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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-17 · Heft 1917 (17.6.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1917 (17.6.1924)
Date
1924-06-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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V» , mvrvimr'* .■mv - -tfnq "«',;>»»»! ' < -' <», *• •■> _>, ,, i <f« n T^TF--—n— MWWBMWMMDffWMWWWM Nr. 191.7 Men, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 17. Junr 1924 WM« zum Gruß! Die Zionistische Organisation Oesterreichs rüstet heute zum Empfange eines der führenden und repräsentabelsten Männer der jüdischen Renaissancebewegung: Menachem Ussischkin trifft heute, aus Rumänien kommend, in Wien ein. Jedermann, der in der Geschichte des wiedererwachenden Judentums nur einigermaßen Bescheid weiß, ist sich im klaren darüber, wo er diesen Mann einzureihen hat, der seit Jahrzehnten im Judentum an führender Stelle stcht, der, unerschütterlich auf seinem Posten verharrend, wie der Steuermann an Bord erscheint, den Blick nach dem einen Ziel gerichtet; auch sein Lchingsruf ist: „Land, Land!" Ussischkin ist sich un!d der leitenden Idee seines Lebens stets treu geblieben; er dient ihr mit einer starren unerbittlichei^Treue, die in ihrer sachlichverbissenen Art etwas Berückendes hat. Wohl hat auch er fein Programm im Laufe der Zeiten erweitert, sich der Entwicklung an gepaßt, doch im innersten Grunde seines Sinneist er unverändert und sich stets gleich gellieben. Geulath Haarez — die Erlösung des palästinensischen Heimatbodens ward seine Devise, als er, Jahre vor Theodor Herzls erstem Auftreten, sich den Vorläufern deS politischen Zionismus, den russischen Chowewe-Zion anschloß, deren Führerschaft er später übernahm; die unmittelbare Arbeit am Palästinaaufbau, das Werk, das zu tun ist, unter allen Verhältnissen und selbst unter dm schwersten Bedingungen zu tun, blieb seine stete Forderung, auch als er zu denen um Herzl gestoßen war. Der Vorkämpfer der „Chibach Zion" überncchm die weiteren Perspektiven, welche Herzls großzügige politische Konzeption eröffnete — dem rPogramm des Nur-PolitikerS Herzl und seinem „Alles oder nichts" stellte er aber stets die Forderung nach prattischer Pallästinaarbeit entgegen. Es -gibt keine Phase in der zionistischen Bewegung, die nicht mit Ussischkins Wirksamkeit untrennbar verknüpft wäre. Daß er an die Vertreter der alliierten Mächte in San Remo eine hebräische Ansprache richtete, ist bei ihm mehr als demonstrative Geste, es ist innerster Wesenszug. Ussischkins Tätigkeit der letzten, Jahre ist in allgemeiner Erinnerung. Ms sich die Verhältnisse in Palästina nach dem Kriege zu stabilisieren begannen, trat er dortsÄbst an die Spitze der Zionistischen Exekutive, um später diesen Po-sten mit dem nicht minder bedeutenden des Vorsitzenden im Direktorium des Jüdischen Natonalfonds zu vertauschen. Ussischkin und der Jüdische Nationalfonds — die beiden haben seit je zusammen gehört: der Mann des kategorischen Imperativs im Zionismus und die Institution für den nationalen Bodenerwerb, die, modern wie irgendeine, von dem sozialen und menschhertlichen Geist der Bibel inspiriert ist. Erwerbung, Auslösung des Heimat-bodens zum ewigen Besitz der Allgemeinheit — wer wäre geeigneter, diese Idee zu repräsentieren und für sie werbend einzutrvten als Ussischkin? Und der Jüdische National fand 8 ist es in der Tat, dem diese Reise Ussischkins gilt, die ihn heute nach Wien führt. Er, der