willen an der Verwirklichung der rechtmäßigen Forderungen der Militarkontrollkommission mitzuarbeiten. Es läge im eigensten Interesse der deutschen Regierung, wenn die genaue Lage in bezrtg auf die Entwaffnung in Uebereinftimwung mitden!Bestimmungen des Vertrages festgestellt würde. Wenn, sie die Alliierten von der Aufrichtigkeit ihrer Haltung überzeugen will, «muß sie von der Möglichkeit Gebrauch machen, einen Beweis «hierfür zu Die Angst vor der Berant- , ■—y. W i c n. 26. Juni. , Me - Parteien, des Nationalrates, die die Mehrheit ftir die aus ihrer Mtte gebildete Regierung zu^ stellen haben, befinden. sich augenblicklich in einer sehr heiklen. Situation. In Gens ist Oesterreich mit seinen Anträgen durchgesallen, es hat sogar'ein«! ausdrückliches Mißtrauensvotum : erhalten. .Der Völkerbund. nimmt eine genaue Prüfung der Staatswirtschaft vor, will alsodie Ziffern kontrollieren, die, die. Regierung.fiir ihr Normalbudget. nenyt. ,Da^ ist, wenn man.ii genau besieht, eine Untersuchung über die SteUerkrast der Bevölkerung. In jedem Parlament, ist die 'VÄgetdobMe',der Anlaß, alles unter die Lupe, zu'nehmen, was das staatliche und gesellschaftliche Le«be'n' ausm-ächt undso wird auch, die Debatte, die Ltzi^wser'BudgeteMertffe.^gMhrt werden wird, den Ansaß bringen, alle Elementefut die finanzielle und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Oesterreichs aus ihre Elastizität zu untersuchen. Es sind dies materielle, aber auch politische und geistige Elemente und es wäre grundfalsch, die Sache rein vom.KWaM^nftHUr^nohimen. Geld ist nur ein Ausdrück.für Arbeitund.ÄMitsweÄ; wer einen Staat beurteilen . Ysill, mußsi'eine Bilanz darauf aUsehen, ob sie dieTendenzder BestäMAeitchesitzt, ob Einnahmen, und Ausgaben/so gestelltsind,.daß.sie einensicheren Schluß auf die ZuWftMlqWr.^'^ « . / j*;,, denen, die Mehrheit und wohl auch, die Minderheit der österreichischen i Volksvertretung /mit - Recht behcmpten, - daß sie' ihnen nicht gefallen. EsHandelt sich zunächst darum,, daß der Völkerbund den Münsten der.Staatsmathematiker nicht recht traut und an Ort und Stelle erheben will, wie Oesterreichs . Unanzminister seine Ausgaben von 618 Millionen GoMronm, die er gegenwärtig braucht, auf 520 Mllionen Goldkronen.herabdrücken will, wobei noch die Kosten der dritten Etappe der Besaldungsreform gar. nicht bekannt sind, also seine Rechnung ziemlich stark belasten. Die wirtschaMchen Verhältnisse find nicht danach angetan, zu irgend einem Optimismus zu berechtigen. Das noch im Vorfahr anscheinend so kräftige Gefüge der Bankenkonstruktion wackelt, Industrie und Handel sind durch rücksichtslose Kreditentziehungnn arge ^Bedrängnis, geraten. Die Arbeitslösenzrffrr erhält schon aus diesem Titel eine' gewaltige Steigerung, wobei der Umstand ins Gewicht fällt, daß sich die Reservearmee des politischen und sozialen Radikalismus um ein Paar 'Tausend Intellektueller vermehrt, die ihre noch so junge Verbitterung mit vollster Wucht in die Massen werfen.-Die Steuerkraft der Bevölkerung zeigt demnach, keineswegs die Entwicklung nach oben und da Steuern und politische Stimmung als kommunizierende Röhren miteinander in engster VeOindung stehen, kann man sich ungefähr eine Vorstellung davon machen, wie die Vechältnisse sich nach.diesem Sommer unseres Mßvergnügens gestalten werden. Will der Völkerbund seine Expertise gründlich führen, so muß er untersuchen,, inwieweit dieser Zustand eine Folge, der europäischen Krise ist und inwieweit er von unseren österreichischen Parteien herbeigeführt worden ist. Es wird sich ergeben, daß. eine im Grund recht gesunde Wirtschaft von der'Unfähigkeit der Parteibonzen ruiniert wird, daß aller. Fleiß der Werktätigen, von. der Unzulänglichkeit der Politik vertan und verschleudert wird.. In diese Schuld teilen sich die ChrMchsozialen, die kleinbürgerliche Partei. mit den großkapitalWschen Allüren, und die Sozialdemokraten,, die schadenfroh aus ihrem Austragsstüberl heraus die KaLaftroPhenpolitik ihrer Antipoden im Staat belachen, selbst aber' im Wiener Rathaus sich mit Thesaurierung befassen, deren Sinn und Zweck kein einheimischer, geschweige denn ein ausländischer Zuschauer begreifen kann. Was, die Parteien tun und treiben, ist nur von dem' Gedanken getragen, eine Verantwortung, unter allen Unfftänden zu meiden. Jede sucht immer nur: irgend einen Faktor, aus den' sie ein Mißlingen abschieben kann, irgend 'eine Stelle, die ihr die Arbeit und die Pflicht der Energieaustvendung' erspart. Dieses System hat alle politische Arbeitsfreudigkeit und Jniüätive/gelähmt und den Zustand der Kontrolle durch die ''Kreditstaaten herbeigeführt. Gegenwärtig wird in der Parteienpresse ein sehr heftiger Krieg gegen den Generolkommissär geführt. Aber das hat kaum einen ernsten- Grund. Was täten denn Christlichsoziale und Sozialdemokraten, wenn - es «den Doktor Zimmerman nicht gäbe? Sie wären 'in derschwersten Verlegenheit und müßten neue antr^emiüsche Strophen für ihre Parteilieder ersinnen. Das' Publikum ist nicht so schlecht auf. den Völkerbund zu sprechen, da es weiß,'daß er eine dem Gemechtel der Kuloirmandarinen entzogene Stelle ist. Man weiß auch, daß Oesterreich keine neuerliche Expertise zu scheuen hat rntb daß es sich nur freuen wurde, wenn es in ihrem Gefolge möglich wäre, die.'Kontrolle auf das gesamte öffentliche Leben des Bergländerbundes auszudchnen. englische Stoffe, Herren* und Damenwäsche,. Leinen, Teppiche, Vorhänge etc 0F" billigst im II. TaborstraBe 48 I Telephon 47-1-79 i' ln; gros Endnta II