Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1883 (13.5.1924)
- Date
- 1924-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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WM S23M MMMMNSTM' W i e nYZum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr.1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt,I.Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 35.000 Tscheeho-Slowakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 37a Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r.t Belgien: Mon. Frcs. 12 BV Nach*ahlun*6n be! Preieerhöhungen Vorbehalten Jit- 1888 mmmsm tm Montys Jugendstreiche Po!en:poln.MU50.0üO Italien: Monatl. 12 Lire, R um H n i,e n Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 IX. Universitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) m«mm Wien. Dienstag, 13, Mai 1924 Oesterreichisches Postspar“ kassen-Konto Nr. 150.693 wm'WBmammmsmammammmammmmama 6. Zahrgang I Das Kabinett vo (Eigendienst der „d Paris, 12. Mm. Die geistvigen Wahlen haben drei besondere Charakteristika an sich. 1. Vollkommene Ruhe des Landes während der Wahlen, trotz einer 85pwMtigen WaMbeteiligiung. Nirgends im Lande kam es auch nur zu dem kleinsten Zwischenfall. 2. Deutliche Tendenz nach links. 3. Vernichtende Niederlage der Extreme, sovrohl ans der Rechten als Mch ans der Linken. Es ist nunmehr nnMeifelhast, das; die Wahlen auch auf die Zusammensetzung der Regierung von Einfluß sein müssen und daß die am 1. Juni znsamlmentvetende Kammer eine neue Regierung wählen wird. Die Demission Poincares sei noch vor Zusammentritt der Kammer möglich, jedoch müßte das Kasbinett Mit der Fortführung dev Geschäfte betraut werden, um die Parlaments lose Zeit von drei Wochen zu übevbrücken. Die Entschließungen des Elysees seien zur Stunde noch nicht begannt. 5V4 Mandate verteilt. Paris, 12. Mai. Spät abends sind die Wahlergebnisse für 574 Mandate (Gesamtzahl der Mandate 684).be- Ktomtt; es schien also nur mehr die Resultate für zehn Mandate. Die Mandate verteilen sich, wie folgt: - Konfervatrv'e: 7'Medergewählt, 4 neu gewählt; Republikaner: 91 wiedevgewMt, 45 neu gewählt; Linksrepublikaner: 70 wiedevgewaHlt, 22 neu gewählt; Unabhängige Radikale: 28 wiedergewählt, 11 neu gewählt; Vereinigte Sozialisten: 43 wiedergewählt, 69 neu gewählt; K o m m u n i st e n: 5 wiedevgewählt, 24 neu gewählt. Bier Stichwahlen sind erforderlich. Gewinne und Verluste. Die Konservativen gewinnen 2 und verlieren 17 Sitze, die Repu bIikan e r gewinnen 24 und verlieren 88, die L i nks re Pub li kan er gewinnen 14 und verlieren 77, die Unabhängige n Radikalen gewinnen 9 und verlieren 23, die S o z i a l i st i s ch - R a d r k a l e n gewinnen. 66 und verlieren 16, die s o z i a l i st i s ch e n Republikaner gewinnen 16 und verlieren 16, die Vereinigten Sozialisten gewinnen 68 und verlieren 16. die Kommunisten gewinnen 24 und verlieren 7 Sitze. Gewählte und Duechgefallene. Paris, 12. Mai. Sämtliche^ Minister, die kandidiert haben, sind gewählt worden. Unter den Wiederg e w ä h I t e n befinden sich der gewesene Präsident der Reparationskommission Louis Duboi's, Henry Pate, Klotz und Vaillant-Couturier, Herriot, Briand, Malvy; die früheren Minister Reibel, L e T r o q n e r und Dior; ferner C o l r a t, F r a u k l i n- Bonillon, Moutet, Thomson, Renaudel, Morel und Presemane. Unterlegen sind: Tardieu, Lese vre, Brousse, de Lasteyrie, Maunoury, Gaston Bi dal, George Mandel, Arago und Perfil, das Mitglied des Komitees des Forges Francois Wendel, Emanuel Braussel und Maurice Rothschild. Neu gewählt wurden: der Kommunist Marty, der frühere Ministerpräsident Leygues, der frühere UnterrichtSminister Deo Berand. Das Kabinett nimmt heute zu den Wahlen Stellung. . Paris, 12. Mai. Ministerpräsident Poincare, der heute nachmittags aus dem Departement Meuse hier eingetroffen . ist, hat noch keinerlei