Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1893 (23.5.1924)
- Date
- 1924-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MrsMMsrLMo Wiens Zum Abholen in der Expedition, U.,Tabor8tr.l-3l oder ip einer Verschleiastelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strauenverlcanf in Wien dtShrch. die Kolporteure der Firma Goldschmied^ I.Bez., wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Tschecho-Slowakeis Mon. K18. Jugoslawien: Klon. Dinar60. Polens Mon. 3lL Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F rank r., Belgien: Mon. Fres. 12 ■S* Nachzahlungen *W bei Preigerhöhungen Vorbehalten wmmauamaasmam Nr. 1893 ■*%. - Wien. FM 23.flat 1924 Sie Mitteltzartelen im Vordergrund. — Heute Besprechungen Wer die Regierungsbildung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 22. Mar. Der - Versuch dev .Deutsch-, nationalen, den Mittelparteien für die Regierungsbildung Großadmiral Tirpitz als Kandidaten für die Stelle des Reichskanzlers auszuziwingen, -ist gescheitert. Im Verlauf des heutigen Vormittages und in den WttagsWnden fanden entscheidende Beratungen. über die neue Situation zwischen den Führern der.MAtelparteierr. statt, Wölber Reichskanzler * Dr. Marx besvnders hervortrat. Gegen zwei Wr nachmittags war die Situation sc» weit Märt, daß eine vollkommene Einigung über jbte emAUfchlagende Taktik zwischen 8 ein t rum, den 1scher Volkspartei und den Demokraten erzielt ist. Es wurde vereinbart, daß ein EinlaMarigZschreiben an die Deutsch nationalen gerichtet werbe, in dem über die igefprochett werden -soll, Das' EiMdungsschreißctc wurde jwm den.Deutschnatioualen angenommen uO Lst Besprechung auf morgen festgesetzte '"'Me perlautet, werden die Führer Lev beutsKn Wolkspartei als Richtlinien für die RetzlemngsbWnng bas außenpolitische Programm der Mittelparteien verlangen. Dieses liegt bereits m einer festen Formulierung vor. UeLer den Jrrhalt verlautet, daß die zukünftige neue deutsche Regierung das. Sachverständigengutachten nur dann durchführen kann, wenn es '.gelingt, ein En t-> gegenkommen in bestimmten, dem Bolksempfirchen und der Gerechtigkeit Mtspvechenden Punkten, den sogenannton Ehrenpnnkten zu erzielen. Als solche wevden unter anderen angeführt: Die Rückkehr der Ausgewiesenen, die Freigabe dev Gefangenen, die Räumung von Duisburg und Ruhrort, die Festsetzung einer Zollgrenze, die WiederhersieLluUg der deut- WnMpuveLäüilät iw Rheinlande. Die Fraktion. der Deutschnatronalm soll sich über dieses PrögvWM äußern und daMep entscheiden, ob sie auf. der GrunÄage dieses -Programms an der Rcgierungs- Anfangs Imst. Paris, Mai. Nach eins» Loub'ünev Meldung 8e^- ^Jnsormation" wird dis Begegnung Mae Donalds' Art dem neuen französ 4s ch en Mini st er Presidenten und Äußenmirnfter in den ersten zchu Vagen des Juni statstnden. Für den Fall, daß dev frmMWo Regiemngschef durch-ParlamentarWe Arbeiten zurück^ gehalten werde, sei Mae Donald bereits das WNchem ende in Paris zu verbringen.! > ,Mestminstev Gazette" Mart, Zu wissen, daß (Sei dieser Zusammenkunft von britischer Seite folgende Bor- Wage gemacht wurden: Sofortige Räuwung des Ruhrgebietes. Aufhebung dev Zollschranken im Rulhpgebiek und BefMguUg aller, die lÄt'kfche Industrie^ behindernden Maßmhmen. Deutschland solle einen Plan zur Durchführung des Expertengutachtens aufftellen.. Die Sicherheit Frankreich und ganz Europas solle auf Grund pon Vorschlägen durch den Völkerbund erreicht werden. ' ' en Handelsvertrages. Lovdo», 22, Mai. MWstevPrasidM Mae D o n iild Wd GchrUdterF rankenst ein haben heutSihen englisch- Mrreichistzen HdndeMertragGuLEzei^ der für bensHoMWerkehr beider Müder W MWegünstigung koolipge gegen das kinwanderungs« verbot. Paris, 22. Mai^ Rach einer Meldung des ,Mew Nsrk Kerald" aus Washington beabsichtige Präsident CvMdge, das Einwanderungsgesetz, das mit Wirkung