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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-07 · Heft 1877 (7.5.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1877 (7.5.1924)
Date
1924-05-07
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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■ "" .- — r-s " »■ ' r^l".** jjjBwr-s, tzM 8 Wien,.Mttwv'H Aprtlwoche eine Zrumhme des Notenumlaufs mit 270.988 Mllionew Kronen. Damit ist der gesamte Banknoteiw' umlauf ür Ungarn auf 2098 Milliarden gestiegen. Der Schiffsverkehr mit Sudrutzlaud. Aus Hamburg wird gemeldet: Die Lime Odessa—Hamburg wird in diesen Lagen mit den Dampfern ,/Kurst", „Kaanjenec-PodolÄ", „Kostroma", „Jttysch" und ,/Loos" ervjsfnet werden. Als erster wird ^auchenec-Podolsk" mit Hans, Federn usiv. verladen - averden. Außer dieser Linie füx den Waren« und Personenverkehr Men noch besondere Fvachtlinien nach Konstantinopel, riMänischen, griechischen, italienischen, englischen und Hollands H'chen Hasen eingerichtet werdm. Me Entschädigung der rumänischen Petroleuntmdusttte. Aus Bukarest, 6. h., meldet' Drl.-Komp.: Bekanntlich haben sich die alliierten Machte im Jahve 1916 verpflichtet, Rumänien und die rumänischen Petroleumgesellsch asten für die Schaden zu entschädigen, welche diese durch die von den Alliierten durchgeführte Zerstörung der Petvoleumaw« lagen m Rumänien erlitten haben. Diese Entschädigung bildet den Gegenstand langwieriger Verhandlungen. Die endliche Regierung hat nun Rumänien vorgeschlagen, daß es als Entschädigung des rumänischen Staates und der rumänischen Petroleumgesellschaften die Kriegsschulden Rumäniens gegenüber Englands erlasse und bei den übrigen Miierten dahin wirken werde, daß dieselben auf die Bezahlung der Kriegsschulden durch Rumänien ebenfalls verzichten. Die rumänische Regierung hat chre Antwort auf diesen Vorschlag bereits ausgearbeitet und man hofft, zu rmem günstigen Resultate zu gÄangen. MMettungev -es Kredilorenvereiues von 1S7S. — Das gerichtliche Ausgleichsverfahren wurde «ingeleitetrJugoslawien: Petrovic S. Bozidar, Kaufmann, Belgrad. Old Jndia, A.-G., BonLonsfabrik, Belgrad. Cafe Ritz, Jnb. Ceda Milovanovie, Belgrad. Vraearie Vladimir. Kaufmann, Marburg. Vicar Franz, Kaufmann, Marburg. Simre Attennije, Kaufmann. Madenovae. Jlie Stefan M. L Bruder, Kaufleute, Negotin. Jovanovie MihajloT., Kaufmann, Smederevo. Helsner Samuilo, Kaufmann, Sombor. Robieek Koloman, Kaufmann, Subotica. — U n g a r n r Lehrer- Lank und HandelSaktien-esellschäst, Budapest, Baroßgasse 59. VöröS Eugen und Bela Roch, Bodrogszerdabely. — Der Konkurs wurde verhängt: Oesterreich; Holz- und KohlenverwertungS Gef. m. b. H., Wien. 3. Bez., Dapontegasfe 4. Stoch! Greta. Damenkleidererzeuguug. Wien, 18. Bez.. Michaelerstraße 16. Böse Eduard, Kaufmann, Wels. Bartosch Wilhelm, Schlosiermeister, AtzgerSdorf. Jandl Julius und Julie, Gastwirte, Wien, 2. Bez., Verlängerte Bellegardegasse 1. Estermann Heinrich, Kaufmann, Wien. 12. Bez., Meidlinger Hauptstraße 10. Skorsch Rudolf und Mitzi, Wien. 18. Bez., Therefieugasse 4. Janesch L Schnell, Bau-A.