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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-15 · Heft 1915 (15.6.1924) · p. Seite 13

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1915 (15.6.1924)
Date
1924-06-15
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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<*B. ®»v lh,",if.■.— Wien, Sönnlag WieMtr MMgenzeitMg. -18. Zünl im iSGM n v p k b k nriaänBsca flk! '^«1 $3S* Der VubrnKopf. Man Hat die Erfahrung gemacht, daß Mod'cerschemungen Nicht der Ausdruck einer Laune sind> vielmehr die Frucht sozialer, ästhetischer, ja sogar ethischer Forderuilgem Und ■ darum wird eine Modeneuheit, wenn sie logischen Ansprüchen entspricht, sich durchsetzen und als etwas Natürliches hingenommen werden. Während vor einigen Jahren die Frage „Kurzer oder langer Rock?" in der Gesellschaft lebhaft besprochen wurde, so iftj es seit kurzer Zeit die Frage „K u r z e s 0 d e r l a n g e s H a a r?", die selbst friedliche Gemüter erhitzt und die Debatte äußerst heftig gestaltet. Der Bubenkopf, noch kürzlich das Kennzeichen weiblicher Extravaganz, der Bohemienne, der modernen Frauenrechtlerin, ist schon in die sogenannte beste Gesellschaft gedrungen, bis in die Tiefen des sonst konservativen Bürgertums. Die Frisur ist ein Problem geworden, mit dem sich alle, Frauen sowie Männer, beschäftigen. Wer der Bubenkopf hat gesiegt: er thront auf den schmalen Schultern des jungen Mädchens, den breiten üppigen der reifen Frau und sogar die ältere angegraute Dame hat ihr langes Haar hingegeben, um mit der Jugend» wetteifern zu können. Uebecrascht st-ehen die Eltern vor der sechzehnjährigen Tochter, die ihre langen Zöpfe auf dem Altar der Mode geopfert hat, der Gatte vor der Gattin, die nicht wie ein Ueberbleibsel aus dem vergangenen Jahrhundert aussehen will und ihr Recht auf den Bubenkopf geltend gemacht hat. So ist also der Bnbenkopf zu einer alltäglichen Erscheinung geworden, ähnlich wie das glattrasierte Gesicht des Mannes, dem ja sonst der Bart den Charakter der Männlichkeit.verleihen sollte. Oberflächliche Beurteiler betonen die praktischen Vorteile des kurzgeschnittenen Haares; sie glauben, daß mit dem Beseitigen der HaarfüÜe schon alles geta>r sei, das Frisieren überflüssig werde und die Pflege des Haares von der Natur besorgt werde. Uber gerade das Gegenteil ist der Fall. Das kurze Haar bedarf noch mehr als das lange einer überaus intensiven Pflege, besonders das Weiche Haar benötigt rationelle Ondulation. Diese ist unerläßlich, trotzdem die Technik der Dauerondulation weit fortgeschritten ist. Denn der Bubenkopf ist frei, die. Zopfwellen, hinter denen, sich jede Art von Kunst verbergen konnte, sind gefallen, die Möglichkeiten der Täuschung erscheinen auf ein Minimum reduziert. Die verschiedenartigen Abarten haben sich im ganzen und großen zn einem einheitlichen Typ vereinigt. Der Pagenkopf tritt immer ni-ehr in den Hintergrund, der Bubenkopf. dominiert. Er hat sich in allen Kulturzentren Heimatsrecht erworben. In weiterer Fortsetzung sahen wir das Hiimeigen zur maskulinen Linie, über die wir uns schon ausführlich geäußert haben: die kasakartige Jacke, die Chemisetteblnse, der Bubenkragen mit dien glanzgestärkten Manschetten, der flache Schuhabsatzdie für den Herbst angekündigte breite Zylinderhutsorm sind charakteristische Merkzeichen dieser maskulinen Entwicklung. Kein Protest kann sie aufhalten. Die Mode geht ihren Weg, mögen auch reaktionär Gesinnte ihre Nase darüber riimpfen.! , N. Menczel. Me moderne sedernboas, die aus geknöpften, aneinander gereihte» Pleuveusen bestehen, die einen wundervollen Genuß fürs Augf bilden: r. m. De^Bubeukopf verlangt, wie wir an lekkdnder Stelle ausfühuM, intensivste Pflege. Aber außer der Linie des Kopfes'ist selbstverständlich auch die .Färbe des Haares wichtig, da beispielsweise ein zartes Blond oder einleuchtendes Feuerrot oder ein tiefsattes Schwarz die Frau verjüngt. Das erprobte System „Henne-Kalos", das die Haarfarbe ausgleicht und die Nuancen des Originals hervorhebt, wird im Modefrisiersalon Janke im Zentralbad (1. Bez., Weihburggasse 20) mit großem Erfolg angewendet. Bemerkmrgen zur Sommermode. Auch der Badeanzug hat die neue Linie, die natürliche Körperlinie, angenommen. Das neueste Modell hat die Frage, ob ein glattes Trikot oder ein Kostüm mit/ Röckcheu vorteilhafter wirkt, gelöst: es besteht aus einem „Hö schon und einem Ibis.unter die Hüften reichenden Jumper, der sich eng an den Körper schmiegt, da er, gleich dem Höschen aus. -gewirktem oder gestricktem Trikot hergestellt ist und dadurch jugendlich-spovtffch wirkt wie das Trotteurkleid. Auch die eleganten Kleider haben eine, sportliche Note angenommen, mit