Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1884 (14.5.1924)
- Date
- 1924-05-14
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorte 8 .Men, Mttwo'ch Sonderausschuß wurde aber verwert. Wie der Korrespondenz Herwei mitgeteilt wird, haben die Großdeutschen in Anbetracht der jüngsten Erscheinung auf dem Wiener Geldmärkte und den damit im Zusammenhang stehenden Vorgängen bei einzelnen Banken neuerdings die Einbringung der Vorlage verlangt und es scheint, daß die Regierung diesmal der Forderung der Groß-deutschen entsprechen will. __ Vom Geldmarkt. Aus dem Geldmarkt war gestern reichliches Anbot bemerkbar, chm daß sich Nachfrage eingestellt hätte. Infolgedessen unteMieben auch Taxationen des Geldsatzes. Insolvenzen. Der Kr-editorenverom meldet: Gevrchtliche Aus gleiche: GinOerq Lhaim, GsmischWarerchandel en gros, Wien, 8. Bez., Landvimasse 3. Ginzbevg Mannes, GeamischÄoarenhandel en gros, Wen, 8. Bez,, Laudongasse 3. Grießauer Heinrich, ElÄtrotechniker, Wien, 2. Bez., Taiborstraße A. Holler Johanna, Private, Wien, 8. Bez., Daungasse 6. Pollak Emil, Textil- und Modewaren, Wien, 16. Bez., Quellenstvatzs 127. Schneider Rärmnnld, Strick- und Wirkwaren, Wien, 8. Betz., LeüpMsgasse 28. Pernegger u. Pomahr, Mehr. Koller Michael, Kürschner, Schärding. Schaschl Josef, Klagenfurt. Bayer Jchann, Kaiufurann, Innsbruck. Krchn Emkl, Juwelier, Innsbruck. — Konkurse: Dkrilbany Franz, Kaufmann, Allvechts. PolonÄh David, Gmund. Insolvenz einer Budapester Bankfirma. Aus Budapest wird gemeldet: Gegen das Banzaus Singer u. FrärM wurde von mchveren Kommittenten die Strafanzeige erstattet, daß es die der Bank anvertrauten Depots veruntreut hätte. Die Passiven der Pank betragen 560 Millionen Kronen. Singer und Frankel waren die Bankiers des aus dem Osten eLngewanddrten keinen Mannes. Die Firmeninhaber bieten ihren Kommittenten einen 66prozentigen Ausgleich an. Men« Börse. Fortgesetzte Deckungen der Konterm-me in: Verein mit Meinungskäufen bewirkten, daß sich im Eröffnungsstadium der gestrigen Börse eine namhafte Aufwärtsbewegung des Kursniveaus auf fastsämtlichen Gebieten bemerkbar machte. Günstigen Einfluß übte auch das weitere Sinken des französischen Franken sowie das Frankenarrüngöment für-den Monat April. Da der großen Nachfrage nur geringes Ange!bot gegenüberstand, bedurfte es längerer Zeit zur Feststellung des ersten Kurses in der «Kulisse. Nach Erledigung der ersten Orders kam das Geschäft in ruhigere Bahnen,' da die Hochkurse zu Gewinnsichevstellungen benützt wurden,, doch ging die Festigkeit des Marktes nicht verloren^ trotzdem bekannt würde, daß die Deutsche Bodenbank ihre Schalter bereits geschlossen habe. Der Schluß erfolgte in fester Haltung mit wesentlich gebesserten Kursen gegenüber dem letztgemeldeten Stand. So gewannen Südbahn-PviorMen 7006 K., Bankverein 15.000 K., österreichische Kredrk 12.000 K., ungarische Kredit 13.000 K., Anglobank 7000 K, Unionbank 10.000 K., Zivnostenska 1-5.000 K., Felten 9000 K., Krupp 10.000 K., Rima 17.000 K., Skoda 124.000 K., Waagner 28.800 