Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-06-18 · Heft 1918 (18.6.1924) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1918 (18.6.1924)
Date
1924-06-18
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981001--19373-3006514
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 8 Men, Mittwoch Wiener Morgenzeitung. 18. Juni 1924 Rr. 1918 Lrvisen- und Balutenkurse. (Mitgeteitt von der Oesterreichischen Nationalbank.) Vista Amsterdam f. i holl. Oulden A (rram} Ing. Kronen ... Belgrad 1 Dinar . . . . Berlin* I deutsche Reichsmark Brüssel 1 bet (rische Francs . Budapest 1 ungarische Kronen Bukarest 1 Lei. Hirlstlanla 1 norweg. Kronen Kopenhagen I dänische Kronor London 1 Plund Sterling . , Madrid 1 Pesetas . . , . . Mailand 1 Lire. *Tew York i Dollar. . . , . Paris 1 Francs ...... Prag 1 tschccho-slow. Kronen?oha I Lewa ...... Stockholm 1 schwtdlscheKronor Warschau**.1 nolnlsche Mark. 7flrlch l schweizerische Francs . Noten American. Noten v. 8 Dollar autw. .. . > . kleinere . . . Belgische Noten 100 Francs . . Bulgarische Noten zu 1000 Leva . . . . 100 . . . . . kleinere. , . DSnlsche Noten tOO, Kroner , . Deutsche Noten*. .. ■ « ioo , . , . . kleinere* . . . Engl« Noten von 5 Llvrest, aulw. 16. Jaul Oeld Ware Oeld Ware 266.X- 26700.- 26600.- 267«\- M.- 840.— 836.- 840.- 836. - 840.- 836.- 840. 16.83 17.10 16.80 17.10 3374. 3386.- 3384. 3396.- 0.78 0.84 0.77 0.83 3f)9.- 311.— 315.— ' -»17.- 9560.- CttjOO,— 9461.— M.«.- 11880.-. 11920.- 1198«.— 12020.- 307000.— 308000.- 307l'0— 308t M— 0430.- 9470.- 048.1.- «520— 3084.- ,n96— 7«S5— 71181.- 3857.— 3873.- 2095.— 21 r5— 510.- 514.- 18770.- 18830.- 3074. - 3080.- 70031.- 71181.- 7.062.- MS.- *83.— 7099.- 506.— 51«.- 18810.- 18890.- Pranzöslsche Noten 100 Francs . Holländische Noten 100 Dulden . italienische Noten v. 100Lire aulw. > . kleinere . . . Jugosl. Noten ungcst. zu 1000 Dinar * » » » 100 , . - . „ kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten •*.. » . kleinere** . . . Rumänische Noten zul000u.5001.el . . Kleinere . . . Russ. Noten (Roman.) zu 500 Rubel . . . 100 . „ . » . kleinere . . Schwedische Noten 100 Kronor . Schweizerische Noten 100 Franca. Spanische Noten 100 Pesetas . . Tachecho-slow. Not. v.lOOOautw. > , kleinere . Ungar. Noten (neue Em.) zu tOOOKr. > > zu 10,000 Kr, . , , kleinere 12850.'- 12600— 12550— I2flö5>— 70460.— 7C860— 70460— 70860.- 7036'.— 70760— 70360— 70760— 3335. - 3365— 3340— 3370- 486.— 504— 490— 498- 47ß!— 4M— 470— 4781- 11740.- 11820— 11840— 11920- 16.30 16.70 16.30 16.70 16l20 16^60 16!20 1&60 305200.- 30^00— 305300— 306900.- 305000.— 306600— 305KO— 306700- 3325.- 3855— 3945— 3975— 26300— 26500— 26300— 26507— 3090— 3110— 3070— 3090.- 3060— 3080— 3040— 3160.- 833— 839— 833.— 839- 823— 829— 823.— 8*9. 9440— 9520— 9340— 9420.- 1383« — 13970— 13730— 13970- 13630— 13770— 13530— 1367".- i05.- 309— 308— 312— 295— 299— 298— 3«2— 18560— 18660— 18680— I87V7— 12480— 12560— 12480— 12560- 9310— 9390— 9360— 9440— 2077— 2093— 2072— 2088- 2072— 2088— 2067— 2083— 0.73 0.79 0.74 0,80 o!68 o!74 "Ö‘.69 Ö/75 gut 1000 ** für 1 Zloty aufwärts. Wiener Börse. Tie bereits am Vortag in Geltung gewesene schwache Haltung übertrug sich im verstärkten Maße aus die gestrige Börse. Nebst den Genfer Beschlüsten übte auch der knappe Geldstrnd sowohl auf dem Budapester als auch auf dem Prager Markte ungünstige Wirkung aus und veranlaßt« die Spekulation zu Abgaben u-nd Glattstellungen. Stärker reagierten Bankenwerte, wogegen die gesteigerte Nachfrage nach Coburg- Aktien in Geltung war. Im weiteren Verlauf des Verkehrs trat zwar eine leichte Besserung ein, doch hielt dieselbe nicht an, da