Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1898 (28.5.1924)
- Date
- 1924-05-28
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzeitnng.^^ 28. Mai 1924 - , ,Nr. 1896 blieb, so war dies dem Umstande zuzuschreiben, daß der Nachfrage gegenüber nur geringfügiges Material zur Verfügung stand. Von den K u l i s s e w e r t e n profitierten gegenüber dem letzgemeldeten Stand r Bankverein 8000 K., Britisch ungar. Bank ,6000. K., Oesterreichische Kredit 10.000 K., ungarische Kredit 19.000 K.. Anglobank 11.000 K., Unionbank 5000 K., Staatsbahn 8000 K., Lombarden 7000 K.^. Alpine 8000 K.^ Felten 20.000 K., Krupp 9000 K., Poldihütte 42.000 K., Rima 11.000 K., Skoda 89.000 K., Waagner 17.000 K.. A. E. G. Union 7000 K., Siemens 16.000 K., Timber 10.000 K., Salgo Kohlen 38.000 K., Brünner Maschinen 49.000 K., Karpathen Petroleum 24.000 K. und Semperit 7000 K. Im S ch r a n k e n war ebenfalls eine ausgesprochen feste Tendenz vorwaltend, doch waren die Umsätze geringer als in der Kulisse. Die Führung hatten wieder Petrolrumwerte und die Werte ungarischer Povenienz. Ungarischer Zucker sind um 130.000 Kronen, Dynamit-Aktien um 800.000 K., Jungbunzlauer um 310.000 K., Berg und Hütten um 180.000 K., Prager Eisen um 100.000 K. gestiegen. Naphtha-Aktien erhöhten stch um 22.000 K., Apollo um 10.000 K., Galicia um 180.000 K. Navigazione gewannen 46.000 K., Färberei 15.000 K., Milchindustrie 10.000 K., Pester Kommerzialbank 50.000 K., Heinrichsthaler Papier 120.000 Kronen, Lehkam-JosefSthal 4000 K., TarboucheS erhöhten stch um 40.000 K., Nordbahn-Aktien um 70.000 K., Kaschau-Oderberger um 25:000 K., Schönpriesener um 23.000 K., Kroatischer Zucker um 26.000 K., dagegen verloren Böhmischer Zucker 10.000 K. Meinl und Wiener Baugesellschast profitierten 6000 K., Ninghoffer 15.000 K., Ziag 10.000 K. und Braubank 6000 K. Auf dem Anlagemarkte ergaben sich nur geringe Verschiebungen. Von den E x o t e n notierten: Mraznica 62.000 bis 69.000, Oleum 80.000 bis Geld. Tepege 36.000 bis 40.000. Universale 21.000 bis 26.000. ' Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der deutsche Chemikalienmarkt zeigte auch diesmal kein freundlicheres Bild. Aus dem Vogtlande wirb berichtet, daß manche Industriezweige kaum die für Löhne und Frachten erforderlichen Gelder aufzutreiben vermögen. Alkalien fanden am Hamburger Markte etwas lebhaftere Nachftage. Es wurde notiert: Aetzkali 55, Kalilauge 28, Pottasche 44, Soda. kalz. 14.25, Aetznatron 33, Natronlauge 12.50, Kristallsoda 9.25 Goldmark pro 100 Kilogramm. In Bleiglätte, Bleiweis; und den übrigen Metallfarben fanden nur vorliegende Orders zu unveränderten Preisen Deckung. Borax krist. wurden kleine Mengen zu 45 Goldmark pro 100 Kilogramm gebandelt. Essigsäure behauptete sich. Kleinere Aufträge wurden zu 145 bis 148 Goldmark pro 100 Kilogramm gebucht. Der Exportmarkt war ruhig. Oxalsäure ließ bedeutend im Preise nach. Ebenso lag Schwefelnatrium schwacher. Die gestrige Warenbörse zeigte ein freundlicheres Bild, wenngleich die ' Verbraucher von größeren Kaufen zurückhielten. Interesse war vorhanden für . Gelbkali. Lithopone (Rotsiegel) usw. usw. A u S g e b o t'e n wurden: Aetzkali 88/92 zu 11.000 K., Bittersalz lose pro 1000 Kilogramm zu 3 engl. Pfund 4 Schilling transit Passau, Bleiglätte zu 12.200 K., Chlorbarium krist. 