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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-21 · Heft 1891 (21.5.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1891 (21.5.1924)
Date
1924-05-21
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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'■«'Wt •l- <"-*n»‘.\ - .1- •v' Die Körperschaftssteuer. Im-Nationalrat wurde gestern der von uns bereüs im Auszug mitgeteilte Entwurf der K ö r« perfchaftSsteuernoveile eingedracht. Tarifverhandlungen zwischen Jugoslawien und der Tschecho«Slowakei. Demnächst wird eine jugoislawksch-islowarische Kommission «mannt werden, deren Aufgabe «8 ist, die Eisenbahn tarife für den Transport jugvflawifchsr Waren durch. die Tschecho-Slowakei herabzusetzen. M8 Gegenleistung wird das jugoslawische Verkchrsministerium tschecho-siawakischen Besuchern der dalmatinischen Küste Erleichterungen bei den Paß- und Zollformalitäten sowie Ermäßigung der Transportkosten gewähren. Aufhebung des ungarischen Ausfuhrverbotes für Weizen und Roggen. Die Wiener Handelskammer gibt bekannt, daß die ungarische -Regierung das Ausfuhrverbot für Weizen, Halbsrucht, Spelz der T.-Nr. 83 und Roggen der L.-Nr. 24 aufgehoben und für diese-eine Auöfuhrabgabe mit Wirksamkeit, vom 18. Mai d. I. eingeführt hat. Die Äusfuhrabgabe beträgt, bei der Ausftchr von Weizen, Halbfrucht oder Spelz für 100 Kilogramm Bmtto den vom Finanzministerium feweils sestgeätzten Wert von 6 Kilogramm Weizen und.für Roggen den je- Werls festgesetzten Wert von 5 Kilogramm Roggen. Erhöhung des Zollaufgeldes in Ungarn. Die Handelskammer in Wien gibt bekannt, daß die ungarische Regiernna mit Wirksamkeit vom Tage der Verlautbarung da» Zollaufgeld in Ungarn wie folgt erhöht hat r Für Waren der Liste A 65.000% (651fach, bisher 601fach), für Waren der List, ö 600.000% (6001fach, bisher 5001fach), für Waren der Liste 6 775.000% (7751fach, bisher 6501fach), für alle übrigen Waren 1,600.000% (16.001fach, bisher 13.501fach).. Für Wagegeld ist ebenfalls der Ib.OOlfache Betrag zu entrichten. ■ j Wiener Börse. GeschSstslos. '■*" Die seÄ einigen Tagen vochervschende Geschäftslosigteit Übertrug sich auch auf die gestrige Börse. Der neuerliche Rückgang des französischen Franken in Zürich übte, fast gar keinen Eindruck, da es an Kaufovders gänzlich fehlte und von den auswärtigen Plätzen keine Anregung geboten wurde. Zur lustlosen und reservierten Haltung trug auch vielfach der Umstand bei, daß die SpÄuilation den Maittermin für die Fülligkeiten der FrankenispeMation abwartet. Lediglich für Südbähn-Prioritaten, in denen das Geschäft recht lebhaft war, zeigte sich erhöhtes Interesse im Hinblick auf die bevorstehende Couponeinlösung. Südbahn-Prioritäten, die vorgestern zum Kurs von 470.000 K. schlossen, stiegen bis 502.000 K. und verließen den Markt zum Kurs von 490.000 K., auch einzeln« Werte tschechischer Provenienz, in denen Deckungskäuse für Prager Rechnung zur Ausführung gelangten, wiesen Besserungen aus. Hingegen wurde der Rückgang der Depositenbank um 1500 K. unangenehm empfunden und verpflanzte sich von diefem Effekt ausgehend die lustlose und schwächere Haltung auch auf die übrigen Bankenwerte. Im ganzen und großen war das Geschäft gering, die Lustlosigkeit bis zum Schlüsse vorherrschend. Britisch-ungarische Bank' büßten 7000 