Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1881 (11.5.1924)
- Date
- 1924-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Paris, 16. Mali. Mmstervräsident P o i n e a r e hat Sem Echuchen dies enfilifr Premiierministers Mac Donald, die Zusammen!^ von Ehequers ans persönlichen Gründen schon aus den ■ 19. Mai auzusetzen, stättgegMn. Der politische Berichterstatter der „Daily Mail" schreibt, die Konferenz fei nur ein Vorspiel für eine Vollkonferenz her europäischen Mächte, die AveiMos in England stktffinden werde. Der Pariser Berichterstatter des genannten Blattes meldet, in Paris hoffe man, daß die Erörterung Mschen Mae Donald und Poincare die Grundlage für eine allgemeine, Mitte Juni stattfindende Konferenz schaffen werde. Die sranzSfischv Haltung der Konferenz von Ehequers werde sich, wie verlautet, Mgende H'anptgkuudsätzö Wtzen: 1. Der Bericht des Dawes-KomiteeL muß so bald als möglich unv"ersehrt angewendet werden. 2. Deutschland m uß■ die erforderlichen Gesetze an nehmen, um den Plan zur Durchführung zu bringen, bevor die fvanzösischHelgische Verwaltung und Kontrolle cmfgegeben werden kann. 3. Die Beendigung der französisch-belgischen Negieverwaltung im Ruhrgöbiet bedeutet n i ch t die militäris ch e R ä u mn n g, die nur entsprechend den tatsächlichen deutschen Zahlungen durchgeführt wird. 4. Die R äumung des Rheinland es hängt nicht nur von den jährlichen Reparationszahlungen, sondern auch von der militärischen Entwaffnung D e u t f ch l a n d § alb, die ° eine sehr dringende Frage bleibe. Sie ftamöstschen Wahlen. . (Eigendienst der ,Menev Movgenzeitung".) Paris, 10; Mau Nach England, Italien und Deutschland vollziehen.sich morgen die französischen Wahlen in die ÄögeordneteMmtpM. Elf KUliöy.e« Wählev gchm zur UM? WLM Mn VMMU in Paris vor 'sich gegangensn WahMnpatzne Und von der Stimmung der Pariser' BevMmng aus die allgemeine Sttmnmng in Frankreich schließen dach so. Saun man - behaupten, daß Frankreich schon seit langem keine so ruhige Wahlkampagne gehabt hat, Das Pariser Straßenlsben ist fast voWoinmen unverändert geblieben und das einzige Kennzeichen dev Wahlen sind die an allen Straßenecken befindlichen ReUametafeln für die Listen der einzelnen Parteien. Aber auch-diese wechen von den Passanten keineswegs mit großer Aufmerksamkeit gelesen. In politischen Kreisen ist. man der Ansicht, daß dis Wahlen keine großen Veräuderungen bringen werden und daß ' Po in care schon bei der Zusammensetzung des jetzigen Kabinettes den Wahlausgang eSkomptierk haben könnte. Der Ausgang der deutschen Wahlen und der Frankenbaisse in den letzten zwei Tagen wird eher für P o i n c a r e als geigen ihn sprechen. Die Linksparteien, die noch . in den letzten sechs Wochen sich des Erfolges sicher suhlten, sind in den letzten Tagen-weniger optimistisch. Die Kommunisten hoffen, den Frankensturz für ihre Agitation auszunützen. Für Paris erwartet man einen ruhigen Wahltag, und befürchtet sogar, daß das schöne Wetter viele französische.Bürger von ihrer Wahlpflicht äblenkm werde. Die Wcchldauer ist von 8 >Uhr früh bis 6 Uhr abends. Die Resultate für Paris^Sta-dt werden erst im Laufe der Nacht bekanntgegebeU werden. Die Wählexgebnisse aus der Umgebung werden erst Montag 9 Uhr morgens bekannt sein. Die offiziellen Ergebnisse dürften erst viel später publiziert werden« Aue Anfrage der Labom Parth an die ««Mische