Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1913 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1 ym *w«i»;—-y..,«»».#-, ^■'yvwtni^i'^'^py ly"11'1'"'' v»d: Gerte 19 Men, Freitag Wiener Morgenzettung. 13. Juni 1924 Nr. 1WS Film und Kino. Frlindarstellung und Bühnenspiel. Ein Bortrag John Gilberts, des Stars der Fox-Film- Corporation. Die Behauptung, daß dem Schauspieler durch häufiges Filmen die innere Nuance des körperlichen Ausdrucks verloren geht, ist heute ein längst erkannter Irrtum. Das Gegenteil rst Tatsache; ja noch mehr, denn selbst allererste Bühnenkünstler, die zum Film übergingen, geben unverhohlen zu, daß es ansamgs kein Leichtes ist, sich in die wortlffe neue Darstellungstechnik hineinzufinden, und gar mancher Schauspieler kchrte notgedrungen dem Film wieder den Rücken, weil er selbst ernannte, daß er außerstande sei, seine Kunst in gewohnter Vollendung auf den Proijektionslschirm zu übertragen. Ueiber diches äußerst interessante Thema hielt vor kurzem der 'bekannte Star der Fox-iFilm-Corporation Mc> Jahn Gilbert in New-Hork einen zahlreich besuchten und vielbesprochenen Vortrag. „Es ist eine der verwunderlichsten Erscheinungen in der heute noch jungen Filmkunstindustrie", so begann Gilbert, „daß von scher viele Schauspieler, selbst solche von allseits anerkannten Fähigkeiten, im Film vollkommen versagen. Die Technik der Film-darstellung und die Technik des Äühnenspiels siUd eben ganz wesentlich verschieden und der Uvbergang von der einen zur anderen ist ein äußerst schwieriger, ja oft'sogar gefährlicher Versuch. Der filmende Künstler kann eben nur mvt den Äusldrucksmitteln seines Körpers, den Gebärden, sein Ideal erreichen und muß daher der Schulung dieser Ausdrucksform das gleiche Jnteresie und die gleiche Sorgfalt schenken, die der Schauspieler alter Schule seinen. Vortrag, der Aussprache sowie der Modnlcvtion seines Organs gewidmet hat; denn alle diese Mittel aus dem Reiche der Bretter geilten vor dem Aufnahmeapparat nichts — hier kann man nur im Bilde wirken." Man denke nur an die Nahem,stellungen beim Film, was da bst mit dem Gesichte ganz allein an Seelenvorgängen ginn Ausdruck gebracht werden muß. ,/Um seelische Bewegungen im Film restlos zu verkörpern, kommt man zum Beispiel mit dem bloßen Bewegungen der Lippen Wohl nicht aus, da muß man sich schon etwas mehr aus seine pantomimischen Fähigkeiten verlassen können. Die fortwährend gepflogene Praxis, sich stimmlich auszudrücken, hat den Schauspielern im Laufe der Jahre viel vom rhythmischen Gefühl für körperlichen Ausdruck und Bewegungsschiinheit geraubt, weshalb auch meist diejenigen Filmdarsteller die besten sind, die unmittelbar der Welt des Glashauses, dem Filmatelier, entwuchsen." Wenn man diesen einzig richtigen Ausführungen Gilberts lauscht, so kann man zum BeWiel den japanischen Schauspielern nicht unrecht geben, daß sie ihre Kunst trotz allen Rollentextes schon seit Jahrhunderten als eine zum Großteil körperlich gymnastische auffassen. G. H. K. »Die Liebesabenteuer der Lady Rintoulen." Ein reizender Kostürnfilm, der im vorigen Jahrhundert in Schottland spielt. Mer die Lady Rintoulen ist nicht — wie man leicht durch den Titel zu vermuten geneigt wäre — eine Messalina im kurzen Röckchen, sondern eine brave Landladh, big schließlich einen kleinen, furchtbar schüchternen Dorfpfarrer heiratet, nachdem sie ihn, als Zigeunermädchen verkleidet, genug kompromittiert uNd ihn und sich in einem