Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-06-25 · Heft 1925 (25.6.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1925 (25.6.1924)
Date
1924-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981008--19451-3006599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Elnzslnnmm er K1200 Wien: Zum Abholan in der Expedition, ILTaborstr.1-3, oder in einer Verschlfiaatelle (Trafik) monatl. Kr 35.000 Strassenyerkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied!:, I. Bez, Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 85.000 Tschech o-Slowakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mob. 31/, Zloty, Deutschland; Mon. Goldmark 4, F ran k r., Belgien: Mon. Frcs. 12 Naehsahlaa fea 'HW M PralferhShuDreo ^orbabaltm1 teuer SICHERN SIE SICH ÄBÖNNEOT i G R AETZ | PRÄMIE Polsnip olo.K.350.000 Italien: Monatl. 12 Uro. Rumänien Men. 150 Lei. Bulgarien Mon.80 Lewa.: S e h weis und das übrige Ausland monatlich Fr es. 4 Redaktion u, Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 21-102,25-282 lX.Universitätsstr.6—8 (Druckerei Stelnmann) Oe st erreich lach es Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 Nr. 1925 Wik«. Mittwoch. 25. gttttt 1924 Zohrgang zwischen Versailles md , Mönche». 1 —y. W i ett, 25. Sttti. -r . Nach verschiedenen Mitteilungen, die Mac Donald im englischen Unterhaus machte, soll um den I6.r-Iuli in London eine internationale Konferenz zusammenireten, welche sich wieder mit dem Reparationsproblem befassen soll. Diesmal freilich unter wesentlich geänderten Voraussetzungen. Das auf die Pfandmethoden sestoelegte Kabinett Poincare ist gestürzt worden und neben Mac Donald erscheint Herriot mit einem Programm der Versöhnlichkeit, das nicht aus einer momentanen politischen Stimmung fließt, sondern aus der Wahlurne kommt. Es ist vor allem eine veränderte Tonart zu konstatieren.' Frankreich hatte sich bisher der Kommandosprache bedient und so den Ton festgchalten, in welchem der Vertrag von Versailles zustandegekominen war. Poincare hatte dies tun können, nachdem er sich das Idealbild eines geschlossen nationalistischen Deutschland, konstruiert hatte. Er verwechselte absichtlich die von ihm' selbst hilfreich soutenierten chauvinistischen Parteien, die ihre Stichwort« von seinen Agenten erhielten, mit der gesamten deutschen OeffeMchkeit; allerdings tat' er das mit einem gewissen Recht, denn der Lärm der Vaterländler ließ zu keiner Zeit die Stimme der Demokratie' aufiommen. Herriot. versucht einen anderen Weg. Cr wendet sich an die' Demokraten und Republikayer an dem . FriedehÄverkan. Darin, liegt' eine ffchr:.starke Zusage sürHie kommenden Verhandlungen, die noch durch tatsächliche Akte des Entgegentömiüens im besetzten' Gebiet s unterstrichen wird. - Die Progvammrode Herriots . hat in Deutschland nicht die erhoffte gute Wirkung gezeitigt. Die Demagogie stürzte sich, guter Vorsätze voll, aus die Erklärungen, die die Pfandpolitik akzeptierten, und wiesen freudig darauf hin: „Seht her, dasiist der neue Kurs!"/Nun erkläre einer,: wie Herriot angesichts einer so erstarkten Revanchepartei anders hätte sprechen können, wenn er sich nicht zu Hause den Vorwurf leichtsinnigen Gehabens hätte zuziehen wollen. Das Ruhrpfand; liegt nun einmal fest in der Hand Frankreichs 'und es war doch gerade das Charakteristische an der Politik/ Rathenaus, des letzten deutschen Staatsmannes von europäischem Zuschnitt, daß er den immer wieder angedrohten Einmarsch eben so oft zu verhindern trachtete. Sitzen die französischen Truppen einmal in den deutschen Quartieren, dann sind, sie nur unter den schwersten Bedingungen herauszubekommen. Das war natürlich jüdisches Friedensgewinsel. Mer es ist doch so weit gekommen und die Geldfrage derRePärationen ist noch durch die heikle Materie des militaristischen Prestiges belastet. Mit diesen Imponderabilien der Voltsmeinung muß jeder franzö fische Ministerpräsident rechnen, wenngleich die Ruhrokkupation Frankreich wenig Freude gebracht hat. Es ist schon sehr viel, wenn ein verantworNcher Ministerpräsident vor der Kammer die Räumung des Gebietes in Aussicht stellt und dafür von Deutschland nur die Ausführung der ersten Maßregeln des Sachvevständigenberichtes verlangt. Um diese Angelegenheit drehten sich die eben beendeten Londoner Besprechungen, die zu