96/98 zu 3.80 Dollar pro 100 Kilogramm transit Passau, Chlorkalzium geschm. 70/75 zu 1900 K.. ChlorsaureS Kali zu 6000 K. ab Salzburg, Eisenvitriol zu 1100 K., Gummi cord, zu 18.600 K., Kali gelbblausaures zu 71 engl. Pfund pro 1000 Kilogramm transit Passau, Minium Bleiberger zu 12 600 K., Schellack T. N. or. zu 98.000 K., Soda bic. B. zu 4350 K.. Lithopon Notsiegel 30»/, zu 7600 K. Oele und Fette blieben unverändert. Kolonialwaren. Einige Geschäfte erfolgten in Kaffee. ES notieren: Santos Prime zu Schilling 92/6 bis 102/6 pro 50 Kilogramm, Scntos fuperior zu Schilling 87/6 bis 89/6, Rio VII Johnston grün zu Schilling 73 eck Triest. Tee, Kakao und Gewürze blieben unverändert. Vanille Bourbon wurde zu 2,100.000 K. ausgeboten. Reis blieb gefchäftSloS. Zucker ist um 5 bis 10 Punkte billiger, Kristall notiert 3.46 tschech. K. Würfel 3.65 tschech. K. ab Grenze unverzollt und unversteuert solvie 10.460, resp. 10.960 K. ab Lager Wien. Ferner notier« slowakischer Kristall 2.80 tschech. K. und mährischer Proveniew 8 tschech. K. pro Oktober-Dezember ab Grenze. Lekwar 1923 bliel mit 8200 K. unverändert. Offeriert wurden: Bosnische Pflaume, 110/120 in Kisten zu 9100 K., I.a Barimandeln zu 42.50k (4-500 K.) und Kerasunda Haselnußkerne 34.000 K. (+ 600 K.1 Zum öfffeutlichen Verkaufe gelangten lauj Art. 311 de» H. .G. B. 1 Waggon Stahl mit 19,000.000 K.. 694 Paar Schuhe mit 59,000.000 K. und 8000 Liter Wein mit 89,000.000 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangen beute am 28. d., 7S11 Uhr vormittag», 10 Großfaß, 30 leere Fuhr» fäffer, 26 kleine Fuhrfässer. 1 Presse, 1 Filter, um 12 Uhr mittags, 430 Paar Schuhe, um 3 Uhr nachmittags Bureaumöbel und U<fr" nische Einrichtungen. Viehmörkte in A. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Borstenviehmarkt. Angemeldet wurden für den gestrigen Markt 7167 Schweine, allein zu Beginn desselben 6867 Stück, darunter 4911 Fleisch- und 1665 Fettschweine aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 671 inländische, 938 ungarische, 618 jugoslawische, 3955 polnische, 226 dänische, 371 schwedische und 402 niederländische. Angesichts des verminderten Austriebes und des kontinuierlich abnehmenden Importes in geschlachteter Ware, macht die steigende Bewegung weitere Fortschritte. Fleischschweine haben bei reger Nachftage 1000 K. und und Fettschweine 1000 bis 1500 K., stellenweise namentlich in minderen Qualitäten um noch mehr pro Kilogramm gegenüber der Vorwoche angerogen. Es notierten: Fettschweine prima 20.000 bis 22.000 K., extrem 22.500 K., mittelschwere 20.000 bis 22.500 Kronen, Bauernschweine 19.000 bis 22.500 K., alte Schweine 18.500 bis 20.000 Ä., und Fleischschweine 21.600 bi» 24.500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Pserdemarkt. Zum vorgestrigen Markte wurden insgesamt 270 Schlächter-, darunter 137 auf dem Kontumazmarkte, und 350 Gebrauchspferde gebracht. Bei flauem Verkehr notierten: Zugpferde leichte 4,000.000 bis 12,000.000 K., schwere 6,000.000 bi» 14.000.000 K., Kutschpferde 6,000.000 bis 12,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 4000 bis 11.