Regierung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 10. Mai. Die englische Arbeiterpartei hat an die ungarische Regierung ,ein S ch r e ich e n gerichtet, in dem sie Informationen über die politischen Verhältnisse, insbesondere über den StandpunA der ungarischen Regierung in Fragen der Demokratie, des gehe i m e n Wahlrechtes, dev W a h l -r e it n heit, der Interniertenlager und der Versammln n g s- und Vereinssreiheit verlangt. Die eng-. lische Arbeiterpartei begründet M Eösuchen damit, daß im Auslände die verschiedensten Gerüchte über die innerpolitischen Verhältnisse in Ungarn im. Umlauf seien. In ihrer Antwort hat. die; ungarisch- Regiewng angeblich hevvorgelhoben, daß sie Äberzeugt'sei, die-'englische. Arbeiterpartei wünsche sich nicht, in die ittnerpolitischen BeöMtmsse'Ungarns einzumengen. Ferner untervichtet sie die Labour Party überDie Entwicklung. des' Wahlrechtes in Ungarn.' Zu dieser ÄngeWicheit heMerkt die sozialdemokratische, iMßp f 5 ft v a", daß sie, von dev Regierung evlva'rte, sie wichdtz WhMmi sowohl Den Wortlaut des Schreibens der' englischen Arbeiterpartei als auch ihre eigene Anttvort ver- WMichen, Re krösfnung deritalienischen Kammer. Am 24. Mai. ‘ - Mgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Mailand, 10. Mai. Die Eröffnungssitzung des UMenWe-n Par l a m e n t s ist endgültig . ans Samstag den 24. Mai festgesetzt worden. Die Kammer wird sich auf den 27. Mai vertagen, um sodann zur Wahl des PlÄsidenten zu schreiten. Es ist fast sicher, daß der faszistische Abgeordnete Roeco Präsident wird/ Der Senat ist ebenfalls für den 24. Aläi -einberusen. - Eine neue baltische Konferenz. Mit Rußland, ohne Polen. (Gegendienst der „Wiener Morgenzeituug".) Warschau,' 8. Mai. Die von der i 11 a u i!s ch >e n Regiemrng nach K o w n o einberufene Konferenz der baltischen. Staaten und Rußlands wird' ihre Arbeiten am 19. d. aufnehmen. Pole n wird sich an der Konferenz nicht beteiligen. . - Lener im franMchen KriegsminiWium. Wichtige Dokumente vernichte'. Paris,. 10. Mai. (Tel. der ,/Mener 5' zeitung".) Heute vormittags ist im Kviegsminister'ueine Feuersbvnnist ausgobrochen. Es gelang erst nach , .'eistündig -eit A iit st r e n g u n g'e n, des Feuers Herr zu. werden, das zahlreiche, zum^ Teil sehr w ichtige Doknnrente, zerstört hat. Var Tangerabkommen von England ratifiziert. London, 10. Mai. (Woliff.) „Times" berichten, das b r r t >i s ch e P a r l a m e n i habe der Tanger k o nb e n t i o n stillschweiigend zügeftimmt, indem es - jede' Erörterung dieser Konvention während der von der Regierung angegebenen -Frist vermieden habe. Die Konvention sei damit rätifiziert. Au« dem guhalt der heutigen Nummer: Pölzen. Bon Dr. Heinrich Schreiber. Ein Jerusalemer Liebesroman aus dem 12. Jahrhundert. Aus dem Tagebuch des Berl Sträselmann. 7. Bon Jakob ' Krausz. Mendelssohn über den Zionismus. Bon Dr. Jnimanuel Olsvanger (Kapstadt). Die Entwicklungsgeschichte des Auges. Bon Dr. Adele . Wiener. Poimares Wahle«. llr. Wi en, 11.. Mai. Das fvanzöstsch« Ministerium des Aeußern hat Mch einem Besuch des englischen Botschafters Lord Crewe bei dem politischen Direktor des Mmifteriums des Aeußern bekanntgegeben, daß Ministerpräsident Poinoare am 19. Mai mit dem englischen Ministerpräsidenten Mac Donald, in Ehecquers zUsammenireften werde. Das ist als eine Wahlprögnose.'der englischen Regierung aufzufaffen, denn es ist