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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-01 · Heft 1902 (1.6.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1902 (1.6.1924)
Date
1924-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Irr Kampf «m den Pröfidente«. - Herriots KMnettsNdnng gefährdet? (EigeMenst der „Wiener Morgenzeitung".) Herriot verlangt von den Sozialisten Teilnahme an der Regierung. Paris, 31. Mai. Das Interesse in politischen Kreisen dreht sich weniger um die Frage der neuen Regierung als um diejenige des Präsidenten der Republik. Es ist nunmehr sicher, daß eine Krise sehr schwerer Natur unmittelbar Levorsteht. Millerand hat heute in einem offiziösen Artikel im durch Sauerwein erklären lassen, daß er nicht auf das Diktat einer Partei bin das Amt aufgeben wolle. Sollte die Linke sein Verbleiben im Amte mit einem Streik aller bedeutenden Persönlichkeiten dev Linken beantworten, welche sich weigern würden, ein Kabinett zu bilden, so sei Millerand entschlossen. eine Persönlichkeit außerhalb der «siegreichen Partei mit der Kcchinettsblldnng zu betrauen und diese neue Regierung einM und allein zu beauftragen, die Botschaft Millerands an die Kammer zu verlesen. Die darauf sich entispinnende Debatie sollte dünn Klärung in die Lage bringen. Datsachlich wünschen die Führer der Linken, besonders Herriot, kein so ent sch ie d e ne s V o rge h e n, sondern sie möchten gerne die PrMentschastskrise ' noch durch einige Wochen «hinziehen/und sie ohne Erregung lösen.- Mein es ist klar, daß die entschiedene Halftm« der Sozialisten und der Mit ihnen ftzrnpaWsieren- Len zahlreichen Radikalen es Herriot sehr schwer machen. Man spricht bereits in den Wandelgängen dayon, daß, Ms die Sozialisten ihre Haltung beibchalten sollten, Herriot nicht die Regierung übernehmen Kerbe. In diesem Falle käme es zu einem verfassungsmäßigen Konflikt. Die Linkspolitiker bereiten M bereits für eine neue Präsidentschaftswahl vor. Paris, 31. Mai. Abgeordneter Herriot hat in seiner Eigenschaft als Führer dev radikalen Partei heute an den Führer der soziäliftifchen Partei Leunr B k u»m folgenden Brief gerichtet: ' Die Abstimmung vom-11. Mai hat in dev klarsten Weise den Willen des Landes LnUdge'gchen, im Innern wie nach außen eine neue, auf den Grundsätzen und den Methoden der Demokratie aufgebaute Politik befolgt zu schon. In dev inneren PMik muß ein - ernster republikanischer Wiederaufbau dnrchgeführt und sozialistische Reformen umssen in einem Gefühl weitestgehenden Vertrauens zu den Arbeiter:? eingoleitet werden. Auf dem Gebiet der äußeren Politik beherrscht eine 'Wicht alle anderen, nämlich die, dm Frieden aufznrichten. Ujm den Wahlsieg zu er» launigen, der dieses' möglich macht, haben sich Sozialisten und Mwikale vereinigt; gemeinsam haben sie die Koalition des Göldes und der Lüge bekäuW, gämemsam Wen sV srimniM-rt.. Es ist der klare Wille' des LaÄdes, daß.'diese ZusammenarMt auch in der Regievrmg fortgesetzt.werde, damit sich 'die EntfcheHMg - des'-VMZ! ln Daten 'auswirken könUe. Das Volk hat'seine Wicht getan, nuninwhr ntüssen wir die MriA MsÄllLn. Im Mimen meiner Partei ersuche ich deshalb Re^oDkstWs Partei um ihren vollen BeGcmid. Wir! sind beM, mit ihr -die Bedingungen und Mittel Znv Durchführung in einem loyalen, brüderlichen und, ich muß . desurwrrss'.erten Geiste zu erörtern. ■ Amerika will Mwanderer austneifett? Sitte folgenschwere Entscheidung