Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1880 (10.5.1924)
- Date
- 1924-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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dnzelimmmer R1200 ^ien: Zum Abholen in der Expedition, II„Taborstr.l-S, »der in einer Verschleisstelle Trafik) monatl. K 35.000 ^trassenverkauf in Wien Jurch die Kolporteure der rirma Goldschmiedt, I. Bez., Wollzeiie 11. . Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Ts ch e ob o-81 owa k e i: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. J1/« Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr ankr., Belgien: Mon. Frei. 12 Nr. 1880 HT Naehiahlun»«* w PreiierhShung-en rarbeh»ltet» Wiener orgenjeitung PoIen:poIn.Mi.350.000 Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon. 190 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrassei—-3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483.25-282 IX. Universltätsstr.6-*8 (Druckerei Stelnttiann) Oesterreichisches Postsparkassen -Konto; Nr. 150.693 SBIcitp Bitiüstcfl» 10» SJlfll 1924 _ ß. Volksentscheid über die Cochver Kine Forderung der deutschen Sozialdemokraten. (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) Berlin,, 9. Mai. Wie der sozialdemoikratische Pavla-. ./tteutsdienist erfährt, hat der Vorstand der B. S. P. D.in seiner heutigen Sitzung einstimmig dm Be Mich gefaßt, in der Frage der A naiahmeoder Ablehnung der Sachverständigeuvorschläge den Volksentscheid zu beantragen. Da der Kampf Mischen 23 Parteien die exfordevliche Klarheit nlicht gebracht habe, soll das Volk selb st mit Ja oder Nein entscheiden. Neben dieser Forderung der SoHiallidemdkra-tie erregt in der. Ooffentlichkeit die Abreise d e sReichspräsidenten Ebert in Begleitung des ReichsbrnAers Marx zur EröGuung der Kölner Messe besonderes Interesse. Diese Reise hat' insofern eine p o l i t i s ch e B ed e utung, als es. zum erstenmal ist, daß sich der Reichspräsident in das besetzte Gebt e t begibt. Durch die Abreise des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers sind die aktuellen politischen Fragen vorMusig zurückgestellt. Der.Reichstag Äortt am 27. Mai zu seiner ersten Sitzung zusammm. In dieser Sitzung wivd die Wahl des Reichstagspräffrldenten erifollgen müssen. Brsdbury - Kontrollor für Deutschlaud. , Paris, 9.'Mai. Döm ,,IMrnail" zusöljge. ,hatdie RepiÄatronskonvmisfi'on für die lim ' Saichberstänldigieubericht vorgesehene iFünktion - eines B er t r'au e ns m a nn e s Sir John Bradbury in Aussicht genommen, der sich besonders mit dm Reparationszahlungen beschäftigen, soll. Der frühere boWche MmMrPvälsident und jetzige belgische Delegierte in der ReParationskomMissiou de la T r o i ist dazu ausersehen, als Mittelsmann! Mischen dem Ausschuß und der Reparationskommission zu fungieren. Dem Blatt zufolge hat Poineare in seiner letzten Unterredung mit Barthou beansprucht, diesen Posten mit einem Franzosen zu beisetzen. Wie es heißt, werden die verschiedenen, von dm Sachverständigen vorg-esehenen Ausschüsse erst Hn etwa drei Monaten ihre Arbeiten ausnehmen, nachdem Deutschland den offenkundigen Beweis seines guten Willens gegeben hat. Die Lnterbriugung der deutsche« Anleihe. Morgan sehr znrüShaltend. New-Zork, 9. Mai. (Reuter.) Bei seiner Rückkehr nach Amerika hat Morgan das in Wallstreet umgehende Ge- Mcht, -daß er mit einem Vertrag über eine 100 Million en/- D o l l ar -R e p ar a t i o n s a n lei h e für Deutschland in der Tasche aus Europa zurückkehre, weder bestätigt, nochdemeutiert. Morgan sagte: Wenn ich einen solchen Betrag in meiner Tasche hätte, so könnte . ich doch über seinen Inhalt nicht sprechen, bevor ich Gelegenheit gehabt /habe,: Wich Mt 