kleinen Aufstand, der durch zwanzig Kavalleristen unblutig unterdrückt wird, ziemlich gefckhÄet hat. Ein Stürmchen im Wasserglas, auf dessen Wellen Betty C o m p s o n sich anmutig zu bewegen versteht. Dies kurz die nicht sehr inhaltsreiche Handlung, die sich, von zahllosen reizenden Genrebildchen durchsetzt, flott abrollt. Die Regie versteht es, mit vielen und wirksamen Effekten zu arbeiten und eine Menge gelungener Bilder aneinarcher zu reihen, sie holt aus der Handlung, was sie für sich braucht, sorgsam heraus und arbeitet es auf gefällige Wirkungen im- Stile der bekannten Bilder des „Mcrry old England" mit Betonung der gelungenen Nuancen aus. In dramatischen Szenen zeigt sie eine Kraft, die, geschickt mit den beschaulichen Bildern kontrastierend, das starke und wirkliche Talent des Inszenierenden verrät. Glänzend ist die Darstellung, in allen Teilen. Zunächst mutz man Beith Compson volle Anerkennung Men, was in den meisten Filmen, in denen wir sie hier zu sehen bekamen, bisher nie ganz möglich war. Gewiß, die Rolle, die sie hier spielt, ist sehr dankbar und bietet ihr die besten Gelegenheiten, leicht volle Wirkungen erzielen zu können. Wer sie hat hier Momente, in denen man — zum ersten Male vielleicht — eine selbständige Auffassung in ihrem Spiel sicht, die grell gegen die Puppenhaftigkeit ihrer sonstigen Leistungen absticht. Ausgezeichnet ist ihr Partner, der den kleinen, zungenhaften Dorfpfarrer spielt, der vor nichts so viel Anast hat, als vor Frauen. Er bietet in seinem Spiel, das er Mt einer feinen und drolligen Komik zu durchsetzen weiß, sehr schöne und wirklich werwolle Leistungen. Erwähnenswert sind die Typen der abgearboiteten und verbrauchten Webber, die Szenen von packender Realistik bringen. Sehr gut sind auch die einzelnen Typen der alten und bedächtigen Gemeindchäupter, die wie aus alten englischen Pastellen herausgestiegen wirken. Was die Aufnahmetechnik und Beleuchtung anbelangt, bietet dieser Film ebenfalls nur Bestes. - „Kapitän Md." Das Wichtigste an diesem Film ist Eddie Polo. Er fft der Sensationsdarsteller, nicht irgendein beliebiger, sondern der einzige, den man jenseits des Gürtels und in Gegenden vom selben Niveau anerkennen will. Sonst — das heißt in Publikumsschichten, wo man Wert auf andere Leistungen als Sensationen legt — übt er in Wien einen recht geringen Reiz aus. Der Prophet im eigenen Vaterland. Von Wien aus, wo-er im Wurstelprater seine Künste als Artist ausMe, zager in die Welt, kam nach Amerika zum Film und wurde Eddie Polo, der Vielbejubelte und Held der Träume aller Rowdies und solcher, di« es werden wollten. Vor zwei Jahren kam er nach Wien, nachdem «r im übrigen Europa durch seine persönliche Anwesenheit Triumphe gefeiert hatte. Stieg im Bristol alb und wartete auf eine jubilierende Presse. Nach drei Tagen kam endlich jemand von einer Filmzeituna zu ihm und der wollte auch nur ein Inserat. Eddie Polo schnaubte ihn wütend an: „Drei Tage bin ich schon in Wien und niemand kümmert sich nm mich. Wie ich «inen Tag in Prag war, hat man schon Hosenträger nach mir benannt. Ich begreife Wien nicht!" Er war sehr verbittert. Heute hat er sich — wenn diese Nachricht nicht ein billiger Reklametrick ist — ganz vom Film abgewendet und will sich ins Privatleben zurückzieben. Und das ist schade. Als er in Wien arbeitete, da sah man, daß er ein ehrlicher Artist ist und jeden Trick in seinen Filmen verschmäht. Was er an Sensationen durchführt, ist