Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1897 (27.5.1924)
- Date
- 1924-05-27
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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(Jette '10 Wien, Dienstag x'ut .\-.i j . 'i-cstäiwen ■ mm N f u st ci d l c v e r p e.n t l n.o: c c!?ntici'. Wochen in Anbetracht der linttc eine InKiiiventni'; cinuciei', auch ist dann mit einer ''lnswirt'nnq der '.licdriqcren amcritanischen und französischen Notiernnaen sür Terpentinöl zn rechnen. T n r n s s i s ch e n T e r P e n t i n ö t e n wird der Markt ,s;n Teil ungünstig beeinflußt durch Zwischenhönde, die ihre Ware nnbedinat losschlagen wollen. In den Produktions- ^enien.'n selbst sind Notierungen für russisches Terpentinöl nur ineaig abgeschwächt, im allgemeinen noch immer ziemlich unoerändert fest. Beiestigt baden sich Essigsäure 86 Prozent für Genuß- -.me-.te um -200 .u. auf 24.000 il. und Ttearintafclti prima um 290 M. auf 20.000 K. schwächer tmdierte Karbolsäure 39-41 weih trist. um z-wei Punkte und notiert 67 engl. Pfund transit Wien. Erz. Tie Lage am französischen Markte ist ziemlich fest. Die Forderung des Eisenerzes ist im Zunahmen begriffen. Die in bescheidenen Grenzen sich bewegende Zunahme der Fürderzisfern (Dezember 1922, unmittelbar vor der Rrchrbesetzung, 2,181.286 Tonnen) ist auf den Mangel an Arbeitskräften zurückzuführen. Jedenfalls steht die mäßige Vermehrung in grellem Kontrast zu der viel stärkeren Abnahme der Vorräte, die gegen Jänner um 595.738 Tonnen abgenommen haben. Dieser "Rückgang der Vorräte ist eine Folge der vermehrten Eiscnproduktwn'mi Zusammenhang mit den reichlicheren deutschen Kokslieferungen und Neuanzündungen von Hochöfen. Die deutsche 'Nachfrage ist rege. Immerhin verfolgt man die deutschen Dabane-Erzkänfe in Frankreich nicht ohne eine gewisse Beunruhigung. Börse für landwirtschaftliche Produkte. (Eigenbericht der ,Mener MorgenZertumg") Die Schilderungen über die Entwicklung der Vegetation *. den Snkzessionsstaaien lauten außerordentlich günstig, speziell Weizen steht sehr üppig und verspricht, falls keine Wetterstvrungen emtreten, einen vollen Ertrag. Der Stand der Roggenpslanrze in er Slowakei wird etwas bemängelt. Das Gchchäfl auf dem Wiener Platz hat in der zloeiten Wochen« halste ebenso an der Samstagbövse eine Einschränkung. erfahren. Der schlechtere Gang des Mehlgeschästes sowie billige Offerte im Neugetreide veranlassen die Mühlen zum Stillstand im Einkauf. Weizen wurde in inländischen und ungarischen Provenienzen zum Umsatz gebracht, dagegen ist das jugoslawische Erzeugnis vernachlässigt. Roggen tendierte gleichfalls ruhiger, verzeichnet indes ziemlich bÄrnaveiches Geschäft in russischen Provenienzen für den Bedarf Böhmens cif. Trieft. Gerste ist gefchäftslos, aber preishaltend. Der Absatz in Mais bleibt schwerfällig, dagegen begegnet Hafer ziemlich awrmaler AloNsnmfrage und wurde mehrfach in rumäuischm und 'guten .nlgarischen Provenienzen gehandelt. Das Mehlgeschäft trägt allgemein ruhigeres Gepräge, die großen Wfchlüsse, die in der Vorwoche getätigt wurden, bewirken jetzt eine natürliche Zurückhaltung, die