schlichten, einfachen Formen. Interessant ist der wiÄ>er.austauchende Kragen, der offen und geschlossen getragen werden kann , und mit einem Selbstbinder — maskuliner Typ! — umschlungen wird. Als Material wird gerne gestreifte oder kartierte Herrenhenidseide verwendet. Geltung am Strarrde hat natürlich die Kombination Rockkasak und buntes Jäckchen in allen Spielarten, Vorherrschend für den Sommer ist Weiß mit irgendeinem farbigen Effekt, den der Hut, der Schuh oder der Gürtel geben. Es gibt wieder breite Hüte aus ausländischen Strohsorten mit reichem Blumenputz, farbig gemusterte Fächer zu den Sommerkleidern, an Stelle des bunten Halstuches ganz lange Schals und als effektvolle Neuheit lange Straußrufen fühlen, aber nur wenige auserwählt sind und die sich eben nicht durch blendende äußere Formen in ©jette setzt, sondern durch sich selbst wirkend den Weltmann vom Snob und vom Nachahmer unterscheidet. Nicht der tadellos gearbeitete Maßanzug allein kann die Vollkommenheit der modischen männlichen Erscheinung bewirken: es gehört dazu' die Art, ein Kleidungsstück vornehm zu tragen und ein sicheres Gefühl für das Beiwerk der Herrenmode, jene „petits die trotz ihrer einschränkenden Bezeichnung eine große Rolle in der modernen Herrönkleiduna spielen und in der Beurteilung der äußeren Geschmacksku'ttur ausschlaggebend sein können. Der Begriff „Beitvevk" umfaßt die Kopfbedeckung, Krawatte, Weste, Strümpfe, Schuhe, Giirtel usw., kurzum all die Dinge, die oem sorgfältig gearbeiteten Anzug erst die individuelle Note gelben und im Verein mit den modischen Finessen die Richtlinien charakterisieren, die jeweils in der Herrenmade dominierend sind. Unter bett sommerlichen Neuheiten fällt zunächst auf daß mit dem kurztaillierten Sakko die allzu breitrandigen Hüte verschwunden sind. Geschmackvolle Abweichungen bringt die Wiener Hervenhutindustrie ans den Markt, Hauptsächlich in Fitz- und Strohhüten, wobei auf die Tönung der Gabardineut® Burburryanzüge Rücksicht genommen wird. Der Antipode des Hutes, der Schuh, wem ebenfalls interessante Abweichungen auf, indem die Eintönigkeit der Farbe durch geschmackvolle Kombinationen verschiedener Lederarten durchbrochen wird. Eine exotische Blume -im Garten der europäischen Herrenmode bildet ein neuartiger Sommersmoking, der eigentlich den idealen Klubanzug für die heiße Sommerzeit vvrstellt: direkt über das engplistierte Seidenhemd wird zur. Gürtelhose die Jacke ans schwarzem, Mit Lüsterseide gefüttertem Freskostoff getragen. Natürlich besteht der Gürtel nicht aus Wildleder, sondern aus schwarzer Moireseide mit Silberschnalle, so daß der festliche Charakter des 'Kleidungsstückes gewahrt bleibt. Kultur und Mode. Die stilgerechte Einheit von Lebens^ führung und äußerer Erscheinung ist mit ein Zeichen höherer Kultur. Besonders in der Großstadt lasten sich diesbezüglich die reichsten. Studien machen. Und nicht mit Unrecht wird die Grazie der Wienerin bewundert, die sich mit den einfachsten Mitteln vornehm und reizvoll zu kleiden versteht. Wer durch die Straßen Wiens geht. um in gehobener Daseinsfreude die Produkte unseres Gewerbefleißes, den Geschmack unserer Aus- Iggettanangements zu bewundern, dem wird es auffallen, wie die Frauen und die Männer bei dezentester Einfachheit ihrer Kleidung die größte Sorgfalt auf die S chuh Lek lei düng verwenden. Jeder empfindet eine angenchme BefriediaurH darin, tadelloses Schuhtverk zu besitzen. Cs ist dies ein JMor, der unserem Schönheitsempfinden und auch dem praktischen Bedürfnis entspricht, wobei nur die Kostenfrage das Behagen herabmindert. Diesem Uebelstand abzuhelfen, hat sich das neue Spezialgeschäft für vornehme Damenurrd Herrenschirm „Gleich" in der Rotenturmstraße 20 zur Aufgabe gentacht. Modernste und gediegenste Schuhmodelle bei mäßigen Preisen — das ist das Losungswort dieses neuen Etablissements. Infolge kleiner Regien und durch Vermeidung von überffüstrgem - Aufwand für die Ausstattung des Lokals, womit sonst die Kundschaft geblendet zu werden pflegt, kann sich .dieses neue Schuhmodenhaus auf die Qualität seiner Erzeugnisse konzentrieren. Der zierliche und der haltbare Schuh, der Trottteurschnh bis zum feinsten Luxusschuh, alles ist in reifer und gediegenster Auswahl vorhanden. Und gewiß werden alle diejenigen, welche bet ,Merch" einen Versuch gemacht haben, zur Uelbemengung kommen, daß auch der sogenannte fertige Schuh jede Maßarbeit ersetzen kann. r. m. Köln , Hrsuös t <Haar mehr! In tnodemst eingerichteten separierten Färberäumen mH garantiert Unü Auch Frisier-, Maniküre* und Massagesalon. 417 Täglich von 9 Uhr vorm, bis 6 Uhr abends. Telephon 77-4-01 ZENTRALBAU, I., Weiiurggasse 20. Kein Gassenladen. 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