alles wirklich gemacht, ist photographierte Wahrheit. Eine ehrliche und lebensgefährliche Arbeit, von einem schon über vierzig Jahre alten Mann geleistet, der ganz in seinem Berufe aufgmg und monatelang oft in Spitälern lag, um sich von den Folgen dieser Arbeit zu heilen. Jahre hindurch war er der unumstrittene Favorit seines Genres. Dann setzte die Konkurrenz ein, brachte junge, hübsche und sympathische Burschen in den Hauptrollen solcher Film«, die vielleicht nicht jo ehrlich wie er arbeiteten, die ihm aber durch ihr bloßes Exterieur schon sein Publikum, seine Bewunderer Wegnahmen. Und jetzt will er ganz von der Bildfläche verschwinden. Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze... Dieser Film Wird vielleicht der letzte sein, den man von chm sehen wird. Er ist gut in seiner Art, sogar schr gut, wenn auch ein bißchön veraltet. Umgeben wir ihn mit der Pietät, die dem Abgang eines Pioniers der Filmindustrie, vielleicht auch der pm» kunst, gebührt. Die verfilmte Weltrevolution. Bereits im vorigen Jahr wurde in Moskau die „W «l t r e v o l u t i o n" als Film ge, bracht. Sie muß aber nicht besonders überzeugend ausgefallen sein, und so hat man sie heuer wiederholt. Die „Prawda" veröffentlicht darüber einen ausführlichen Bericht, dem zu entnehmen ist, daß die zweite Aufnahme besser gelang, wenn auch nicht defektlos. Gut seien die „vielstimmigen Deklamationen, die Losungen in Weiß und Rot". Weiter werden hervorgchoben der „Chor des Kapitals" und der ,/Komintern", der Sturm der „Zitadelle des Kapitals", der aber zu rasch, ohne Schluß und ohne Blut, vor sich ging. An den Borführungen, die im Zerr»HNN Moskaus stattsanden, nahmen 1000 Arbeiter und Soldaten teil. Die Massen arrangements wurden von 80 Regisseuren geleitet. Die Herstellungskosten waren nur gering, weil Sie großen Moskauer Trusts die nötigen Materialien beigesteuerh hatten und die Statisten nichts kosteten; die Aufnahme geschah am 1. Mai. Der Seelöwe im Kino. Um einen neuen Film mit dem ungewöhnlichen Titel ,/Der galoppierende Fisch" für die Jnteressentenvorführung noch interessanter zu machen, ist der Londoner Propagandachef der Associated First National, torace I u d g e, auf die Idee verfallen, einen abgerichteteni -eelöwen. den er sich von der Ausstellung in Wembley lieh, im New Oxford-Theater in London als „P r o l o g" auftreten zu lassen. Der Seelöwe chatte zwar noch nie das Rampenlicht gesehen, aber er machte seine Sache gut und verhalf dem! galoppierenden Fisch" zu einem Erfolg. Geistige Anregung durch das Kino. Daß der Film daß Interesse des Publikums an Büchern steigert, statt es von dev Lelktüre abznleuken, diese überraschende Erklärung machte Fräulein Marion Humble, Sekretärin des amerikanischen Buchhändlevverbandes. Sie setzte hinzu, seit es Kinos gebe, hätten die Menschen im ganzen Lande angefangen, „mehr zü denken". Die Zensur in Indien. Wie empfiMich die indische Regierung und die indische Zensur ist, geht daraus hervor, daß bat} Griffith-Großfilm „Zwei Waifen im Sturm der; Zeit" in Birma verboten ist. Die eingeborene Bevölkerung dort darf keine Filme, sehen, auf denen eine Revolution gef zeigt wird. Und in Birma soll die Zensur noch milder gehandhabt sein als im übrigen Indien. Die Filme der Woche. „ShaNetons letzte Südpolexpedition." — „Die Stimme detz Ozeans." — „Quarantäne." — „Der Lockruf des Lebens." — „Das indische Grabmcck." — „Sie und die Drei." _ROTENTURM-KINO -— WIEN, 1. FLEISCBMÄBKT 