Preise für alle Mahlprodn'kte find ziemlich unverändertes Es notieren vro Kilogramm ab Wien inklusive der Würenumsatzsteuer: Weizen inländischer 3375 bis 3425 K., ungarischer Theiß 3559 bis 3600 K., ungarischer 3450 bis 3550 Kronen, jugoslawischer 3550 bis 3600 K„ rumänischer 3400 bis 3500 K.. Manitoba 4000 bis 4050 K.. Roggen inländischer 3150 bis 3250 K.. ungarischer 3050 bis 8100 K.. Gerste inländische 3350 bis 3450 K., tschecho-slowakische 3550 bis 3850 K., 1.70 bis 1.50 tschech. K. ab Marchegg. Dtais jugoslavischer 2700 bis 2800 K., rumänischer, bulgarischer 2675 bis 2775 K. Cinguantin, 3300 bis 3400 K., Hafer inländischer 2775 bis 2900 K. ungarischer 2500 bis 2900 K., rumänischer 2675liS 2800 K.„ Weizengrieß inländischer 6000 bis 6100 K., Weizenmehl Nuller inländisches 5750 bis 5850 K., Mgarisches dopvelqriffig 5500 bis 5600 K., griffig 5300 bis 5400 5k., amerikanisches Vollpatent 5800 bis 6200 K., Brotmehl inl. Ia 4000 bis 4100 K., Futtermehl Ia 2500 bis 2900 K.. Roggenmehl Ia 4650 bis 4750 K.. Weizenkleie 2250 bis 2300 K., Roggenkleie 2200 .bis 2250 K. Baumwollmartt. Dew-Vorst, 24. Mai. Baumwollzufuhren irr den atlant. Und Golshäfen 12.000, im Innern 1000. Ausfuhr nach Großbritannien —.—, nach dem Kontinent 5000. Wiener Morgenzeitung. „ middling: 32.70 (letzt. Kurs 32.85). Teil den,',: Ttetig. — Termine: Avril —. Mai —.—, 'lliiii —. Juli 29.74, August 28.10, September 27.10. Oktober 26.52, November —.— Dezember 25.75, Jänner 25.59, Februar —, März 25.74. Berliner Börse. Berlin, 26. Mai. Da die Bildung der neuen Regierung in Deutschland noch nicht gelungen und der Arbeiterausstand im KMenbevKau mit seinen ungünstigen Wirkungen ans das allgemeine Wirtschaftsleben noch nicht beigeleat ist, so sind im großen und ganzen die gleichen Ursachen für die andauernde Lustlosigkeit und schwächere Haltung dr Börse maßgebend ge- Wieben. Da bis zur Klärung der Lage die Unternehmungslust so gut wie vollständig ruht, hat die GoschäftsstMe aus allen Märkten einen kaum noch überwindbaren Umfang angenommen. Das verhältnismäßig Keine Angebot, das immer noch herauskommt, genügte, um weitere Kursnbschwächunaen her- Mren. In ihrer Gesamtheit waren diese aber nicht sehr und gingen bei den einzelnen Monran- und Schifffahrtsaktien über 2 bis vereinzelt 8 Billionen Prozent nicht hinaus. Der Geringfügigkeit der Unvsätze im Großverkehr entsprach auch das stille Geschäft in den zu Einheitskursen gehandetten Jndustrrepaprercn, wo ebenfalls zumeist mäßige Rückgänge überwogen. Mn Geldmarkt hat die Erleichterung 'Ungehalten. Am Devisenmarkt war abermals ein Rückgang der Ansovdevungen festzustellen, so daß die Reichsbank in der Lage war, mit der vollen Zuteilung auf den wenigen noch repartierten Nebenplätzen sortzufahren. (Alles in Billionen von Mark.) Schlußkurser Türkische Lose 20.—. Oesterr. Staatsbahn 33.875, Nordd. Lloyd 4.9, Ver. Elbeschiffcchrt 2.375, Berliner Handelsgesellschaft 25.—, Kommerz. Privatbank 4.375, Darmstädter Bank 7.125. Deutsche Bank 8.—, Diskonto- Kommandit 8.3, Dresdner Bank 5.—, Nationalbank fßt Deutschland —, Oesterr. Kredit 0.4, Oesterr. Länderbank —, Reichsbank 22.