Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1924 (24.6.1924)
- Date
- 1924-06-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981007--19438-3006585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Elnzelmunm er K12 00 Wien: Zum Attholen in deir Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder iy einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strässenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschiiiiedtfI.Bez.i ■ WoHzeile 11. Mit Postversand für Wien n, Oesterr. monatl. K 85.000 Ts checho-SIowakeh Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. P o 1 e n: Mon. 31/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mop. Frei.’12 Nachzahlungen »JW SICHERN SIE SICH PR AM IE bai Preiccrhchnngen Vorbehalten' WERDE® SIE JÄHF ABONNENT lener PoleDn>oln.HUSO.OOO 11 a 11 e.n: Monatl. 12 Lire. Rumänien Mon. 150 Lei. Bulgarien Mon. 80 Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Tabbratrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.2t-102,25-282 IX. Unlversitätsstr.6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.698 Rr. 1924 äBien. Sicnstng. 24. Sani 1924 ■/6. gahkgang Rathenaus Werk. : —y. Wien, 24. Juni. Die Besprechungen der Menden Staatsmänner Englands und Frankreichs sind wieder ausgenommen urck damit ist ein gefährliches Vakuum in der Entwicklung der kontinentalen Verhältnisse überwunden. Mehr wie je sind die konferierenden Minister Bertrauensträger der Mehrheit ihrer Volker; die Aussprachen, die nun folgen werden, entsprechen den Stimmungen der Nationen, die wieder zu seGn beginnen. Sie sehen die Gefahren der bisherigen Politik, aber auch den organischen Zusammenhang, welcher zwischen den einzelnen europäischen Völkern besteht. An politischem Sinne ist Paneüropa gegenwärtig leider noch eine Utopie; keine Utopie aber' ist heute das paneuropärsche Bewußtsein, welches darin besteht, daß kein Voll Europas seine Wohlfahrt.aus Kosten eines anderen. erlangen kann. An höherem Sinne ist dies nichts anderes als die Anwendung. des ethischen Prinzips der, allgemeinen Sittlichkeit auf die Politik. Es gibt viele Faktoren, die alle Energie..diesem.Gesundungsprozeß entgegensetzen, denn sie gedeihen.nur in dem Milieu der Fäulnis, des. Bplkevhasses und derKatastrophenpolittl. In der ersten Linie dieser Faktoren kämpfen ' die .deutschnationalen Chauvinisten. Mac Danach urch Herriot sind heute, wenn. sie. die wohlverstandenen, 'berechtigten Interessen ihrer Völker wahren, derenBextreter und gleichzeitig ' auch die Vertreter , der 'Lebensinteressen der anderen Völker.. Die Zusammensetzung' des ' ftanzösffchen Kabinetts und.sein. Programm haben., nur in Deutschland Anstoß, erregt. Die. Kritik, die von Deutschland her gegen Herriot erhoben worden ist, verlangt eine Prüfung, inwiefern hier die.deutschen Nationalisten sprechen und nicht, die deutsche Nation. Die heutige Zusammensetzung des deutschen Reichstages ist das Ergebnis eines schweren Kampfes zwischen dem Wirklichkeitssinn und - den Revanchephantasien. Zwischen diesen beiden Polen schwankt der Reichstag und dieses Moment der Unsicherheit und Ungewißheit kompliziert die Ausgabe der Friedenskabinette. Wöbet nicht die Unaufrichtigkeit der Elemente, vergessen, bleibe, die hinter der.nationalistischen Strömung stecken und Ziele verfolgen, die nicht den Wiederaufbau Europas, sondern die Wiederherstellung des WilheAnnischen Reiches und die Absonderung Deutschlandsaus dem Entwicklungsprozeß der Demokratie bezwecken. Poincare und Millerand sind von den Curro urÄ Helfferich nicht gar so weit entfernt gewesen. Sie wollten ja beide dasselbe. Sie beide negierten die Schicks,alsgemeinschast Europas nick) wären nur daraus bedacht, die einen Geld zu bekommen, die anderen es nicht zu bezahlen. Von beiden ist die Lösung des Reparationsproblems sabotiert worden, denn