Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1893 (23.5.1924)
- Date
- 1924-05-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4 'M."L D'tLn, Freitag iB&xmtt MovsenzertunK. Herrenwäsche nach Maas Berthold Scheer M Ltndstr. Qfirtel 19, Linien: 0. 4,118 le Freisprechung der Hakenkreuzler. Me Wrmische Bersamulmg aus dem Nachauiplatz. Re Wische WeWAsÄonferenr. BM« am IS. August in Karlsbad. " *! Pari-, A., Mai. (I. T. A.) Die Volltagung des Exe- Kttivkamitees der Jüdischen Welchilfskonserenz in Paris P soeben geschlossen worden. - Das MWied der Exekutive, Dr. D. I o ch e l <m a n n, gab einen ausW-rlichen Bericht über seine Mission in Rußland, von wo er kürzlich znrückgekehrt ist. Er gab seiner Uebertzeugung. Ausdruck, daß die Fortführung des Hrlsswevke's in Rußland eine Notwendigkeit sei. Weiter referierte er über den Plan der Hilfstätigkeit von seiten der Bereinigten jüdischen Volks bank in der Form der Gewährung von Krediten. Er legte der Exekutive eine Vorabmachung, die-er namens der United Jewish Peoples Bank mit dersibaaÄichen ukrainischen Bank abgeschlossen hat, zur^ Bestätigung vor. Im Hinblick auf diesen Bericht 'beschloß die Exekutive, ihre Kampagne für die Juden in der Ukraine intensiver zugestalten und - die Eröffnung einer Filiale der United Jewish Peoples Bank in Paris zu beschleunigen. Ferner wurde beschlossen, die zweite allgemeine Welthilfskonfetenz 's ür den „12. A u g u st nach K a r lsLa d «inzuberufen. Die jüdischen Hilfsorganisationen und die führenden jüdischen Gemeindeorganisationen werden einge'laden werden. Professor ßtmard Mahler 8hre»«lt»M der arMchen Mavemie von Iamaskus. Aus Budapest wird uns berichtet: Bor einigen Tagen erhielt der hEnnte Orientalist, Universitätsprofessor Doktor Eduard Mahle r, vom Präsidenten der arabischen Akademie in Damaskus ein Schreiben in arabischer Sprache, das folgenden Wortlaut hat: „Sehr. geehrter Herr Professor! Ick» teile Ihnen mit, daß wir. Sie in Unserer letzten Wahlsitznng zum Ehrenmitglied gewählt haben. Wir hoffen, daß Sie dieses Ehrenamt annshmen tverden. umso mehr, als wir vor mehreren Jahren 'bereitsein Ehrenmitglied aus Ihrer Leimat gewählt haben. Es war das der hochverdiente Gelehrte Ignaz Goldziher, der inzwischen Verstorben ist. Wir bitten Sie, uns möglichst bald Ihre Biographie einzusendeu und eine Arbeit aus der orientalischen Wissenschaft vorzubereiten -und .uns - als Ihren Antrittsdortrag freundliW-- einzuseOen^ ZZamatzkuß. Z..,Mssau 1924.?.-. ’-v. Pvosessor Mahler ist Jude, genau so wie es Ignaz Goldziher war,. und' hat unter der Herrschaft des christlichen Kurses und unter den Bübereien der antisemitischen Studenten an.der Universität ebenso zu leiden gehabt wie die übrigen jüdischen Professoren. Wenn er aber, wie so mancher, andere-'-jüdische Gelehrte oder Künstler ans Ungarn, im Auslände zu Ehren gelangt, so werden seine Verdienste auf das Konto -der ungarischen Kultur gesetzt und die ungarische Presse verzeichnet diese Ehrung „ungarischen Geistes" im Auslände so selbstverständlich als wenn cs in Ungarn keine Rafsenschützler gäbe. Professor Eduard Mahler gehört hellte zu den bedeniendsten Orientalisten und hat sich ganz besonders als Acghpiologe einen Namen gemacht. Irr feinem Antwortschreiben an die syrische Akademie in Damaskus küttdigte er ebenfalls eine größere Arbeit aus dem Gebiete der Aegypt-ologie an.- in -welcher er einen Zeitabschnitt der kulturellen Entwicklung -der Aeghpler oder der Babylonier vom religiöses Gesichtspunkte aus zu bearbeiten gedenkt. Jusammenstoß. auf der Pariser Untergrundbahn. 58 Verletzte. Paris, 32. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Heute, nachmittags 3 Uhr, sind z-weii Züge der Untergrundbahn zusammengestoßen.-^ 50 Reisende sind verletzt Warden. Weitere Einzelheiten fehlen noch. Die sozialdemokratische Versammlung vor dem Raihause, in der gestern gegen das Urteil im Prozesse wegen Ermordung des Eisenbahners Still durch H a k e n k r e u z l e r protestiertwerden sollte; nahm einen überaus stürmischen Verlauf und endigte infolge von Zusammenstößen mit der Wache ganz programmwidrig. Auf dem Rachausplatze hatten sich gegen 6 Uhr nachmittags etwa 10.900 Versammlungsteilnehmer, darunter Ordnerwehren, städtische Straßenbahner sowie Arbeiter des Elektrizitätswerkes und Eisenbahner . . in geschlossenen Formationen eingefunden. Kaum hatten die Leiden ersten Redner gesprochen, als einige Jugendliche, die außerhalb der geschlossenen Masse der Versammelten standen, aus eiri-i Provokateur aufmerksam machten und im Laufschritt die Ringstraße überquerten. Ihnen schlossen sich zahlreiche Neugierige an. Unter den Versammlungsteilnehmern entstand Unruhe. Unter erregten Rusen eilten etwa 2000 Personen gegen das Burgtheater und suchten Zwischen Burgtheater und Volksgarten in die Innere Stadt zu gelangen. Ms ' Zweck ihres Vorgchens wurde von einzelnen Rufern angegeben, man müsse „z u m Seipel" vor das Bundeskanzleramt eilen. Die Anstürmenden stießen jedoch im Engpaß vor der Bankgasse auf einen Wachekordom Intimer wieder versuchte die Menge gegen diesen änzurennen, wurde jedoch jedesmal zurückgetrieben. Um ein Auseinanderlaufen der Versammlung zu verhindern, zogen Ordnerwehren einen dichten Kordon quer über den Rathausplatz und einzelne Ordnerzüge wurden zur Deckung der Wache aufgeboten, die von der Ringstraße zurückgezogen und zur Sicherung der Zugänge in die innere Stadt bereitgchalten worden war. Die Menge, die sich den Eingang in die Bankgasie erzwinge!: wollte, wurde schließlich so aggressiv, daß die blank ziehen mußte. Hierbei wurden mehrere Personen, darunter ein Eisenbahner verletzt. Einem der Demonstranten gelang es, beim Kantpse mit der Wache einen Säbel zu erobern, den er triumphierend durch die Lust schwenkte und rasch die Ringstraße überquerte. Die Menge sah die Säbelspitze und brach m.iosende Pfuirufe aus, in der Meinung, die Wache treibe "Mit blankem Säbel die Demonstranten vor sich her. Von der Versammlung wurden nach und nach, während sich der größte Teil der Teilnehmer verlief, die Orduertvehren in geschlossemn Zügen zur Unterstützung der Wache auf die Ringstraße dirigiert. Kommandomfe er« tönten wie Lei einer Parade und mit dem alten österreichischen Hornsignale > wurde ständig Vergatterung geblasen- : Der Wirbel Leim Burgtheater dauerte' bis gegen üftji Uhr abends. Um diese Zeit gelang es, die Demonstranten zum Abmarsch zu bewegen. Die Zwischenfälle rochen stark nach Agents provocatems, die jedenfalls Men Zweck erreichten. Von anderer Seite erfahren wir-hierzu folgendes: In der Versammlung vor dem Rathaufe sprachen die Nationalräte T o m s ch i k und Dr. D e u ts ch. Sie brandmarkten das Urteil gegen die Mörder Stills als ein Glied in der langen Kette parteimäßiger gegen das Proletariat gerichteter Urteile. Es gäbe nur ein Mittel, um dieser schreienden Ungerechtigkeit Einhalt zu tun. Dies sei die freie Richterwahl. Mitten in seiner Rede wurde Dr. Deutsch durch einen großen Lärm unterbrochen, der von der Richtung des Burgtheaters kam. Einige Hakenkreuzler hatten die Menge provoziert, indem sie die Worte ,Mote Bagage" und dergleichen fallen ließen. Als einzelne Arbeiter den Hakenkreuzlern nacheilten, flüchteten diese zur Wache, die in großer Zahl hinter