K., A. E. G. Union 13.000 K., Siemens 19.500 K., Sallgo Kohlen 30.000 K., Trisailer 38.000 K., Brünner Maschinen 45.000 K., österreichische Hosherr 8100 K., ungarische Hosherr 11.000 K., Karpathen Petroleum 23.000 K. und Semperit 31.000 K. , Auch Än Schranken waren, hervorgerufen durch MeinuntzZkäufe, eine ganze Reihe von Gffektengaktungen mit dem Pluszeichen aufgezogen. Auf einzelnen Gebieten ergäben sich größere AustvärtsbewLgungen. So avancierten Nordbahn um 700.000 K., Dampfschiff um 170.006 K., Mrrigshofer Zement profitierten -170.000 K., Wienerberger 50.000!K. Aussig chemische gewannen 60.000 K., Dynamit Nobel 800.M0 K., kAtckstoff 55.000 K. Bon den Petrolemnwerten wurden Galicia um 200.000 K. in die Höhe gesetzt. Schöller Zucker gingen mit einer Steigerung von 100.000 K. und ungarische Zucker mit .einer solchen von 300.000 K. aus dem Markte., Wiener Morsenzeitung. Auf dem Anlagemarkt wiesen Renten ebenfalls Besserungen auf. Von den Exoten notierten: Ho'lzjverband 15.000, 9Nraznica 69.000 bis 77.000, Topege 37.000 bis 47.000, Universale 31.000 bis 38.000. .! , Ae Wareumörkte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitnng"). Jute. ''' Aus Kalkutta wurden ausreichende Regenfälle gemeldet, so daß die Feldarbeiten für die neue Ernte guten Fortgang nahmem In. Dundee waren die Preise fester, der Markt selbst war als stetig bezeichnet. Im allgemeinen ist das Geschäft rrchiger, vorübergehende Nachfrage jedoch nach rascher Lieferung hat die Preise befestigt. Der Garnmarkt war gleichfalls ruhig. In Deutschland ist Bedarf vorhanden. Die Kreditlage schrankt neue Abschlüsse ein. Borsten. Das Borstengeschäft in der Gesamtheit leidet unter dem Eindruck der Geldknappheit. Von allen Seiten wurde große Zurückhaltung beobachtet, aus dem Bestreben heraus, die bestehenden Engagements nach Möglichkeit zu vermindern. Die borsten-- veravbeitenden Industrien sind, weiter gut beschäftigt. In besonders starkem Maß grisf die Feinbürstenindustrie in bcu Markt ein und auch französische Händler haben große Partien aus dem Markt genommen, j_ .. ..... ... Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Im Auslände hielt die GeschaftSstille am Chemikalienmarkte an. Aetznatron wurde allgemein etwas lebhafter gefragt. Auf Basis von 32.75 Goldmark pro 100 Kilogramm wurden verschiedene Kontrakte abgeschlossen. Für Aetzkalt wurden 54.50 Goldmark gefordert pro 100 Kilogramm, Kalilauge wurde reichlich zu 29 Goldmark angeboten. Ameisensäure lag ruhig,' erzielt wurden 100 Goldmark pro 100 Mogramm. Bleiglätte, Bleimennige und die übrigen Metallfarben konnten sich noch immer nicht erholen.