K., österreichische Kredit 5000' K>, ungar. Kredit 8000 K., Unionbank 5000 K. ein. Alpine verloren 10.000 K., Felten 5000 K., Karpathen Petroleum 9900 K. und Semperit 7000 K. Im Schranke«'war 'ebenfalls Abgabelust vorherrschend, wölbet die Kurse mit ganz' geringen Ausnahmen Einbußen erlitten. Die Umsätze Lewqgten sich eng begrenzt. So verloren Pester ungar.. Kommerzialbank 10.000 K., Dampfschiff 80.000 K., Nordbahn 200.000 K., Golleschauer 50.000 K., Pilsner Brau 400.000 K., Brosche 60.000 K., Jüngbunzlauer 100.000 K., Koliner und Berg--, und Hütten je 60.000 K., Krainer Eisen 80.000 K. ' Bon den Petroleumtverlten wurden Galicia um 20.000 K. billiger abgegeben. Hin,gegen gewannen Navigazonv 260.000 K. und Brüxer Kohlen 110.000 K. Aus dem An läge markte ergaben sich nur geringfügige Veränderungen. Bon den Exoten notierten: Mraznica 66.000 bis 72.000 K., Oleum 70.000 bis 75.000 K., Depege 31,000 bis 88.000 K., Wiener Waffen 23.000 bis 26.000 K. Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitüng".) Im Auslande hat sich die Marktlage weiter verschärft. Von einer Geschäftstätigkeit kann nur in sehr geringem Maße gesprochen werden. Der Konsum wartete infolge Mangel an Betriebsmitteln mit der Eindeckung immer dis zum letzten Augenblick und kaufte nur das Allernotwendigste. In Hamburg .lagen die Alkalien. lustlos. Es wurde notiert für Aetzkali 54, Aetznatron 33, Kalilauge 29, Natronlauge 12.50, Pottasche 44 und ab mitteldeutschem Lager 43 Soda kalz. 14.25, Kristallsoda 9.25 lalleS Goldmark pro 100 Kilogramm), Chlorkalk war gut gefragt. und erhielt Basis 10 Pfund Sterling waggonfrei Mitteldeutschland. Essigsäure wurde in kleinen Mengen zu 145, Goldmark und höher gehandelt. In Kalialaun blieb der Umsatz gering. Der, Exportmarkt war leblos. An der gestrigen Warenbörse herrschte lebhafter Verkehr, wenn auch die geschäftlichen Transaktionen nur mäßig waren. Gesucht waren Ammoniaksoda und Chlorbarium 98/100. Ausgeboten wurden: Zinnoxhd 99/100 zu 93.000 K., Bromamonium zu 24.000 K., Bleiweiß zu 14.500 K., Eisenvitriol zu 1150 K., Essigsäure 80% zu 23.800, K.. Kupfervitriol zu 7600 K., Weinsteinsäure krrst. spießig zu 38.000 K., chlorsaures Kali zu 6300 K. ab Salzburg, ftanz. Harz W. W. zu 6000 K., Kali, gelbblausameS zu 27.000 K., Karbolsäure 39/41 weiß krtst. pro 1000 Kilogramm zu 69 engl. Pftmd transit Wien, Milchsäure vol. techn. 50% zu 10.400 K., Minium Bleiberger zn 13.000 K., Paraffin 60/62 in Tafeln zu 9300 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangten laut Art. 343 des H.-G.-B. 4 Waggon Aetznatron der Reihe nach zu 5210. 6235, 5350' und 5225 K. (128/130) englischer Provenienz transit Wien-Mahleinsdorf sowie 2500 Kilogramm. Minium B. B. U. zu 11.050 K. ab Wien laut Art. 311 des H.-G.-B. . Oele und Fette hatten mäßiges Geschäft bei preiShaltender Tendenz. Kolonialwaren. Kaffee war cif Triest etwas billiger erhältlich, Santos Prime pro 50 Kilogramm zu 94 bis 99 Schilling und Rio VII Johnston grün zu 72 Schilling 6 Pence, Tee, Kakao und Gewürze blieben unverändert. Reis Burma II Originalware neue Ernte pro 50 Kilogramm war zu 16 Schilling 3 Pence pro Mai-Juni wagqonfret Triest ausgeboten. -Die übrigen Gattungen waren vernachlässigt und die Preise haben nur nominelle Bedeutung. Zucker tendierte bis 2% Punkte, respektive 100 K. schwächer, Kristall notiert 3.55 tschech. K., Würfel 3 751/* tschesch. K. ab Grenze, respektive 10.609 K. und 11.000 K. ab Lager Wien. Zum öffentlichen Verkaufe gelängten laut '-Art. 311 des H.