-G., Wien, 4. Bez., Wiedner Hauptstraße 45. Alge Marie, Mauufakturwarenhandlung, Lustenau (Vorarlberg). Wehlmann Albert, Wien, 3. Bez., Boerhavegasse 25. Tichy Primus, Stratzing (Niederösterreich). Breitwieder Johann, Schneider, Wartzenkirche». Archauer August, Viehhändler, Ried im Jnnkreis. Ullmann Hans, Holzhandler, St. Johann im Ponggau. Fagan Cyrill Dr., Pachter der Kuranstalt Fusch im Pinzgau. — Tschecho-Slowakeir Hecken« CziSlava, Dellkateffendändler, Prag. Kiudermanu Franz, mech. Weberei, Ober- Hennersdorf. ^PaniS" Ceckak. Spicka & Co., Olmütz. Brüder Bloch, Kauflertte. Brünn. Kuba! Johann, Kaufmann, Juugwozitz. Hnilica Kacharina, Handelsfrau, Olmütz. Seeger & Co., Gef. m. b. H., Parfümeriefabrik, Warnsdorf. Lkraeik Julius, Drogist, Prag-Wrschowitz. Re WareumSrkte. (Vgertbericht der „Wmer Morgenzsitung".) Starke. Bei knappen Bestanden machte sich haufsiereudv Tendenz bemerkbar. Die Preise für eiuige Gattungen zogen vo» 200 bis 800 K. an. Es notieren : Hochprima Kartoffelstärkemehl 7800 K., Weizenstarke 8800 ft., Kernweizenstarke 3000 ft., Maispuder 7450 ft., hochprima Maisbrockenstarke 8500 ft., Hochprima Dextrin 10400 ft., ftartoffelstärkefirup 9400 ft., Traubenzucker 9000 ft. Reisstärke 8800 ft. Mene« Moegenzeitung. , Gummi. Wie aus Amsterdam gemeldet wird, war die Stimmung fest mit allmählich anziehenden Preisen. Es > herrschte lebhafte Nachfrage und Kauflust, besonders für Lokoware und nahe Lieferungen, einiges wurde auch nach Indien verkauft. Die höchstbezahlten Preise waren 68 Cents für loko Sheets, 70 Cents für Crepe loko, 70'/, Cents pro April, 72 Cents pro Juli-September, 73'/, Cents Oktober-Dezember. Die Kauflust flaute dann ein wenig ab und Presse.gabenetwas nach, obwohl die Verkäufer nicht einverstanden waren. Biehmiirlte in St. Marx. (Eigenbericht der ,M«rer Morgonzeimng") Borstenvieh markt. Angemeldet wurde» für den gestrigen Markt 5199 Schweine, allein zu Beginn de-°- feliiett waren bloß 4189 Stück, darunter 1370 Fleischmich 2819 Fettschweine, aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 478 inländische, 1204 ungarische, — jugoslawische, 320 polnische, 147 dänische und 645 niederländische. Außer Markt wurden 288 Schweine bezogen. Unter dem Drucke des gesteigerten Angebotes tendierten Fettschweine flauer. Gegenüber der Vorwoche resultierte bei allen Qualitäten ein Preisrückgang von 1000 K. pro Kilogramm. Hingegen konnten Fleischschweine, die einen Ausfall in der Zufuhr aufwiesen, stellenweise 600 K. pro Kilogramm mehr erzielen. ES notierten r Fettschweine prima 23.000 bis 24.500 ft., mittelschwere 23.000 bis 24.000 ft., Bauernschweine 22.000 bis .24.500 ft., alte Schweine 20.000 bis 22.000 ft., alte dänische 19.000 bis 21.000 ft. und Fleischschweine 23.000 bis 26.000 ft. pro Kilogramm Lebendgewicht. Schafmarkt. Aufgetrieben wurden 176 Schafe. Bei langsamem Verkehr notierten Mittelqualttaten 8500 K., mindere 7000 bis 7500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferde markt. Zum gestrigen Markte wurden insgesamt 183 Schlächter-, darunter 52 auf dem Kontumazmarkte, und 394 Gebrauchspferde gebracht. Bei flauem Verkehr notierten: Zugpferde