dem Buvgcheater postiert war/Uin zu verhindern, daß es zu einem Zusammenstoß zwischen Versammlungsteilnehmern und Polizei komme, schloß dir rasch hevbeigeeilte Ordnerwchr einen doppelten Kordon. Der erregt anstürmenden Menge gelang es aber, diesen zu durchbrechen, weshalb sich die Wache genötigt sah, blank zu ziehen und durch flache Säbelhiebe sich der Angreifer zu erwehren, die mit den Fäusten auf die Polizisten losschlugen. Irr der Folge wurden zwei Ordner durch Säbelstiche verletzt. Während der eine durch die Ordnersanität verbunden und sich sogleich entfernen konnte, mußte der zweite, der Eisenbahner Richard Edmüller, mit einer schweren Stichwunde am Oberschenkel von der Rettungsgesellschast abgeholt werden. lieber Intervention des Nationalrates Dr. Deutsch Leim Kommandanten der Wache, wurde diese zurückgezogen, worauf die Demonstranten sich entfernten. Gegen acht Uhr marschierten die Versammlungsteilnehmer ab, ohne daß es zu weiteren Zwischenfällen kam. t Im Verlaufe der Demonstration wurden zwei Personen wegen polizeiwidrigen Verhaltens angehalten. Eine Bersawmlung der Hakenkreuzler, die Leim „Auge Gottes" hätte stattfmden sollen, war auv Sicherheitsgründen von der Polizei verboten worden, weil man Zusammenstöße zwischen- Nationalsozialisten und den Sozialdemokraten befürchtete. Auch die für heute abends beim Lembacher auf der Landstraße embernsene nationalsozialistische Versammlung findet nicht statt. zuWUsammenftob in Letschen. Viele Verletzte. Aus Prag wird' un§ gemeldet: Aus dem Nordwestbahnhose in Tetschen ereignete sich gestern ein Eisenbahmmsall. Der von Prag komuiende Personenzug fuhr mit 40 Kilometer Geschwindigkeit auf eine Vevschrebgarnttur aus. Die VevschMokomotive wurde zertrümmert, die Maschine des Pevsonenzuges und einige Waggons schwer beschädigt. Bonden zahlreichen Passagieren wrvvden drei erheblich verletzt. Einige Personen erlitten einen Nervenchok. Hätten die beiden Maschinensührer nicht im letzten AstgeMick Gegendampf gegeben, wäre.der Znsammenstotz von schweren Folgen begleitet gewesen.; 1 •» ’T7,p> Sine nette BraMMftrophe in Pinrk. - War,chm, A. Mi. (g. L T) Die Stadt P i» S k, «i ioahrend des iKriege's und nach dem Kriege der Schauplatz mehrerer katastr-Dalev Brande gewesen ist, wurde am 16. Atai WiedeVM von einer großen Fenersbrunst heimgesucht, der zwei Straßen vM-ommen zum Opfer gefallen sind. Aus der benachbarten' Stadt B r e st - L i t o w s k eilte die Feuerwehr herbei, der es gelungen ist, das Feuer zu lMlisiernr, Biele jüdische Familien sind obdachlos, geworden. » Ehrung des Pröfidente« der Hakooh, Dr. 8. H. Körner. In der am Mittwoch den 21. d. unter dem Vorsitze des ersten Vizepräsidenten Ing. Fedor Ackermann statigchcbvten Sitzung hat die Klubleitung des Sportklubs Hakoah einhellig den Beschluß gefaßt, ihren: Präsidenten Dr. I. H. Körner 100 Dunam Land anr Berge Karmel zum ewigen Gedenken an seine Verdienste um den Sportklub Hakoah zu spenden. Ing. Ackerrnatm machte hievvon denr Präsidenten Doktor Körner im Beisein der vollzählig anweseuven Klubleitungsrnitg'lieder Mittei'lnng. Er verwies in seiner Ansprache darauf, daß nicht nur die Erschienen, sondern ausnahmslos alle Hakoahmr mit Freuden die Gelegenheit Ser jetzigen Mion zur Ehrung der Mhrer durch Stiftung von 100 Dunams ans dem Berge Karmel ergriffen hätten, um ihrem Präsidenten als einen der verdienstvollsten Führer ein Denkmal für immerwährende Zeiten zu setzen. „Für uns Hakoahner," führte er aus, „sind Sie, hochverehrter Herr Präsident, der prominenteste Führer. Wir wissen sehr wohl, daß Sie seit Jahrzehnten lnnbeftritten zu den Führern in der