-G.-B. 5 .Bootsmotor« zu 50,000.600 K. sowie 57 Stück Stoffe 3590 Yard zu 99,000.000 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangen am 23. d., 11 Uhr, Kummetpölster, um 11 Uhr Lammfelle und Kanin, am 26. d., 11 Uhr, Pelzwerk. r gefle 8 i n——«fw W>««, MMoH Wiener MoraiiüetttM«.»M smme %. Mai im Rt; 1891 Biehmiirtte in St. Marx. (Eigenbericht der ,Meiner Morgsnzoitung".) B o r st e n .v i eh mark t. Angemeldet wurden für den gestrieaen Markt 7452 Schweine, allein zu Beginn desselben bloß 6952 Stück, darunter 4313 Fleisch- und 3639 Fettschweine aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 124 inländische, 980 ungarische, 1432 jugoslawische, 2848 polnische, 302 dänische, 631 schwedische und 589 niederländische. Für Fleischschweine war die Nachfrage, da die Importe in geschlachteter.Ware wesentlich nachgelassen haben, keine lebhafte. Trotz gesteigertem Angebot blieben die vorwöchigen Preise gut behauptet. Hingegen war der Verkehr : .in Fleischschweinen ungeachtet verminderter Zufuhr schwerfällig und konnten letztnotierte Preise nur mühsam erzielt werden. Es notierten: holländische Fettschweine prima 22.000 bis 24.000 K.. ungarische prima 19.000 bis 20.500 K., extrem 21.000 K., mittelschwere 19.000 bis 20.500 K., Bauernschweine 18.000 bis 21.00C ' Kronen, alte 16.000 Li» 18.000 K. und Fleischschweine 21.000 bis 23.500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferdemarkt. Zum gestrigen Markte wurden insgesamt 467 Schlächter-, darunter 165 auf dem Kontum-nmarkte, und 295 Gebrauchspferde gebracht. Verkehr flau. Es no.erten: Zug- Pferde leichte 4,000.000 bis 12,000.000 St., schwere 6,000.000 bis 14,000.000 St., Kutschpferde 4,000.000 bis 12,000.000 St., Pferde für Schlachtzwecke 6000 bi» 11.500 K. pro Kilogramm. Lebendgewicht. Baumwollmartt. Aew-Dork» 19. Mai. Baumwollzuf uhren in den atlam und Golfhäfen 8000, im Innern 4000. Ausfuhr nach Groß- , britannien 7000, nach dem Kontinent 13.000. Lokalmarkt middling: 31.65 (letzt. Kurs 31.15). Tendenz r - Fest. - Termine: April Mai 31.30, Inn —, Juli 28.29, August 27.20, September 26.—. Oktober 26.36, November —.—•. Dezember 24.70, Jänner 24.35. Februar —März 24.45. Berliner Börse. Berlin, 20. Mai. Der Fall des Stahlwerkes Becker Hai von neuem an die trostlose Lage gemahnt, in welcher unsere Industrie durch Kapitalmangel geraten ist. Im Zusammenhang hiermit wurden Befürchtungen laut, die sich offenbar uniberechtigterweise aüf Unternehmen allerersten Ranges bezogen. Aber'wenn auch derartige Gerüchte keinen Grund fanden, so verschärfte sich doch die schon herrschende Beunruhigung Die andauernde FWffigkeit am offenen Geldmarkt wurde kaum als freundlicherer Ausblick angesehen, weil dieses Geld nicht der Industrie zur Verfügung gestellt wird. Unter diesen Verhältnissen machte die Abwärtsbewegung der Kurse zum Teil erhebliche Fortschritte. Montanpapiere. Kaliaktien, Elelktrizitätswertie und Maschinenaktien 'büßten zum Teil 3 bis 4 Billionen Prozent ein. Späterhin wurde die Börse widerstandsfähiger. Angeblich waren Kaufaufträge vom Auslands eingetroffen. Echolungen blieben nur ganz vereinzelt und waren ganz unbedeutend. (Alles in Billionen von Mark.) S ch l u ß k u r s e: Türkische Lose 20.4, Oesterr Staatsbahn 30.25, Nordd. Lloyd 5.1, Ver. Elbeschiffahrs 2.5, Berliner Handelsgesellschaft 26.25, Kommerz. Privatban! . 