kaum, anzunchmen, daß Mac Donald nicht mit der Festsetzung^ einer Zusammenkunft mit dem Chef der französischen Regierung bis nach den Wahlen gewartet hätte, wenn er nicht verläßlich dahin unterrichtet wäre, daß die Wählen in Frankreich mit dem Sieg' Pöincares enden werden. Allerdings ist gleichzeitig anzunehmen, daß es nicht mehr der Poincare von ehedem ist, mit dem Mac Donald - nach seiner Begegnung mit den belgischen Ministern seine Aussprache pflegen'möchte. Denw jede AüZsprache . hat' heute nur. dann einen Sinn und praktische 'Bedeu- ' tungi Kr . Ae Berühigung der Welt, wenn sie ans dein - Boden'- der Durchführung-der BeMüsse der Reparationskolmnission steht^ Das weiß heute Poincare genau sö wie. es 'die Mgischen- DäätÄNanner . wissen, -und eben : deshalb ist der Ausgang?der Wählen, die heute in Frankreich ihren Anfang mhmen, für die künftige Haltung Pöincares von schwerwiegender, wenn auch nicht ausschlaggebender Bedeutung. Der .französische MinifterprüsÄient - hat die ftanzösischen Wahlen als. eine Antwort auf die deutschen Reiichstagswahlen.angelegt. Das Ergebnis der deutschen Wahlen ist sicherlich nicht geeignet, die Freunde des europäischen Friedens zu befriedigen. Dheoretisch hat vorerst in Deutschland die.Politik der Ablehnung jeder Erfüllung gesiegt. Aber schon hört man, daß es den Deutschnationalen angesichts der Verantwortlichkeit, die ihnen der Sieg aufhafft/recht ungemütlich ums Herz ist. Sie geben schon heute großmütig VevhaMungsgeneigtheit über die Beschlüsse der Reparationskommission zu und es ist gar kein ZweM, daß sie noch mehr Wasser in ihren Wein werdem gießen, müssen, wenn sie sich nicht um ihren EuAuß bringen, wollen. Poincare trägt in - seinen letzten Wahlreden bereits. sowohl prn Wahl- ' ergcbnis in -Deutschlarch, als auch der Stimmung in den größten politischen Parteien, des Reiches Rechnung. Er will ein ParlMient zur' Verfügung hüben, das sich^als geeignetes -Instrument 'erweist, immer um einen Ton höher zurückzur-usen als der deutsche Chauvinismus in den -Wald -hineinrüst. Auch sonst gleicht-die Situation in Frankreich am-Wahltag derjenigen in Deutschland vor den Wahlen^ Eine Unmasse von Parteien ist'bemüht, in die WaMbewegung Verwirrung zu bringen und bei dem bestehenden,' sehr ' kmnplizierten Wahlsystem einen -wenn.auch noch, so kleinen Vorteil für sich heranszulschlageu. Mer. nr Frankreichs wie -in Deutschland heben stch^^i große'Gruppen, zwei eiirander befehdende Weltanschauungen heraus, und der Kampf geht in Frankreich eigentlich nur . darum, welche-der beiden Gruppen, der rechte.nationale Block oder der linke radikale, mehr oder weniger gestärkt oder geschwächt aus dem Kampfe hervorgehen wird. .j; Bei dem angeborenen Jndifferentisums des französischen Biirgers gegenüber Parlarnentstvahlen ist es schwer voraüszusagen, wieviele' von den elf Millionen französischen Wählern werden.zur Wahlurne gebracht werden können. Aber gerade die. sprichwörtliche Jnier- : esselosigkeit des französischen' .Wählers. laßt den Schluß zu/daß-das neue'französische Parlament wieder eine der Regierung, d. h. Poincare, gefügige Maschinerie ab- ' geben wird. Erve Ueberraschung könnten dieMnksradikälen bringen, wenn sie nicht,',ebenso wie es in Deutsch' englische Stoffe, Herren- und Damen- Ijjsfpn. Wäsche, Leinen, Teppfche, Vorhänge etc. BÄ“ bfliSgsS im II. 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