leichte 4,000.000 bis 12,000.000 ft., schwere 6,000.000 bis 16,000.000 ft., Kutschpferde 4,000.000 bis 12,000.000 ft., Pferde für Schlachtzwecke 5500 bis 13.600 ft. pro Kilogramm Lebendgewicht. •' Baumwollmarkt. Rew-Bvrk, 5. Mai. Baumwollzuführen in den atlant. und Golfbäfen 9000, im Innern 2000 Ausfuhr nach Großbritannien 1000. nach dem Konttnent 2000. Lokalmarkt middlin* r 30.05 (letzt. Kurs 30.051 Tendenz: Ruhig. — Termine: Avril —. Mai 29.66, Juni —. Juli 27.99, August 26.10. September 24.93. Oktober 24.32, November —.— Dezember 23.68, Jänner 23.40 Februar —.—, März 23.45. Berliner Börse. Berlin, 6. Mai. Die Wahlergebnisse 'beherrschten auch - heute den Verkehr. Im Gegenteil zu gestern neigte man einer günstigeren Auflassung zu» indem man darauf hinwies, daß Kr eine gesicherte Rogierugsmchcheit keine klaren Aussichten bestehen. Da die Stimmung auch noch durch den Konflikt mit Rußland beeinflußt wurde, mangÄte es an Kauflust und es mußten sich die Papiere vorwiegend KursckkHchläge gefallen lassem Essener Steinkohlen-, Hofch-, Gebr. Böhler- und Ludwig Löwe-ALtten büßten sogar je 2 Billionen Prozent ein. Dagegen stellten sich Sttnnes und Riebet Montan um 1,25 und BeoRn-Kattsruher Maschinen sogar um 3 Billionen Prozent höher. Später nahm die Anstvärtsbeweauna bei recht schleppendem Verkchr ihren Fortgang. Bon Schifscchrtswerten verloren HamburgÄmertta und Hamburg-Südamerika 3M Billionen Prozent. Von douffchen Ameihen gckb Kriegsa-wleche im Kurse nach. Elektrische Hochbahn-Mtien litten beträchtlich unter Realisationen und stellten sich um 4 Billionen Prozent niedriger. Auch Petroleumwevte gaben ihren gestrigen Gewinn wieder her. Am Devisenmarkt wurden entsprechend der Bewertung der Mark im.Auslande die meisten Devisen 'höher notiert. (Alles in Billionen von Mark.) Schlußkurfer Türkische Lose 20.5, Oesterr. StaatZbahn —, Rordd. Lloyd 5.—, Ver. Elbeschiffcchrt 2.4, Berliner Handelsgesellschaft 28.5, Kommerz. Privatbank 4.25, Darmstädter Bank 7.4, Deutsche Bank 8.87, DiSkonto- 7. Mai' 1924 ' M." 1877^ ' Kommandit 8.87, Dresdner Bank 6.5, Nattoualbank W Deutschland—.—, Oesterr. Kredit 0.375, Oesterr. Lauderbanl —, Reichsbank 25.25, Wiener Bankverein 0.33, Wr. Union« bnul 0.275, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 8.62, Bochum« Gußstahl 40.6, Daimler Motoren 3.5, , Deutsch-Luxemburger 81.25, Deutsche Maschinen 6.62, Dynamit Nobel 6.4 Felten u. Guilleaume 20.6, Gelsenkirchener Berg. 40.12, Tli. Goldschmidt 11.—, Harpener Bergbau 53.—. Hirsch Kupfer 27.75. Höchster Farben 11.—. Hohenlohe-Werke 22.4. Laurabütte 9.3, ManneSmcnmrShren 27.76> Phönix Bergbau 23.25, Schuckert u. Co. 29.—, Siemens u. Halske 36.5, Telephon Berliner 3.12, Dollarschatzanweisungen 79.60.. Prager Börse. Prag. 8. Mai.-Die schwache EröMmug der hM-iaeu Börse benützte die Kontermine zu DeckungSviiuffen. JnfÄgevesseu «gestaltete sich das Geschäft lebhalft-er und die Kurse -stiogm um einige Prozent. Ein Teil der Papiere behielt «her die tieferen Notierungen auch im weiteren Verlaufe bei. Ausgiebige Besserungen erzielten Eisen-, Zucker- und Chörnische Werte, konnten aber die gestrigen Notierungen kaum erreichen. .In der Kuliffe belebte sich das Geschäft namentlich in Skoda-Mktien. Hevmflche Banken lagen bchawptet, Wiener tendierten schr schwach. Won Berkchrswerten verloren NoMahn 95 tschech.