4.6, Darmstädter Bank 7.6, Deutsche Bank 8.5, Diskonto- Kommandit 8.75, Dresdner Bank 6:25, Nationalbank fit! Deutschland—.—, Oesterr. Kredit 0.375, Oesterr. Landerbanl —, Reichsbank 24.—, Wiener Bankverein 0.3, Wr. Unionbank 0.3, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 7.625, Bochum«! Gußstahl 46.—, Daimler Motoren 2.8, DeutschÄuxemburgei 44.—, Deutsche Maschinen 4.75, Dynamit Nobel 5.5, Felten n. Guilleaume 18.876, Gelsenkirchener Berg 46.25, Th. Goldschmidt 10.975, Harpener Bergbau 53.25 Hirsch Kupfer 18.6, Höchster Farben 10.75, Hohenlohe-Werk« 20.—. Laurahütte 7.—, ManneSmannröhren 27.—, Phöriiz Wlf N. I. ADLE Rfl ASSE*« T«kfonffc76;U3A Copyright by 1923 Nachdruck verboten, reutsch-veperreichischer Verlag, Wien. Igo. Fortsetzung.- M Heimatlosen. Bon Mma Bukelich. Und durch die Gasse dröhnten die dumpfen, schweren Schritte der einrückenden Landstürmler. Bärtige Männer. LeiÄvolle Gestalten. Biele mit angegrauten Schläfen.und Bärten. Heraüsgerisien aus ihrer Arbeit, mit Traum und Seele noch^daheim, wo die Scholle sich bräunt, die Garbesich türmt. Die Traube der Lese entgegenroift. Und hinter ihnen her Weiber und Kinder. Ganze Scharen. Sie weinen nicht und schreien nicht. Sie erstarren einfach vor dem Unfaßbaren. Sie strecken ihre Hände aus. - Wortlos. Sie greifen denen nach, die ihnen entschwinden. Die ihnen alles waren. Schutz, Liebe, Meiffchlichkeit. Dann schließen sich die großen grauen Bogen. der KLsernentore. Lajos weint. Träne um Träne rollt über sein Gesicht. Cr wehrt ihnen nicht. Bor dem Tor« eines Wirtshauses liegt ein junges Weib duf dem Pflaster und krampst die Finger ins zerwühlte Haar. Drinnen aber stampften Tschardasschritte. Eine Geige wimmert. Die Soldaten gröhlen. Es klingt unheimlich und namenlos traurig. Und als sich Lajos über das junge Weib beugt, sicht er erst, daß sie nicht trunken ist. Sie weint nur leist wimmernd vor sich hin. Sie klagt. Ihre Stimme ist völlig rauh. Hat jede Spur von Glanz verloren, so ganz in Tränen ist sie aufgelöst. Und als sie Lajos' weinende Augen sicht, dicht über ihrem Gesicht, da birgt sie aufschluchzend ihr Antlitz an der Schulter dieses fremden tiflanmä und stöhnt: „Er ist nicht schlecht! Nicht schlecht! Nur so verzweifelt! Er trinkt und trinkt. Was auch sonst soll er tun? . Die letzte Nacht!" schreit sie wie aus dem Abgrund einer machtlosen Be>rzweiftung. „Die letzte Nacht! Die allerletzte Nacht!" Und hinter den verdunkelten Fensterscheiben der Gasse geht der Schmerz um. Letzte Liebesstus^er verhauchen. Küsse werden geküßt, die versengen, weil sie Tod und Hölltz in sich, tragen. Arme verkrampfen sich und wollen sich niemals mehr, niemals mchr auseinanderlösen. Die letzte Nacht! Kinder werden gezeugt, die den Tod im Herzen tragsn, ehe sie zum Lichte erwachen. Tränen stießen wie Sturzbäche . . . Niemals mchr, niemals mehr wird der Quell dieser Tränen... Und Lajos, der sieht und hört, verliert die letzte Fassung. Wo sind die Schuldigen? Wo ist der Herd, der diese Quelle speist? Wo ist das Haupt, das diese Höllengedanken ausdenkt, sie verbreitet, sie den anderen eingibt, so daß das möglich ist? Und keiner, der Hilst, diesen Wahnsinn zu