- Essigsäure behauptete sich, bezahlt wurden 145 Goldmark pro 100 Kilogramm, doch bewegte sich der Absatz in engen Grenzen. Kupfervitriol wurde «venia umgesetzt, Salmiakgeist fand mit 39 Goldmark Käufer. Der Exportmarkt lag ruhig. Die gestrige Warenbörse toieS lebhaften Verkehr auf und bas Angebot in Chemikalien war zufriedenstellend. Von den offerierten Gattungen sind nennenswert Zinnoxid zu 94.000 K. pro Kilogramm, Bromammonium zu 22.000 K. verzollt, Bleiweiß zu 14.500 K., Borax kristallisiert zu 9500 K., chlorsaures Kali zu 9 Dollar pro. 100 Kilogramm ab Salzburg, Gummi Cord, zu 19.000 K., Kali gelbblausaureS zu 26.000 K., Milchsäure zu 10.500 K. transit Wien, Minimn Bleiberger zu 13.000 K., Natriumbisulfit 60/62 zu 5800'K., Sodaammoniak 96/98 zu 2950 K.. Stearintafeln I zu 20.000 K., Bienenwachs zu 45.000 K., Weinsteinsäure kristallisiert spießig zu 39.000 K. Abgeschlossen wurde Kupfervitriol 98/99 zu 7600 K. Oele und Fette. Die Tendenz -blieb eine stetige; Schweinefett nordamerik. (pure lard) Tierces notiert 28 Dollar pro 100 Kilogramm cif Hamburg und in Kisten 22.300 K. ab Wien. Lebensmittel und Kolonialwaren. Abgeschlossen wurden portugiesische Sardinen zu 27 Schilling 6 Pence ab Triest. Ausgeboten wurden Kokosnüsse zu 24.600 K., Kakaobutter zu 46.000 K., Kakaobohnen zu 23.300 K. Kaffee notiert Santo» prtmeS 94 bis 101 Schilling, SantoS fuperior 87 bis 93 Schilling und Rio VII Jöhnston grün 73. Schilling 6 Pence pro 60 Kilogramm cif Triest. Tee Moning-Kongo wurde zu'66.600 K. ab'Wien ausaeboten. Gewürze lagen bis 2000 K. flauer, es notieren/Caffia lignea 46.500 K., Kümmel 42.000 K., Pfeffer schwarz 86.000 K. Zucker bröckelte neuerlich um 5 Punkte üb, Kristall notiert 3,62% tschech. K., Würfel 3,62V, tschech. K. ab Grenze.resv. 10.700 'K. und 11.200 K. ab Lager Wien, Lequar 1923 schwächte sich um 400 K. auf 8400 K. ab. Des ferneren waren erhältlich Ia Barimandeln zu 43.000 K., Kerasunka Haselnußkerne, zu 35.000 K. und Caroburm Sultaninen mittel in Kisten zu 28D00 .K. Zürn öffentlichen Verkaufe gelangen am 16. d. um 1 Uhr 2 Waggon Stearin und 76 Kisten Datteln sowie Schraubstöcke, Schraubenschlüssel,' Bohrmaschinen und Drehbänke. %£. Mar M « M» Siefjmiitfte in St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzoituntz",) B o r st e n v i e h m a r k t. Angemeldet wurden für den gestrigen Markt 6541 Schweine, allein zu Beginn derselben waren bloß 6041 Stück, darunter 22716 Fleisch- und 3926 Fettschweine, aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 139 inländische, 1469 ungarische, 1525 jugoslawische, 1680 polnische, 306 dänische und 1088 niederländische. Bei einer Mehrzufuhr von zirka 1900 Stück, an der hauptsächlich Fleischschweine partizipierten, verfolgten die Preise weiter die rückgängige Richtung. Fettschweine haben unter dem Drucke der Stagnation auf dem Fettmarkte 4000 K. und stellenweise bis zu 5000 K. pro Mogramm gegenüber der Vorwoche im Preise eingebüßt. Fleischschweine, erlitten einen Preisrückgang von 3000 bi» 4000 K. pro Mogramm. Er notierten: Fettschwelne holländische prima bis. zu 22.500 K., ungarische prima 18.600 bis 20.000 K., extrem 21.000 K., mittelschwere 18.000 bis 19.000 K., Bauernschweinv 18.000 Li» 21.000 K.. alte Schweine 16.000 M 18.000 K.) und Fleischschweine 19.000 bis 23.000 K. (23.500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Schafmarkt. Aufaetrieben wurden 76 Schafe, die mangels an Käufern ins Schlachthaus abgetrieben, wurden, um in die Großmarkthalle zum Verkaufe gebracht zu werden. Pferdemarkt. Zum gestrigen Markte wurden insgesamt 204 Schlächter-, darunter 152 auf dem Kontumazmarkte, Md 289 GebrauchSpferde gebracht. Bei flauem Verkehr notierte»: Zugpferde leichte 6,000.000 bis 12,000.000 K., schwere 8,000.000 LiS 16,000.000 K., Kutschpferde 6,000.000 LiS 16,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 6000 bis 12.