'meinen G efchäft st e i l h a b er n zu. berateü. Aus He Bitte, die EvkläMngen Owen 2)oungs^Mh Ämerika gern die HLlste der ' Vpvgeschlagenen Doll a r»A n l e L h e »für Deutschland übernehmen , würde, zu bestätigen, erklütte : Morgan: Das war sehr nett von Ioung; aber ich zögere, darüber zu sprechen, weil so viele'Fragen damit verbunden sind und weil-so viele der Kompetenz der Regierung unterstehende Phasen erwogen werden müssen, ehe wir Bankiers auch nur daran gehen können, die Frage zu prüfen. Zusammenkunft Mac Sonald- Poimare. . Am 29. Mai in Chequers. Paris, 9. Mai. Die Agenee Havas erfährt: Der englische Botschafter hat den Ministerpräsidenten Poincare im Namen des englischen Premierministers Mae Donald zu einer Zusammenkünft am 2 0. Mai ei ngeladen. Die Besprechung wird offiziös-privaten Charakter haben. Wahrscheinlich wird kein Mitarbeiter der beiden Regierungschefs dabei anwesend sein. Die Besprechung wird in Chequers abgehalten werden, da der englische Premierminister durch parlamentarische Arbeiten in London Mückgchalten ist. Lord Parmoor für die Sulassuug Deutschlands in den Böllerbund. London, 9. Mm. Der britische Vertreter im Völkerbund Lord Parmoor erklärte in einer Rede, die britische Außenpolitik sei VölkerbuN'd- Politik; doch müsse der Völkerbund alle zivilisierten Nationen ulN'fassen. Wenn mnln Deutschland von Anisa,ng an zum Völkerbund zugelassen hätte, hätte die Besetzung des Ruhrgebietes nicht erfolgen können, bevor eine unparteiische Entscheidung über ihre Rechtmäßigkeit gefällt worben wäre. Auch die R e P a r a >t i o u sfrage wäre >daun längst durch eine unparteiische Untersuchung gelöst worden. Es sei jetzt an der Zeit, diese Lücke in der Verfassung des Völkerbundes möglichst auszufüllen. Auch müßte die Zahl der Mitglieder des Völkerbundvabes, rim seine Autorität zu stärken, von 10 auf 15 erhöht werden. MajoritStslvechsel in der Union* bank? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 9. Mai. inanciaI News" berichtet, daß die Böhmische Uuionbank in Prag Bösels Aktienpaket der Wiener Uuionbank erwevben wird und dadurch die Kontrolle des Wiener Instituts erhält. Re Lase in Stzmn. Ein französisches Dementi. Paris, 9; Mai. (Havas.) Der „T e m p s" deme ntiert in formeller Weise die Meldung des „Daily Expreß", daß an der syrischen Grenze Kämpfe Mischen französischen und türkischen Truppen stattfäuden und. daß General v. Losso w demnächst in Cilicien eintreffen werde. Neuwahlen in Zayan. Tokio, 9. Mai. (Tel.-Ko mp.) Morgen finden in Japan die K a m m e r w a h l e n. statt. Wahlberechtigt sind im ganzen nur zwei Millionen Japaner, da nur ^derjenige das Stimmrecht besitzt, der jährlich wenigstens fünf T) e n S t e u c x bezahlt. Die Wahlen hätten normalevweise erst im Jahre 1925 stattfin!den sollen, doch hat der Mnisterprälsident bekanntlich am 31. Jänner die Kammer aufgelöst. Ein politisches Attentat. London, 9. Mai. Das Reuters che Bureau meldet aus Tokio: Der Zug, in dem stch T a k ah a s ch i, der Führer der Sei - Jukwai befand, ist zum E n tgleifen gebracht worden. Bier Personen wurden getötet, mehrere verletzt. Takahaschi und seine Begleitung blieben unverletzt. Man glauÄ, daß es sich um ein Attentat auf den Parteiführer lha.ndelt, auf den bereits am 3V. Jänner ein ähnkicher Anschlag verübt wurde. Damals wurde ebenfalls versucht, den Zug, in dem er sich befand, zum Entgleisen zu bringen. Weichende Krise. -n. Wien, 10. Mai. Es hat den Anschein, als ob das Fiebev, das dir Börse in den letzten Tagen durchnrachte, gerade jetzt seinen Höhepunkt erreicht hätte. Vielleicht ist am gestrige Tage numnehr die Wendung-eingetreten. Wohl aber läßt sich nicht leugnen, daß das Börsenthermometer einen so hohen Stand erreicht hat, daß es nicht weit davon entfernt war, den kranken Wirtschastskövper bis zur Vernichtung zu erschüttern. Zusammenbrüche von Existenzen, Selbstmordfälle, tiefe Kursstürze find kein Symptom, das geeignet wäre, Beruhigung hervorznrufen. Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß sich gestern gerade der Jahrestag des „schwarzen Freitags" vom Jahre 1873 geführt hat. Die heutige österreichische Wirtschaft macht wohl bei weitem nicht den Eindruck, der zu , einer Krise, wie sie sich vor 51 Jahren abspielte, führen könnte. Wohl aber waren Anzeichen daftir vorhanden, daß auch jetzt die Krankheit dem österreichischen Wirt- 'schaftMrPer ziemlich schwere Wunden geschlagen hat. Allerdings ist manches dazu getan worden, daß . das Fieber eine solche Höhe erreichen konnte. Die verfehlte Stützungsaktion, der manche egoffüsche Motive-nachgesagt wurden, und die nur den negativen Erfolg hatte, daß die Kurse immer tiefer sanken, die ins AuÄand gelangten unwahren und aufgvbanschten Gerüchte, die Tätigkeit der Kontermine im In- und Ausland' täten das . ihrige, um eine Sphäre des Mißtrauens . zu schaffen, die dem Pesfinnsmus immer neue Mhrung vevlieh. .. Es sei an dieser, Stelle auch der v vonWrag. nttäf;: Budapest lancierten Gerüchte gedacht/ die w^entlich da^ zü beitrugen, die Situation zu verschärfen. Es mag dähingestellt sein, ob es. nur der Neid dieser Nachbarmärkte auf die überragende Bedeutung Wiens als Kapitalsmarkt war, oder ob vielleicht das Streben, die eigenen Mängel durch den. Hinweis, auf die auswärtige Krise zu verbergen, diese Manöver veranlaßte •— Tat- suche ist, daß von diesen Stellen sehr viel Mst gegen den Wiener Markt geschleudert wurde. - Vorgestern schien es, als ob es für den Rückgang der Kurse keinen Halt mehr gäbe, als ob die Depression ihren tiefsten Stand erreicht habe. In diesem Moment der ärgsten Not taten sich, die maßgebenden Faktoren zusammen, um endlich vereint eine energische Sanierung ins Werk zu setzen. Nationalbank, Finanzministerium und Großbanken hatten unausgesetzt Besprechungen, die dazu führten, daß endlich die Aktion, welche schon vor fünf Wochen mit großem Aplomb inauguriert wurde, auch tatsächlich, ihrem Zweck entsprechend, zur Durchführung -gelangt. Es ist nicht offiziell bekannt, was sich hinter den Wänden bei den Beratungen zwischen diesen Körperschaften abspielte. Tatsächlich aber scheint dem Wiener Bank-kapital . gar mancher Vorwurf 'gemacht worden zu sein, daß es die in seine Hand gegebenen Funktionen nicht so ausgeführt habe, wie es den Intentionen des Generalkommissärs und der anderen Auftraggeber entspracht Es wurde offen der Vorwurf erhoben, daß gerade vom Bankkapital trotz aller Verbote die Kontevmine am stärksten ausgeübt wurde; daher wurden scharfe Maßnahmen, eventuell selbst die Sanktionen des Gesetzes und Ärrest-straiLi» gegen die Kontevmine gefordevt. Unter diesem Drucke sah sich'die Kontevmine zum Rückzug veranlaßt, doch auch das Bankenkapita-l, daS im Stützungskomitee. besonders stark vertreten ist, nahm nunmehr eine deutliche Weridung in seiner^ Taktik vor. Das hatte auch Erfolg. Gestern haben die Abgaben an der Börse cmfgehört. Wie mit einem Schlage'hat sich die Situation gebessert, der Pessimismus ist. gewichen, Kaufaufträge kamen plötzlich hervor und Kurse, die seit vier Wochen nicht mehr gesehen wurden, kamen wieder zuw Vorschein. Man gewann den Eindruck, als ob die Kris« überwunden wäre. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wer« den die nächsten Tage , lehren. Das eine läßt sich nichl leugnen: wenn die. maßgebenden Faktoren tatsächliä vereint arbeiten, dann Ännen sie des Erfolges sichei sein.