1 Ab heute bis 16. Juni DereingefieischteZimMselle (Freund Fritz) Xomväie in 5 Akten nach dem Theaterstück von ERKMANN und CHADRIAN und das dbrlge Sofclegerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4. V-6, V»8 und */t9 Uhr Bexleilmueik einet erstklassigen Künstlerkapelle — s ss Lesen Sie — DIE FILMWELT Illustrierte Kinorevue Fllm-Fachblatt und -Publikums-Wochenschrift REDAKTION UND VERWALTUNG: Wien, VII. Hermanngasse Nr. 6 Telephon Nr. 36-5-S5 wetss für Plisseeröcke WliN.UAOLCKOASSK S Tfl*rfoflfe70ZS4 , Storr£ S£lT>£ Copyright Nachdruck verboten. Ißdlscher B erlag, Berlin. 15. Fortsetzung. Halvdoloh und LMenstreich. Von Sami Gronnemmm. Schon das äußere architektonische BW ist grundverschieden. Dort findet man überall in der Mitte des Raumes die Bimah, das große Podium, von dem der Vovbeter seine Stimme erschallen läßt. Me hat man im Westen nur so stillos und gedankenlos sein können, dieses Charakteristikum des Mischen Gotteshauses aufzugeben! Nicht der Priester, der Träger göttlicher Sendung, erscheint vor der Masse der Gläubigen, durch ehrfurchtgebietenden Zwischenraum getrennt, ihnen von weitem die Heiligtümer zeigend, sondern der Sendbote der Gemeinde, der Sprecher und Dolmetsch ihrer Herzenswünsche und Bitten steht inmitten der Menge, Ms ihr aufragend, um mit ihnen allen, nur ihnen vorangehend, den Weg nach oben zu suchen und zu bahnen. So kommt schon im äußerlichen Bilde die Eigenart jüdischer Auffassung zum Ausdruck. Es ist nicht so, daß die Gnade, die Liebe sich von oben auif die unwürdigen Menschen herabsenkt, daß ein Mittler vom Himmel herabsteigt, mn die Sünder zu erlösen, sondern wie Moses den Berg Sinai erstieg, um die Lehre herabzuholen vom Himmel, so ringt der Jade, ringt und kämpft die Gemeinde um die Lehre, um 'den Segen, so kommt es in der jüdischen Sage, tut den vielen Erzählungen der Chassidinis zum Ausdruck. Es ist ein ewiges Kämpfen, ein Stürmen zum Himmel, in wachsender Ekstase wird das Gebet emporgesandt, um die Wolken und das Himmelsgewölbe zu durchbrechen. Man muß wie Dehmel einmal an einem hohen Feiertag in der alten ehrwürdigen ,-Schul" gestanden haben, um sein großes Erlebnis zu begreifen. Kops an Kopf drängt es sich. Die breiten Treppen, die zu dem unter dem Äraßenmveau liegenden Betraum führen, sind dicht besetzt. Rings ist der Raum dicht gefüllt von den in weißen Mänteln gehüllten Betern; die verhüllten Gestalten sind in heftiger Bewegung, es wogt auf und ab und wogt die Stufen hinauf, die zu der breiten, van einem auf mächtigen Säulen ruhenden Baldachin bedeckten Bimah führen. Auch dort oben drängt sich eine dichte Schar und aus ihrer Mitte ragt die Gestalt des noch jugendlichen Sängers hervor. Schluckend Mb, bald hell aufjauchzend, dringt seine Stimme unter dem Gebettuch hervor, das er so weit über den Kopf gezogen hat, daß man kaum etwas von seinem Gesicht sieht und in ungeheurem BrMsen fällt von Zeit zu Zeit der Chor ber Beter in chaotischem Gesänge ein. Selbst wer kein Wort der Gebettexte versteht, wird mitgerissen. Aber freilich, wer nicht gerade in einem solchen Moment das Gotteshaus betritt, in dem sich m höchster Ekstase alle Beter zum gemeinsamen Gebetsturm vereinigen, der sieht nur das Chaos und nimmt, an deutsche Ordnung gewöhnt, mit Mißfallen wahr, wie jeder einzelne beinahe sich ohne Rücksicht auf die anderen seiner eigenen Beschäftigung hingibt. Die einen sitzen und brüten über ihren Büchern, andere debattieren laut und