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Baumwollmartt. Aew-Dorfl. 12. Mai. Banmwollzufuhren in den atlam und Golfhäfen 8000, im Innern 1000. AuSftihr nach Großbritannien 8000, nach dem Kontinent 1000. Lokalmarkt middling: 31.60 (letzt. Kurs 31.35). Tendenz: Kaum stetig. — Terminer Avril —, Mai 3i.27, Juni Juli 28.76, August 26.85, September 25.55. Oktober 24.85, November —. Dezember 24.23, Jänner 23.87. Februar —, März 23.95. Berliner Börse. Berlin, 16. Mai. Da man durch den Ausgang der «ftars Mschen Wahlen mnnmchr den Boden für eine vernünftige Regelung der RHärMonsfrage, bezichimgZiWeUS Annahme des Sachvevständigengutachtens ohne BerücksichtttzNW frmMifcher Sonder«v«imsche für geschaffen HM ünd sich auch am Geldmarkt eine gewisse Entspannung vorMbereiten scheint, trat! an der Börse ein StimmungsuMchstviung ein. Die bisherigem Verkäufe haben aufgehört, so daß die Spekulätwü bei den vorgenommenen Deckungen auf eine gewisse MateriMnasiPheit stieß. «Kurssteigerungen -in der Mchrzahl voN 1 bis 4 BiNonen Prozent und vereinzelt darüber waren die Folge. Das Geschäft zeigte Ansatz zu einer Belebung, die aber nur äüs einigen Gebieten wirksam zu verspüren war. Auch m den' zu Cinheitskursen gehandelten iJndüstvieipapieren machte sich die hoffnüngsvollere Stimmung übeMregend -in teilweise kräftigen Kürserholnngen geltend. Am Devisenmarkt war die Anfordevu-ng gegen gestern überwiegend unverändert, ■ vereinzelt etwas niedriger. (Alles in Billionen von Mark.^. Schluß kurser Türkische Lose - 20.5,- Oesterr. Staatsbahn 32.5, Nordd. Lloyd 5.2, Ver. ' Elbeschisfahrt 2.5, Berliner Handelsgesellschaft 24.5, Kommerz. Privatbank 4.25, Darmstädter Bank 7.25. Deutsche Bank. 8.25,' Diskonto- Kommandit 6.26, Dresdner Bank 6.25, Nattonalbank für Deutschland—.—, Oesterr. Kredit 0.425, Oesterr. Land erbaük —, RetchSbank 22.5, Wiener Bankverein 0.325, Wr. Union» bank 0.3, Mg. ElektrizitätS-Gesellschaft 8.37, ' Bochumer Gußstahl 42.37, Daimler Motoren 2.87, Deutsch-Luxemburger 39.—, Deutsche Maschinen 5.25, Dynamit Nobel 5.5, Felten u. Guilleaume 20.—, Gelsenkirchener Berg. 44.—, Th. Goldschmidt 10.5, Harpener Bergbau 54.—, Hirsch Kupfer 21.6, Höchster Farben 10.87. Hohenlohe-Werke 20.12, Laurahütte 8.25, ManneSmannröhren 27.25, Phönix Bergbau 23.37, Schuckert u. Co. 29.4, Siemens u. Halske 37.