Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1896 (26.5.1924)
- Date
- 1924-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MLvMwlukILlM Wien: Znm Abholen in der Expedition, II„ Tabor str. 7-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, 1.8er, Woilzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 85.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 3Va Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 12 Wiener bei PreieerhSbnngre» vorbebal Pol8n:poig.tt.S&0.000 Italien: Monatl. 12 Lire, Rum a n i e n Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz and das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion n. Administration Wien, II., Taborstrassel—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6Uhrabds.l9-483,25-282 IX.Unlversltitsstr.6-8 (Druckerei Stelnmanii) Oesterreichisches Postspar» kassen-Konto Nr. 150.698 Nr. 1896 Men. Montag. 86. Mai 1924 6. Jahrgang HemotsPolmr. Für den Frieden und de« Völkerbund. — Mnnmns des Ruhrgebietes. - Gene« die BöllWen. Lyon, 25. M«rj. (Havas.) In einem Gespräch mit dem Berichterstatter des „Petit Journal" sagte Herriot, er werde gegen die finanziellen Defaitisten ohne Erbarmen vorgehen. Wir werden, sagte er, eine fest gegründete Finanzpolitik aufrichten und uns bemühen, der Welt den wahren Fried e n d e r G e r e ch t i gkeit und Frankreich Sicherheit und Reparationen, auf die es ein Recht hat, zu gewährleisten,. Wir werden zunächst die Schwierigkeiten, die der Bericht der Sachverständigen mit sich bringt, regeln, wir werden die Modalitäten der Räumung des Ruhrgebietes st u d i e r e n und uns bemühen, den V ö l kerbund zu stärken und die Beziehungen mit den Völkern freundschaftlicher zu gestalten. ■ . Herrrot möchte vor allem, daß man jenseits des Rheins erkenne, daß, wenn das Deutsche Reich sich in nationalistischem Sinne orientiere, G die BerhandlNngen um vieles schwieBger^stattenMEv^^^ Paris, 25. Mai. (Havas.) Wie die Plätter aus Lyon melden, erklärte Herriot in einem Interview, daß niemand der Wiederherstellung normaler Beziehungen zu Deutschland mit mehr Wohlwollen gegenüberstehe als er. Re Reichsregierung gegen die nationalistischen Hetzer? London, 26. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Bank pon England teilt mit, fie habe vom Reichsbankprästdenten Dr. S ch a ch t ein Telegramm erhalten, worin erklärt wird, die deutsche Regierung habe Befehl gegeben, denjenigen Großindustriellen, die die nationalistische Wahlkampagne gegen den Sachverstänidigenplan unterstützt hätten, alle staatlichen Kredite zu entziehen. Kabinettskrise iaBelgien. Brüssel, 26. Mm. (Tel. der „Wiener Movgenzeitung/) Hebe.r Nacht ist plötzlich die Gefahr einer Kalbinetts-krise auHgetaucht. Mehrere katholische ^Abgeordnete halben die Absicht bekundet, am nächstes Mittwoch in der Kammer einen Antrag einzubringen, wonach den Frauen bei den Provinzialratswahlen das Stimmrecht verliehen werden soll. Die Liberalen, die gegen diesen Vorschlag sind, hatten seinerzeit, als sie ihre Zustimmung dazu gaben, in das Kabinett T h e u n i s einzutreten, von diesem die Zusage verlangt, daß die Kammer keine Vorlage beraten dürfe, die gegen das liberale Programm gerichtet sei. Bei der drohenden - Kabinettskrise handelt es sich um den Minister Huisman, den Justiz-, Eisenbahn- und Kriegsminister, sowie um den Minister für Kunst und Wissenschaften. zwangssonntagsruhe in Saloniki. 