vor zwei Jahren trotz manchem Widerstande, aller Kritik ruhig begegnend, die weiten Flächen im E m e k I e s r e e l in jüdischen Volksbesitz übevführte und damit eine neue Epoche in der landwirtschaftlichen Eroberung Palästinas einleitete, bringt eine Botschaft, die von selbst zum befeuernden Weckruf werden mutz: In Erez Israel herrscht Not a n L a n d und die nationale Arbeit droht ins Stocken zu geraten, wenn jüdische Aktivität und Opferwilligkeit nicht die Möglichkeit zu Landtäufen ohne Unterbrechung schaffen! Es kann kein jüdisches Palästina erstehen, wenn und solange der Boden nicht jüdisch ist! Der Jüdische Nation-alsonds muß wieder neben dem Palästinaaufbaufond, dem Keren Hajessod, seinen Platz ungeschmälert behaupten, um den jüdischen Bodenbesitz in Evez Israel im nötigen Tempo zu vergrößern. Die Juden Oesterreichs, die heute Ussischkinbegrüßen, werden Gelegenheit haben, aus seinem Munde zu hören, was nunmehr die Ausgabe des Augenblicks ist. Dem unermüdlichen Vorkämpfer für ein neues Judentum, für das jüdische Palästina gilt unser wärmster, herzlichster Gruß! Und mit diesem Gruße verbindet sich die Ueberzeuguug,, daß Ussischkins Wiener Aufenthalt der Idee des Jüdischen Nationalfonds, der Ueberführung oes jüdischen Mutterbodens in jüdischen Gemeinbesitz, neue Freunde gewinnen und beit Eifer jener, die ihr dienen, zu vervielfachen geeignet sein wird! M. M. llffischlins Triumphzug. Bon Athen bis tzzernowitz. - Kolonien grii Man hatte es schon in Jerusalem Voraussagen können, welchen großen materiellen, und moralischen Erfolg!>ie Reise Ussischkins nach Europa für den Zionismus bringen werbe. Mt den Segenswünschen der führenden Männer Palästinas zog Uffischkin nach Europa. Sern Reiseziel gabt zuerst Griechenland. In der Hauptstadt Athen verblieb Ussischkin nur einen Tag, wo er Besprechungen mit den führenden Gemeindemitgliedern der B'nai B'rith-Loge hatte. Don Athen fuhr Ussischkin nach der jüdischen Metropole Saloniki, wo ihm die Judenschaft einen Triumphzug bereitete, wie ihn selten irgendwelche Heroen eines Volkes gesehen und erlebt haben. Groß und klein, jung und alt strömte in den Straßen von Saloniki zusammen, um den Repräsentanten des palästinensischen JifchuwS willkommen zu heißen. Im selben Hotel, in welchem Uffifchkin wohnte, stieg auch der Premier der neuen griechischen Regierung ab, von seinem Balkon wehte die griechische Fahne und von dem Ussischkins die zionistische Flagge. In Saloniki verblieb Ussischkin neun Tage. Er hielt Besprechungen mit den Gemeindevorstehern, Mit der B'nai B'riih-Log« und mit den sephardischen Juden. Bei dieser Gelegenheit referierte auch Uffischkin über den sephardischen Kongreß, der im kommenden Winter in Jerusalem .stattfinden, alle Sephardim der Welt vereinigen und für die Palästina- Arbeit gewinnen soll. Es fand weiters eine Konferenz aller Mitarbeiter des Jüdischen Nationalsonds auS ganz Griechenland statt, in der beschlossen wurde, in diesem Jahve 7000 Pfund Sterling für den Keren Kajemeth aufzubringen und zusammen mit de« bereits gesammelten 3000 Pfund eine Kolonie am Meevesstvande in Palästina zu gründen und in derselben jüdische Fischer und Bootsleute aus Saloniki anzusiedeln. Bon hier führte Uffischkin der Weg nach Sofia, wo ihm die bulgarischen Juden einen unbeschreiblichen Empfang bereiteten. Alle jüdischen Organisationen fanden sich zur Begrüßung des Repräsentanten von Palästina am Bahnhof ein. Auch hier hatte Uffischkin mit allen führenden Persönlichkeiten