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Dew-Borft, 26. Mai. Baumwollzufuhren in den atlant. und Golfhäfeu 7000, im Innern 3000. AuSftlhr nach Großbritannien 10.000, nach dem Kontinent 2000. Lokalmarkt middling: 32.85 (letzt. Kurs 32.70). Tendenz: Stetig. - Termine: Avril —Mai Juni — — Juli 29.88, August 26.17. September 27.55 Oktober 26.98, November — —. Dezember 26.20, Jänner 26.08 Februar —, März 26.12. Berliner Börse. Berlin, 27. Mai. Bei der vollkommen ungeklärten politischen und Wirtsä-aftlichen Lage, die immer wieder in den täglichen Zahlungsverlegenheiten seitens angesehener Firmen ihr Ausdruck fand, hielt die hochgradige Gefchäftsstille unverändert an. Die Kurse wiesen anfangs nur wenige Veränderungen gegen gestern auf. Leichte Erhöhungen glichen sich mit ungefähr gleichen Rück hängen aus. Immerhin war die Stimmung als widerstandsfählg zu bezeichnen. Im weiteren Verlaufe trat für Montanwerte eine mäßige Befestigung ein. Am Geldmarkt blieb die Lage unverändert. Am Devisenmarkt war eine weitere Abnahme der Anforderungen festzustellen. (Alles in Billionen von Mark.) S ck> l u ß k u r f e: Türkische Lose 10.6, Oesterr- Staatsbahn 31.1, Nordd. - Lloyd 8.-, Ver. Elbeschiffahrt 2.875, Berliner Handelsgesellschaft 25.—, Kommerz. Privatbank 4.125, Darmstädter Bank 6.9, Deutsche Bank 8.—, DiSkonto- Nommandit 8.2, Dresdner Bank 4.8, Nationalbank für Tentschland —.—, Oesterr. Kredit 0.875, Oesterr. LSnderbank SieichSbank 23-26, Wiener Bankverein 0.275. Wr. Union« tank 0.325. Alle,. ElektrizitätS-Gesellschast 7.6. Bochumer Gußstahl 47.875, Daimler Motoren 2.5, Deutsch-Luxemburger 43.75, Deutsche Maschinen 4.675, Dynmuit Nobel 5 9 Felten u. Guilleaume 17.8, Gelsenkirchener Berg. 47.625, Tb. Goldschmidt 9.6, Harpener Bergbau 54.—. Hirsch Kupfer 17.—. Höchster Farben 10.25. Hohenlohe-Werke Gelte 8 Wien, Mittwoch Rückgang der Zuckerpreise auf dem Weltmarkt. Aus London, 37.-Mai, meldet Radio: „Times" Heiden hervor, daß auf der gestrigen Neiw-Novker Warsnbövse die Preise von Rohzucker im Tevmiuhandel von 22 bis 9 Punkte zurückgeigoit^en sind, bei Schluß der Börse war Mai n-icht notiert, Iulüevmine notierten 337, September 353, Dezember 331. Zahlungsschwierigkeiten deutscher Firmen. Aus Frankfurt am Main wird telegraphiert: In hiesigen Bankierkreisen verlautet, daß sich ein 300 Jahre altes Frankfurter Privatbankhaus infolge Zahlungsunfähigkeit großer Debitoren in Schwierigkeiten befinde. Die Frankfurter Bankierderernigung ist bereits gestern zu einer Sitzung zusammengetreten, um über die Einleitung einer Stützungsaktion zu beraten. — Ferner wird Ms Berlin gemeldet: Wie die „Dossische Zeitung" erfährt, haben zwei Düsseldorfer ErsenhaMungsffrmen Antrag auf Stellung unter Geschästsaussicht gestellt. Aufhebung