vom 1» IlÄ die Japaner von der Einwanderung kt die Bereinigten Staaten aus sch ließt, dem Kongreß mit einer Botschaft zurückzus'chrcken, worin die Abänderung der Ausschlußböstimwungen verlangt wird, so daß die Japaner darin nichts Verletzendes erblicken Wuen. ' ' Lssammentritt der Alliiertenkonserenz Mitte Juli. Brüssel, 22. Mai. ,Moile Bölge" meldet, bre nnteu alliierte Kaufetenz, die sich .mit /der Frage dev. Sanktionen und der technischen Kontrolle über die Durch-' si'chrnng des Expertenplanes beschäftigen /soll, wird in dev zweiten Julihälf 1« zusämmentreten.! Hekriet arbeitet dar Programm der Radikalkozialiften aus. Paris, 22. -Mai. Das Exekutivkomitee der radikalen sozialistischen Partei hielt gestern.unter,Vorsitz H erriots eine Sitzung ab, in der alle Dispositionen für den Kongreß getroffen wurden, der am 1. Md 2, Juni'stattstndet. Dieser Kongreß wird die politische Lage prüfen. Das Exekutivkomitee .1 hat;. die Haltung seines Präsidenten gebillrgt, .und. beschlossen, ihm. die Ausarbeitung d es.P.rogrammes. zu 'übertragen, das den sozialistischen Parteien, mitgeteilt werden foft, Bitte gtoSe PettoseMtramMo«. (Eigendienst der Miener Movgenzeitnng".) ' London, 22. Mai, Dis Royal Duich-Shell-Gruppe berkaufte ihre Petroleumintevessen in den Vereinigten Staat enum. 6 Millionen Pfundan die S ta nda rL Oil C o m p'agn i e. Die Royal Dutch-Shell-Gruppe wird nunmehr ihre Petroleumfelder in Rußland in großen Stile ausbmten und die swigeiwördenen Gelder hieM' verwenden. . In New-Iork wird dieses Ereignis mit beson- Um 3er Streik im Rahrgebiet. Blutige Zusammenstöße. Düsstldors, 22. Mai. Der Streik in den Gruben zieht ganz besonders die Hüttenwerke in Mitleidenschaft, die in nächster Zeit-schließen dürften, da Hnen die nötige Kohle Mangelte 90 Prozent dev GrulbeMrbeiter weigern.sich, die Arbeit tvicher aufzunchmen. In die Bwsserzeche bei Marl sind 3000 Streikende und >1000 Frauen.eingeidrungen. Die' Polizei' machte von der Schußwaffe Gebrauch-. wobei Zahlreiche Manifestanten verletzt wurden. - Auch in Bo chum.kam es zu Zusammenstößen, wobei Schüffe 'gewechselt ''wachen:' ' Infolge Kohlen ma n g e l s kündigten heute die Tyssenwerke fürden 26. -Adai ihre Stilleigung an. Die Belegschaft betrat rund 8000 Mann. Riesenbrand in Warschau. Eine Brandstiftung« — Billionenschaden. .. Aus W a r f ch a u wird, uns, gemeldet: Heute _ Im 3 Uhr früh . ist^ in der Metall- und Emailwarenfäbrik „Vulkan i n" bei der Vorstadt P r a g a bei Warschau :ein. Riefeuhraup ausgebrochen/ Menschenleben sind nicht zu b'eklagen, doch ist der größte Teil der Fabrik dem Feuer Z'M Opfer gefallen. Die Ursache des Brandes - dürfte B r a n d st i s tn n g sein. 8 00 A r L e ite r sind brotlos geworden..'Der Schaden wird an,' Billionen geschätzt. Die Aksien der Fivnia sind von! 4 M 3 -volwüche Gulden zuückMgansM Polen:poin.Htc.350.000 Italien: Monatl. 12 Lire, R um ä n i e n Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, S chwei z and das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion n. Administration Wien, II., Taborsbrassei—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6TJhr abds.19-483,25-28'2 IX. Universltätsstr.6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreicbisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 SSSSSSSSSSSSS5 6. Zlchrgmlg Das Wische Femeut. —y. Wien, 28. Mai In einer Massetiverfammlung der jüdischen Be^. väUerung Wiens ist vorgestern für den Gedanken der Vev'söhnnng der BAker geworlben worden. Es ist charakteristffch für die Lust, in der wir Wen, für den Geist, der diesen Staat verwaltet und führt, für die ällgsinerne Richtung, in die die RepMik gedrängt wird, daß das erste große Meeting für den Völkerbund von jüdischer Seite eistberusen worden war. Es ist nicht unnötig, dies öffentlich felstzustellen. Die Versammlung wies einen außerordentlich