Beschlüsse g ef a ß t. Bis 7 Uhr war er noch nicht im Ministerpräsidium der Demission. lener Morgenzeitung".) erschienen. An zuständiger Stelle wird erklärt, d»ß die Haltung des Ministeriums erst im Ministerrat b e st im m t werden wird, der morgen früh unter dem Vorsitze des Präsidenten der Republik, M i l l e r a n d, zusammentreten wird. In radikalen und sozialistischen Kreisen spricht man die Erwartung aus, daß Poincare aus den Besuch in Chequers v e rzichten werde. Man erklärt, daß der Ministerpräsident einer geschlagenen R egierungsmehrheit nichts erechtigt sei, im Namen seines Landes z>u sprechen und eventuell wichtige Verpflichtungen einzugehen. Unterbleiben der Zusammenkunft mit Mae Donald? London, 12.,Mai. Wie das Reuters che Bureau erfährt, wird wegen der Wahlniederlage Poineares die Zusammenkunft mit Mac Donald wahrscheinlich aufgegeb.eu werden. Stimmen der Pariser Presse. Paris, 12. Adai. Die Presse ist einstimmig darin, die Wählevgebnisse als eine durchaus klare Schwenkung nach links zu 'bezeichnen. Die dem linken Block nahestehende Presse ist vor Freude außer sich. Der ,Aetit Pä ri jie-,n" Wersch?eM..seAe -ierste^ Seiten in BuchMM von mehreren Zentimetem Höhe Mit den Worten: „Der Bloc national iffc. veMchtet!7'DaK/Wlätt sdÄert Präsident Millerand und Poincare zur sofortigen Demissi on aus. Die „Ere Noulvelle" sagt, der Bloc national sei vernichtet. Die Unwürdigen, die versucht hätten, Frankreich zugrunde zu richten, seien von dem Volke verdrängt worden. Poincare könne nunmehr die Unwürdigkeit seiner Politik ermessen. Diesmal müsse man von links regieren und dann m ü s s e m a n e n d g ü.l t i g Frieden schließen. Zu der Schlußfolgerung, daß die a u g e n b l i ck l r ch e n M a ch t h a b e r v e r s ch w i n d e u müssen, kommt auch ,/Oe uv re". Der erste, der verschwinden müsse, schreibt Jouvenel in diesem Blatte, ist Millerand, der vor wenigen Jahren den heute zusammengebrochenen Bloc national gegründet lhat Md stets Sympathien für eine Partei gezeigt hat, der Frankreich jetzt einen Fußtritt versetzt. - Die' ,Metion Francaise" saßt die Lage allerdings pessimistisch auf. Sie meint, der Parlamentarismus,habe eine Niederlage.-erlitten. Poincare werde vielleicht wie Wilhelm der Zweite sagen: Das habe ich nicht geiwollt. Man könnte ihm dann erwidern, daß er die Wirkung nicht gewollt, aber sein Bestes dazu getan habe/ um die Ursachen für die heutige Niederlage des nationalen Blocks zu schaffen. London erwartet eine Demission Poineares. London, 12. Mai. Alle Blätter besprechen eingehend die französischen Kammerwahlen. In liberallen und sozialistischen Kreisen ist man der Ansicht, daß Poincare g e z w ü n g c n sein wird, zu demissionieren. Man hält ein Kabinett Briand für wahrscheinlich. „Evening Standard" glaubt zu wissen, daß die Zusammenkunft Poincares mit Mae Donald nicht zustande kommen werde. Das Matt erwartet von einer Rückkehr B r i a n Ä s Zur Regievung eine größere Elastizität in den englisch-fLanzösischen Beziehungen. Die konservativen Blätter enthalten sich aller Prophezeiungen und sprechen nur die Hoffnung aus, daß die äußere Politik Frankreichs in Zukunft weniger schroff und unvernünftig sein möge. . Die Ansicht in Nom. . Rom, 12. ALai. In hiesigen politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der Sieg der Linken in-Frankreich zu einer Aenderung in der französischen auswärtigen Politik führen werde. Bor neuen Kämpfen. -y. W i e n, 13. Mai. Eine Woche nach den deutschen Wahlen, die den Sieg der Kriegspartei brachten, ist diese selbe. Partei in Frankreich zurückgedrängt worden und an demselben Tag, an welchem in Halle an der Saale blutige Gefechte um das Moltke-Denkmal herum stattsanden, setzte sich der. französische Wähler für den Frieden ein. Wieder schlägt die Entwicklung in beiden Staaten verschiedene Weg ein und wieder scheint es unmöglich, zu der goldenen