beide Teile empfanden, daß eine gerechte europäische Lösung dieser Frage eine Niederlage des Nationalismus bedeutet, und die Anerkennung der Solidarität aller europäischen Völker in sich schließt. Zweck der. Reparationen war die Heilung der Kriegsschäden. Dies galt aber nicht für die französischen Nationalisten, für die die Demütigung Deutschlands das Maßgebende war. Für die deutschen Nationalisten ist entscheidend, wie und in welcher ■ Intensität man' die Härte des Friedensvertrages propagandistisch für die Restauration der Monarchie ausnützen kann.. Beide Systeme arbeiteten darum' einander so. lange in die Hand, bis die Ruhraktion im Herzen Europas eine neue Wunde erzeugte. Deutschland hatte einen Staatsmann, der diese Entwicklung erkannte, und der alle Krast daran setzte, däs Reparationsproblem nicht' aus dem Berhandlungssaat herauskommen zu lassen. Walter Rathenau hat sein -großes Organisationstalent,' seine politische Klugheit und Voraussicht, die Erfahrungen als Leiter einer wichtigen Industrie in den Menst einer Politik gestellt, die den Friedensvertrag als eine Verpflichtung: ansah, die der ehrliche und loyale Mann zu erfüllen hat,- auch Muffolims {Reform {Rette Verhaftungen in Rom. Rom, 28. Auni. Mit großem Interesse sicht man dem heutigen Ministerrat entgegen, der, da Mussolini den Artillerieübungen am Braccianosee zu Ehren Ras Tafaris beiwohnt, von 2 Uhr auf .4 Uhr nachmittags verlegt worden ist. Wie verlautet, wird Minister des Innern, Federzoni, über die Maßnahmen des Innenministeriums und der Polizei in derAsfäreMatteotti berichten und Mussolini zu deren politischen Rückwirkungen Stellung nehrnem Die Blätter bezeichnen die verschiedenen Gerüchte de-, treffend Absichten Mussolinis,' das Kabinett zu rekonstruieren, für verfrüht. Auf keinen Fall werde -Mussolini dabei über den Rahmen der Mehvheitsparteien hinausgehen. Ein besonderes Augenmerk wolle er der Reorganisierung der nationalen Miliz zuwenden, deren Normalisierung er schon in semer letzten Rede in Aussicht gestellt habe. Man spreche davon, daß. an die Spitze der Miliz ein aktiver General de's Heeres, und zwar General Giardino, gestellt werden soll. . > : Morgen wird -Mussolini tot: S e n a t und übermorgen in der Versammlung der Mehrheits-Partei' sprechen. . Zur Verhaftung Rosfis w'rd bekannt, daß er sich in Begleitung seiner Base Nu e ei, verwitweten Colon na, uno -deren Sohnes Enzio dom Gerichtsgefängnis gestellt habe. Er erklärte, daß die Nachforschungen der Polizei bei seinen Freunden den Kreis um ihn -immer enger gezogen hätten, so daß er schließlich sich gezwungen gesehen habe, sich zu stellen, auch um seinen Freunden weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen. Rossi wurde sofort einem Verhör unterzogen, in demer aber -darüber, wo er während der Zwischenzeit in Rom und Umgebung gewohnt habe, aus Rücksicht auf seine Freunde schwieg. Er hatte gleichfalls ein Zimmer gegen Bezahlung bezogen. Sämtliche Personen, die bisher in der Affäre Mattest^ verhaftet und mrGerichtsgefängni's untergebracht wurden — es sind deren zehn —, dürfen wegen Pevabredungsgefahr an dem täglichen Spaziergang der Häftlinge nicht teilnehm'en. Gestern wurde der Chefredakteur d e s „N u o v o P a e s e", Carlo B a c e i, in Verwahrungs- Haft genommen, da er Aufklärung darüber geben soll, woher er den kürzlich veröffentlichten Brief Rossis erhalten habe. In seiner Villa und in seinem Bureau wurden Durch« suchungen vorg'enommen, ebenso bei einem seiner Redakteure namens Pilla. Bacci hatte sich durch Rasieren des Schnurrbartes unkenntlich gemacht. Der Privatsekretär Filipellis, Mario Gibellr, wurde gestern einvernommen. Er erklärte, daß FlliPelli sich Donnerstag und Freitag nach der Tat telephonisch mit de Bono und Finzi besprochen habe. Finzi habe die sofortigeFrei» lassung de's Garagenbesitzers