zionistischen Betvegnug zählen; aber was wir besonders schätzen und würdigen, ist der Umstand, daß Sie seit Gründung unserer Hakoah unter Hintansetzung aller persönlichen Interessen und ohne Rücksicht aus Ihre psychische imd nraierielle Existenz unermüdlich dahin gewirkt haben, den kleinen Verein ans seine heutige stolze Höhe zu bringen. Wir wissen, daß es seit jeher Ihr Herzenswunsch war, unsere Hakoah nach Erez Israel zu führen, und Sie haben diesen Wunsch in die Tat umgesetzt. Und wir wissen unserem Präsidenten kein besseres nnd würdigeres Andenken, als ihm tm Lande seiner Sehnsucht und seiner Träume eigenen Grund und Boden zu übergeben. Mögen Sie, verehrter Herr Präsident, im Lande unserer Väter auf eigenem' Grund und Boden schaltend, stets mit Stolz auf Ihre Tätigkeit in unserer Hakoah zurüMicken nnd unser in Freuden gedenken." Dr. Körner betonte in seiner Dankrede, daß ihm, den nur noch familiäre Bande zuriickhielten, kein herrlicheres Geschenk gemacht werden konnte, als die Möglichkeit, einstens im heiligen Lande aus von seiner Hakoah, deren Name heute WohNang in der gesamten jüdischen Welt besitze, gespendeten Boden leben zu dürfen. Der Nrotpreir unveeSndeet. Nach der dieswöchentlichen Errechnung der Gestehnngskosten bleiben in der kommenden Woche die Preise für Brot * und Weißgebäck unverändert, Schrecklicher Tod eines RngschAers. Lebendig verbrannt. Ans Prag wird uns gemeldet: Gestern um 9 Uhr vornüt^ tags fing ein MilitärflugMg Feuer und stürzte bei Prag oft. Flugzeug und Pilot verbrannten. Die Ursachedes Unglücks konnte bisher nicht sestgestellt werden. Als der Pilot, ein Fl u gschüler, mit dem Schulstugzeug sich bis zu einer Höhe von einigen hundert Metern echoben hatte, entzündete sich plötzlich das Benzin, und es entstand sine furchtbare Explosion. Das Flugzeug stürzte mit der Spitze nach unten, wie eine brennende Fackel, zu Boden. Der Pilot wurde als formlose,-verkohlte Masse aus den Tr-innmern -gezogen. Re dritte Sand. T Ein origineller Diebstrick. Polnische Blätter erzählen die folgende interessante Diebsgeschichte. Vorige Wock^ su.hr ein Warschauer Kaufmann nach Lodz. Unmittelbar vor Abgang des Zuges stiegen ein elegant gekleideter Herr und eine junge Dame in dasselbe Coupe zweiter Klasse, in dein der Kaufmaun saß. Der Herr ließ sich neben dem Kaufmann nieder, während die Dame ihm gegenüber Platz nahm. Der elegante Herr tat schr müde, kreuzte die Anne auf der Brust und schlief ein. Die Dame gegenüber zog den Kaufmann tu ein anregendes Gespräch. Während der Fahrt griff der Kaufmann, der von rheumatischen Schmerzen geplagt ist, an seine linke Bru-stseite und fühlte zu seinem großen Erstaunen, wie eine warme Menschenl)and in seiner Rocktasche herumstiert. Im erstert Augenblick konnte sich der Kartfmann das nicht erklären, denn sein Nachbar.Mies neben ihm mit gekreuzten Armen. Der Kaufmannhielt die fremde Hand in seiner Tasche fest und alarmierte das Bahnpevsonal. Zur allgemeinen Ueberraschung stellte es sich heraus, daß -der elegante Herr eine „dritte" Hand hatte. Er ist ein langgesnchter Taschendieb, heißt Jan Z i cchanski, ist Besitzer mehrerer Häuser und Billett in Warschau, die „Dame" ist das Fräulein Karola I uz i n s k a, seine Gehilfin. Der Trick Ziechanskts bestand darin, daß er sich eine künstliche dritte Hand zulegte und ans seinen Eisenbahnfahrten die künstliche Rechte- und die echte Linke über der Brust zwsamntenschlägtnnd, tvährend .Frättlei tt Karola das Opfer unterhält, mit der echten rechtett Hand die Taschcndicbstähle aüssührt. Bei der Polizei tneldeteu sich bereits mehrere Opfer der „dritten" H.rnd des Jan Ziechansti.