die zweitägige Verkehrsunterbrechung zu Abgaben führte, so daß der Schluß, mit Ausnahme von Coburg-Mtien, welche um 11.800 K. avancierten, in lustloser und schwächerer Haltung erfolgte. Oesterreichische Kredit verloren 4500 K., ungarrsche Kredit 15.500 K., Anglo-bank 6000 K., Felten 10.000 K., Salgo Kohlen 17.000 K. und ungarische Hosherr 6000 K. Im Schranken fehlte es an Orders fast gänzlich, demzufolge war das Geschäft eng begrenzt, bei vorherrschend niedrigeren Kursen. Dampfschiff büßten 40.000 K. ein, Dynamit Nobel verloren 195.000 K. Von den Petroleumwerten ermäßigten sich Galicia um 30.000 K., Fanto um 6000 K. und Floridsdorfer um 6000 K. Auch einzelne Zuckerwcrte verkehrten in retograder Richtung. Bezugsrechte: Bank Malopolski 500 K. Und ungarische Zeniral-Hypothekenbank 760 K. Der Anlagemarkt lag ruhig bei wenig veränderten Kursen. Von den Exoten notierten: Mraznica 42.000 bis 46.000 K., Tepege 34.000 bis 35.000 K., Wiener Waffen 14.000 K. ,, Sie Warenmörlte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Gold, Silber, Münzen. Feingold stellt sich im Einkauf auf 46,600.000 K., im Verkauf auf 48,500.000 K. Ferner notieren 10 K. in Gold 139.000 K., 20 K. in Gold 278.000 K., 100 K. in Gold 1,390.000 K. Die Silberpreise stellen sich wie folgt: der Einkauf auf 1,400-000 K.. der Verkauf aus 1,470.000 K. Pro Kilogramm. Goldlegierung 14 Karat pro Gramm 26.830 K-, 18 Karat 33.000 K. Silber 800 bis 1000 Teile fein 1014 K.. 900 bis 1000 Teile 1170 K. Münzen: 1 Silberkrone gleich 5700 K., 2 Kronen gleich 11.400 K., 5 Kronen gleich 29.900 K., 1 Silbergulden gleich 16.200 K.. 2 Silbergulden 30.400 K. Seide. Das ganze Interesse wird der Abwicklung der Ernte zugewendet. Immer machen sich die Haussespekulanten durch Preistreiberei auf den kaum eröfsneten ausländischen Kokonmärkkten bemerkbar. Es ist aber trotzdem eher eine schwächere Tendenz fühlbar. Der Mailänder Markt wird von zahlreichen Gerüchten zu beeinflussen gesucht, so daß erwähnenswerte Abschlüsse nicht zustande kommen können. Weiterer Abschlag in Iokahama, der die 1.6 13-15 gegen pro Juni auf 1470 Jen brachte, übte auf den Markt Einfluß aus. Prompte Seiden, speziell in groben Titern wie 15-17 bis 18-20 verteidigen sich gut. Auch schöne Organtim 19-21 sind gm bezahlt worden. Lyon sucht andauernd kleine Partien auf kürzeste Lieferung in Spezialitäten. Der New-Zorker Konsum weift eine Zunahme von zirka 2000 Ballen auf. Kohle. Die Lage der schottischen Kohlenmärkte ist als stetig zu bezeichnen. Geschäfte in allen Sorten sind schwierig und die vorkommenden Abschlüsse beziehen üch nur ruf Mengen, die sofort benötigt werden. Das Ausland hält mit Aufträgen zurück, da die ausländischen Händler noch nicht davon überzeugt sind, daß die Preise den tiefften Stand erreicht haben. Größte Preiskonzessionen werden gemacht, um freie Linien und Wagen zu erhalten. Infolge des Mangels an Aufträgen leiden die Gruben in sämtlichen Distrikten erheblich unter Arbeitsmangel. Die wenigen Exportverladungen in den Häsen gehen sehr schnell vor sich. Auch an der Ostküste liegen die Kohlenmärkte sehr ruhig bei überall nachlassenden Preisen. Die wenigen vorliegenden Anfragen beschränken sich hauptsächlich auf Gaskoks. Das Koksgeschäft liegt ruhig und die Verkäufer versuchen, den Preis auf 28 Schilling pro Tonne Werkslieferung zu halten. Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der süddeutsche Chemikalienmarkt liegt matt infolge der schwierigen BetriebSverhältnisse. Trotzdem ist von ermäßigten Preisen fast nichts zu merken, denn die Herstellungskosten für die einzelnen Produkte find immer noch hoch, so daß sich Notierungen ergeben, die über Len Weltmarktpreisen liegen. Wohl zeigt das Ausland Interesse für deutsche Fcckrikate, doch nur zu Preisen, die für deutsche Verhältnisse derzeit noch nicht in Betracht kommen können. Die gestrige Warenbörse verlief in ruhiger Haltung, Interesse war vorhanden für Aetznatron 50 TonS ab Triest lagernd zu 14 Pfund 15 Schilling sowie für Paraffin 50 Tons ab, Petrovic, Geld war 10.50 Dollar am Markte. Ausgeboten waren' noch Kupfervitriol zu 7600 K., Montanwachs zu 10 Dollar transit. Salmiaksalz zu 8500 K. transit Wien sowie essigsaurer Kalkum. Abgeschlossen wurde inländisches Teipentinöl zu 27.500 K. ab Wien. 1 Oele und Fette blieben preishaltend, nordamerikanisches Schweinefett pure lard in Kisten wurde zu 22.600 K. ausgeboten. Kolonialware «..Kaffee tendierte fester, ab cif Triest, es notieren SantoS primeS pro 50 Kilogramm 95 bis 103 Schilling, Santo» fuverior 89 Schilling 6 Pence bis 90 Schilling, Rio Vit Johnston grün 74 Schilling 6 Pence. Vanille Bourbon wurde zu 1.830.000 K. auSgebote». Zucker tendierte etwa» fester, Kristall notiert 945 tfchech. K., Würfel 3 75 tschech. K. ab Grenze respektive 10.500 K. und 11.000 K. ab Lager Wien. Reue Ware blieb unverändert. Reis blieb flau und geschaftslos. I» Barimandeln befestigten sich auf 42.500 K., Kerasunda Haselnußkerne auf 33.700 und Caroburun Sultaninen mittel in Kisten auf 26.000 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangten laut Art. 343 des H.-G.-B. 910 Paar Schuhe um 43,500.000 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangen heute am 18. d. um 12 Uhr mittags Papiergame, am 20. d. um 11 Uhr ein Personenauto und 2016 Paar Tennisschuhe, ‘/«12 Uhr Tuchstoffe und Möbel. Vlehmörtte In St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Borstenvieh markt. Angemeldet wurden für den gestrigen Markt 8500 Schweine, allein zu Beginn derselben bloß 8000 Stück, darunter 6452 Fleisch- und 1548 Fettschweine aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 154 inländische, 173 ungarische, 953 jugoslawische, 6875 polnische, 26 dänische, 41 schwedische, 473 niederländische und 306 mmLntsche. Fettschweinen tendierten fester. Gegenüber der Vorwoche sind die Preise je nach Qualität bis um 3000 K. pro Kilogramm gestiegen. Fleischschweine die einen merklichen Ausfall in der Zufuhr aufwiesen haben 1500 K. urid in den minderen Sorten stellenweise bis zu 2000 K. pro Kilogramm im Preise angezogen. Es notierten : Fettschweine holländische prima 22.500 bis 24.000 K., ungarische 21.500 bis 22.500 K., extrem 23.000 K., mittelschwere 21.500 bis 22.500 K., Bauernschweine 21.000 bis 23.000 K., alte 18.000 bis 20.000 K., alte dänische 19.000 bi» 19.800 K. und Fleischschweine 19.000 bis 24.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferdemarkt. Zum gestrigen Markte wurden 329 Schlachter-, damnter 133 auf dem Kontumazmarkte, und 282 Gebrauchspferde gebracht. Verkehr lebhaft. Preise für Gebrauchspferde rückgängig. Es notierten: Zugpferde leichte 4,000.000 bis 11,000.000 K., schwere 6,000.000 bis 13.000.000 K., Kutschpferde 4.000.000 bi» 12,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 6000 bis 13.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Banmwollmartt. Aew-Vvrk, 16. Juni. Baumwovzufuhren in den atlam. und Golf Hafen 3000, tut Innern 1000, Ausfuhr nach Großbritannien 6000. nach dem Kontinent 11.000. Lokalmarkt middling t 29.78 (letzt. Kurs 29.90). Tendenz: Stetig. — Terminer Juni —.