—, Wiener Bankverein 0.275, Wr. Unionbank 0.275, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 7.625, Bochumer Gußstahl 47.—, Daimler Motoren 2.5, Deutsch-Luxemburger 43.75, Deutsche Maschinen 4.625, Dynamit Nobel 5.7, Felten u. Guilleaume 18.1, Gelsenkirchener Berg. 47.1, Th. Goldschmidt 9.3, Harpener Bergbau 54.—, Hirsch Kupfer 17.2, Höchster Farben 10.25, Hohenlohe-Werke 20.5. Laurabütte 6.1, Mannesmannröhren 6.25, Phönix Bergbau 24.625, Schuckert u. Co. 32.—, Siemens u. Halste 88.—, Telephon Berliner 2.875, Goldanleihe 4.2, Dollarschatzanweisungen 75.70. Prag« Börse. Prag, 26. Mai. Wiewohl dem heutigen Markt neue Anregungen fehlten, eröffnete die Börse in etwas freundlicherer Stimmung. Die Kurse einzelner Jndustriepapiere lvaren nläßig fester, das Geschäft aber ganz gering und die Umsätze minimal. In der Kulisse gestaltete sich der Verkehr nur in Skoda-Aktien lebhafter. In den übrigen Werren fanden nur Umsätze bei um 2 bis 5 tschech. Kronen erhöhten Kursen statt. Bankaiktien lagen fast unverändert, Wiener Banken waren kaum behauptet. In einer ganzen Reihe von Schvaukentocrten kam es überhaupt zu keinen Abschlüssen. Auf dem Anilagemarkt erholte sich 4. Staatsanleihe. Ländespapiece waren unverändert Exoten lagen in der Mehrzahl höher. Der Schluß war behaupetet. Schlußkurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —, Böhm. Unionbank 413.—. Böhm. ESkomptebank 400.—, Böhm. Jndustrialbank 422.—, ZivnvstenSka Banka 405.—, Anglobank 113.60, Oesterr. Kredit 92.—, Wiener Unionbank 81.—, Wiener Bankverein 66.—, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A —Lit. B , FerbinandS-Nordbabn 6000.—, Prag-Tuxer 166.—, Llussig-Teplitzer Eisenbahn —, Nestomitzer Zuckerindnstrie 1455.—, Bereinigte Elektrizität Wien 119.—, Brosche 1075.—ex., Koliner Spiritus 1010.—, KönigSbofer Zement 950.—, Breitfeld-Danek 488.—, Ninghoffer 685.—, Simmeringer 106.5V, Notbkosteletzer Textil 316.—, Alpine Montan 236.—, Poldihütte 265.—. Prager Eisen 888.—, Oesterr. Berg n. Hütten 2170.-, Skoda 604.50. Jnwald 230.-. Budavester Börse. Budapest, 26. Mai. Dia Stimmung der Börse war zu Beginn ziemlich behauptet und trotz der herrschenden Geschäftsstille kam es zu keinen.tocitcren Rückgängen. Das Geschäft bewegte sich in den engsten Grenzen, doch war weiter- '27. Mai 1924 Nr. 18V7 b-'n die Kursgestaltnng nach oben gerichtet und bis zmn Schlüsse ergaben sich Kurssteigerungen von 2 bis 3 Prozent. Ta aus Wien keine besonderen Anregungen Vorlagen, kam es zn keinen größeren 'Kursbesserungen. Ter Schluß war Mt behauptet, der Verkehr etwas lebhafier. Besonders Arbitrage- Papiere waren gefragt. Wochengeld war zu 1 Prozent stark angeboten. (Alles in Tausenden von Kronen.) S ch l u ß k u r s er Britisch-Ung. Bank 65.—, klug. Kredit 653, Oesterr. Kredit 244, Salgo Kohlen 730, Rimamnranyer 149, Südbahn 71.—, Staatsbahn 730.—. Anglobank —. Gran-- SzaSzvarer 415, Oberung. Berg- Hütten 665.—, Trasche- Ziegel 240, Nng, allg. Kohlen 9880. Urikany Koblen 1180, Koburg —.—, Spodium 212, Clottlde chem. Fabrik 85.— Ung. Eisenbahnverkehr 250.