Brücke zu gelangen, die allein zur Verständigung führen kann. In Frankreich geht es nach links, in Deutschland nach rechts.. In Frankreich hat sich 'die Annäherung an die Tendenzen der Mac Donaldschen Vevsöhnungspolitik vollzogen, in Deutschland tastet man sich znm Kaiserreich und zur Kaserne zurück. Es ist kein Zweifel, daß die Isolierung Deutschlands sich nunmehr wieder stärker geltend machen wird. Zwischen den Systemen Ludendorff und Foch, so stark sie einander zu widersprechen scheinen, gibt es doch Anknüpfungspunkte aus der gleichen Einstellung zum Militarismüs. Zwischen den französischen Radikalsozialisten und den deutschen Chauvinisten besteht überhaupt keine Verständigungsmöglichkeit. Die siegreichen Linksparteien in Frankreich haben unmittelbar vor der Kammerauflösung und sin Verlaus der Wahlkampagne deutlich zu erkennen gegeben, daß sie die Prinzipien der Poincareschen Politik billigen und daß auch sie an der Grundlage des Versailler Vertrages festhalten, wonach Deutschland. den Schaden, den seine Truppen angerichtet HMn, zu bezählen hat, Da es sich seinen Verpflichtungen. entziehen wollte, kam es zur Okküpatlon der Rühr,^ zur Psandnahme. Diese bWet auch einen Bestandte-il der oppositionellen Programme und es zeigt sich, daß die äußere Polittk Frankreichs, insowett sie sich auf Deutschland bezieht, von den sranzöstschen Wählern bestätigt worden ist und daß sich an dieser. wunden Stelle des europäischen Systems eine Verschlünmerung herausstellt. Die Position Frankreichs wird stärker und sie hat auch die Billigung Englands gefunden. Dieser Situation muß sich Deutschland anbequemen. Ob es dazu imstande ist, wird die kommende Reichstagssession lehren und es wird kaum nötig sein zu dem Referendum über die Sachverständigengutachten zu schreiten, wie dies ein von den Sozialdemokraten angekündigter Antrag wünscht. Der Reichstag muß sÄbst die Entschlußkraft aufbringen und er muß die Deutschnationalen, die so stolz sind auf ihren Sieg, dazu zwingen; auch die politischen Konsequenzen zu ziehen und die Verantwortung zu übernehmen. Jeder andere Weg wäre falsch und der Versuch, eine Majorität der Mittelparteien zu bilden, würde die Ohnmacht der Minoritätsregierung noch stärker beleuchten. Es. ist nicht so ganz richtig, daß die deutschen Wahlen keine Klarheit über die Stellungzu den Expertenberichten gebracht haben. Der Sieg der Rechtsparteien ist trotz ihrer verklausulierten und mit allen Vorbehalten versehenen Zustimmung zur Erstillungspolitik ein einwandfreier Beweis und es wird wohl niemanden geben, der diese Zu- . stlmmnng als Positiven politischen Faktor wertet. Es ist die Fortsetzung der alten Unaufrichtigkeit und Zweideutigkeit. Meinen es aber die Deutschnationalen ernst, dann brauchte man nur die Probe aufs Exempel zu machen und ihnen die Regierung zu übergeben. Sie müßten sich dann auf den Boden des Vertrages stellen und dies wäre ihr Zusammenbruch. Man kann nur wünschen, daß sich dieser Prozeß so rasch als möglich abwickle-und daß die "Partei der Phrase zum offenem Spiel gezwungen wird. Der Großkampftag in .Halle, den General Ludendorff als bewährter Sachverständiger so gut leitete, ist eine lärmende, aber logische Einleitung hierzu und da nun einmal da- Wort vom Kaiserreich wieder gefallen ist," wird die . Partei, die sich zu' diesem Ziel bekennt,, auch trachten ■° müssen, ihm auf den Boden des Parlaments näher zu kommend Die Kmnpfe, die mm anszufechien sind, lassen sich aber nicht mehr auf Deutschland lokalisieren. So- : . lange in Frankreich eine" nationaliftische Mehrheit. bestärk, wäre dies möglich gewesen. Heute aber, wo. die Regierung Poincares .sich noch weiter nach links orien- Regenmäntel englische Stoffe, Herren- und Damenwäsche, Leinen, Teppiche, Vorhänge etc. pf billigst im £ ift Schiff mann II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-70 En gros. En öatai