Besprechungen. Die bald darauf einberufene Keren KajemethÄonferenz beschloß, in diesem Jahre 3000 Dum am Boden in Palästina anzuküfen und eine Kolonie bulgarischer Juden zu gründen. Die Auswahl der Menschen für diese Kolonie erfolgt von den 'bereits in Palästina angesiedelten bulgarischen Juden im Einvernehmen mit den entsprechenden , Organisationen. In Sofia verblieb Uffischkin acht Tage Md fuhr dann über Rustschuk nach Rumänien. In Bukarest hatte 'Uffischkin Gelegenheit, in Versammlungen und engeren Besprechungen mit der gesamten Bevölkerung in Kontakt zu treten. Er konferierte mit den Repräsentanten der Kultusgerneinden, mit den Führern der rnmänffchen Großloge, mit den Vertretern der Studentenschaft und nahm schließlich Gelegenheit, auf der Konferenz des Jüdischen Nationalsonds -mit der ganzen Provinz in Kontakt zu treten. Es wurde beschlossen, 12.000 Pfund Sterling in' diesem Jahre auszubringen und eine Kolonie in Evez Israel zu gründen und dieselbe mit rumänischen Ehaluzim zu besiedeln. Von Bukarest fuhr Ussischkin nach Kischin ew (Beßarabien), wo ihn auf dem Bahnhof über 10.000 Juden begrüßten. Die Straßen waren beflaggt und von den Ballonen wurden Blumen auf das Auto, in welchem Uffischkin saß, geworfen. Auf der bald darauf stattgefundenen Konferenz nahmen 146 Delegierte aus ganz Beßarabien teil, wo beschloffen wurde, in diesem Jahve 18.000 bischer. bulgarischer und rumiinischer Stoben. Pfund Sterling für deg Jüdischen Nationalfonds auszubringen und eine Kolonie ,^8eßarabien" in Erez Israel zu gründen. In dieser Stadt verblieb Uffischkin neun Tage und hatte auch Gelegenheit, in einer vom Senator Sanibieviei einbevufenen Versammlung der jüdischen Finanzkrcise zu sprechen und dieselben für Palästina zu interessieren. Der kommandierende General von Beßarabien empfing Uffischkin sehr freundlich, hatte mit ihm längere Konferenzen und stattete ihm am folgenden Tage einen Gegenbesuch ab. Ussischkin erwirkte auch bei dieser Gelegenheit Erleichterungen in der zionistischen Arbeit im Kriegsgebiete von Beßarabien. Es soll noch hervorgehoben werden, daß die Behörden überall Uffischkin mit der größten Hochachtung empfingen. Bon Kischinew fuhr Ussischkin nach I a s s i, wo er vier Tage verblieb. Auch hier hatte er einen grandiosen Empfang. Bon Jassy bega-b sich Uffischkin nach der Bukowina, auf allen größeren Stationen wurde er von jüdischen Deputationen empfangen und begrüßt. In Czernowitz gestaltete sich der Empfang Ussischkins zu einem wahren Triumphzug. 60 Organisationen entsandten ihre' Vertreter zum Bahnhof, um Ussischkin zu begrüßen. Zehntausende. Menschen bildeten Spalier vom Bahnhof bis zum jüdischen Haufe und bereiteten dem Zionistenführer ungeheure Ovationen. Es mußte ein Meeting unter freiem Himmel abgehalten -werden, um der Judenfchast von Czernowitz Gelegenheit zu geben, Uffischkin zu sehen und zu hören. Der jüdische Gesangverein, der hebräffche Schulverein, di« Schomrim veranstalteten Festvorstellungen zu Ehren des Hohen Gastes. Zu der Landeskonferenz, di« Sonntag den 16. d. stattfand, -waren Delegiert« aus dem ganzen Lande eingetroffen. Die Begeisterung der Czernowitzer Bevölkerung kennt keine Grenzen. Es soll noch hervorgehoben werden, daß in Jassy -während des Schewuochfeftes an Nedarrm zu Ehren Uffischkins eine halbe Million Lei für den Nattonalfonds aufgebracht wurde. Auf die Frage, wie er sich zur Leitung stelle, antwortete Uffischkin: „Jetzt sind wir bei der Arbeit und da kennen wir keine Differenzen. Es