starken Besuch aus Kreisen auf, die sorgst nicht als jüdisch gelten, und diese nichtjüdischen Teilnehmer folgten mit lelHastester Sympathie den an sie gerichteten Referaten. Dies ist ein starker Beweis dafür, daß.auch Wien nicht abseits von dem großen Jdeenkampf in der Welt bleibt und daß sich auch in dieser StM regstes Interesse für den Weg zum Frieden kundtut. Es kommt nur darauf an, daß dieses Interesse geLveckt wild, und daß die Oeffentlichkeit über ZÄ, Zweck und Konstruktion des WKerbundes unterrichtet wird. Dies war bisher nicht der Fall und der Präsident der österreichifchen Völkevbundliga, der gewesene Vertreter Oeisterrerch-iUngarns in Washington, Herr Dumba, naihrkl Gelegenheit, die Ursache dieses Mangels zu besprechen: „Der VMevbund ist eine wenig bekannte und oft sehr verkannte Institution. Die Zeituugön beschästigen sich mit ihm sehr wenrg,- und wenn sie dies tun, so informieren sie die Oeffentlichkeit snlfch.^ Das ist ftMch nur ein äußersiW Moment. . , , Dieses Thema sortMlspinnen, mußte sich . Herr Dumba mit RüMcht awst den Zweck der VeHammlung Versätzen. Cr hätte sonst aÄMren müssen, daß die große Wiener Presse dem BMerbund nicht grün ist. Sie stiert zwar an besonderen'Tagen den Pazifismus, aber sie befreundet sich nicht mit der durch den Völkerbund geschaffenen PaMstrschen Tatsache, und sie der-, hindert es,. daß der geistige Inhalt des^ Völkerlbundstatuts den Massen so vertraut wird, wie dies notwendig wäre. Diese Weltpresse, die über alles und jedes herumfchmockt, hat denn auch von. dieser Versammlung und von diesem Restrat Dumbas keine Notiz genommen. Hätte der Botschafter Reistermnevungen - aus seiner Amtszeit vovgetragen, so hätte sie eher GefaUen gefunden. Aber es war erstens eine jüdische Versammlung, und man sprach Wer den Frieden. Zwei Momente, die das tiest Schweigen genügend erklären. 7 Das ist freilich eine fatsche Taktik., Denn es gibt heute doch schon der Mittel in Hülle, mn den Zweck dieser Stille zu beseitigen,-und man befindet sich andererseits in einem Staate, der mit dem^ Völkerbund in einem gewissen VerwaMschastsvechältnis stcht,^ und dessen Regierenden, wenn sie nicht anders können, unter taufend VerUaufMerungen dies geistchen. Immer aber von der unpopulären Seite aus. Der . Völkerbund befiehlt neue Steuern,' bestehlt Abbau, befiehlt Intensivierung der Landwirtschaft, befiehlt sparen. Das sind Dinge, die der Mann auf der Straße nicht gerne hört, und die es ihm vergessen machen sollen, daß der Völkerbund in schr schlimmer Zeit die Sanierung Oesterreichs in Angriff genommen hatte und daß er zur Tat vorgeschritten ist, als noch alle MitKieder der Wiener Weltpresse zwischen Buchs , und Retz sich in langatuiigem Geschwätz ergingen. Diese Tätigkeit des Wlkevbundes verschwindet aus dem Gedächtnis und ebenso verschwindet der Umstand, daß es der Wiener Jude Wilhelm Rosenbevg war, der. die Mion in allen Details vorbereitet und die Verbindungen mit der internationalen Finauzwelt gesichert hatte. 'Daß dieser vergessene Wilhelm Rvsenberg, mit dessen Federn sich heute so mancher pülitische Gernegroß schmückt, der Zionistischen Orgcntisation angehörte, ist kein Zufall. - Aus seinem zionistischen Bekenntnis heraus mußte er zur aktiven Arbeit an der Verständigung der Voller, au der' Uebevwindung des Krieges gelangen, weil ja der Zionismus gar nichts anderes ist als ein Teil des großen Menschheitskampfes um den Frieden und die Erhöhung der Gesittung. Es ist darum auch kein Zufall, daß der Völkerbund, dessen grundlegendes Prinzip der jüdischen AdeenwÄt entstammt, gerade durch jüdische Persönlichkeiten ferne ideelle Förderung erfährt, uub ,daß die kräftigste Organisation, die in Mitteleuropa 'für ihn eiutritt, die jüdische Völkerbundliga ist. Es ist darum auch kein Zufall, daß diese - jüdische Körperfchast ihren .mchffWschen. MMWern W Gedanken