versprochen. Die Affäre des Passes Filipellis, in der auch General! de Bono verdächtigt wordenwar, hat gestern.eine Aufklärung gefunden. In Bologna wu-rde nämlich' der Inhabel des Passes, ein ChMffeur namens Fiorani, eindkvß nommen, welcher aüssagte, er habe den Paß Näldi ühev lassen,. der rhu wieder F i l i p e l l i zur. Flucht ubergeW habe. - - --- - -- . Wie verlautet, sollen nunmehr Wasserflugzeuge herangezogen werden, um -den Mcosee zu überfliegen. Man hofft, daß sie den See bis zu einer gewissen Tiefe durchblicken können, um eventuell die Leiche M a t t e o t« tis zu entdecken. Der Kammerpräsident hat dem Abgeordneten Finzi mitgeteN, daß die von ihm geforderte Untersuchung durch einen Eh reu rat der Kammernicht stattsind e n k ö n n e, well sich die Oppositionsparteien geweigert haben, daran teilzunöhmen. . Jas Befinden der Bundeskanzlers. Ueber das Befinden des Bundeskanzlers Dr. S e i p e l wurde gestern um 8 Uhr abends folgendes Bulletin ausgegeben: Temperatur 36,9, Puls 11V, Respiratwn 28, weiterer RückgangdesExsudat s, Stoffwechsel- und Ernahrungsverhältnisse günstig, Allgemeinbefinden durchaus zufriedenstellend. Smutr zitrülkgetreten. \ London, 23. Juni. (Wolff.) Der bisherige Minister» Präsident Britisch-Südasrikas, S m u t s, ist zu rück ge fr e te n. Der Gouverneur beauftragte Generell /Herzog mit der Kabinettsbildung. Aenderungen im polnischen Kabinett. Warschau, 21. Juni. Der bevollmächtigte Minister Därowski ist zum Arbeitsminister ernannt worden. Derbisherige Avbeitsminister Simon ist über eigenes Ansuchen von seiner Stelle enthoben worden. - , wenn er seine Unterschrift nur unter dem Zwange der Not und des Diktates, gegeben hat. Die Schande des Versailler Vertrages hat er viel besser und schärfer gesehen als. die chauvinistischen Schreier und gerade, deshalb, well er die Härten und Unmöglichkeiten genauer erkannte, Hat er sich bemüht, rm Verhandlungswege auf ihre Beseitigung hinzuwirten. Frankreich und England, sollten den aufrichtigen und guten Willen des deutschen Volkes und der deutschen Demokratie sehen, die Schäden,- die die oberste. Heeresleitung verbrochen, hatte, zu tilgen und so den Boden zu schaffen für die notwendige Revision des Vertrages. Diese Polittk war vom demokratischen Geist getragen. Sie hatte die besten Aussichten, durch eine fortschreiterrde Milderung des Konfliktes auch den Wirklichkeitssinn im deutschen Volke zu wecken und zu stärken. , - Rathenau hatte gegen zwei Fronten/zu kämpfenf gegen den heimischen und gegen den französischen Lhauvinismus. Beiden hat er zu beweisen versucht, welche' Macht in der Versöhnungspolitik liegt. In Frankreich' fand er einen Gleichgesinnten, den Minister Loücheür, :nit dem er in den Wiesbadener Besprechungen zu dem ersten Liefcvungsübereinkommen gelangte, das an sich bereits eine Revision der finanziellen Bestimmungen des Versailler Vertrages war. Die Hetze, die schon vorher von dem antisemitischen Pack aller Völler gegen Rathenau betrieben worden war, schäumte nun über Und wurde zu einem tollen Gejohle. Rathenau wurde in einer Feme zum Tode verurteilt, und mitten in der Fortführung "seines Vevständigungswerkes traf ihn der Meuchelmord der' Hakenkreuzler. 'In. Frankreich ließen Loücheür, in England Lloyd George entmutigt die Hände sinken. Ein halbes Jahr später marschierten die ■ französischen Truppen im Ruhrgebiet ein. Rathenau war ein Mann der Pflicht gegen das Land, in dem er lebte, gegen den Frieden, den er bekannte, und gegen die Menschheit, der er sich verbunden fühlte. Er war ein Jupe.. Das erklärt;etn Wesen und seinen Tod.. .Dein Werk aber konnte nicht gemeuchelt werden. Es beginnt zu reifen. ‘ ' ''~. - englische.Stoffe, Herren- und Damenwäsche, Leinen, Teppiche, Vorhänge etc. DU", billigst im . II. Taborsfräße 48 Tolenlion 47-1-T9 Engros En detail MM"'.',