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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-10 · Heft 1910 (10.6.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1910 (10.6.1924)
Date
1924-06-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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'•Hl Mtztt, DieEg Offenes Fenster der ebenerdigen Wohnung auf die Straße M fprmgen und zu flüchten. Der Schaden wird nach den bisherigen Erhebungen auf 200 bis 300 Millionen gn schätzt. Eshat sich auch herausgestellt, daß das der Firnis gehörige Automobil verschwunden ist. igfaygg MSkKkWeMrks- 10. IM 19» Wr. 1MB Brand In der Lolomotivfabrlk in Floridsdors. , Bfiugstsonntag nachmittagS wurde die Wiener Feuerwehr davon verständigt, daß die Lackiererei in der FloridSdorfer Lokomotiv- ^Mrir brenne. Das Feuer war offenbar schon am Samstag vor A«ettrschl»ß entstanden, ohne von den Arbeitern bemerkt zu! werden. Die Flammen wurden erst wahrgenommen, als sie bereits;aus dem Dache der Lackiererei herausfchlngen und einen großen ^Teil des Dachstuhles ergriffen hatten. Mehr als zwei Stunden ' dauerte die anstrengende Arbeit der Feuerwehr, die unter Leitung .des.Branddirektor Marek vor sich ging. Ein Teil des DachisiichleS konnte erhalten werden, doch ist der Sachschaden sehr beträchtlich: Bei der Löscharbeiterlitten zwei Feuerwehrleute leichte Verletzungen. Sie verkrachte Lperettentonrnre FM. Ein Wiener Operettenensemble ist unter der mngdes Komponisten Leo Fall Mitte April nach Südamerika, abgegangen. Es war von enormen Gagen dex einzelnen Teilnehmer erzählt worden. Der Impresario war der Italiener Paradozzi. Nun ist vom Regisseur Paul Guttmann an den Bühnenverein ein Telegramm eingetroffen, das besagt: „Sofort Schiffsverträge flüssig machen. Ensemble ohne Mittel." Hierzu bemerkt der Oesterreichische Mrhnenverein, dgß er von der Theaterunternehmung den Erlag einer Kaution zur Sicherung der Ansprüche der Mitglieder im Betrage von einer Milliarde verlangt hat. Mehrere führende Mitglieder des Ensembles hatten den Bühnenderein beschworen, diese Forderung fallen zu lassen, weil sich die Unternehmung energisch gegen den Kautionserlag wehre. Diese Mitglieder befürchteten, daß die Tournee, die immerhin; sibezehn Bü'hnenmitgliedern für drei Monate Arbeitsgelegenheit gab, unterbleiben werde, wenn der Bühnenderein auf seiner Forderung bestehe. Der Bühnenverein hat sich dem Wunsche dieser Mitglieder nicht angeschlossen, sondern eine Vollversammlung aller engagierten Personen einberusen -und hier einen längeren Bericht über das Vertrags-Verhältnis und insbesondere darüber erstattet, daß die Unternehmung sich weigere, die verlangte Elution zu erlegen. Die Vollversammlung-hat sich einmütig dafür ausgesprochen, daß man sich an der Tournee auch, dann beteiligen solle, wenn die Kaution nicht erlegt werde. Nach diesem Beschluß hlai der Bühnenverein seine Förderung nach Stellung einer Kaution zurückgezogen. Der Bi'chnenverein hat sich nunmehr sowohl mit dem Bundesmmisterium des Aeußern als auch mit der in Betracht kommenden Schiffahrtsgesellschaft in Fühlung gesetzt, um -eventuell auftauchende Schwierigkeiten einer Heimbefötderung der 17 Personen zu beseitigen. Die Siedlung österreichischer Juden am Karmel. Die vor kurzem aufgenonrmene. Mion für den Ankauf von palästinensischem Boden durch die österreichischen Inden hat bereits bedeutende Erfolge zu verzeichnen. In den wenigen'Wochen sind 50 Bauparzellen am Karmel im Gesamtipreise von 5000.Pfund Sterling fest angekauft worden. Mehrere Parzellen wurden vom jüdischen Sportklub Hcrkoah für.den Präsidenten Dr. Körner, für den Vizepräsidenten Dr. Herbst und dessen Bruder käuflich erworben. In der Nachbarschaft haben sich einige Hakoahner auf eigene Rechnung - angekauft. , Es ist beabsichtigt, die Ankaufsaktion