—, Juli 28.81, August 27.10, September 26.51. Oktober 26.98, November —. Dezember 25.28. Jänner 24.96, Februar , Marz 25.16, April Mai 25.15. . Berliner Börse./ Berlin, 17. Juni. Da Anregungen/irgend welker Art für die Beeinflussung der Tendenz nicht Vorlagen, erreichte die Geschäftsstille an der Börse «in außerordentlich großes Ausmaß. Dies gilt für alle Umsatzgebiete. Die Kursveränderuni;ett .waren nicht erhMich, doch übevwogen mäßige Abchwächungen.. Im Verlauf ging von der Steigerung »er Gelsankirchener Bergwerks- und Deutsch-Lu^emburger- Aktien, anscheinend infolge von Intevessenkaufen, ein gewisser befestigender Einfluß auch für die übrigen Gebiete aus. Anis dem, Geldmarkt hat sich an der verhältnismäßigen Flüssigkeit ebenso wenig geändert wie auf dem Devisenmarkt bei Aufrechterhaltung der vollen Zuteilung für Devisen und Banknoten infolge des ständig nachlassenden Bedarfes und der erhöhten Alblieferungsn. Copyright Nachdruck verboten. Jtdischrr Verlag, Berlin. 19. Fortsetzmig. Hawdoloh und Zapfenstreich. Von Samt Gronuemann. Die Stadt war jetzt saniert. Viele Etablistement's sind geschlossen, die Beleuchtung ist eingeschränkt und die Fliegerschutzschirme Wer den Laternen, die das Licht nur nach unten fallen lasten und weite, Helle Kreise auf den Schnee zeichnen, geben 'dem Abendbild ein charakteristisches Gepräge. Es ist der Achtuhrladenschluß eingefühvt. Das Leben auf den Straßen ist stiller geworden; damals schien die Stadt noch im Fieber — lag noch die Sensation der kürzlichen Eroberung in der Luft. Man suchte sich «dann gegenseitig kennen zu lernen — jetzt hatte man sich kennen gelernt und während damals die Bevölkerung mit freudiger Erwartung und Sympathie den deutschen ,Dejfveiern" entgegenkam, ist es inzwischen den Militärbehörden gelungen, alle Mißverständnisse restlos zu beseitigen und sogar hier und da eine Sehnsucht nach der Knute des Kosaken zu erwecken. Der Geschäftsbetrieb ist eingeschränkt; zu viele Zweige des Handels sind monopolisiert — zu viele Waren fehlen. Die Brotprozessionen haben sich vervielfacht — es sind eine Unmenge Volksküchen entstanden, die leider nicht entfernt den Bedürfnissen genügen., Unendlich viel neue Behörden sind eingezogen und überall kleben Keine Schildchen amtlicher Stellen. Es ist merkwürdig, was alles in amtliche Regie übernommen ist; ein Schild, wie ,^Haus Katharina, nur für Offiziere, nicht für Offiziersstellvertreter" gibt zu denken. Das Wesentliche, was einem überall entgegentritt, ist das Elend, die bittere Not! Ein deutsches Theater hat sich auch etabliert. Im Theaterkeller gibt es ein anständiges Glas Bier und deshalb lohnt sich der Besuch. Im Bau des Sta-dt-theaters spielt das Jüdische Theater. Dort sah ich zum ersten Male die Wilnaer Truppe, mit der ich später enge Beziehungen angeknüpft habe. Das Theater spielte damals nur Freitag und Samstag in dem großen ungeheizten Raum vor einem kleinen, höchst unerzogenen Publikum, aber es -war eine erstonn'iche und freudige Ueberraschung, die dort geboten wurde — darüber werde ich noch zu berichten haben — aber dort, vielleicht zum ersten Male, ist mir das Schöne und Innige der jüdischen Sprache aufgegangen. Sie ist wirklich adäquat -den Gefühlen, wer sie spricht, braucht nicht erst die künstliche Operation durchzumachen, wie wir in unseren westeuropäischen Kunstprodukten! Ganz in der Nähe des Theaters die Ostra Brahma, das Tor mit dem berühmten wundertätigen Multergottesbild. In dem engen Durchgang, zwischen den Säulen und Lauben der Straße liegen beständig fromme Beter auf den Knien — wer aber die Straße passiert, nimmt schon in weiter Entfernung aus 150 bis 200 Meter den Hut ab und legt den ganzen Weg in der Kälte barhäuptig zurück. Es ist Ehrfurcht in diesen Menschen und man sicht diese schlichten Menschen mit Ehrfurcht. Dann eine griechische