von Beschränkungen i« Arenzverkehr mit; Ungarn. Wie uns die Austro-Ungarifche HaM»elÄcmrmer mit-; teilt, hat die ungarische Regierung den Transportbewilli- - MMgsziwang für Weizen, Roggen, Halbfvucht sowie Ms Wetzen unlb Roggen hevgostelltes Speisemehl, ferner für Eier .und Speis ebohnen aufgehoben. Bon nun an ist im Grenz« Verkehr nur mehr die Ausfuhr von Mais, Schweinefett, s Schmer, Speck sowie Gans- und Entenfett au eine Bewillijyung gebunden. Die Kreditkrift in Lodz. Die großen Lodzer Textilfabriken G. K. Peznanski und Scheibler u. G rohst: a n n haben ihren sämtlichen Arbeitern dierzehn- , tägig gekündigt. Die Uvsache ist die Unmöglichkeit, bei der gegenwärtigen Geldknappheit nnd Kreditnot den Betrieib der Fabriken aufrechtzu erhalten. Eine ungarische Textilfabriksgründung in Rumänien. 'Unter der Leitung der Anglo-Austrian Bank und der Teilnahme einiger Privatkapitalrsten wurde em Syndikat gegründet, .welches in Timisoara in Rumänien mit 30 Millionen Lei Aktienkapital eine Iutefabvik etabliert. Me Leitung der Fabrik wird in Händen der ungarischen Syndikatsmitglieder liegen. Erhöhung des Schutzzolles für Textilartikel in Rumänien. Au8 Bukarest wird gemeldet: Hier befaßte sich der Oberste Zollrat mit der Frage des Schutzzolles für Textilartikel, und es wurde bestimmt, daß beim Import von Wollstoffen. Filz, Tuch, Lernen- und Hanfwaren und Garnen 18 bis 25 Prozent, das ist durchschnittlich ein 20prozentiger Zoll nach dem Werte der zu rmportierenden Ware, eingehoben werde. Im Vergleich zu den Friedenszollsätzen bedeutet dies eine 40- bis 60vrozemiae Erhöhivng des Zolles. Valutaeinsuhrverbot nach Rumänien. Das rumänische Finanzministerium hat die Grenzzollämter angewiesen, die Einftchr folgender ausländischer Valuten nicht zu gestatten: ungarische und österreichische Kronen, deutsche und polnische Mark. Di« Grenzorgane werden angewiesen, den Reisenden, die wenn auch einen geringen Betrag von einer der angeführten Valuten bei sich haben, diese abzunehmen urtd eine Quittung über den Betrag zu geben. Es wird nicht einmal die Einlösung des Betrages an der Grenze gestattet, sondern dieser muß deponiert werden und kann bei der Ausreise wieder behoben werden. Wiener Börse. Wesentlich erholt. Die gestrige Börse war von einer festen. Tendenz getragen. <fm Anfangsstadium war wohl noch etwas Reserve seitens der Spekulation vorherrschend, doch als bekannt wurde, daß eine Zinsfußermäßiguug des tschechischen Bankamtes bevorstehe, trat von den tschechischen Werten ausgehend, eine allgsmeine kräftige Erholung zum Durchbruche. Nebst Deckungskäufen für Prager und Budapester Rechnung fanden auch hiesige MeinungSkäuft statt, welche ftimmulierenden Einfluß übten. Das Hauptinteresse galt wieder den Petroleumwerten, die in größeren Posten zu steigenden Kursen aus dem Markte genommen wurden. Bevorzugt und wesentlich höher waren auch Elektrizitätsaktren und den Bankwerten kam die überaus günstige Bilanz der Kreditanstalt zugute. Wenn die feste Tendenz bis zum Ende des Verkehrs in Geltung Copyright Nachdruck verboten. Jtdischrr Bering, Berlin. 