hemmen. Keiner, der aussteht und den Menschen in die Ohren schreit: Ihr seid Mensche):! Alle Brüder! Kinder einer Erde! Mordet euch nicht! Alle feig in sich selber verkrochen. Zum Schweigen gebracht. Er selbst aber viel zu schwach, einer gegen Tausende, gegen Millionen . . . was kann einer . . .? Und was gilt Menschenwort in solchen Zeiten? Läßt Wahnsinn sich bannen mit Menschenworten? Aug' um Aug', heißt es, Zahn um Zahn. Die ihr nach Blut schreit, ihr sollt im Blut getauft werden, daß die Erkenntnis über euch komme und ihr Halt schreit mitten im Verderben. Einer müßte ausstehen, d'er seiner nicht achtet. Dessen Heidentum die Liede ist. Der euch rettet vor euch selbst...' durch die leuchtende Tat der Hingabe und des letzten Opfers. Der seiner nicht achtet und den Tod auf sich nimmt, um euch das Leben zurückzugeben. Und diese Tat müßte dastehen wie ein blutiges Wahrzeichen, aus daß alle erschauern, aufschauen und stillestehen. Die Mächtigen erbittern aus ihren Thronen, sich in die Brust schlagen und Buße tun. Die Geringen aber staunen und sagen-. Seht, so geschieht den Mächtigen, die Schacher treiben mit unserem Leben. Allmählich begann Lajos langsamer auszuschreiten. Ging Schritt um Schritt, sinnend, mit geneigtem Haupte. Gedanken brausten durch sein Gchirn, deren er nicht Mehr. Herr zu" -werden vermochte. Ein Singen und Klingen» dunkle, sieghafte, berauschende Worte. Dann aber stand er still. Stand lange still und in sich versunken da, sammelte sich Tropstn . um Tropfen im Becken seines Lebens, so daß er alles mit einem einzigen Blick umfassen konnte. Kindheit, Jugend, Mannersalter, Absicht und Tat. Und er sah, daß dieses Becken lauter war bis aus den Grund. Und dann ging er ruhig weiter. Ohne Hast. Ohne sich zu besinnen. Ging durch die still gewordenen Gassen, über die der Julinachthimmel seine schwere Decke aus Samt und Gold gebreitet hatte. Es war nur ein schmaler Ausschnitt,'den er sah. Eingeengt von den aufftvebenden Käuserriesen. Dennoch ein Stück der Unendlichkeit. Bor dem Gebäude des „Morgen" sta-nden noch immer Menschen. Doch waren sie stiller geworden. Gähnten und flüsterten. Und warteten aus ihr Schicksal. Um Mitternacht wurde das letzte Telegramm ausgehängt. Morgen werdet ihr es hinaustragen in alle Welt, daß einer ausgestanden ist in der allorletzen Stunde . .. einer. . . ein einziger. Und wirft sich der Maschine entgegen, deren Räderwerk euch zermalmen soll. Da oben , surren die Treibriemen, laufen die Fäden zusammen. . . Und er schüttelte die Fäuste wie außer sich, Dann aber überkam ihn Mhrung. ,Müder, genossen! Wie habe ich euch geliebt. Wie euch gedient. Seht, nun gehe ich hin. Es ist das Letzte. Mein Blut. Mein Leben und nieine Zukunft . . . Ihr aber werdet frei sein. Nur einer braucht es zu wagen. Einer braucht zu zeigen, wo das giftige Geschwür sitzt. Und die Schuppen w-evden von euren Augen fallen. Ihr werdet selbst sehen, und dann werdet ihr euch gegen jene Wenden, die euch verderben wollen. Reißet sie von ihren Thronen, sage ich euch. Reißet sie in Stücke! Gedenkt ept unschuldigen Kinder!" Lajos glaubte zu sprechen. Doch seine Lippen bewegten sich mc zitternd und blieben stumm. Kein Laut entrang sich .ihnen. Er hob die Hände wie inr Krampfe, und die Leute lachten. 'Fortsetzung folgt.'»

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