-Kymen. Aus dem An'lagemarkt war namentlich für Staatspapiere die Stimrnung besser. Von Exoten gaben Bulgarm, SWüpriesenrr und Jpar nn Kurse nach. Der Schluß war abgeschwacht. S ch l u ß r n r s e: Türk. Eisenbahn-Anleihe Franken —, Böhm. Unionbank 489.—, Böhm. Eskomptebank 399.—, Böhm. Jndustrialbank 412.—, ZivnostenSka Banka 399.50, Anglobank 116.—, Oesterr. Kredit 84.—, Wiener Unionbanl 82.—, Wiener Bankverein 60.60, Buschttehrader Eisenbahn Lit. A —, Lit. B —, FerdincmdS-Rordbahn 5750.—, Prag-Duxer 161.—, Ausstg-Teplitzer Eisenbahn-, Nestomitzer Zuckerindustrie 1372.—, Vereinigte Elektrizität Wien 109. —, Brosche 1035.—, ftoliner Spiritus 965.—, VKönigShofe: Zement 955.—. Breitfeld-Danek 459.—, Ringhvffer 645.—, Simmeringer 95.50, RotLkosteletzer Textil 800.—Alpin- Montan 234.—, Poldihütte 264.—, Prager 86&—, Oesterr. Berg n. Hütten 2100.—, Skoda 639.—. Jnwald 230.—. Budavefter Börse. Budapest, 6. Mai. Die unterbrochene Abwärtsbewegung der letzten Wochen setzte sich auch 'heute fort. Die' Kurse waren schon bei Eröffnung wesentlich tiefer als gestem und die Mckgänge setzten sich auch inr weiteren Verlaufe ohne jeden Halt fort. Im allgemeinen ergaben sich bis zum Schluß Rückgänge von 10 Prozent, da die Spekulation nur Berkaufsaufträge ans den Markt brachte und die Ansnahlnsfühigkeit sehr gering war. Das Geschäift blieb durchwegs minimal. Der Schluß war weiterhin flau. Wochengeld betrug 0,75 bis 1,18,5 ProgeE. . > (Alles in Tausenden von Kronen.). Schlußkurfer Britisch-Urig. Bank 88.5,/ Ung. Kredit 594, Oesterr. Kredit 210, Salgo Kohlen 615, Rimamuranhes 110, Südbahn 73.—, Staatsbahn 565,—, Anglobank —, Gran« Szaszvarer 365, Oberung. Berg- Hütten 540.—, Dräsche« Ziegel 230, Ung. allg. Kohlen 3250, Urikany Köhlen 1030. Koburg —, Spodlum 194, Clotllde chem. .Fckbrik 79, Un» Eisenbahnverkehr 246, Verein. Holz 33.—, Adria —. Ae Jevlsenturse. Zürich, 6. Mai. (Devisenkurse von 12.15 Uhr. — Bois der Schweizerischen Kreditanstalt Mgeteilte -Mittelkurse.) Berlin pro Milliarde —(-.-), Holland 210.40 (210.15), New-Aort 561.50 (561.57), London 24.63 (24.62), Paris 36.30, (36L5). Mailand 25.20 (25.20), Brüssel 20.10 (30.-), . Kopenhageu 95.50 (94.75), Stockholm 148.50 (148.12), Christiania 78.5« l77.60), Madrid 76.- (77.90), Buenos Aires 184.^ (184.-) Prag 16.50 (16.47'/,), Budapest L.0066 (0.0070), Bukarest 2.90 (2.87»/,), Belgrad 7.-(6.67'/,). Sofia 4.12 (4.10), Warschau Wien 0.007912 (0.007912). ' ' Berlin, 6. Mai. (Devisenkurse.) (Zn Golbmark für 100 Einheiten mit Ausnahnre von Buenos, New-Iork, London, Japm und Rio für 1 Einheit, Wien und Budapest für 100.000 Einheiten.) Amsterdam 157.60 (157,60), Belgien 2185 (22.84). Christiania 58.45 (68.16), Kopenhagen 71.62 (71.22), Stockholm 111.22 (111.12), Italien 18.95 (18.65), London 18.455 Copyrigtb by 19» Nachdruck verboten. Leutsch-Oesterreichischer Vertag, Wie«. 