ist k e i n e Zeit im gegenwärtigen Moment für politische Kämpfe innerhalb de" Organisation. Mein Losungswort ist: „Menschen »nd Geld für Palästina, momentan befindet sich das S chw ert inderS ch e i d e," Czernowitz. Dr. Manfred Reifer. Die Bovträge Ussischkins. . Ing. M. M. Ussischkin trifft heute zu mehrtägigem Aufenthalte hier ein. Er wird in Men über die Lage der jüdischen Bodenpolitik in Palästtna Vorträge halten, und zwar öffentlich morgen um 7 Uhr abends im großen Konzerthaussaal, Donnerstag spricht er im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines für die Mtavbeiter des Nationalfonds und Samstag den 21. d. für die jüdische Jugend im Hotel Kontinental. Die Ankunft Ussischkins in Wien. M. M. Ussischkin trifft, wie bereits gemeldet, 'heute Dienstag den 17. d. um 2 Uhr nachmittags <ur Ostbahnhof ein. Akademischer Landesverband. Die Mtglieder aller Korpovattonen leisten Ordnen dienst. Erscheinen präzise 1 Uhr Wicht! Beth Waad Laiwrim. Me Mtglieder werden aufgefordert, zur Ankunst Ussischkins heute am Ostbahnhof vollzählig zu erscheinen. Albert Einstein wieder in der Kulturkommission des Völkerbundes. (Gbgendienst der „Wiener Movgenzeitung") Genf, 16. Juni. Der Völkerbundrat hat heut« in seiner geheimen Sitzung Professor Dr. Albert Einstein neuerdings zum Mitglied der Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit ernannt. Professor Einstein war bekanntlich bereits früher Mitglied des Komitees gewesen, aber wegen der Ruhrbesetzung unter dem Einfluß einer völkerbundfeindlichen Stimmung zurückgetreten. Bor Herbst keine englischen Neuwahlen. London, 16. Juni. (Reuter.) Im Unterhaus« erklärte Mac Donald in Beantwortung einer Anfrage, es sei ganz sicher, daß vor der He rbstsesfi on keine allgemeinen Wahlen stattfinden wüvden. Her Revolver. Ein Minister StambulijkiS ermordet. Graz, 16. Juni. Die .Tagespost" meldet' aus Sofia; Gestern nachmittags wurde der Abgeordnete Petkow aus der Straße durch vier Revolverschüsse ermordet. Der Täter ist entflohen. Es soll sich um einen politischen Mord handeln. Petkow gehörte der Bauern- Partei an und war während der Regierung Stambulijski im Außenministerium als Generalsekretär tätig. Horthho Helden. (Gigendienst -der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 16. Juni. Gestern fand.vor einer Zuschauer» menge von 30.000 Personen die feierliche Aufnahme von 329 Offizieren und 1929 Mannschafispevsonen in das ungarische „Heldeukapitel" statt. Reichsverweser Hothy nahm den neuen Helden den Eid ab und vollzog den Ritterschlag. _ eine Auslandsreise des jugoslawischen Finanzministerr. Belgrad, 16. Juni. „Politika" meldet zur Reise des Finanzmimsters Dr. Stojadinovie nach Budapest, Prag und W ien, daß die Reise mit wichtigen Ressortfragen des Finanzministeriums im Zusammenhänge stehen, über welche 'jedoch Minister Stojadinovie jede Auskunft verweigerte. Vor seiner Abreise hatte der Fkrianzminister eine einstündige Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Pasic. Erzherzog Albrechts Amee. (Eigendienst der ,Miener Morgenzeitung".) Budapest, 16. Juni. Erzherzog Alb recht als Pro tektor des Jugendrotkreuzes organisiert neue Jugendtruppen, die seemäßig ausgerüstet militärische Uebungen machen. Auf seiner Inspektionsreise besichtigte der Erzherzog Sonntag die ausgerückten Truppen in Debreczin, Karczag und Kisujszallas. Er wurde von der Bevölkerung mit Enthusiasmus begrüßt- Sjg*HirftlBW mnwsatmmm

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