2. Fortsetzung. Hawdoloh md Zapfenstreich. Von Sammy Gronemann. Meinen Einwand, daß ich nur gerade notdürftig jüdisch lesen könne, ließ er nicht gelten, er versicherte mir, daß meine ganze TätigkeÄ darin bestände, daß ich die in . Wilna erscheinende Zeitung ,^Letzte Naijs" (,-Neueste Nachrichten"), das Blatt des Herrn Mavgolin, zu zensieren hätte, umd zwar handle es sich um eine söge nannte Nachzenfur, das heißt, dieses Blatt, das wach Vorzensur durch die Pressestelle in Wilna hevauskäme und versandt würde, gelange an unsere Presseäbteilung erst drei bis vier Tage, nachdem alle Abonnenten es empfangen hätten, und dann hätte ich gewissenthaft nachzupvüfon, ob der Zensur in Wilna irgend welche militärisch oder poMifch gefährlichen Stellen entgangen seien. Nun — dazu hielt ich mich allenfalls für fähig, und so Verfpvach mir Struck, daß ich umgehend vom Hauptquartier angefordert werden würde. Wir riefen uns ein fröhliches „Auf Wiedersehen in Kowno!" zu und trennten ums, ich wandE-e langsam 'durch den Tiergarten nach Haufe, während er fortsRrzte, um für einen jungen, mittMosen Maler eine Freiwohrmng gu suchen, einer Exzellenz km BotfchaftevbievtÄ Rat für die künstlerische Ausgestaltung irgend eines Patriotischen Festes zu geben und damit noch dem Talmudvortrag eines polnischen fremden Rabbiners durch seine Anwesenheit Glanz zu verleihen. Ta diese drei Tätigkeiten an drei verschiedenen Punkten Berlins zu erledigen waren und am Sabbat ja alles zu Fuß erledigt werden mußte, war solch Salbbat während der Urlaübszeit für Struck einigermaßen anstrengend. Danach mußte freilich der Dienst in Kowno, so wie er mir geschildert war, eine ruhige Angelegenheit sein, und so fuhr ich denn am nächsten Tage froher. Dinge, nach Fürstc-nlvailde zurück. Dienstantritt. Einige Wochen später kam dann die evsohnte Anforderung. Ich wurde „in Marsch gesetzt"^ nachdem Mn mich. mit funk-Llnagelneuer UMform und Ausrüstung versehen ha>tte, damit ich beim HauptguaEer den nötigen Eindruck zu machen in. der.Lage wäre. Da ich Uncrlei kriegierische Absichten hatte, verdroß es mich einigermaßen, daß ich m einem Gewehr neuesten Kalibers versehen und mit hundertachtzig Patronen beschwert wurde. Mein Hinweis darauf, daß es sich bei der Presfeabie.Hliu.ng doch nicht um eine Revolverpresse handeln könnte, Uis'ben erfolglos, ich mußte meim Waffen bis nach Kowuo schleifen, wo ich sie dann endgültig los wurde. Ich traf am zweiten Wngiftfeieriag 1916 in Kawno ein und fuhr mit der Pferdebahn, einvm vorfündflutlichen Beförderungsmittel, in die Stadt hinein. Sie liegt — so wie es Baedeker in fc/lchen Fällen Vorschveibt — malerisch am Flusse, in diesem Falle am Njenien, und man ist einigermaßen überrascht, in diesem Erdenwinkel, der, von der Perspektive der Fricdrichstmße gesehen, eine Art RendeDousplatz für Polarfüchse erlschien, an die Riviera gemahnende Farben zu erblicken. In der aber zeigt der Himmel ein tiefes Blau wie. an der Eote d'Azur und die reizend geschwungenen Hügel, die kleinen buntsn Hänschen mit den vielen netten