Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1878 (8.5.1924)
- Date
- 1924-05-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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\mim w wmtft u-^tWWWww^ww mri«t. awipgrnfc »rongit ömrt- «ywr wtc. ttore Von den cl/f. Abschnitten des BMdesvoranschlages sind erst z>wsi evlidigt. Ueber den Aoeiten Abschnitt (Bu-ndeska-nzleramt, Aeußeves, Inneres, Justiz, Stnatsdertvag von SainEerrnain und ,-Wiener Zeitung") wurde die Debatte Wohl, gestern im Naiionalrat abgeschlossen, die Abstimmung erfolgt jeidoch erst heutet Die Redner beschäftigten sich bei diesem Anlässe hauptsächlich mit 'dem Verbot der Schltvangerschüiftsunterbrechung (§ 144 St.-G.), der Untren nbarkeit der katholischen Ehen (§ 111. A.-B.-G.-B.). Dr. Jerzabek erklärte: Die Christlichschialen stehen aus dem Standpunkte, daß die Fruchtab-treibung ein em Mo rd e gleichzustellen ist. Sie halben nie ein HM daraus gemacht, daß sie die Fvuchtaibtvoilbnng auch in den vermögenden Kreisen genau so verurteilen. Sie verlangen, daß eine Ueberwachung der Sanatorien stattsinde, um derartiges in Hinkunft unmüglich zu machen. Gerade bei den Juden kommen die GeburtSb e s ch r ä n k u n g e n nicht oder nur in äußerst seltenen Fällen vor, während man das bei der christlichen Bevölkerung gerade jetzt gesetzlich einzuführen sucht. Die Folge ist, daß das Judenvolk eine Vermehrung zeigt, die die Vermehrung anderer Völker weit ülbertrW. Wenn man einer kinderreichen Frau zu Hilfe kommen will, darf, es nicht auf diese Weise geschehen, wie es die SoMLemokWen verlangen, sondern nur durch die soziale Gesetzgebung 'selbst. Frau Seidel wendete sich gegen die Auffassung, als ob die Sozialdemokraten , aus dem. Standpunkte stunden, daß eine. Schwangerschaft jederzeit unterbrochen werden Wnne, wenn eine Frau nicht gebären will. Wogegen sie sich kehren, und was für die Frauen der breiten Massen so unerträglich ist, ist die Taffache, daß das. brutale, niederträchtige und reaktionäre Gesetz sich nur gegen die Frauen der besitzlosen Klassen richtet, gegen jene, die nicht das Geld Haben, um in Sanatorien gehen zu Linnen. Abg. Seder verteidigte die von ihm eingeführte Praxis der Ehedispense für katholisch Geschiedene. ,-Sie von der chvfftlichsozialen Partei," sagte er, ,^ehen gegen, die Dispensche los, un!d doch leben Sie nur von unserer Anstänb-igkeit'. Wurden wir die Namen aller derer sagen, die sich um die Dispens,ehe nicht für sich, sondern für Freunde und Verwarrdte beworben: ] halben, so würde sich zeigen, daß Ihre Aufregung nur ein. Mumpitz ist. Sol>a>nge es keinen anderen Weg gibt, muß ., der Weg der Ghedispens beschnitten werden." Abg. Leuthner meinte, man müsse Mr kacheln, über alle gesetzlichen Verbote gegen die sexuellen Gewohnheiten der Müschen. Wir haben einfach mit der Tatsache zu. rechnen, daß soundso viele Menschen jährlich den Versuch unternehmen werden, die Schwangerschaft KU unterbrechen, ob uns dies paßt oder nicht. Wir haben gar keine Macht, sie daran zu hindern. Der einzige Ausweg fft, daß wir-, dem Geschehen diejenige Form geben, die sozial und hygie»' nffch am erträglichsten ist. Es folgte dann die Spezialdebatte über die Kapit<ll:' „Unterricht, Kunst, Kultus und Bundestheater." Abg. Glöckel verteidigte sich gegen den vom Abg. Kunschak erhobenen Borwurf, daß das Fiasko der Schulreform offen zutage getreten sei. Der ChrisÄi-chsoziale Volker trat für die kon« fessirönelte Schule ein. Der GvoßdeUffche Zardoch bekrittelte das Wiener Schulwesen Md behauptete, die Jugend sei in Wien ' verdorben und verführt worden. Man sollte darauf sehen, daß aus* * dev Schuld sWilch hochwertige Menschen, herauskoimmen Dbg. Doktor Eisler: ,Mörder eysiehen Sie in Ihren Schulen!" — Mg. Baumgärtel: ,>Von Ihrer Generation sind Mord erb üben erzogen worden!" — Zwischen, rufe und großer Lärm.) Frau Pro ft beantragte, die Post Förderung des Mädchemnittelschulwesenö von 2,4 Mlliarden auf 5,42 Milliarden Kronen zu erhöhen. Frau Rudel-Zeynek legte eine Resolution vor, in der die Regierung aufgefordert wird, in WürÄigmrg der hohen 'Bedeutung der Ausbildung der Mädchen für Hauswirtschaft und Kinderpflege für das Budgetjahr 1225 einen, die Erreichung des angestvebten Zieles gewährleistenden Betrag in den Voranschlag eiirzuistellen. Die Verhandlung wird sodann abgebrochen. - Nächste Sitzung: Heute um 10 Uhr vormittags. ''9bMTT'-"' .