—. Telephon Berliner 3.12, Goldanleihe 4.2, Dollarschatzanweifnngen 78.80. Coj>Tiigirt ij 19S3 Nachdruck verboten. Beutsch-Oesterretchischer Verlag, Wien. 84. Fortfetzung. Die Heimatlosen. Von Wilma Vukelich. \-A-• Noch ehe das letzte Wort ge-s«prochen ivar, zogen die Kolonnen aus. Mütter und Kinder weinten, wvnkten mit ihren Tüchern und hofsten noch. Es wird ja nichts! Kann nichts werden! So Gräßliches kann nicht ertragen werden. Es ist ein Drohen, eine' Warnnwg, weiter nichts. Und schon stiegen die Mtien. Ungeheure Vermögen flössen in die Tasche der Wissenden und VorauZstchtrgen. Und Komitzer war klug. Er wußte und war vorausstchtig. Und Lajos -mußte sich sagen, daß kein Wort.ani sein Ohr heranreichte. Daß das Urcheil feinen Gang nahm, daß es rollte und rollte und keiner hielt es auf, und jeder Arm, der es wagte, in die Speichen des Rades zu greisen, mußte zerbrechen. Und das Rad rollte rettungslos tverter. * % , * Auch Tihamer gehörte zu L'enerh die rechneten. Die ln dem auf-gefpeicherten Mrbel der Leidenschaften gcwF' ruhig blieben, ganz kühl. Die obenauf schwammen in diesem Wirbel, in diesem Urweltenchaos, in dem alles durcheinanderbraute: Haß, Liehe, Gier, Selbstaufopferung und Verzweiflung, Hunger, Neugierde und. Sehnsucht nach den letzten Dingen. Sie aber schwammen obenauf, , lachD>, ^Herren der Situation. Und vechrveten. - " Aus Blut und Tränen, schwärenden- Wunden Md zerstörten Heimstätten, aus dieser gmizen, sreveyjd heraufbeschworenen Kkiegsvisüm machten sie Konj-uMt-ren. - Re^chneten. Wechselten M Tod m Gold um. In etmtt Reichtum, der wuchs und wuchs, dev alle Begriffe von Wert übertrumpfte' und der'EiMldungskraft jeden Spielraum Hot.' Tihamer aber faßte schon im Mrbel' dev ersten Tage fWn Fnß.^ Er, der sich bisher für nichts weiter intetessiÄ hatte als für den Genuß, der für -nichts gelebt hatte als füp die Aufvegung des Spiels, er machte sich aus dem Kriegs«! getümmel der ersten Mobilisiernngstage eine Möglichkeit zu neuen Spielchcmeen, an deren Aufregungen er einen .ungekannten und ungeahnten Gemß fand. Er lebte im zweiten Jahve seiner Ehe, deren ersten Enttäuschungen eine kühle Gleichgültigkeit gefolgt war. Alles Ivar bisher programnWmäß verlaufen: Mucis Vorwürfe. Die Fvoßaingölegten Eife^uchLsszemn, die sie ihm vom ersten Tage an bereitet hatte und die vom Schwieger- Papa unterstützt wurden, der Tihamer langsam aber sicher unter seine Gewalt zu bekomMn vermeinte, wenn er ihm die Futterkrippe vereidete und' keinen Heller über die ausibedung'ene Apanage, und selbst diese mit Einschränkungen, Bedenken und Vorwürfen gewürzt^ tropfenweise fließen ließ ... Diesem ganzen una-ngenchmen Zwang entzog sich Tihamer, indem er seiner Aktivität neue Gebiete eröffnete, wie er sich dies vorgenommen, als er den schicksalsschweren Entschluß gefaßt, sich von den Fchevvarischen Millionen Laufen zu lassen. Freilich, hatte er sich vom. Denuffe dieser Mllionen, als deren unvermeidliche 'ZuMbe er das kleine Alräunchen, seine Gattin, betrachtete, inehr versprochen. Und er hatte es sich auch leichter gedacht, mit dem alten Engländer ftrtig zu werden, als es 'tatsächlich der Fäll war, Gott, was war das Individuum unausstehlich! Ledern, zähe, nicht zu verdauen^ Und' so sehr Tihamer auch dem Töchterchen imponiert hatte, dem Vater imponierte er gar nicht. Und die Familieniszenen, die sich Mischen