Kirche! — und voll Andacht sieht man dort neben der aus den Knien liegenden Dame im eleganten Pelz den alten, würdigen Pilger mit >dem langen weißen Stab, der direkt aus einem alten heiligen Bild gestiegen zu sein scheint, während vorn in prunkvollen Gewändern die langhaarigen und langbärtigen Popen ihre geheimnisvollen Dienste verrichten. Dicht -dahinter beginnt das eigentliche Iwdenviertel, die -deutsche Äraße, mit den unzähligen kleinen Nobengäßchen. Welche' Fülle von Gesichtern! — -welcher Reichtum des Ausdrucks —, wohin man blickt. Der Fremde wird, scharf und ungeniert gemustert —, es ist schwer, Leute in Uniform zu klassifizieren und der Blick,Ms dem spricht: „Wa's kann -der mir bringen?" bleibt zweifelhaft, und aus demselben Munde kommen allerhand Angebote: „Pelzjacken", „lebende Gänse", ,Me Leuchter", „schöne Mädchen" — alles stt auf Lager. Es gibt da natürlich viel übles Gesindel, aber doch, es sind nicht Gesunkene, nicht rettungslos verlorene Menschen. Wenn man diese Straßenmädchen oder diese halbwüchsigen Kuppler nimmt und ihnen anständige Arbeit gibt — ich werde darüber berichten können, — sieht man, es sind nicht Dirnen und Zuhälter nach unseren Begriffen —, es sind keine versunkenen Menschen. Die Not macht die einen zu Professoren und großen Kaufleuten, die anderen zu Verbrechern und Herumtreibern. Es ist ein Äusreißen nach oben oder nach unten, alles j ist der Zufall, und die Not des Krieges hat alles ins Extrems vcr;-.'rrt. Entsetzlich sind diese Höfe, die mit allem unbrauchbaren Material angesüllt sind und in denen Menschen eng zusammengepreßt hocken. Auf schmutzten, ausgetretenen! Stufen steigt man >weit unter 'das Straßenniveau und findet dort luft- und lichtlose Löcher, ohne jede Spur von- Mobiliar, in denen mehrere Familien zusammen wohnen, darunter Frauen, die nicht so viele Lumpen haben, um ihre Blößen so weit zu bedecken, daß sie sich auf die Straße wagen können —, -Menschen, die im Schmutz und Elend veäommen und erblindet sind. Ich weiß von einer Familie, die nur durch das eine sechsjährige Mädchen ernährt ist, die den Lebensunterhalt im Laufe des Tages zusammenbettelte. Dvaußen vor der Tür sitzt eine alte Frau mit brennenden Augen und wärmt die Hände an einem Kohlenbecken. Hinter ihr, in einer Mmerhöhle brennt ein kleines, armseliges Lichtstümpfchen und in diesem flackernden Schein nimmt sich der seltsame HauSvat ganz gespenstisch aus. Aber überall Gesichter! — Gesichter, die Geschichten erzählen! — die Geschichte des Volkes erzählen. Aller dieser Leute Schicksal ist eins — ist Uniform! Nur ihr Volkstum gibt ihnen das Besondere. Wie viele Arten von Bettlern gibt es. Es ist gewiß nicht die schlimmste Not, die sich aus der Straße spreizt, aber doch — da Hort man von weitem ein gleichtön-endeS, entsetzliches Geheul; es steht ein kleines Mädchen von vielleicht acht Jahren da —. hat den Kopf aus die Seite gelegt und heust zum Himmel mit schrillen Tönen, wie ein verwundetes Tier, — Da liegt eine Frau mit zwei kleinen Kindern langgestreckt auf der Erde und jammert: „Hot rachmones mit mir, sät wie ich walgere mich nebbich mit die Kinder auf dem Schnee (Hab' Mitleid mit mir und sieh, wie ich mit den Kindern mich aus -dem Schnee wälze — das Wort nebbich spottet jeder Mbersetzung)." Da steht ein vierzehnjähriges, bildschönes Mädchen im, Kopftuch und flüstert ihre Einladung. Man gibt überall und weiß doch, es hat gar keinen Zweck, als höchstens den, die Qual zu verlängern. Vor mir geht ein junger Bursche; Plötzlich wankt er, fällt hin und bleibt regungslos liegen. (Tvovlfclntno foiflt)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.