- Wien, Dvnnersray - - -^terreichischer Demokrat hat etwas dagegen zu sagen, daß der Salzburger Landtag Juden vorn Bürgerrecht ausschließt, keiner kämpft energisch gegen die Judenj-ustiz in diesem Staate.. Was für Oesterreich gilt, gilt in noch verstärkterem Maße fiir Ungarn. So lange die Demokratie ihr eigenstes Wesen und ihren.Inhalt verrät, solange sie die Minoritätenftage verschieden behandelt und die jüdische Minderheit höchstens als beitragendes Mitglied gelten läßt, solange ist sie eine Ers.cheinung mit der sich der Soziologenkongretz in höchst unerwünschtem Süme beschäftigen muß. Sie ist eine soziologische Lüge. Menschen «nd Geld. Ein Interview mit Colonel H. F. Kish. Unser M. R.-Mitarbeiter hatte anläßlich seines Aufen-thalLes' in Palästina Gelegenheit, 'den polästinemissichen Vertreter der Zionistischen Executive, Kolonol Kish, über verschiedene aktuelle Palästina-Fragen zu interviewen. Colonel Kish hatte die Liebenswürdigkeit. alle chm vorgÄegten Fragen über die gegenwärtig schwebenden politischen und VeUwaltungsp roblems Palästinas in aussiührlicher Weise zu beantworten. Das Gespräch beehrte auch Tulturelile und wirtschaftliche Angelegenheiten. Zunächst fragte der Interviewer: Wkestehtjetztdie Frage der palästinenjsrfchen Staatsbürgerschaft? „Die Zionistische Exekutive" — lautete die Antwort—' „hat m der Frage der Erlangung der palästinensischen Maatsbürgerschast alle Schütte unternommen, um dieselbe einer Positiven Erledigung entgegenzuführen. .Mein es waren Schwierigkeiten zu beheben, die weder in der Macht, noch im Kompetenzbereich der palästinensischen Regierung lagen. Der Lausanner Vertrag ist noch, nicht in Kraft, da er von den drei beteiligten Mächten, England, Frankreich und Italien, noch nicht ratifiziert wurde. Heute stehen die Dinge so, daß Italien die Angelegenheit bereits erledigt 'hat, ebenso wurde dieser Vertrag vom englischen Unterhause soeben ratifiziert und es sicht bloß noch die Zustimmmtg der französischen Regierung aus, die in Kürze erfolgen dürfte. Sind diese Formalitäten einmal erledigt, dann steht der Erlangung der palästinensischen Staatsbürgerschaft nichts im Wege. Die Regierung arbeitet schon jetzt an einem Projekt, welches unserer Exekutive vorgelegt wurde, 1 die ihrerseits wieder ein Gegenprojekt vorgeschlagen hat. Immerhin kann schon jetzt mit einer gewissen Bestimmtheit gesagt werden, daß man eine viel kürzere Zeit im Lande verbleiben, wird müssen, als in allen anderen Staaten der Welt, um die palästinensische Staatsbürgerschafi zu erlangen." _ Ist zu erwarten, daß der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) von d e r p a l ä st i n e n s-i's ch e n Regierung in Kürze anerkännt'wird? ,-Bezüglich der Anerkennung des Waad Leumi sinh, wir seit dem Kongreß nicht weiter gekommen. Die Regierung hat gegen Ms eine gute Handhabe, die darin besteht, daß heute noch n i ch t a l l e I U d em des Landes den Waad Leumi anerkennen wollen. Man ist unter anderem noch bezüglich des Frauenwahlrech t e s nicht ganz einig, was die Regierung abhä-lt, die absolute Autorität der Waad Leumi anzuerkennen. Man hofft, daß dieser ganze Fragenkomplex auf der bald stattfrüdenden Konserer^ des Jüdischen Nationalraies seiner endgültige Erledigung zugssührt werden wird. Wir werden dann mit einem ganz klaren