Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1894 (24.5.1924)
- Date
- 1924-05-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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mmirammerinzw Wie'n: Zum Abholen in'der Expedition, II.,Taborstr.1-3,. oder in einer Verschleisatello (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, l. Leu., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien a. Oesterr. monatl. K 85.000 TschecKo-Slowakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mbn. Dinar 60. P o I e n: Mon, SV« Zloty« D eutschland: Mon. Goldmark 4, Franko,- Belgiens Mon. Frcs* 12 SV* N«ehWahlen* Va 'WW bei PreiserhöhaorcD Vorbehaltes Rk. 1894 Wien. Samstag. 24. Mai 1934 PoIen:poln.Mk.350.000 Italien: Monatl. 12 Lire, Ru m ä n i e n Mon. 130Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, S c h w e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Rodaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.l9-483,25-282 IX. Universitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar * kassen- Konto Nr. 150.693 6. Jahrgang Paris, 23. 9JM Die Kabinettsbildung durch' ciot scheint gesichert, wenngleich es einzelne Politiker gibt, welche anraten, vorerst noch eine Krise des höchstens Postens der Republik notwendig zu machen. Allein es.kmm als sicher gelten, daß die Führer der Radikalen mit dieser TaM nicht einverstanden sind. Die . '' Kandidatur Painleves - jür das Präsidium der Kammer ist lediglich provisorischen Charakters. Es erhob sich nämlich die Frage, welches Amt Painleve nbevnchmen sollte. Bekanntlich ist er der Kandidat, den alle Linksparteien zum Präsidenicn der Republik haben wollen, Somit ist es sicher, daß sofort nach dem Zusammentritt der-neuen Kammer am 1- Auni eine Präsidentschastskrise Msbvechett wird. Wenn daher Painleve in das Kabinett Herriot eintreten würde und ein wichtiges Ministern Portefeuille übernehmen sollte, so würde sich sofort eine allgemeine Mmsterkrise emstellen, sobald nach der Demission Millerands Painleve für Vas höchste Amt des Staates berufen würde, Es. erscheint daher zweckmäßig, Painleve den Vorsitz in der Kammer anzubieten für die kurze Zeit, die ihn wahrscheMch von dem Einzug ins Elysee noch trennt, und dies MN-so mehr,^ als es eine repMikanische.Traditionchst, .daß mÄsk entweder ^erPratsEent Senates oder jeneu der Kammer zum Präsidenten der Republik gewählt wird. Lieber die Krise des Präsidenten der Republik selbst verlautet in radikalen Mgeovdnetentreisen, daß zwar alle Radikalen den Wechsel im höchsten Posten des Staates wünschen, allein dennoch die scharfen Angriffe mißbilligen, die einzelne Linksorgane täglich, gegen den Präsidenten richten. Vermutlich wechen sich die Dinge bei den Radikalen so abspielen, daß im Laufe des Monats Juni das Wue Kabinett die Gösetzesvorschläg-e zur 1 Abschaffung des Proportionalwahlrechtes, ' :! Vas in Frankreich nur reaktionären Interessen dient, einbringen werden. Da Mill er an d ein absoluter Verfechter des Proportionälwahlrechtes ist, diirste bei dieser Gelegenheit bereits eine Krise ausbrechen, die jedoch natürlich in durchaus Micher Form und ohne heftige Angriffe gelöst -werden wird. Kmte morgens wurde ... Herriot von Poineare empfangen, der seinem künftigen Nachfolger die politische Lage auseinandersetzte. Die Unterredung dauerte zwei Stunden. Auskünfte lourden verweigert. Herriot reist heute abends nach Lyon und .kehrt Ende nächster Woche zurück. Hernot und Tirpitz. y• t e n, 24. Müi. Painleve wird provisorisch AmmervrWeM und übernimmt dann die Nachfolge Millerands. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Eine Kabinettsliste. Paris, 23. Mai. Das ,-Journal" veröffentlicht einen aus den Couloirs der Kammer stammenden Bericht, wonach das M i n i st e r i u m Herriot bereits gebildet ist. Es werde am 1. Juni bei der Demission des Ministeriums Poineare nur eine kurze Ministerkrise eintreten. „Ere Nouvelle" teilt folgende Liste des kommenden Kabinetts mit: Herriot werde den Vorsitz im Ministerrate und das Ministerium des Aeußeru übernehmen; in sein Kabinett dürsten Senator Schrämet als Minister des Innern, Francois Albert als Unterrichtsminister, Camille Chautemps als Marineminister, Q u e u i l l e