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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-27 · Heft 1897 (27.5.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1897 (27.5.1924)
Date
1924-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer K120 0 W i,e n: ZumAbholen in deV Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik). monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der firma Goldsehmiedt,I.Bezn Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Desterr. monatl. K 85.000 Ts che ch o-Slowakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon.DinaröO. Polen: Mon. 3X/S Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr ankr,, Belgien: Mon. Frcs. 12 gZA- Naehcahlun?en bei Prei«erhohunjren Vorbehaltes WW«W» Nr. 1897 * ♦ fflien. Slenstng. 27.9)lni 1924 PüIen:polnIU50.ÜÖf Italien: Monatl. 12 Lire Rumänien Mon. 130 Lei Bulgarien Mon. 80 Lewa Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6Uhr abds.19-483,25-282 IX. Unlversitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 6. Jahrgang Demission Ir. Marx. Bor der Konstituierung des neuen Reichstages. — Zer bürgerliche 8iuheitsbloü gescheitert. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Berlin, 26. 'Mar. Die Reichsregierung hatte in ihren Sitzungen vom 6. und 15. d. beschlossen, Vis zum Zusammentritt des Reichstages im Amte zu bleiben. In Verfolg dieses.Beschlusses hat die Reichsregierung erneut zu dieser Frage Stellung genommen und einmütig beschlossen, dem Reichspräsidenten ihre Demission zu überreichen. Der Reichspräsident hat die Demission ent ge gengenommen uNd das Reichskabmett mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte beauftragt« ist im Lauft des gestrigen diaDmittags durch einen Beschluß der deutschen Volkspartei in ein Neues Stadium getreten. Die. deutsche VoWsp'artei hat, wie es in dem hierüber ausgegebenen Gommuniqm heißt, unter Billigung der bisherigen Haltung der Reichs'-- minisier Dr. Stresewarvy und Farres einsiimmig beschlossen, die ' . ' Demission des KMnetts zu fordern, um die Bahn für die verfassungsmäßige Msgabe deZ -Reichs-- Msidenten, eine den paMmentavischen DeHAtnisien ent- WDveMWyven, Wll M O SelHmterweffe ihrer Kundgebung auf die KanAiuEMdGdWtur Tirpitz. Sie nennen den Namen nicht, aber sie sprechen die AnWk ans, daß die sachlichen Schwierigkeiten MeckLbev Reparationsmächten durch dft AutoriM einer beitvDMy Persönlichkeit eher überwunden werden könnten. Das Ergebnis der fortgefttzten AEiouZberMtzW ist aber, daß dev Bürgerblock mmrmhr endgültig erledigt ist. Es ist in diesem AugenbAck noch nicht gewiß, was dev Reichspräsident nach 'EntgegennHme des Rücktrittsgesnches des Kabinetts unteruchMen wird. Cs heißt, daß er den Reichskanzler Dr. Marx ersuchen wich, im Amte zu bleiben. Eine Erklärung der Regierur^sMEeLenk. In einer einmütig angenommenen Erklärung zur <mßenpMischen Lage weisen die bisherigen -Regierungs- Parteien, Zentrum, deutsche Volkspartei und deutsche demokratische Partei, daraus hin, daß die innere Bereitschaft, die in Deutschland für die erforderliche Steigerung der Produktivität und die Uebernahme schwerer Lasten notwendig sei, niemals geschaffen werden tonne, solange' das traurige Schicksal tausender vertriebener und ihrer Freiheit beraubter Deutscher die Nation belaste und beunruhige. . - . / In der EMarung heißt es MN Schlüsse: Die L8sung der Reparattonsfrage durch das Gutachten bedeutet die Wiedecherstellung aller vertragsmäßigen Rechte des Deutschen Reiches und' damit die Freiheit des nicht vertragsmäßig besetzten Gebietes von jeder Besetzung sowie die Wiedecherstellung des Rheinlandabkommens für die vertragsmäßig besetzten Gebiete und die Gewährleistung der Reichssicherheit für deren Bewohner. Die Unterzeichneten Parteien sind geeint in dem starken nationalen Willen, die Regierung bei einer nach den vorstehenden Grundsätzen geleiteten Außenpolitik zu unterstützen und sich für die Durchführung der zu diesem Zwecke erforderlichen Gesetzesmaßnahmen