Schwiegervater und Schwiegersohn unter vier Augen Mpielten, hatten keineswegs unter Mangel an Feuer zu leWn. Trotz Tihamers feudalen .Gewohnheiten, trotz seiner FamilientvaMonen und der englischen Manieren des Alten, wurde geschrmpst und geeifert, ünd schlieMch mischte sich Mucis shnchathischer Diskant in die Affäre, M-d Itc.. erklärte zeternd, daß sie sich unverstanden fühle, daß sie es nicht vertrage, W dieser herzlosen Weise verNachläsiigt zu werden ... nach diesen Opfern..., -nachdem sie Tihamer, der ein.-Niemand. , gewesen, sozusagen erst zu-n^ MenWn gemachte hatte« And' wenn Muci zeterte, daun üoar doch wieder Tihawer obenauf; denn er kachelte sein dämouischsstes Lächeln, und. diesem Lächeln widerstand aüch Muci nicht» -und 'je länger Tihamer Mischen den Zähnen lächelte, mit 'höhnisch verzogenen M-uudwiuketir, und sich mit einer nachsichtigen Gelasienheit Zigarette um Zigarette drehte, um so weicher wurde sie. Und schli-eßlich.-wurde sie s-o butterweich, daß sie hinschm-olz wie am ersten Tage ihrer Flitterwochenevsahrungell, und Tihamer machte doch, was er wollte; er verbrachte die Tage im Remrstall, die Nächte am Spielttsch. Mit Mhenden Augen und. siebernderr Nerven in der Spannung des Spiels. Und die Eing-elweihten wollten wissen, daß seiw Freundin eine große goldblonde Rumänin sei, die er sich aus einem Ehantant niederster Sorte' losgeangelt hatte, heute die schönste, berauschendste,, eleganteste Kokotte des Budapester Pflasters. Dann aber kam der Kvicgslarm. Die Panik und der Rausch, der alle ergriff. Und Tihamer erklärte sich, -ohne, zu zaudern, ohne mit einer Miene zu zucken, für den Krieg. „Der Krieg ist unvermeidlich. Es handelt sich nm unser Prestige! Wer sind wir? Sind wir Lumpen., daß jeder latzsige SevbechuNge mit uns tun kann, was er -will?" Und dann H Einkve-isungspolitik ... na ja-, ntait hät ja seine politischen Gesichtspunkte. Man weiß, das cs um's Ganze geht. Marr kennt die unteriMfchen Kräfte, die da am Werke sind. Und in den Klubs, ttn Kasino und in den Eoulo-irs des Parlaments läßt man sich nicht lumpe«:. Miair führt das große Wort so gut wie einer. Und mau ist auch in den Rubriken „Kriegsspenden" nicht dev letzte. Mur weiß, was man sich schuldig ist. Man opfert ein VeMögeu! am Altar des Vaterlandes und reist zum Mnr«e in dev Sorge um das Vaterland. Man gewinnt in diesen ernsten, inhaltsvolles Tagen eine Würde, eine Hältu-ng, wie dev Mnn sie eben in den großen Leberrsprüfungen gewinnt, die er siegreich besteht. >- Und in diesen großen und iühali'swichen Tagen ge-- , winnt nran auch die UeberzengMg, daß der richtige Patriot seinem Vaterlande dient, indem er ihm seine geistigen Kräfte weiht. Sich totschießen lassen? Bon. Kanonen zerfleischen . . . wie der erste beste Insaniterist, der eben gut ist, um das Leder von ein paar'Soldatenstiefeln durchznwetzen? Konnte man das Tihamer zumuten? Und hatte er seinem Vaterlande wirklich den entscheidende«: Dienst geleistet, wenn ex sich e'nrfach niederiknallen ließ? Ein Nagi)- szoitnbaty Kraus Tihamer?- Niemals! ' '