—, Verein. Holz —. Adria 3000. Ae SettHenhnte. Zürich, 26. Mai. (Devisenkurse von 12.08 Uhr. — Vom der Schweizerischen Kreditanstalt mitgeteilte Mittelkurse.) Berlin pro Milliarde Holland 211.50 (211.30), New-Uort 566.25 (566.25), London 24.62 (24.59), Paris 30.90 (30.65), Mailand 25.05 (25.05), Brüssel 26.65 (26.25), Kopenhagen 95.50 (95.50), Stockholm 150.25 (150.-), Christian!« 78.60 f78.75>, Madrid 77.60 (77.60), Buenos Aires 185.- (184.05), Prag 16.70 (16.70), Budapest 0.0065 (0.0067), Bukarest 2.65, (2.70), Belgrad 6.97V, (6.97'/.), Sofia 4.10 (4.10). Warschau — .- -.-), Wien 0.007975 (0.007962). Berlin, 26. Mai. (Devisenkurse.) (Zn Goldmark für 100 Eknlielten mit Ausnahme von Buenos,New-Fork, London,Javan und Rio für 1 Einhett, Wien und Budapest für 100.000 Einheiten.) Amsterdam 157.61 (157.51). Belgien 19.65 (1965). Chrisiiania 58.45 (58.35), Kopenhagen 71.12 (71.22), Stockholm 111.72 (111.72), Italien 18.70 (18.70), London 18.305 (18.805), New-Uork 4.19 (4.19). Pari» 28.10 (22.94). Schweiz 74.61 (74.81), Spanien 57.86 (67.86). Wten 5.93 (5.94). Prag 12.46(12.51), Budapest 4.58 (4.58), Sofia 3.07 (3.07). Belgrad 5.155 (5.18). Berlin, 26. Mai. (Notenkurse.) (In Goldrnark für 100 Einheiten mit Ausnahme von Dollar und Pfund für 1 Einbeit, österreichische für 100.000 Einheiten und polnische für 10V Zloty.) — Noten: Dollar 4.19 (4.19), Pfund 18.30 (18.30), Italienische 18.60 (18.70), Oesterreichische 5.89 (5.91), Polnische 77.- (77.-), Tschecho-slowakische 12.44 (12.62). Prag» 26. Mai. (Devisenkurse. — Mtgeteitt vom Baukamte des tschecho-slowakische« FinanzvinisteriumS.) — Berlin*) 8.08 (8.07), Zürich 603.25 (603.75), Paris 191.25 (190.25), London 147.80 (147.80), Neto-Zork 33.85 (33.95), Belgrad 42.55 (42.62), Bukarest 15.70 (16.10), Wien 4.79'/, (4.80), Warschaus 6.67 (6.65), Agram —.— (—.—), Budapest 3.80 (3.95), Jugoslawische 42.47V. (42.55), Oesterreichische gestempelte Krone 4.77 (4.77'/,), Polnisches 6.52 (6.47), Ungarische 3.75 (3.75). *) Pro Billion, f) pro Mlli-on. Budapest, 26. Mai. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 33.000 bis 34.200, Bukarest 415.— bis 435.—, Kopenhagen 15.040 bis 15.440,Christtama13.400 bis 12.750.London387.700 bis 397.700. Berlin bis —Italien 3940- bis 4050.—, Paris 4860 - bis 5010.-, Prag 2630.- blS 2700.-, Stockholm 28.400 bis 24.050, Zürich 15.750 bis 16.150, Wien 1.2560 US 1.2880. Sofia 645.— bis 665.-, Agram 1095.— bis 1130.-, New^ork 89.200 bis 91.500, Warschau —.- bis Brüssel 4190.- bis 4320.-. Belgrad, 26. Mai. (Devisenkurse.) London 354.12 bis , Baris 445.50 bis , New-York 81.35 LiS Genf 1437.75 bis Saloniki -.— bis —. Mailand 360.12 bis —Prag 240.80 bis Berlin bis Wien 0.1155'/, bis Bukarest 36.87 bis -.- Sofia —bis —, Budapest —bis —, Brüssel —bis —, Amsterdam —bis —Warschau — bis —. Agram, 26. Mai. (Devisen.) Wien 0.1151 bis — Berlin bis Budapest 0.11, Bukarest 37.50 bis —.—, Italien 360.25 bis —London 354.50 bis — New-Hork 81.37'/, bis —, Paris 447.60 bis —.—, Prag 240.80 bis Sofia bis Schweiz 1439.- bis —, Brüssel —bis —, Warschau —.— bis — .— Amsterdam 3040.