einznsetzen.' ' * Berlin,.26. Mai. Der zweite Reichstag dev deutschen Republik tritt morgen nachmittags zu seiner ersten Sitzung zusammen. Im Reichstag herrschte schon heute lebhaftes Treiben. Fast sämtliche Abgeordnete haben sich bereits in Berlin eingesunden und sämtliche Fraktionen tagten heute in fast voller Zahl. Die morgige Eröffnungssitzung, die vom Alterspräsidenten, dem sozialdemokratischen. Abgeordneten Bock geleitet werden wird, wird rein formaler Natur sein und nur die Konstituierung des neuen Reichstages bringen. Die erste Plenars i tz u n g ist erst für Frei ta g vorgesehen, um den Fraktionen Zeit zu lassen, sich Über die Wahl des neuen Reichstagspräsidenten schlüssig zu werden. Ueber die Präsidentenwahl haben die Parteien, da düs ganze Interesse durch die Frage der Regierungsbildung absorbiert war, noch keine Verhandlungen Sowohl die Deutschnationaleu als auch die Sozialdemo kr ten erheben als ■ stärkste Partei den Anspruch auf den Reichstagspräsidenten. Die Deutschnationalen, die 96 Abgeordnete zählen, sind durch den Beitritt der Abgeordneten des Landbundes eine stärkere Fraktion geworden als die Sozialdemokraten mit ihren 100 Köpfen. Die Sozialdemokraten stehen auf dem Standpunkte, daß für die Berechnung der Fmktionsstarke die Zahl gilt, die die. Parteiliste errungen hat. Die Deutschmtiomlen kandidieren den Abgeordneten Dr. S t c.i ninger, von Seite der Sozialdemokraten wird dev bisherige Präsident Lobe kaMdiert.. Die / Kandidatmr Äbe M Ke größere Aussicht» dü auch Ke' Parteien der Mitte für ihn stimmen durften, in der Erwägung,' daß die Leitung der Reichstagsverhanblungen große Erifthruug und gleMeit'rg große Energie verlangt. Beides trW beim Präsidenten Lobe zu. Schon die morgige ErosfnungMtzuug verlangt eine energische Persönlichkeit. Im Reichstag verlmrtet, daß die Konmmnisten schon morgen Lärmszeuen SeranstalteN Wollen. Den besten Anlaß hiezu Wrfte ihnen die Verhaftung hon vier Kommunisten in Bayern g^en, Auch das ' erste Auftreten Ludendorsfs im ReWstag dürste von den Kommunisten nicht ruhig Hingenommen werden. Da die Kommunisten auch/ zahlreiche Anhänger auf die Tribüne« bringen wollen, wird' dtzv Reichstag durch . SchutzPolW stark gesichert sein. Der Eingang wird genau kontrolliert werden, es ist auch damit zu ’ rechnen, daß die Tribunenbesuchev auf eventuellen Waff e n b e sitz untersucht werden. Interessant ist auch die Verteilung der.'Sitze im neuen Reichstag. Deutschnationale und DeutschMkische nehmen auf der' Rechten Platz, den Platz Heffserrchs hat .Großadmiral v. Tirpitz zugävieftn erhalten. Die früheren Sitze der deutschen Bolkspartei nehmenJtzt zum großen Teile der DeütschvWischen ein. Ludendotffthat seinen Sitz neben den Abgeordneten Hülle und R e v v n t I o J f. Eoolidge unterzeichnet die kinlvandekungsbill. - (EigeMenst der ,/Wiener MorgenzeitMtg".) Paris, 26. Mai. Aus Washington wird gemeldet: Präsident C o o l i d g e Unterzeichnete heute die E i n w a nderungsbill, wonach den Japanern der Aufenthalt in den Bereinigten Staaten unmöglich gemacht wird. In Tokio erklärte der Ministerpräsident, daß die Nachricht über das Einwanderungsgesetz in Japan mit grötz t e m B e d a n e r u ausgenommen worden sei. Man hoffte bis zunr letzte Augenblick, daß Coolidge Veto Men das Gesetz emlegen werde. Nun hat der Präsident doch unterzeichnet, ohne von seinem Roht Gebrauch. zu machen. , . Die amerikanische Botschaft in Tokio hat Hre Demission gegeben und der j a p a n i s ch e B o t s ch a ft I ter in Washington verläßt ebenfalls seinen Posten. m Pazifismus und Abrüstung. —y. W i e n. 27? Mai. Die Abrüstungsidee wird wieder eimnal aktuell. Der' Präsident der Vereinigten Stauten hat die Absicht geäußert, eine internationale Konferenz einzüberufen, die Mttel und Wege zur Einstellung oder Verringerung der mMärischen Rüsturrgm suchen soll. Er knüpft die Realisierung seines Planes an das Schicksal der Er- . perten-Gutachten über die Umstellung der deutschell Wirtschaft auf die Rcharaüonsverpflichtungen. Die