als Landwirtschaftsminister, der Präsident des Generalrates des Seine-Departements Frederic B r une t als'Arbeitsminister und AUteriou als Minister für Pensionen eintreten. Wetters werden als Mtarbeiter Herriots Senator L e d e r l i n, die Deputierten O s s o l a, Puis Moro, Giasferi, Bouisson und Francois Bi net genamtt. Der Unterstaatssekretär für Luftschifffahrt Laurent-Ehnac werde im Amte verbleiben. Poineare hat beschlossen, im Interesse der Kontinuität der französischen Politik den Führern der Mehrheit, Herriot. und Painleve, Mitteilungen über die auswärtige Lage ^u wachen. Gestern traf er mis Painleve zusammen. ,Der"',Wäffn^ berichtet ^ierübevfolgendes- Painleve Und' Poineare 'häbm eine Prufüng der auswärtigen' Lage dorgenommen. Bezüglich ^»er Repar'atiön'ssrage hob Poineare insbesondere die freundschaftliche und versöhnliche Haltung ■ des englx\ chen Pre-mierminifters hervor, dessen Absichten geeignet feien, eine allgemeine Regelung zu erleichtern. Auch die Frage derBeziehu n gen zu Rußland ist erörtert worden. Der „Maiin" weist darauf hin, daß Herriot Anhänger einer Wiederaufnahme des offiziellen Kontakts mit den Sowjets sei, und bezeichnet es als. wahrscheinlich, daß einer der ersten Me des zukünftigen Kabinetts die Entsendung einer Mission nach Moskau sein wird. Dann wurde die Ereignisse in Deutschland besprochen. Painleve gab einem Vertreter des „Matin"' folgende Erklärung: „Es wird, notwendig fein, eine Geste de r H umanitLt zu machen. Aber man darf sich nicht täuschen: Es wird keinesfalls eine Geste der Schwäche sein. Man. muß der deutschen Demokratie Gelegenhest geben, die Oberhand zu gewinnen, aber es ist notwendig, daß dem französischen Willen ein ebenso guter Wille Deutschlands entspricht. Es ist notwendig, daß Berlin sich nicht über unsere Haltung täuscht.' Wenn das Reich dies nicht versteht, dann ist es um so schlimmer für es und'für uns."- Wen. Athen, 23. Mai. Da die Tabakfabrik eine Anzahl von Arbeitern entlassen hat, bereiteten die -Massen der Arbeiter eine große Gegenkundgebung vor. Die Polizei verhaftete aber alle Mitglieder des Arbeiterausfchusses. Diese Maßnahme erbitterte die-Arbeiter derart, daß sie in dm Streik' traten. Unter Vorantragung. roter Fahnen durchzogen die Streikenden die Straßen der Stadt, sangen kommunistische -Lieder und demonstrierten vor den Gebäuden der Behörden. Polizei griff ein, es kam zu b l u t i g e n Z usammenstößen, Lei denen es auf beiden Seiten B e r.lw u n d e t e gab. -Die Straßenkämpfe dauerten drei Stunden, his die Ordnung wieder hevgestellt werden konnte.. > Große MerschwemnmrWkatastrodde in Fugoslawien. Die Batschka unter Wasser. — 100 Millionen Dinar Schadem Belgrad, 23. Mar. Die Donau hat in der Batschka die D ä m m e -d u r ch b r o ch e n . und etwa 28.000 - Joch Land u n t e r W äs s e r gesetzt.' Auf. dem anderen Ufer in Baranja liegen etwa 16.000 Joch unter-Wasser. Ein weiterer Danrmbvnch hat sich bei N o v i sa t ereignet, wo m HM ML MMtsMW-wrch Das neue ftanzösische Ministerium zeichnet sich be» reits in seinen Umrissen ab. Herriot soll mit der Leitung betraut werden und zugleich das Portefeuille des Aeußern übernehmen. Die übrigen' Ressorts werden von seiner Partei, den radikalen Sozialisten, besetzt werden, da die sozialistischen Republikaner nicht, in. die Regie- ' rung eintreten wollen. Ihre Unterstützung des Kurses ist aber sicher und der mnstige Ministerpräsident wird in der Kammer über eine ansehnliche Mehrheit verfügen. In welchem Geist er die Politik.führen will, darüber hat er sich zu wiederholten Malen ausgesprochen, und wenn er auch-bisher alle Aeußerungen nur als Privatmann getan hat, so sind sie doch im Hinblick auf die kommenden Entscheidungen sehr bedeutungsvoll. Herriot hat sein Programm klar umschrieben: Freundschaft zu England, Unterstützung der deutschen Demokratie, Anerkennung Sowjetrußlands. Es ist dies genau das Programm, das auch.Mac Donald verkündet hat und das von Seite.Englands bereits , der Aktivierung näher geführt wurde. Die drei Elemente dieses Systems bildeten auch den Gegenstand der Besprechungen, die. Poineare im Interesse der Kontinuität der. Politik mit den Wahlsiegern abhielt. Dabei .nahm die Lage in Deutschland den