am Karmel binnen kurzem auf 100 Parzellen zu bringen und den Abschluß des hundertsten Vertrages in Oesterreich unter besonderen FeierliWeiten zu begehen, damit das erste Hundert Wiener Juden direkt und persönlich für das jüdische Heimatlawd.intereffrert würde. Die Aussichten für rascheste jüdische Besiedlung des Karmelgebictes haben sich in der letzten Zeit um so günstiger gestaltet, als in einer ' großen Anzahl von Ländern beider Koninente parallele Aktionen im Zuge . sind, die die günstigen Ergebnisse der Wiener Aktion weit übertreffen. In den nächsten Tagen wird diese Aktion auch auf den Ankauf landwirtschaftlicher Territorien in Palästina an österreichische Juden ausgedchnt werden. Für solche Ländereien haben sich in der letzten Zeit zahlreiche Reftektanten gemetoet Für den Gesundheitsschutz der Mitteilungen nur dem Publikum. chskL-kestaurant -im Prater 41« Orcüesterkonrert l)as beste Pilsner 8ler in Wien, auch vorzügl. Wiener Biere sowie köstliche Weine / Kalte und warme Speisen die berühmte Kapelle Osteuropa steht noch jetzt im Zeichen der schweren Nöte, die ihm wahrend des Welt- und Bürgerkrieges beschieden waren. Das gesamte ökonomische und gesellschaftliche Leben ist erschüttert, und die Völker ringen schwer um die Wiederherstellung normaler Lebensbedinguggen. Insbesondere ist die jüdische Bevölkerung von den ZeMtastroPhen betroffen worden. Sie hatte spezifische Erlebnisse durchzumachen — Evakuationen und Pogrome. Die Folgen dieser Erlebnisse haben tiefe Spuren im Volks-- organismus Hintersassen. Die cvuch ohnehin, nichts weniger als befriedigende Gesundheit der jüdischen Volks Massen ist in.ihrepr Grundbestände , gefährdet. Namentlich auch ist die Gesundheit der Heranwachsenden Jugend besorgniserregend. Tuberkulose und andere soziale Krankheiten haben in ihrer Mitte eine bedrohliche Verbreitung gefunden. Untersuchungen unter der jüdischen Schuljugend in der Ukraine, Litauen, Lettland, Polen, RuMnien ufw. haben ergaben, daß, zirka: 15 Prozent der.Kinder 'an verschiedenen Formen der Tuberkulose (Lungen, Knochen, Drüsen) krank sind; 4 bis 6 Prozent (in einzelnen Gegenden noch mehr) an ' Trachome, namentlich m den ärmeren Schichten der Bevölkerung; 8 bis 16 Prozent haben verschiedene parasitäre Hautkrankheiten usw. Blutarm und anämisch sind 40 bis 60 PvojMt der.untersuchten Kinder. Die Sterblichkeit unter der jüdischen Bevölkerung war noch bis zur letzten Zeit erschreckend groß, sie sinkt zwar allmählich mit der Stabilisierung der Verhältnisse, übersteigt ' aber noch in vielen Gegenden die üblichen Normen. Dieser Zerstörungsprozeß bildet eine offensichtliche Gefahr für die gesamte Zukunft der jüdischen Gemeinschaft und ihre Wiedergeburt. Besonders schwer ist die Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland und in der Ukraine, wo die Ereignisse unvergleichlich verheerend wirken. Ohne Hilfe von außen ist die dortige Iudenheit absolut nicht imstande, nicht nur wiederaufbauende Arbeit zu leisten, sondern auch die lebensnotwendigsten Bedürfnisse aus dem Gebiete des Gesundheitsschutzes zu erfüllen. . Die. Erkrankungen in den jüdischen Zentren der Ukraine haben ungeheuerliche Dimensionen. angenommen. Es genügt darauf hinzuweisen, daß unter der vserzigtausendköpshgen jüdischen Bevölkerung der landwirtschaftlichen Kolonien im Lause der zweiten Hälfte des Jahres 1923 16.275 Kranke registriert wurden. In Cherson, wo die Wische Bevölkerung 30.000 Köpft zählt, hat die PM-. klimk der „Ose" 11.446 Kranke ausgenommen. In der letzten Zen hat die Malaria einen großen Umfang angenommen. Die Malariaepidenrie hat im Jahre 1923 allein im Gouvernement Odessa 82J.90 Personen betroffen. In den jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien ist fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung an Malaria krank. Diese bedrohliche Zunahme der Erkrankungen erfordert -ein energisches und planmäßiges Eingreifen der. organisierten. jüdischen Gesellschaft und Schtasfung eines Netzes von Anstalten, die den Kampf für den Gesundheitsschutz des Wischen Volkes aufnchmen könnten. Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „O s e" vereinigt um diese Arbeit eine Reihe von Organisationen in verschiedenen Ländern. Auf einer Weltkonferenz im August 1923 waren die Resultate einer mehr als zehnjährigen Arbeit der -,/O f e" festgestellt, und ein Weltverband der Gesellschaften für Gesundheitsschutz dex Juden wurde geschaffen. Die Arbeit wird durch die Zentralveüvaltung geleitet. Das Ehrenpräsidium des Weltverbandes „O se" besteht ans den Herren Prof, Albert Einstein und Geheimrat Prof. v. Wassermann (Deutschland), Professor B e s r e d k a (Fankreich), D. Redcliffe N. S <l l aman (England). Die ,L>s e" führt ihre -Arbeit im Geiste einer planmäßigen Wiedecherstellung der Volkskräfte. Sie unterhält eine Reihe von Anstalten für den Gesundheitsschutz und fördert zugleich die Solbsttätigkeit der jüdischen Massen auf diesem Gebiet. In den Mittelpunkt ihrer Wirksamkeit stellt die „D je" die Versorgung von Kindern und überhaupt von. den schwächerem und schutzlosen Elementen der Wischen Bevölkerung _ Waisen, Kranken ufw, Die „O s e" entwickelt ihre Ttätigkeit in allen. Ländern Osteuropas, in erster Linie aber in der Ukraine, wo sie bereits* eine große und verantwortungsvolle Arbeit geleistet hat. Vom 1. April bis 31. Dezember 1923 haben 13 Ambulatorien und-Polikliniken der ,/Ose" 210.000 Kranke ausgenommen. Ferner hat die „Ose" 6 Sanatorien für 675 Kinder (die Kinder haben 5 bis 6 Pfund durchschnittlich Angenommen), 9 Krankenhäuser mit 120 Betten für 2330 Kranke, 15 Krippen für 588 Kinder in den jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien usw. geschaffen. Alle diese Institutionen führen einen hartnäckigen Kampf um die Gesundheit der jüdischen Bevölkevung. Gegenwärtig ist die „O s e" vor weitere, ebenso dringliche 'wie bedeutungsvolle Aufgaben gestellt. Außer der bisherigen sanitär-medizinischen Hilfe erwächst jetzt für sie die Notwendigkeit, .die Quellen des Volksorganismus, ■ die ,Mutter und das Kind, gesund zu erhalten. Die gesamte Hilfsarbert der „O s e" ist aher^ jetztvoj einer schweren Gefahr bedroht; der Gefahr eines finanziellen Zusammenbruches. Die zentralen Wischen Hilfsorganisationen/ welche W. jetzt die Avbeit der „Ose" unterstützten, Habens ihre Tätigkeit teils aufgegeben. teils behmtend eingeschränkt. Ohne rechtzeitige Hilfeleistung seitens der breiten Schichten der jüdischen Gesellschaft müßte die gesamte Arbeit stillgelegt werden, und dar schwergeprüfte ukrainische.Atdentum würde dieses Ve« sännmis mit dem Leben von Tausenden bezahlen müssen. Die ,Q s e" sieht sich daher veranlaßt, sich an die jüdische Gesellschaft mit dem Ersuchen M wenden, ihre Mitwirkung für die Erhaltung und den Ausbau des für die.russischen und namentlich ukrainischen Jude« lebenswichtigen Werkes zu gewähren. .Wir hegen dabei die Überzeugung, daß die deutsche Iudenheit, die stets eine führende Rolle im HilfAwerk für das russische Judentum hatte, auch in der gegenwärtigen Krisis, trotz den eigenen schweren Sorgen, . die fchwerbetroffenen Brüder und Schwestern in Rußland nicht im Stich hissen wird. Gilt es doch die Rettung von LöbeN und Wundheit huinderttausonder Juden!- Gilt es doch, die schlimmsten Gefahren abzuwenden von Hartgeprüistett, die bereits Unsägliches erlitten haben.,;.