8k. Fortsetznng. Die Heimatlosen. Von Wilma Vukelich. So saß er in Alfteds halbdunklem Zimmer, -verträumte sich in der Ecke des steifen geblümten Sofas, während der Efeuvorhang leise ans und ab schwankte und Hannah aus dem niedrigen Taburett am Fenster saß, die Arme auf die breite, geschweifte Sessellehne gedrückt, das schmale iveiße Gesicht in die Hände gestützt Md die großen geweiteten Augen vevso-nnen in die Ferne gerichtet. Alfred aber spielte. Die Herbstsonne strich über den braunen Boden hm and streute goldene Blatter Md Strahlenbüschel barüfrer. Und der bunte Geovginenftrauß au dem goldbraunen Deckel des Flügels, den auch so ein Strahlenbulschel traf, schien auszuglühen in allen Nuancen zwischen goldrot und violletem Purpur. Alfred aber ging träumend im Raume auf und ab und ließ seine Violine auSstrmnen, sang sich leise empor bis in ein letztes Jauchzen und stürzte jäh hinab... Die Stimmung zerbrach. Oder aber er saß am Flügel, ins Licht der unter* gehenden Sonne gerückt, saß, das Haupt zurückgelehnt in einer sanften Neigung, das Auge geschlossen, und ^:pielte. Und wieder spielte er die Heimat. Und die Sehnsucht nach ver Heimat. Und den Aufschrei aus den Herzen der Millionen. Aber es war die jüdische Heimat, die seine Töne suchten. Ihr war seine Seele zugekehrt. Es war ein Llufschrei aus jüdischer Volksseele, in dem der Schmerz und die Not der Jahrhunderte sich züsammenpreßte. In dem auch seine Seele sich erlöste. Nicht mchr um die Braut warb er, die ferne, kühl und unnahbar bleibt. Nach der Mutter schrie er. Die immer Mutter bleibt, auch wenn ihr Kind sich tausendmal von ihr «kehrt. Auch wenn es sich am Wege verliert. Die ihm die Arme austut und es wieder aufnimmt. Auch wenn am Wege vieles verlorengegangen ist: die Reinheit und der Glaube, die Glüt des Ringens und die Lauterkeit des Wollens. Die immer Mutter bleibt, auch wenn ihr Kind in Lumpen naht. Mt wMden Füßen und «krankem Herzen. Auch wenn es Irrtum auf Irrtum gehäuft. Wenn seine Hände krank sind vor Sündigkeit und sein Angesicht vom Laster entstellt. Auch dan^ Erniedrigung und Schande und Schmerz und Glaube an die endliche Errettung war in seinem Spiel. Der Glaube des auserwählten Volkes. Nicht der traditionelle Tempelsrngsang einer hebräischen Melodienmonotonie machte sein Lied zu jemm Aufschrei aus jüdischer Seele. Nein. Sondern die elementare Gewalt seiner HeimakschnsuH, die nur im Herzen der Heimatlosen auskeimen tot, die Qual seiner maßlosen Enttäuschung, der Enttäuschung der geknechteten Seele, die sich den Pforten des Paradieses nahe geglaubt, die es bereits gewagt Kat, von Freiheit und einer lauteren Menschenwürde zu träumen, und die nun mit einem Male erkennen «ruß, daß sich der Abgrund niernals schließt, ja daß sie, zurückgewiesen vM den 'Pforten de'3 Paradieses, in eine Hölle hinabstÜMn muß, tausendmal schrecklicher als die Hölle des Mittelalters, weil sie feine, empfindliche, stolze und sehnsüchtige Menschen trifft, die es niemals gelernt haben, sich mit Waffen roher Gewalt zu schlagen, die sich nicht wehren LöMen; denn sie sind unsicher geworden — heimatlos. Enterbte des Lebens und des Schicksals. Und nicht