des AppMtlonsgerlchtshofes: Frauen und Kinder find in der Nnwandemngrauote mitinbegriffen. London, 31. Mai. Der Oberste Appellationsgerichtshof der Vereinigten Staaten Hai in der Einwan-erungsfrage eine Entscheidung gefällt, die von außerordentlich ernsten Folge n begleitet sein kann. Danach sind in den Einwandcrnngsquoten des Jahres 1921 auch Frauen und Kinder inbegriffen, so daß 20.000 der im genannten Jahre zugelassenen Einwanderer als überzählig deportiert werden müssen. Bisher wurde Frauen und Kindern von bereits früher zngelafsenen Einwanderern anstandslos die Einreise gestattet, Wenn sie erklärten, daß sie Bürger der Vereiriigten Wert will keinen deutfchnatiomlr« Kanzler. Fortdauer der Kabinettskrise. Berlin, 31. Mn. In der Frage' der RegieMNgsbrDnng ist noch immer keine Klärung eingetreten. Nach dem ablchnenden Beschluß der De-ntschnationalen von gestern abends, der dem U-elbechandttchmen des Einflusses der nati-ouMlen Verbände im der Partei gegenüber . den politischen Führern Hergt und Westarp zuzuschreiben ist, die sich besonders in außenpolitischen Belangen bereits zugänglicher gezeigt hatten, ist der Reichspräsident der von der deutschen BoMspanel kommenden Anregung, euren Deutschnatio. nalen mir der Regierungsbildung zu beauf» tragen, nicht nachgekommen. Während.die. Mittel« Staaten werden wollten. Diese Vorgangsweise wurde auch dann eingehalten, wenn die Jahresquote bereits erschöpft war. Wegen der außerordentlichen Härte einer solchen Maßnahme ist beabsichtigt, im Kongreß ein Sondergesetz zur Regelung dieser Frage einzubringen. 8itie Manische Irohmg. Paris, 31. SOtoi (Hadas.) Die hiesige japanische Botschaft veröffentlicht ein TelegraiMm aus Tokio, worin es heißt, am Schluß des am 28. Mat albgehailtenen MWstervates habe der Mwister des Aeußern die EMävung abgegeben, daß 'der Beschluß der Veveinigten Staaten bezüglich der Einwanderungsbill voim StauWunkt dev Aufrechterhaltung des Friedens der ganzen Welt' sehr bedarreMch fei. Parteien aus dieser Situation die Auffassung schöpfen,, daß letzt nur mchr ein -Kabinett der sogenannten kleinen Koalition unter Dr. Marx in Frage kommen könnte, betrachten, die rechtsgerichteten Kreise den Versuch des Reichskanzlers Marx als gescheitert und verlangen die unverzügliche Konstituierung eines Kabinetts der Rechtsparteien. Zer deutsKe Reichstag. Berlin, 31. Mai. (Wolfs.) Die nächste Sitzung des Reichstages ist auf Montag den 2. Juni, 3 Uhr nachmittags, anbevaumt worden. Wenn bis dahin die Bildung der neuen Regierung nicht gelungen ist, wird sich das Reichstagsplenmn ausschließlich mit den Anträgen des Geschäftsorldnungsaufchusses betreffend die Haftentlassung von. Abgeordneten befassen. «US dem Ftthalt der hetttigen Nummer: Eine mMriösc Reise Spinozas. Bon Prof. Dr. Wilhelm Stein. Die Medertänf« und ihre Beziehungen znm Judentum. Bon Dr. Willy Co hn. Weltfremde Wirtschastsauffassung. Bon Dr. Michael Suff an. Aus dem Tagebuch des Berl Sträselmann. 