der viel bemerkten . Abschließung eines inoralischen Paktes der Solidarität in - der Entente, gediehen. Diese . Wendung in dem amtlich publizierten Bericht will'nichts anderes besagen, als daß Deutschland aus keiner Verpflichtung des Vertrages entlassen'werden kann, insolange dieser Vertrag zu Recht besteht..Die enMchemnd-franKöfische Politik zählt eine Menge von Sachverständigen,' ' die von der Undurchführbarkeit des Gewaltdiktats überzeugt find und dafür tausend und einen Grund anführen. Am meisten spricht aber für diese Ansicht, daß wä>er Frankreich noch Deutschland jemals ernstlich . au den Pakt glaubten und ihre ganze PolM darauf , einrichteten, ihn zu einem politischen Propagandrmittsl auszugestalten. Die Systeme, die heute in England und in Frankreich am Ruder stehen, sind von der. Heiligkeit dieses Friedens nicht mehr so felsenfest überzeugt, und sie werden — das ist ihre ganze Einstellung — auch zur Revision gelangen. Einstweilen aber ist der Vertrag da und man Hntt dessen sicher sein, die fvanzöfrsche Zusammenbruch der Depositenbank. Ansuche« der Bank «m Geschöftsaufsicht. - Die Großbanken ziehe« sich zurück. - Zllianiditilt und allznftarke Anspannung der BeMgnngrfelder als Ursache» der Zusammenbruches. - Wahrscheinliche Liquidierung der Bank. Der Borstand der AllgerneiHen Depositenbank hat in seiner gestrigen Sitzung den Beschluß gefaßt, den Antrag aus Eröffnung der Geschäfts aufsich t zu Men. # Vor eineinhalb Monaten hat sich die Depositenbank an die Großbanken um Jnte.rvention gewendet, weil sie infolge des Runs der Einleger zur Schließung der Schalter gezwungen fein würde. Die Großbanken, es waren dies die Boden- 'reditanstalt, die Kreditanstalt für Handel und G e we r b e, der W itu er Bankverein, die Niederösterreichische Eskomptebänk und die UnioNbank, erklärten sich zur Intervention bereit. In einem Communique wurde bekannt gegeben, -aß nunmehr diese G r o ß b a n k e n das Giro für die Depositenbank übernehmen. Der frühere Verwaltungsrat demissionierte, an seine Stelle wurde der frühere Vizepräsident der Union b a n k, Hofrat B a r t a, zum Präsidenten der Bank und ein D i r'e'kt'o r iwm aus den Bertrauensmänirern der einzeinen Banken gebildet. EsWte nun'den Anschein, als ob nunmehr die FörtexistenzHer Pank geisichert' sei.- Bald aber stellten sich MißheIIigkeiten zwischen.dem früheren Berwaltungsrat und dem BänkeükonsMmm ein, - da die früheren Großaktionäre, welche ihre Aktienpakete abgegeben hatnn. nunme-hr erklärten, daß ein U e b e r na h m s k u r s von 17.006 Kronen pro Aktie viel zu niedrig sei und auch die anderen Besümmungen des Uebernahm'svertrages übereilt getroffen worden wären. Mittlerweile war an der Börse, der Kurs der Aktie, welcher bei Uebernahme der Intervention der Banken noch 34.000 K. notierte, auf 14.000 K. herabge funken und in den letzten Tagen fand die Depositenbaukäktie überhaupt keine Abnehmer mehr. Es wurden 160.000 Aktien dem Markte zur Verfügung gestellt, ohne daß sich Abnehmer dafür gesunden hätten. Infolgedessen wurde auch in den letzten vier Börsentagen kein Kurs notiert. Es scheint, daß gewisse Kreise von den großen Differenzen, welche inzwischen im Schoße der Depositenbank ausgebrochen waren, und von dem devovstchenden Beschlüsse der Banken, sich - von der Depositenbank zuvückzuziehen, Kenntnis bekommen haben. Eine der H a u p t u r s ach e n, weswegen das Bankkonsortmm sich von der weiteren Aktion für die Depojsitenbank zurückgezogen hat, liegt darin, daß die Geldanfovderungen der Bank für ihre weitere Fortführung immer mehr anwuchsen und die Großbanken einfach diese gewaltigen Geldansp rüche bei der tristen Lage der Depositenbank nicht bewilligen konnten, wenn. sie. nicht Gefahr laufen wollten, die Mobilität ihrer eigenen Institute ernstlich zu gefährden. Es sind bisher von den Banken etwa 380 Milliarden der Depositenbank zur Verfügung gestellt worden. Heute sollten weitere 25 Milliarden von Ms>Ws»MssssssnWsmsns»»SUS»s»Wsn»»WWsssWnsWssns»sWW»ssnnlSWN Demokratie, die geradlinig dorgeht, sich nicht von ihrer Ansicht wird abdrängen lassen. Die Rechtsparteien, die heute Deutschland und die ganze Welt, terrorisieren, finden, daß der Kurs in Frankreich nicht-mit genügender Energie nach links geht. Sie sind'demokratisch, sozial, fteisinnig, aber nur für die alleren, nicht für Deutschland. Sie zeigen immer mit höhnischem Finger^ aus die gallischen Bajonette. Daheim aber legen sie Waffendepots an, schulen Kinder und Studenten auf : ben Uebungsplätzen der Reichswehr und predigen den! Kult der gepanzerten Faust. Sie erheben jetzt eben; wieder ein großes Geschrei, weil der MÄitävkontrollor Rollet Kriegsminister geworden ist. Das ist das böse Gewissen. Man fürchtet ihn in diesem Deutschland und hat wohl auch Grund dazu. 