einmal die Glut der Empörung verblieb ihnen. Der Vater prophetischer Geist erlosch. Die Stimmen schweigen. Und sie verbrennen an ihrer innerlichen Glut, sind wortlos und vergehen wortlos an ihrem Leid und an chver Schande. Daniel saß da mtt feuchter Stirne. Schweigsam und' hingerissen. horte die Posaunen dröhnen. Doch fern« Seele blieb stumm. Er hörte den Ruf seines Gottes, wie er ihn tausendmal gehört in den verzückten Stunden ferner leuchtenden Vifionen. Nun aber blieb seine Seele stumm und schrie nicht aus: hier bin sch, Herr! Er horte, saß da, stumm und ohne Willen, aus sich selbst herausgerisstn, in sich selbst zufamntengesunketr. . Die Posaunen dröhnten. Sie riefen eine Welt auf. Seine Welt. Er hörte sie. Und seine Seele blieb stumm. Ueber.Hannahs Antlitz aber ging das Licht der Abend- . sonne. M goldene; AWmz lag aus i&tem leuchtenden Haar und die Freude einer tiefen und neuen Evkennfftis in ihren Augen. - .y; Sie erfaßte die Musik nicht mit den Sinnen, sondern mit dem Gemüte. Ihr Gefühl und ihr Geist lebten in Bildern. Sie sah das VE. Sein Ringen.' Sie sah die Scheiterhaufen rauchen und hörte die zitternden Gebete, die sich von den Lippen der Sterbenden rangen.^ Sie sah die lange Schmevzenskavalwane der Auswandernden, Gverfe und Kinder, weise Männer Md feine gütige Frauen. Sie sah sie ziehen'mit ihrer spärlichen Habe. Wforaß schrie Haß und Hohrr hinter ihnen «her. Sie sah «sie am Wege fallen. Verbluten unter den Dolchen habgieriger Räuber. Verkauft in schmachvolle Geljangenschast «und Sklaverei. «Sie sah sie ausgeschlossen v0ln jeder Freude. Ihre «Seelen hin und >her gerissen von der Habsucht der Mächtigen, entehrt, verstoßen, ihrer Letzten Menchenwürde beraubt. Und sah das Schandmal auf ihrer Stirne. Wo einer sündigt, wird Schmach auf alle gehäuft. Wo einer strauchelt, Üvevden Tausende zum Fallen gebracht. Und sah sie, hineingehetzt in Feindschaft und Menschenhaß, sich selber vergessetr. Der Sehnsucht vergessen. Sie sah sie lachen und ihrer eigenen Schmach spotten und ton mehr darauf achten, daß sie die Gezeichneten waren. Daß sie noch immer die dunNe Schmerzenskarawane der.Heimatlosen bilden, die friedlos von Ost nach West, von Erdteil zu Erdteil jagen. Und sah sie über sich selbst die Achsel zucken. Sich seMt nicht mehr achten, wo doch niemand anderer sie achtet. Und mit den Laste-m der Schwachen kämpfen: ivürdelos und ohne Große und ohne Glauben an sich selbst und an die eigene Zukunft. Dann aber sah sie Zion aufstvckhlen. Jm Alanze emer ausgehenden Morgenfonne, die weißen Mauer« ganz in Licht gebadet. Sah fröhliche Gärten, in denen fsr^t-se kleine Kinder spielten. «Ein fröhliches gösundes VE, das arbeitete und an sich glaubte. Eine Mnst, die der Schrei dieses Volkes war. Seine Offenbarung, iseine ^Erlösung von sich selber. Und sah Häfen, in denen - sich die Trachten aller Länder drängten. Schiffe im Wvmhxlschmuck der blauweißen Fahne. Hörte Fanfaren, die HWne dieses Volkes. Es lebt und jauchzt seinem Gott entgegen, der es hsimgeführt in das gelobte Land der Väter. - 'Fortsetzung folgt.)

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