10. Von Jakob Krausz. Der kranke Mensch. Von Anitta MMer-Coyen. Vom kleinen Leben. Von Siegfried Schmitz. Das Smolenski-Archiv in Jerusalem. HorM md seine Helden. —x. Wien, 1. Juni. , Der Heldenstaat jenseits der Donau erweist sich', mit einem Male auch für diejenigen, die ihm bisher die! Stange hielten, als eine Verlegenheit. Ungarn ist, wie' noch erinnerlich, auf Grund. ganz bestimmt lautender: Versprechungen feiner Regierung in den Völkerbund ausgenommen worden. Es hat ihn nicht geziert und. wohl auch nicht zieren wollen. Für Ungarn ist die Zu-! gehörigkeit znm Völkerbund lchiglich eine Ängelegenheit materieller Natur; die Rechnung ist darauf aufgebaut,: daß der Völkerbund den Snartziellen- Zusammenbruch eines seiner Mtglieder und:Ware dies selbst der Horthh-- Staat nicht Massen könnte. Das Hst nun, tatsächlich ein-', getreten, der Völkerbund tut Ungarn die Ehre an, es' auf gleichem Fuß mit Oesterreich zu bchandeln. Er setzt . sich für. eine - KrMtgövHmW. ein/ überwacht aber die: / Verwendung des Hedites - M - die Budgetgebarnrrg: durch einen GemraKönNniM..Es ist dies der ameri-. kanische Jurist.Jeremias SMh, der Mch zu Beginn seiner Tätigteit in das'GeswüH) des chriMchnationalen. Kurses hineingerüten' ist. Er hat feststellen können, daß der - Reichsverweser Horthy und die von ihm geführte Heldenfchar das Land mit Hilfe eines HeldengesetzeZ ausplündern, wobei der Herr Reichsverwcher und seine nächsten Freunde sich den Löwenanteil sicherten.'Der trockenen Rechtlichkeit des amerikanischen Kommissärs geht dies wider den Strich und er hält nnt seiner Mei-: nung nicht zurück, daß diese Praxis des Horthh-Systems' sich kaum mit den Grundsätzen europäischer und amerikanischer Zivilisation vereinbaren läßt. Herr Jeremias Smith hat hier nur ein Detail aus der reichen Fülle erwachender Verwaltungskunst aufge-, stöbert und dem Urteil der Körperschaft vorgelegt, die ' ihn damit betraut hat, ein ungeschminktes Bild der Zustände zu zeichnen. Es wird sich nicht vermeiden: lassen, daß er auch in kürzester Frist in' die anderen, Dinge Einblick erhält, die die ungarische ^Regierung seit: fünf Jahren vertuscht, ab'leugnet oder durch ihre gut-! geölte Propagandamaschine retuschiert. Der Kritik dieses^ ausländischen Organs wird sich diese Regierung nicht, so meisterhaft entziehen können, wie sie dies gegenüber: Personen versteht, die der Gewalt des ungariischen Ge-! setzes unterstehen und durch nichts anderes gedeckt sind.! Jede ungarische Regierung ist immer nur der Exponent: der Großgrundbesitzerkaste und der von dieser Kaste ab- hängigen Schichten. Die ungarische Gesetzlichkeit ist demgemäß nirgends über die Grenzen der patriarchalischem Anschauung hinausgekommen und sie regiert so wie ehe-: dem mit Galgen, Stock und Standrecht. Sie kennt keine anderen Atittel; der wirtschaftliche und soziale Ausgleich: zwischen den Klassen ist ihr die Ausstrahlung einer fremden Welt, die Emanation eines Geistes, der den -mitten.in Europa siedelnden turamfch-finnischen Mischstämmen Ävig unverständlich bleiben wird und muß. Aus dieser'Fremdheit entsteht automatisch der gemalt-.' same und gewalttätige Widerstand gegen die Jdeenweü ■ Europas, als deren Repräsentanten zunächst die Juden gölten, die freilich in Ungarn genau so wie anderswo, keine einheitliche wirtschaftliche oder soziale Schichte bil-. den. Die Lehre, die die Juden als einen geschlosteilen Körper mit durchgebildetem politischen Willen betrachtet, ist allerdings nicht ungarisches Gewächs, stammt; auch nicht von gestern oder heute. ist uralt um> Ist überall 'dort aufgetreten, wo die Despotie im 5kamps um ihre Existenz, um Besitz und Macht nach dem r! . des geringsten Widevstandes sucht. Der map\vv' englische Stoffe, Herren- und Damenwäsche, Leinen, Teppiche, Vorhänge etc. SHF* biBBigsft-im l Schiff mann I). Täborstr Teiejshoti E» gros [.

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