'Es besteht trotzdem kein Zweifel, daß der deutsche, RMzstag ■' die .Expertenberichte annehyzen' tziM Ms' - Ungewisses Schicksal der Angestellten. den Großbanken stüssig gemacht werden. Dies war der Stein des Anstoßes, der in letzter Reihe dazu führte, daß sich die Banken zuvückzogen. Es verlautet, 'daß zwei Mitglieder des Konsortiums in erster Reihe sich ge gen weitere Zuschüsse gesträubt hätten. Die Mitglieder der Verwaltung, welche vom früheren Berwaltungsrat noch übrig geblieben waren, der frühere Präsident Ritzer und Muntend orf versuchten eventuell im Ausland« ein Uebernahmskonsor« timn für die Bank zu interessieren, doch war es in der Kürze der Zeit -nicht möglich, ein solches Ausla ndska n s ortium zusammenzustellen. Dabei beurteilte das Bankenkonsortium die finanzielle Situation der Bank immer pessimistischer. Bei näherer Durchsicht der Bücher stellte sich heraus, daß die Verluste der Depositenbank stark unterschätzt.'worden waren. Zwei Prozesse waren besonders verlu st bringend. Einmal der Pro» zetz wegen der Spiritus A. G. und dann der -Prozeß mit der Tisita Holz A. G. Dazu waren auch-einzelne Gläubiger, welche große Kredite in Anspruch genom- - .so..der Weinh and leee T.el'ts-che.r,^nicht in der Lage, ihre,Kredite zurü^nTalhilen, daher^mußtzn dies^ K.red i t e als voMommen un e in h r ing l ich angeschey werden. Verluste aus Devisenspekulationen! trugen das ihrige zur Vergrößerungdes Defizits bei. In den letzten Jahren hatte die Depositenbank ihren Indust riekonzern allzu stark ausgedehnt. Die einzelnen Industrien beanspruchten enorme Summen, und um diese zu besviedigen, mußten alle Ressourcen in -Anspruch genommen -werden. Eine Reihe der faulen Geschäfte gcht noch bis auf den Präsidenten K r a n z zurück. Trotz alledem wäre es vielleicht nicht zu alledem gekommen, wenn nicht die Bank von den-Ereignissen überrascht wordenwäre. Die Prager Gerüchte hatten den Run verursacht. Die N a t i o n a l b a n k h.a t K-v!«- ib.it« a n die Bank ohne Unterlage gegen ihre sonstige Praxis der-, weigert, was schon damals großes Aufsehen erregte. Die Kopflosigkeit -der früheren Verwaltung, die vollkommen. überstürzt gehandelt hatte, tat das ihrige. Bei einer ruhigen Abwicklung wäre es lange nicht zu diesem furchtbaren Debakel gekommen. Noch vor nicht.ßanger Zeit, als schon das Bankenkonsortium an der Bilanz arbeitete, wurde bestimmt damit gerechnet, daß eine Dividende von 2000 Kronen p r o Aktie zur Auszahlung kommen würde. Diese Dividende ist nur deswegen nicht zur Auszahlung gekommen, weil das Bankeilkonsortium die -Absicht hatte, drn gesamten Rsingewinn -für die .Durchführung-der rationellsn Gefchästsfübrung durch Abbau Won, Beamten zu verwende^ Es muß au dieser Stelle betont werden, daß die vollkommene Immobilisierung des Finanzmarktes die Rettung dieses Institutes Verhinde.vt ihat. Die Regierung muß dies als d-entliche Warnung ansehen, wie' weit sie Risiko nach der Mlehnung wäre zu groß. Deutschland gegenüber steht die materiell wuchtige Kraft der gesamten Entente, die in diesem Falle auch noch die moralische Ueberlegenheit für sich hätte. Die Annahme, der Gutachten wäre noch nicht der Frieden. Es weiden von Deutschland Bürgschaften verlangt, .aber zum ersten Male nur wirtschaftliche, nicht militärische, und diese Garantien sollen unter den Schutz des Völkerbundes gestellt werden. Die Premiers Englands und' Frankreichs wünschen selbst den Eintritt Deutschlands in diese Körpevschaft; dies könnte der Natur der Sache nach '. nur unter der vollen Wahrung des gleichen Wertes .geschehen, ' was schon.an sich eine offenkundige Wendung gegen den' Geist won Versailles und. den von München wäre. Darum wird der 16. Juli einer der bedeutsamsten Schicksalstage in der Entwicklung des europäischen SanieruWspMesseL MMn,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.