4 Saloniki, 24. Mai. (I. A.) I» bet letzten Gl»- tatssitzung 'wurde ein Antrag eingebracht, ein Zwangssonntagsruhegesetz für Saloniki zu beschließen. Der Antrag wurde gegen Protest d e r j ü dis ch e n Bert re te r von der Mehrheit angenommen. Dieser Beschluß muß jedoch, bevor er Gesetzeskraft erlangt, von der Zentralregierung bestätigt werden. Allein, wenn Deutschland sich wieder dem Imperialismus zuwenden und die Bezahlung der Reparatioüssumme v e v- W e i g e r n sollte, werde jedes Strebeu nach Befriedung lahmgelegt werden. Herriot sei durchaus geneigt, die Beziehungen mit Sowjetrußland wieder aufzunehmen, doch lehne er es ab, den Befehlen der Moskauer Internationale Folge zu leisten, die nichts als eine kindische Literatur bilden, die immer weniger Erfolge aufznweisen habe. Und Poimare hetzt weiter. Paris, 25. Mai. (Havas.) In einer Unterredung mit dem Korrespondenten des Brüsseler Blattes ,^'Etoile Belge" erklärte Ministerpräsident Poincare, jede französische Regierung, möge sie welche immer sein, werde die innige Freundschaft mit Belgien anfrechterhalten und die gemeinsamen Interessen durch loyale Durchführung der Verträge, insbesondere: des Vertrages von Versailles, zu verteidigen wissen. Poincare gab seinem Freude darüber Ausdruck, daß der Bericht der Sachverständigen als Grundlage, für eine allgemeine Regelung dienen könne, doch müsse, man vorsichtig sein, und dürfe sich nicht durch trügerische Bersprechungen Deutschlands ködern lassen. Er sti der Meinung, daß jede Regierung, welche aiM immG anK Ruder gelange» möge, , dahin, kommen werdet dieHoWk fortznsetzen, für die er Unablässig eingeireten sei. Die Besetzung des Ruhrgebietes werde nur nach Maßgabe der Zahlungen Deutschlands geändert werden. Die parlamentarische Mehrheit der neuen Kammer werde dieselbe sein wie die der alten Kammer. Schließlich erinnerte Poincare daran, daß der Senat immer seine auswärtige Politik unterstützt habe. Eoolidger Befinden verschlechtert. Washington, 26. Mai. (Tel. der Wr. Morgenztg.") Der Gesundheitszustand des Präsidenten Coolidge hat sich weiterhin verschlechtert, die ÄeHte haben ihm verboten, an der Wahlkampagne für die Präsidentenwahl, die sofort nach der Vertagung des Kongresses in den ersten Jnnitagen beginnen soll, teilzunchmen. Me Grazer GemeinLeratswahleu. 'Ein sozialdemokratischer Sieg. Graz, 25. Mai. Heute fanden. in ganz Steiermark die Wahlen für die Gemeindevertretungen statt. In Graz übten rund 75 Prozent der Wähler ihr Wahlrecht aus. Es erhielten die christlichsoziale und die großdeutsche Einheitsliste 34.330, die Sozialdemokraten 33.537, die Republikaner 2963 und die Nationalsozialisten 2832 Stimmen. Gewählt sind: 22 Sozialdemokraten, 16 Ehriistlichsoziale, 6 Großdeutsche, 2 Republikaner, 2 Nationalsozialisten. Bisher gehörten dem Gemeinderate an: 20 Sozialdemokraten, 11 Christlichsoziale, 11 Großdeutsche und 6 Wirtschaftsparteikt/ welch letztere sich diesmal an der Wahl nicht beteiligten. Bed^neabaadea bei Gaza. Jerusalem, MPri. (I. T. A.) In der Nähe von Gaza wurden, wie von der ,Mener Movgenzeitnng" bereits kurz gemeldet, drei Polizeiöeamte als Leichen ausgesunden. Eine Abteilung der britischen und palästinensischen Gendarmerie, die das Gebiet nach einer Beduinenbande, die einen Trupp palästinensischer Polizisten am 2. Mai angegriffen hatte, durchsuchte, stieß auf die noch frischen Gräber, wo dann die drei vermißten Offiziere identifiziert wurden. Der eine ist ein Engländer namens Baker, die -beiden anderen sind Araber, Haj Mohamm e d Sa i d und S a i r A s h e ü. r. Im Zusammenhang mit dem Ueberfall, bei welchem der Polizei gehörende Gegenstände im Werte von 300 Pfund geraubt wurden, sind acht Beduinen verhaftet worden. Abbau des Mieterschutzes? In einer gestern albgohaltenen Haluslbssitzervechvmmliung wurde midgeteilt, daß der Mrristorvat den Vorschlag des ZsntraLveMndes der HaiusbesitzerveveiiM Wiens auf Einsetzung einer K o m m i s s i o n zur Ausarbeitung der GMndlagen für den Ab bau deS Mieterschutzes einstimmig angenommen habe und daß Minister Schmitz damit betraut wurde, dielst Vorschläge durchtztzchühren. ' Vom Vorsitzenden