Projekt zur Regierung kommen und hoffen, daß alle unsere Wünsche berücksichtigt werden." Wie weit steht es mit 8er hebräischen Universität? ,Mit dem Bau der Universität wurde schon teilweise begonnen. Wir wollen keine zweitrangige Universität schaffen und darum werden wir mit einzelnen Forschungsinstituten beginnen. In der nächsten Z eit sollen ein 'chemisches, ein mikrobiologisches und ein Institut für jüdische Wissenschaft eröffnet werden. Vorläufig soll für das Gebäude wenig Gold ausgegeben werden, hingegen muffen die oberwähnten Institute vollkommen ausgestattet werden. In der Frage der verantwortlich e n K ö r p e r s ch a f t für die Universität kann man heute noch nichts Positives sagen. Es bestchen Universt tätsko mite es in Amerika, England, Frankreich, die sich in nächster Zeit konstituieren und zusammen mit der Zionistischen Exekutive die ganze Angelegenheit regeln werden. Es sicht außer jedem Zweifel, daß die hebräische Universität für die Juden und für die Menschhe it Großes leisten wird." Wird das Legat des Bagdad er jüdischen Mäzens Cadoorie für jüdische Unterrichtszwecke in Palästina verwendet werden können? ,/Ladoorie hat sein Legat in der Höhe von 130.000 Pfund Sterling nicht der palästinensischen, sondern der englischen Regierung vermacht, mit der Bestimmung, das Geld für Erziehungsgwecke in Mesopotamien oder Palästina zu verwenden. So stehen die Dinge und nicht anders. Die palästinensische Regierung kann da gar nicht dreinreden,, da sie nicht der Testamentsvollstrecker fft. Immerhin hat die ^cekutive alles unternommen, um das Legat für Palästina zu verwenden. Es, fft heute fast außer Zweifel, daß die Bemühungen der Exekutive von Erfolg gekrönt sein Werden. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Exekutive die Verwendung des Geldes für g e m i s ch t e Schulen ablehnt und strikte darauf beharrt, daß die zu gründenden Schulen dem jetzigen hebräischen S ch n -l s h st e m angepaßt werden sollen." , Ist esrich tig, d a ß d«re ^he rmen v o n Tib erias in jüdisch-en,Besitz übergehen? „Ein syrischer Araber hat die Konzession der : Thermen noch vor dem-Kriege erworben, was die palästinensische Regierung auch anerkannt hat, mit der Bedingung,- daß in den nächsten s u n s Jahren alles a u s g e- 1 baut werden muß. Die Zionistische Exekuttve verhandelt jetzt mit dem.Besitzer, bezw. Pächter und es ist ein günstiges Resultat zu erwarten. Es soll hervorgehoben werden, daß der Pächter auf eine Kooperation mit dex Zionistischen Organisation geradezu drängt, mit der, Begründung, daß er. ohne diese Mta^beit nicht, in der'Lage sei, hier etwas zu schaffen. Es ist Hoffnung vorhaMn, daß die Frage geregelt wird." Wann wird die palästinensische Währung errichtet werden? ,-heute ist Aegypten ein unabhängiger Staat und es hat gar keinen Sinn, daß wir im Lande ägyptisches Geld haben. Es besteht noch überdies die Gefahr, daß bei einer schlechten ägyptischen Finanzwirt- ,schast Erez Israel stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Außerdem macht die äjgyMche Nationalbank an Erez Israel gute Geschäfte; dieser Gewinn würde bei . eigenem' Gelde dem Lande selbst Zufällen. Heute ist die Zeit der Einlösung des ägyptffchen Geldes infolge der hohen No- . tierung des ägyptischen Pfundes sehr günstig. Von allen diesen Erwägungen ausgehend, hat die püllästinensische Re- , gievnng eine Kommission eingesetzt — es sitzen bekanntlich drei Prominente Juden in dieser Körperschaft —, die diese Frage studieren und der Regierung geeignete Vorschläge unterbreiten soll. Die Erledigung dieser Frage wird in der nächsten Zeit erfolgen und bedeutet von unserem nationalen und wirtschaftlichen Standpunkt einen Schntt nach vorwärts." Wieläßtsichheute — so lautete die letzte Frage — derStand der Araberfrageformulieren? „In den letzten zwei Jahren haben sich die jüdischarabischen