ungeniert über irgendwelche Fragen der Lehre, andere wieder unterhalten sich, auch eben so laut, über durchaus profane Dinge, einer wandert, den Mantel lang hinter sich Herschleppen lassend, hin und her, scheinbar im Selbstgespräch, Kinder balgen sich oder spielen um die Bimah herum Verstecken, ein alter Jude fährt dazwischen und teilt rechts und links Ohrfeigen aus, von der Frauengalerie, aus >der man nur durch Gucklöcher in den Betraum hinuntersehen kann, ertönt eine kreischende" Werberstimme, di« gegen die Mißhandlung ihres Jungen protestiert — kurz, es bietet sich etwas ganz anderes dar als sich der auf Feierlichkeit gestimmte Besucher erwarten ließ. Es ist überhaupt kein ästhetisch rein-befriedigender Anblick. In einem Gotteshaus in Kowno fand ich in der sehr ausführlichen Tempolordnung, die an der Wand hing, unter anderem >den Paragraphen: „Spucken ist erlaubt", eine Erlaubnis, von der reichlich Gebrauch gemacht wird. Und nun stelle man sich einen solchen Tempel an einem der großen Freudenfeste, etwa am Simchas-Thora, am Feste 'der Gesetzesfreude, vor. Alles tanzt und singt. Mit -den Gesetzesrollen im Arm springen alte Juden verzückt mit geschlossenen Augen in tollen Sprüngen herum, sich wie Kreisel um sich selbst drehend. Die Kinder jauchzen und scheinen sich verzehnfacht zu haben. Ueborall und unter alle« Stühlen und Minken, auf der Bimah und vorn vor der Lade, überall springen sie kreischend und jubelnd herum, die Schnapsflaschen kreisen, man bietet sich Kuchen an und die jungen Leute rauchen Zigaretten. Fasten und Trauern an Bußtagtzn verst-oht man HM und -halb auch im Westen, aber die richtige Freude, die Freude an der Lehre, am Gesetz, die kennt man nur dort. Ich sehe noch den kleinen Scherenschleifer von der Ecke der Lietzmannstraße in Kowno vor mir, wie er im Tempel herumlief, um immer wieder und wieder jene einzelne Gssetzesrolle zu küssen; eine unglaubliche Seligkeit war über sein lachendes, zahnloses Gesicht ausgegossen. Worüber freut sich der Mensch? Worüber jubeln alle diese Leute? Was ist schließlich diese Thora, deren Fest .man so feiert? Ein Gesetz, das unzählige Gebote und Verbote enthält, alle Lebensgenüffe einschvänktünd große Steuern auferlegt! Kann man sich vorstellen, daß sich irgend ein europäisches Volk über sein bürgerliches Gesetzbuch oder Strafgesetzbuch derart freut? Oder gar über die Steuergesetze? Das ist ja nicht einmal in Deutschland der Fall, obwohl die Deutschen seit der neuen Steuergesetzgebung wirklich verdienen, ixte Doll der Dichter und Denker genannt zu werden. Ich habe öfter an solchen Tagen Herren aus Deutschland, auch Mchtjudeu, durch Gotteshäuser geführt, und habe regelmäßig dieselbe Beobachtung machen können. Zunächst sian-- den die Herren erstaunt und im höchsten Grade befremdet mit aufgerissenen Augen da, dann aber wurden sie in den Strudel mit hineingevissen und kamen selbst in eine Art von Ekstase. In einer kleinen Gebetstube in Warschau hätte nicht viel gefehlt, daß der Graf B. selbst mitgetanzt hätte. Ganz begeistert war jener 'berühmte Kunstmaler aus Königsberg, «der für einige Tage nach dem Osten gekommen wgr, um Studien für eine Skizzenmappe zu machen, die tt in höherem Aufträge herausgeben sollte. Er dankte mir immer wieder aufs lebhafteste für die Gelegenheit, die ich ihm verschafft hätte und behauptete, daß die künstlerische Ausbeute sehr groß gewesen sei und er nun sofort ans Werk gehen werde. Fortsetzung foTißt>