aktuellsten Raum für. sich in Anspruch. Die Männer des Linkskurses scheu, die Ereignisse .in Deutschland als ein ernstes Symptom mit großer Sorge an und sie befürchten von dieser Seite her neue und schwere Störungen ihres Planes, zu .einer friedlichen, Verständigung über die Reparationen und die Zurück-. zichung ihrer Truppen aus dem Okkupationsgebiet zu aus 100 Millionen Dinar geschätzt. Die Regierung hat eine Hilfsaktion, eing-eleitet und an die. Geschädigten Geldspenden bewilligt. Washington, 23. Mar. Jur Befinden des Präsidenten Coolidge,.der an einer Erkältung leidet, ist eine Bersch l e cht er un g. eingetreten. Es entfallen sämtliche Emp- Verwaltungsrat Dr. Hedenig in Verwährungshast. Eine Reihe von Anzeigen gegen die Deutsche Bodenbank hat die Wirtschastspolizei veranlaßt, sich in den letzten zwei Wochen mit den-Vorgängen-bet dieser Bank zu befassen. Nachdem durch umfangreiche Einvernahmen, über deren Ergebnisdie Staatsanwaltschaft stets am Lausenden gehalten wurde, ein Ueberblick gewonnen und fest gestellt werden konnte, daß' M'a ch e n s-ch ä st e,n' verschiedener Art a n-d e r Zahl n n g s-. ünfähigkert der B.ank schuldtragend sind, wurde, nunmehr der '. geschäftssühre-nde Ver-waltu-ngsrat. der Bank Dr. Hans Hedenig im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft gestern in Len späten. Abendstunden in v o r l ä n s i g e V e r w a h r n ng s ha sit..genommen, - Dßr. deutsche Reichstag W in wenigen Tagen sich wieder versammeln. Aber obzwar bereits fast bret. Wochen seit den Wahlen verstrichen sind, ist die Bildung einer Parlament-arischen.'Mehrheit noch ein Fragezeichen' und dem-ge.m-äß auch die Liste der Regierung in.Nebel gehüllt. Die Deutschnation-alen, deren: Bindung durch die Völkischen sich ttnmer klarer zeigt, weichen einer präzisen Stellungnahme zu den SüchveVständigen-Berichten aus, obzwar sich die Regierungen Englands, Italiens und Belgiens ans diese Gutachten bereits sestgelogt haben - und auch Amerika, das an diesen Vor-' schjlägen in bestimmender Weise mitgewirkt'hat, sie zum Anlaß des Wiedereintritts in die europäische Politik nehmen will. Da die Zustimmung Frankreichs bereits durch Poineare erklärt worden ist, so besteht für diese Gutachten eine lückenlose Einhelligkeit in der Entente und Deutschland steht vor einer fast schon gegebenen Tatsache, aus die sich seine Politik wohl oder übel eiurichten muß. Keine Partei kann sich diesem Zwange entziehen, und den Deutschnationalen samt ihrem völkischen Wurmfortsatz wird; wenn sie die Regierung übernehmen, nichts anderes übrig Reiben, als Ja und Amen zu sagen. Sie müssen sich mit dieser Lage aber auch dann absinden, wenn die Mittelparteien die Gutachten und die dazu gehörigen Gesetze dem Reichstag vorlegen. Aber die Nationalen wollen, so wie beim Versailler Vertrag, auch jetzt mit emgebogenem Daumen schwören. Sie haben Ehrenpunkte herausgefunden, wie die Räumung des Ruhrgebietes urw die Repatriierung der Ausgewieseneu, also SelbstverstäMichteiten, die aber nur als Aussührungsbestimmungen in Frage kommen und für die die Annahme des Expertenberichtes die Voraussetzung bildet. Diese gewollte Verwechslung der Dinge, diese altbewährte Zweideutigkeit kann aber diesmal nicht weitergeführt werden. Die Erklärungen Painleves, die nach der Besprechung mit Poineare abgegeben wurden, lauten sehr deutlich: „Die Geste der Humanität wird keinesfalls eine Geste der Schwäche sein." Das sieht nicht nach „schlotterndem Gebein" aus, und die Deutschnationalen wissen heute schon genau, daß und wann sie in die Laube werden gehen müssen. Ihnen handelt es sich aber weniger um die äußeren Fragen inklusive der Ehrenpunkte. Sie streben nach der inneren Macht, um die Abrechnung mit der Novemberrevolution -vollstrecken zu können..Irr-diesem Punkt sind sie unbedingt ehrlich, und um dies nach außenhin zu dokumentte'ren, ist die Schilderhebung des Admirals Tirpitz erfolgt. Die furchtbare Wirtschaftskrise des Reiches kommt für sie, die' vorwiegend schwerindüstriell oder agrarisch orientiert sind, nicht in Betracht. Dieses Territorium bleibt den befreundeten Kommunisten für 'ihre Propaganda überlassen. In'Frankreich strebt alles der Kläruna-. ttt Deutschland dem Durcheinander.m. -2T"