• r. ./ Die Verwaltung des Verbandes ,/O s e", * Dr. Giegmund Schratte» gestorben. Der Verwaltungsrat der Zenttal-Bodenkreditbank, Dr. Siegmund Schratt«, der mit seiner Gemahlin zu den Pfingstfeiettaaen nach Mariazell fuhr, unternahm am Sonntag allein einen Ausflug von Mariazell auf die Gemeindealm. Dortwurde er vom Schlage getroffen und blieb auf der Stelle tot. Seine Frau, die ihn in Manazell erwartet hatte, fiel, als man die Leiche zu Tal brachte, in tiefe Ohnmacht, aus der sie erst nach langer Zeit zum Bewußtsein gebracht werden könnte. Dr. Siegmund Schratter stand tm 49. Lebensjahre. Er begann, seine Karriere als Rechtsanwalt und bat sich nach und nach, dem Bankfach gewidmet. Er war. der Begründer der Wiener Kommerziallank, als deren Vizepräsident er fungierte. Bei der Fusionierung der Kommerzialbank mit der Zentral-BodenkreditLank trat er in deren Verwaltungsrat ein. * Enthüllung eine» Grünfeld-Gedenktafel. Sonntag den 16. Juni, 11 Uhr vormittags, findet die Enthüllung-j einer Gedenktafel für Alfred Grünsel'd im Hanse 19. Bez., Kobenzlstraße 42, wo. Gvünseld durch mehr als zwei Dezennien wohnte, statt. Bei der Enchüllnngsfeier wird der Schubertbund Mitwirken. * Personalnachricht. Dem in zionistischen" Kurilen hochgeschätzten EhepaarFritz und Annie Zausner herzlichsten Glückwunsch zum Hochlzeitstag. Familie Mäher. * Verhaftung zweier Firmenchefs. Moritz Ungar und Josef Neumann. Inhaber der Textittvarenfivmo Ungar u, -Neumann in der Köllnerhofgasse, wurden unter der Beschuldigung verhaftet, Textilwaren in größeren Mengen.zusammengekauft und ohne Faktura oder mit unrichtigen Fafturen nach Art der „Schlittensahrer" weiterverkaust haben.. Al? Zahlungen zu leisten waren, erklärten sie sich insolvent. Bereinr, BortrSge und Bersammlnnsen. Jüdisches Realgymnasium, 8. Bez., Castellezgaffe R. Anmeldungen für die etfte bis sechste Klasse täglich, außer Samstag, in der Zeit zwischen 12 und 1 Uhr in der Drrekttonskanzlei. Nach langen Verhandlungen ist auch in Men ein, „Komitee für das arbeitende Erez Israel" gebildet worden. Die Ausgabe dieses Komitees ist, den Gedanken des , arbeitende« Erez-Israel in der jüdischen Bevölkerung Wienzu propagieren, das heißt den 'Gedanken der Schaffung von Arbeitersiedlungen in Ertzz Israel auf der Basis, von Selbstarbeit ihrer Mtglieder, wobei diese zugleich dieJpüchte ihrer Arbeit emten. Dies ist der Gedanke, dem wir in großem Maße die Entwicklung dis jüdischen Erez Israel in den letzten Jahren zu verdanken halben; und diese« Gedanken wollen, wir in. die Masse der . Wischen Bevölkerung Oesterreichs tragen. ES soll keine Propaganda der 'Worte, vielmehr der Tat werden, indem wir die jüdische Bevölkerung dazu bftngen, dem Wischen Jrschuw in Erez Israel zu einer erfolgreichen Entwicklung zu vechelfen. In der konsequenten Verfolgung unserer VochabenS wollen wir . die Arbeitevbank. den PMfttna- Arheiterfonds und andere Institutionen, WÄche pn, Ausbau Palästinas einen gewaltigen Anteil haben, tatkräftig unterstützen. - Wir werden-i« den-nächsten Monaten eine Mion zugunsten der genannten Institutionen einleiten und wir hoffen, daß die jüdische Bevölkerung Oesterreichs uns helfen wird. Das Komitee für das arbeitende Erez Israel.. SM Redigiert von De. Sanel Beer. Häusliche Krankenpflege. Die gleichen Maßnahmen, die der .Pflege, der Gesundheit dienen, gelten im allgemeinen auch bei der Kraukerrpsiege. Der oberste Grundsatz ist bei beiden Zuständen, die Vermeidung und Abhaltung von Schädlichkeiten, die Stärkung und Erneuerung der, leiblichen und geistigen Kräfte, um das best- /möglichste. Wohlbsstnben im Menschen zu erzeugen sind zu erhalten. Doch haben wir es bei einem Kranken mit einem durch ungünstige Umstände geschwächten Organismus zu tun, weshalb aus die Herstellung besonders 'günstiger Jebeusbedinstungen zu achten ist. ' Bisweilen genügt schon die Durchführung einer vernünstig geregelten Lebensweise, gegen die der Kranke dauernd gLsündigt hat, um die gesundheitliche Störungrasch wetss fürPUsseeröcke W|JN.In ADLE <4 ■’ * j -£ . VüiX-.,

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