Erfüllung dieser Vorbedingung stößt allerdings auf sehr gewichtige Hindernisse, da ja hierzu erst Beschlüsse des deutschen Reichstages notwendig sind, von dem man im Augenblick nur bei sehr hohem Optimismus behaupten kann, daß er Positive Arbeit leisten wird. Einstweilen ist nicht einmal noch der Termin seiner Eröffnung bekannt und die Dinge, in Deutschland find noch immer erst im "Entwicklungsftadium. Die Deutschnationalen haben während der Wahlen allzu hohe Versprechungen an den kriegerischen Geist gemacht und sie können den Weg aus der Sackgasse nicht finden. Es ilst fa sicher, daß sie den von Stresemann ausgestellten Wechsel werden honorieren müssen, aber insolange die rettende Formel nicht gefunden und ins-olange von ihnen die Schuld der Juden, Marxisten und Freimaurer an den Dawes-Berichten nicht ganz genau und mit deutscher Gründlichkeit festgestellt ist, weigern sich diese tapftren Männer, ihr Herz in die Hand zu nehmen. . Für den Präsidenten Coolidge und die amerikanische! OeffenMchteit heißt es demnach, sich in Geduld zu fMeN, ehe man in feierlicher Wise über den Abbau des Krieges sprechen kann. Für die Menden Kreise Amerikas mag die Sache ja ellen. Sie Wen das neue EiManderungsgesetz, das an sich eine schmachvolle Verleugnung der Geschichte der Bereinigten Staaten ist. Mer . auch für den, der Fragen des Völkerlebens nicht durch die Brille der Sentimentalität ansieht, ist dieses Gesetz ein schwerer Block, der den Weg zum Frieden versperrt. Es hat durch die offen ausgesprochene Brüskerung der Japaner wie ein Stock im Ameisenhaufen gewirkt und wenngleich die japanischen Staatsmänner gute Miene zmn basen Spiel Zeigen, ft ist doch in Amerika eine sehr ansehnliche Unsicherheit über die nächsten Jahre unverknnbar. Amerika hat den Ausbail seiner WMte in Angriff genommen, es schickt jetzt ein Kriegsschiff auf die Fahrt um den ganzen Kontinent herum und will nach den Erfahrungen dieser Fahrt sein weiteres Marineprogvamm einrichten. Die ernste, aus Washington informierte Presse spricht auffallend viel davon, daß hierbei der fupponierte Gegner EDand sein soll. Wer diese Anna^ne fällt doch in sich zusammen, . wenn man 'bedenkt, daß dies das England der Läbour Party ist, die, was immer man «gegen sie. sagen möge, doch' sicherlich keinen Krieg führen wird und sich dazu auch nicht.durch das Bündnis mit Japan verleiten ließe. 1 : Es ist also nicht die wahre Liebe, -die bei diesem Plan des Präsidenten Coolidge Pate .gestanden hat. Man kommt dem Kern der Sache näher, wenn man; nebst dem von Japan einstweilen aufs Eis gelegten Konflikt auch an die bevorstehenden Wahlen denkt. Für eine Kampagm solcher Art ist die AbÄstung immer eine schone Sache gewesen, nameMich wenn man das Marinebauprogramm vom Kongreß bewilligt bereits in der Tasche hat. Es ist ja immerhin ein Fortschritt, das; mmt bei der Zivilisation die Visitenkarte äbgeben zu müssen glaübt, und dies ohne Beeinträchtigung sonstiger. pöMscher Pläne. Der amerikanische Imperialismus ist eine politische Konstruktion von zieinlich hohem Alter und seine gesetzliche Fixierung in der Monroe-Doktrin ist in Amerika stets nur von der amerikanischen Seite betrachtet worden. Sie hat die Vereinigten Staaten nicht an dem Eintritt in den WelMeg gehindert und sie hat auch seither nicht aufgehört, die PolM in unheilvoller Weise zu beeinflussen. Sie ist sogar aus der äußeren in die innere Politik eingedrungen und das neue Einwanderungsgesetz ist nichts anderes als der Ni^erschlag dieser Mentalität, die an die Schaffung einer von einheitlichen Impulsen getriebenen Nationalität schreiten und zur Vorbereitung die Grenzen vor dem. Zustrom neuer Ideen schließen will.,/Amerika muß aufhören, ein Asyl zu sein," hat Albert Johnson, der .Verfasser der nach >MWWWW>WWW>W>>WW>W>>W>>WWWWWWWUWWWM englische Stoffe, Herren- und Damenwäsche, Leinen, Teppiche, Vorhänge etc; SW billigst im i II. Taiforsiraße 48 Teleoh«n.47-S«7ü En gros LN dGtaEl

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