Schnitzereien sehen anheimelnd genug aus. Auch fehlt es keinesweigs an jenem Patina von Schmutz, wellchem Land und Volk von Italien einen Teil ihrer malerischen Wirkung verdanlkm. Der pl:m«pe, protzige, griechische Dom freilich, der zlwlsthen die ärmlichen Häuschen gestellt ist, stört das idyllische Md. Ich habe anch späterhin nie begreifen können, wieso dieser Dom Struck zu so vielen Bildern reizen konnte. Vielleicht fpielt da das Heimwch nach manchen Produkten ueutkaiferlicher Architektur in Berlin eine Rolle. Ich suchte natürlich zunächst Strucks Wohnung ans, der sich im Gebäude des Feldrabbiuers Dr. Roftnack einqnartiert hatte. Struck war auf Dienstreise". Ich requirierte bei ihm allerhand gute Dinge — es herrschte auch späterhin in jenem Gebäude eine Art Kvmm'unismns, der sich bis nahe an die Zahnbürsten erstreckte, und belegte einen riesigen kahler: Raum neben Strucks Zimmer als Quartier. Dann Werte ich Hanö Goslar auf, den Begründer des HerZl-Klubs in Berlin, von dem ich wußte, daß er die litauische Zeitung „DabartiS" reldigierte. Ich fand ihn in seiner Redaktionsstube, einem kleinen Loch, inmitten einer erschütternden Ünordnüng, die mich sympathisch berührte. Er hielt anscheinend mit großer Befriedigung die eiben von der Presse gekommene neueste Nummer der „Daba-rlis" in der Hand, und ich glaube, daß kaum ein Redakteiur je>n:als eine so ungetrübte Vefviedigung an seinem Blatt haben konnte wie Hans Goslar. Keine ärgerlichen Druckfehler konnten den Frieden seiner Seele stören — er konnte nämlich kein Wort Litauisch. Das ist wörtlich zu verstehen. Er war nicht etwa mit anderen deutschen Redakteuren zu vergleichen, unter denen es viele gibt, von denen mit n:ehr oder weniger Recht behauptet wenden kann, daß sie kein Deutsch verstehen, sondern er tvar wirklich vollkonunren uübestngm, er konnte nicht einmal das Mphaibet der Sprache deB Blattes, dessen Chefredakteur er war. Nur ein in militärischen Dingen absolut unerfahrener Mensch wird das auffallend finden. Der Landsturmmann Goslar war koirunandiert, eine litauische Zeitung zu redigieren, Befehl ist Befehl — und also tat er es; — man sagt sogar, er hätte seine Aufgabe sehr gut erfüllt. Um aber auch militärischen .Laien die Situation klar zu nmchen, will ich hier gleich einen Dialog einflechten, der sich, freilich ein Jahr später, zwischen dem Leutnant O., den: Leiter des Buchprüsungsamtes, und Leo Deutschländer, dem später dorthin kommandierten hebräischen Dolmetscher, äbspielte: Leo Deutschländer erhielt eines Tages einen großen Haufen Bücher auf den Tisch geleigt. Er nahm die Bücher unter den Arnr und ging zu Leutnant O., den er darauf aufmerksam machte, daß die Bücher litauisch wären, während er nur hebräischer Dolmetscher seil „Ja, da hilft nichts," sagte der Leutnant, ,cher litauische Dolmetscher ist verreist, Sie.müssen diesmal ihn vertreten". Aber ich kann kein Wort litauisch," sagte Deutschländer. „Sie können doch hebräisch?" „Jawohl, Herr Leutnant." „Na, also, litauisch ist viel leichter wie hebräisch! Wegtreter:!" (Fortsetzung folgt.)