Berchiuak wurde mitgetM, daß Bundeskanzler Seipel, der dem Zeuitralverband gestern in einem Briese diesen Beschluß des Miuisterrate's bekanntgab, einem chvistlichsozialen Abgeordneten mitgeteilt halbe, daß er wie vor den Wahlen aus dem Standpunkte des stusienwvisen Abbaues des Mieterschutzgesttzes stehe, und auch "weiterhin dafür eiutvöten werde.. / Aus der Rar abgekürzt. Der Verunglückte ein Wiener. Gestern vormittags ist vom Bismarcksteig (Rax) an. einer vereiste« Stelle ein junger T o u r i st a b g estürzt und mit zerschmetterten Glieder« tot liegen geblieben. Die Identität des Verunglückten, der allem Anschein nach ein Wiener sein dürfte, konnte von der Rettungsstelle Reichenau bis zur Stunde nicht sestgestevt werden. Die Leiche soll heute nach Kapellen an der Mürz gebracht werden, da sich die Absturzstelle ans steirischem Gebiete befindet. Das Theater i« Bade» gesperrt. Aus Baden wird vom 25. d. berichtet: Heute hätte hier das Theater eröffnet werden sollen. Da jedoch das n.-ö. Landesabgabenamt gegen das Badener Stadttheater, das im letzten Winter den schweren wirtschaftlichen Verhältnissen nur mit größten wirtschaftlichen Opfern standhalten konnte, w egenrück st a n d i g e r L u st b ä rk e i t ssteuer Exekution geführt hat und die Theaterdirektion nicht in der Lage ist, für die bedeutende Summe aufzukommen, war die Stadtgemeinde Baden gezwungen, den Pachtvertrag mit Direktor Auderieth sofort zu lösen. Der Betrieb wurde eingestellt. Infolgedessen wird auch die sür Donnerstag angesetzte Vorstellung anläßlich der Pressefahrt nach Baden abgesagt werden müssen. kxzeffe lm Safthaus Kadrmann. Kundgebungen gegen Nationalsozialisten. In der Gastwirtschaft Kadvmann, „Zmn gvildemn Kveuz", in der Ausstellungsstlmß'e, wird jetzt täglich vor dem PMiVum ein Ochise 'am Spieß gchvaten. Zu dichem Ochsenlbra-ten spielt bayrische Bcmernmuisik. Es wird behMptet, dcvß^ partechol'itis che Lieder und Me MMtävmächche, die bei einem Teile des PuMkuiMs Mvbeliebt sind, ■ gchpiM werden. Gestern nachts kalm es Mn zjwffchen den vor dem GastkhMise stehenden Personen und den Gäisten, unter denen sich diele Fvontkäwpfer ..und Nationalsozialisten befanden, zu eiinem Streit, der einen Sturm aus den Gasthausgarten zur Folge hatte. Eine Person wurde verletzt. Die Polizei stellte die Ruse wieder her und vsöhaftete vier Personen. __ , 6in zehntägiger Betrug-Prozeß. Ein für zehn Tage anberaumter Strafprozeß hat heute voe einem Schöffensenai unter Vorsitz des HolstateS >Dr. Os io begonnen. An geklagt such drei Personen, in der Hauptsache der bereits vorbestrafte Karl Siegnurn-d Trebitsch, in geschäftlichen Kreisen bekannt als S e i f e n - T v e >b i 1 s ch. Außerdem sind der Disponent OAar Buttermann und der vorbestrafte ,MnK>irektor" Salo EI ln er. Gegen Trebitsch Men schon während des Krieges Strafanzeigen, die schwindechaste Geschästsgvüichiuugen sowie betrügerische Warenbestellungen betrafen. Er verstand es, Heereslieiferuitigen zu erhalten und sich entheben zu lassen. Er wurde im Jahve 1916 dem LaMsgericht eingelteifert. Seine Erklärung, einrücken M wollen, bewirkte seine Enthaftung, so daß das Strafverfahren bis zur Demobilisierung abgebrochen wurde. Der sechs Bände umfassende Srafaki geriet außer Verwendung. Dieser Vorakt kannte in-das jetzt beginnende Verfahren nicht einbezogen worden. Trebitsch hatte auch Warenliesemngen gegen prompte Bezahlung versprochen, das.eingeleitete Strafverfahren wurde ingeftellt, weil er den größten Teil der gegen ihn geltend gemachten Forderungen beglich. Diesmal ist er wegen Betrügereien, besonders an ausländischen Firmen, angMagt. Er gab ungedeckte Schecks -aus, hielt seine Gläubiger hrn und bÄvirkte. der Anklageschrift zufolge, schließlich, m die Oesterreichische Volksbank. die M e?-