— bis —, Stockholm —bis —. Warschau, 26. Mai. (Devisen.) Berlin —, London 2243 bis 2256, New-Pork 516 Bis 521, Prag 1523 bis 1537. Wien 728 bis 735. Copyright Nachdruck verboten. Jiddischer Verlag, Berlin. 1_„ Fortsetzung. Hawdoloh und 3apfenftreich. Von Smnmy Gronemann. Aber bannt wurde es nichts und ich vertauschte bald das Krankenhaus dort mit einem solchen in Berlin und einige Monate spater konnte ich. wenn auch „dauernd ftontnnsähig", so doch immerhin „dienstfähig" in Mrstenwalde an der Oder bei meinem Ersatzbataillon mich melden, irm dort durch ständiges „Das Gewehr über!", „Gewehr ab!" oem Vaterlande aufs neue meine unschätzbaren Dienste zu weihen. Aller menschlichen Voraussicht nach hätte ich siefe sinnvolle Tätigkeit bis zum Kriegsende fortfetzen können, wenn ich nicht eines Tages in Ber'lln meinen alten Freund Hermann Struck getroffen hätte, der wieder mal aus Urlaub in Berlin wellte. Hermann Struck brauche ich Wohl nicht zu schildern. Von den Angehörigen einiger wilder Mämme von Zentral^ asrika abgesehen, gibt es wohl wenige Menschen, die nicht einmal seine Gefälligkeit in Anspruch genommen ihaben. Er hatte gut, sich in eine Wolke von Reserviertheit und Kälte zu hüllen. Cr brachte an der Tür seines Ateliers in der Brückenallee ein Schild an, auf dem eindringlichst den Besuchern klargemacht wurde, daß seine Zeit kostbar sei. und er keine Muße hätte, sich über „Kunst uüd anderes dummes Zeug" zu unterhalten. — Er ist bis heute Freiwild für alle möglichen Bittst-üler geblieben, bei ihm werden Kummer und Sorge äbgeladen und man begreift nicht, wie er noch Zeit findet, seine prächtigen Radierungen und GemMe zu schaffen ulld in hundert Vereinen, vor allem auch in unserem „Klub ehemaliger Intellektueller" zu wirken. Heute gehört er dem genannten Verband freilich nur noch als korrespondierendes Mitglied an. Er hat sich, \\\n endlich in Ruhe feiner Kunst leben zn können, nach Palästina geflüchtet und aus dem Bergabhang in -Haifa sein Heim aufgeschlagen, nachdem er zu seiner Freunde und seiner eigemn Neberraschrtng geheiratet hat. Wie er dazu die Zeit gefunden hat, ist 'unbegreiflich. Die Folgen seiner Flucht nach Palatina waren, daß der Fremdenzustrom nach dort sich unendlich vermehrt hat, da nun alle die Leute, die seine Hilfsbereitschaft in Anspruch nehmen, Wallfahrten ins heilige Land antreten. Dos Tuskulum von Hermann Struck ist ständig von Gästen überfüllt, man schläft auf -ber Diele, auf den Treppen und aus dem Dache, und es ist die besuchteste Einsiedelei der Welt geworden. Herntann Struck mußte mir also auch in meiner Rot helfen. Ich bemerke, daß ich zu denjenigen gehöre, welche seine Hilfsbereitschaft nicht so skrupellos ausnutzen wie die anderen, sondern ich.halte ihm im Gegenteil stets erst eine große Rede darüber, -daß er die Pflicht hätte, sich der Ausbeutung seiner Gutmütigkeit zu entziehen und rundweg alle Bittsteller hinauszuwerfen. Tann erst pflege ich ihm me'rne persönlichen Bitten vorzutragen. Tamäls also traf ich den Kriegsfreiwilligen um.d Gefreiten Struck in der Syrtagoge der Lessingstraße. Mir fiel em Stein vom Herzen, als ich ihn sah. Sein stattlicher schwarzer Hevzl-Bart war noch vorhanden. Es 