Beziehungen absolut gebessert. Der größte Teil der städtischen arabischen Bevölkerung hat sich davon überzeugt, daß die Bülfour-Deklaration eine res j u st i c a t a fei, daß man das Mandat nicht aufheben wird; daher suchen die Araber überall wirffchaftliche Vorteile zu erlangen. So boten sie — wie bereits erwähnt — der Zionistischen Organffakron an, die Quellen von Tiberias gemeinsam auszunützen. Freilich gibt es hmte noch Extremisten, deren Zahl ist aber absolut im Abuehmen. Was die arabische Landbevölkerung betrifft, so bestand niemals zwi s ch en ihr und den Juden irgend welch« Feindschaft oder wirtschaftlich e Konkurrenz. Kjar ist es, daß das arabische Volk heute noch ans einer Primitiven MlArstufe steht und Auf- - Hetzungen und Aufwiegelungen leicht zugänglich fft. Würde es von densogenannten „Führern" unbehelligt bleiben, dann stünde gewiß nichts einem vollen Einvernehmen mit den Ingen im Wege. Die Besserung der jüldisch-arabffchen Begehungen ist auch darauf zurückzuführen,' daß König Husseinvon Hedschas die Ford erun.gen der arabischen Extremisten a b le h n t e und die.' zionistische Delegation sehr freundlich, empfing. Andererseits nmcht die Regierung den Arabern keine Vorschläge mehr und bewah'rt eine r eservierte Stellung, was die Verhandlungen erleichtert.. Bezüglich des Vertrages mit König Hussein stoheN die Dinge so, daß er entweder alle Vorschläge der englischen Regierung annehmen -wich oder Palästina wich aus dem Vertragsbereich ganz ausgeschlossen Wochen. Wird Palästina in den Vertrag einbezo-gen,. dann muß Hussein rückhaltlos die Balsour-, Deklaration und das Mandat anerkennen. Einen Mittelweg gibt es.nicht. Es soll noch edlvähnt werden, daß die meisten englffchen Bemnten bei der palästinensffchen Regierung, die der Errichtung einer jüdischen Heimstätte feindlich gegenüberstanden, ihre DomWon Moben haben. Die zionistische Politik — so schloß Colonel Kffh — fft auf gutem Wege. Kommen noch Menschen und Gold ins Land, dann fft die jMsche Heimstätte eine Taffache." Benedikts orientalischer Grubenhund. Mr -hatten-iberei-ts Gelegenheit, unsere Leser Wer den jüngsten Grubenhund -orlentalffcher Rasse zu.informieren, dem -das Benedikffche „Wettblatt" in seinen willigen Spalten .Unterschlupf gewährte. Es war die köstliche Geschichte von >der „antiziouistischen Demonstration jüdischer Feldarbeiter" im Verein mit vielen Dausenden >von Samaritanern auf dem Berge Garisim, bei den: ausgerechnet .das deuffche WeihMchtsl-ied ,Heilige 9M)t" gesungen wurde. Dazu schreibt man uns ans I e r u s a l e >m unterm 30. April: „Das ,/Telegramm" der „Neuen. Freien Presse" fft ein .köstlicher.Grubenhund. Daß unsere Chaluzim — die in der Tal zum Pefsachfest der Samaritaner (einen-Dag vor unserem Pessach) einen großen Auslug nach Sichem gemacht halben, um die Samaritaner bei ihrem Opfer zu fchen — „eine mächtige Kundgebung für die antizionistischen Bewohner Sichems" veranstaltet-hatten, fft ein ausgezeichneter Aufsitzer.-Das Büste ander Mok>ung aber fft, daß diese Felidarbeiter 'das alte deutsche WeihMchtslied /Heilige Nacht" gesungen haben sollen. Me Wallfahrt nach Sichem, an -der sich diesmal Taufende von Chaluzim aus den Gegenden, von Haffa, -Jaffa und Jerusalem beteiligten, war vom Kulturausschuß der jüdischen ArbeiterorganffativU (Hfftadruth) gemeinsam mit dem.Palüstine Jmmigrants Welftre Committee veranstaltet und bedeutete einen freundschaflichen Besuch bei den 300 Samaritanern, die, ein abgesprengter Wischer-Volksteil, mitten in 8er <mti* Wischen Stadt Nablus (Sichem) leben." Damit ist Ms Palästina selbst der Aufsitzer.des Benedikffchen Blattes genügend charakterisiert. Der Brief beistätigt ldas, 'was wir bereits Über »diese „Demonstration" der Wahrheit entsprechend berichtet -halben und bestätigt auch, was inan von den „Informationen" des WeMattes > zu haltW hat, -