'war da's Gerücht nmgegangen, der Bart sei im Kriege gefallen, und es war gar nicht auszudenken, welcher Jv-mmer unter den Töchtern Judas entstanden wäre, wenn das Gerücht die Wahreit gefprocherr hätte, übrigens nicht nur unter deit Töchtern I u d a s! Es sei an dieser Stelle bemerkt, daß Hermann Struck sich von den Heiligen der Kirche im wesentlichen -dadurch unterscheidet, daß diese in ihrer Jugend ausgiebig lebten und erst später sich frommen Werken zuwandten, um die Kanonisterungskarriere einzuschlagen („Hat man den Schwung nicht mehr, so wird man weise", sagt Arüolb Zweig), während Struck von jelher die Funktionen des Lebemannes mit denen des Heiligen zn vereinen wußte. Er ist die seltsamste Mischung von Fakir und Bonvkvant, die man sich denken kann. Wir sind seit unserer Studentenzeit miteinander befreundet und haben ldamals manche Iitcmrtfch-künstlerischen Stunden gemeinsam verbrochen. Das schone Buch „Die Tulpenthaliade", zu dem ich die Verse, er die Zeichnungen nrachte, dürfte kaum noch irgendwo aufzutreiben fein, und so sei der schöne Titelblatt- Vers hiermit vor der ewigen Vergessenheit gerettet. Er lautes „Es quälten sich mit Kwonc dran, H. Struck und Samy Gronemann", wobei sür die minder sortgeschritteueu Hebraisten oenwrk sei, daß „Kwone" gleichbedeutend mit Inbrunst ist. Ich habe schon meine Leser gewarnt, wenn mir etlvas Nettes einfällt, bringe ich es an, ob es in den Zusammenhang Paßt oder nicht, und wie ich eben von.Hermann Strucks Herzl-Bart sprach, siet mir eine hübsche Anekdote ein, die ich in Sicherheit bringen muß. Im Jahre 1900 gab Sir Franci's Montefiorc zu Ehren von Theodor Herzl irr London ein Bankett. Ein hoher englischer Diplomat, der sich durch die alles verdunkelnde Persönlichkeit des großen Begründers des modernen Zionismus etwas befangen fühlen mochte, machte zu David Wolfsohn, der neben ihm saß, die spöttische Bemerkung: „Ich glaube, der Erfolg des Zionismus beruht nur auf der wunderbarelt Schönheit des Dr. Herzl. Wenn Dr. Herzl sich seinen Bart äbnchmen läßt, ist 'der Zionismus tot." Darauf erwiderte Wolfsohn lächelnd: „Möglich, aber ich versichere Sie, der Zionismus wird gleich wieder wachsen." Ja, ich war also in der Synagoge in «der Lessiugstraße UM halbe nur üben, wie es in der Synagoge ja üblich ist, vioir allen möglichen nicht Mr Sache gehövigeu Dingen ge - plaudert. Nach 'beendigtem Gottesdienst Mhin mich Struck urit und wir Uluterihielteu uns aus einem Baillou der Brückenallee, zu dem dauernd einige Wäsche legende Jungfrauen hinaushimmelten. Er erzählte mir, daß er in Kowno am Sitze des Oberbefehlshabers Oft als jüdischer Dolvretscher tätig sei und daß dort ein zweiter Dolmetscher: dringend gesucht würde. Er seWst wolle nvöglichst 'bald sich an die Fvorrt melden und außerdem sei er mit künstleri^ scheu Aufträgen u>n!d mit der Erledigung von tauisendciifct Gefälligkeiten für Offiziere und .Kameraden und die eingeborne Bevölkerung überlastet. Der Hauptnlcmn Berrka>r hätte ihn deshalb beauftragt, einen zlvciten des Jü'o'schen kundigen Mann zu besorgen, und das sei gerade eie osten für mich. (Fortsetznllg folgst