Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1877 (7.5.1924)
- Date
- 1924-05-07
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m. MW M«n, MM-H Wiener Marsenzeltung. " 7. Mai 19S4 Seite Ü Er Llagt ein-em Ghassid sein Leid. . „Umsonst barmst du füv den Ralbbi nicht arbeiten," meint dieser. «Wenn er dich nicht bezahlt, so schreib für ihn nicht mehr." ' „Was ist mir damit gedient," nwint der Söffer nachdeEich. „Wenn ich nicht schreiben werde, wird er denn dann befahlen?" Die Teilung. Zwei Bettbev, ein blinder und ein sehender, werden won einem Olbschändber mit einem Topf Kirschen beschenkt. Sie be» schließen, die Kirschen gemeinsam zu essen, doch dürfe jeder stets 'nur eine Kirsche in den Mund nehmen. Plötzlich versetzt der Miinde seinem Genossen eine schallende Ohrfeige. ,Mavmn schlägst du mich?" schreit dev Betroffene. „Weil du gegen unsere Verabredung drei Kirschen auf einmal in den'Mund nimmst," erwidert der Blinde. „Wie kommst tot daraus?" ruft dev Sehende. „Bist bat aus einmal sehend geworden?" „Das nicht, aber ich nehm' immer zwei in den M«md und du sagst kein Wort. ES ist also klar, daß du mich betrügst." FahrpreisemSbisung Kr den Besuch tschechischer Kurorte. Ans Prag wird gemeldet: Ab 16. d. werden für ausländische Besucher tschecho-slowakischer Kurorte Fahrkarten mit 36 Prozent Fahriermößigung in der zweiten und dr iittten Klasse des benützten Zuges eingchüihrt. Die Ermäßigung gilt für ausländische Besucher, die sich einer mindestens zehntägigen Kur im Lande unterziehen. Die Ausgabe dieser ermäßigten Fahrscheinhefte erfolgt ohne jede Formalität bei den Kassen der Grentzbahnhöfe. Zur Feststellung der Erfüllung obgenannter Bedingungen enthalten die Fahrscheinheste eine Kontvollanlage, in welcher die Badeverwaltung die genauen AusenthaltSdaten bestätigen wird. Ist der Ausearthalt in einem oder in mehreren Badeorten kürzer als zehn Tage, so zahlt der Reisende - die Differenz auf der Rückfahrt nach. Fahrtunterbrechungen in Badeorten und Großstädten wie Prag, Brünn, Pr-cßbuvg, Kafchau uflv., sind ohne besondere Formalität, sonst nur einmal «bei Bestätigung durch den Stationsches gestattet. Die Fahrkarten, die sonst eine große Frstzügigjkeit bei der Wahl der Fahrstrecke gestabten, müssen aber stets nach einem bestimmten Badeorte lauten.. Das Mett der Srimfoimrifaifon Wie dem Moskauer I. T. A.-Vertveter mitgeteilt wird, Haben das Joint Distrilbution Committee und die Jewish Colonisation Association bereits ihre BeveitwilligMg erklärt, das Projekt der Kolonisierung der brachliegenden Gebiete der Krim durch jüdische Siedler materiell zu unterstützen. Einer der Hauptmitiatoren des Krimprojekts, der frühere Leiter der Jointarbeit in R>üßlaud, Dr. Rosen, ist am 30. April von Moskau nach Paris abgereist, wo in der nächsten Zeit eine gemeinsame.Beratung zwischen leitenden Persönlichkeiten des Joint nnid der Joa sowie Vertretern anderer an der Krirnkolonisation interessierten Körperschaften stattftnden wird. Wenn diese Beratung positive Resultate erbringt, so soll unmittelbar darauf an die Zlusarbeitung der Vertragsbedingungen mit der russischen Regierung geschritten werben. Die katholische Zuternattomle. Der Apponyi-Vortrag unter Bewachung. Gestern abends fand im neuen Saale der Hofburg ein Vortrag des Grasen A P p o n y i über das Thema „Die katholische Internationale" statt. Anläßlich dieses Bortrages, der im Rahmen des katholischen WeltanschauungSkongresseL stattsaiÄ, waren seitens der Veranstalter weitgehende Sicherungsmaßnahmen getroffen wovden. An den Eingängen war eine Anzahl Diener postiert, die von der Polizei unterstützt wurden, und niemandem passieren ließen, der sich nicht mit Karte oder Passierschein ausweisen konnte. Auch Journalisten wurden nur eingelassen, wenn sie mit offiziellen Einladungen versehen waren. . Ser Fürsorgetag. Gestern sprach aus dem Fürsorgetag Professor Pirquet über „Die Ausbildung von Balls- und Bürgerschullehrerinnen für Säuglingspflege und Ernährungskunde". Danach werden an der Kinderklinik Pirquet Lchrerinnen in Theorie unö Praxis der Säuglingspflege, Ernährungskunde, Haushaltführung usw. unterrichtet, unJ> nach Vollendung des zehmnonatlichen Kurses als Wanderlehrerinnen hinausgeschickt. Die Einrichtung wird vom „Amerikanischen Jugendrotkreuz" und der englischen „Gesellschaft derFreunde" mit Geldmitteln unterstützt. * Prof. Moll sprach über das Thema: „Welches Kind ist anstaltsbedürftig?" Er trat dafür ein, daß nur kranke, gefährdete Kinder in Anstalten gehören, während die gesunden nicht ohne Not von der Mutter zu trennen sind. Nur wenn nervöse Eltern auf die Kinder ungünstig einwirken, ist die Anstaltspflege sehr vorteilhaft, das gilt auch von Kindern der Wohlhabenden. Es gibt noch viel zu wenig Anstalten, die leicht bestehen könnten. Einen- Ersatz in dieser Hinsicht bildet der Kindergarten, der den wohltätigsten Einfluß duf das Gedeihen der Kinder hat, insbesondere in der Beseitigung nervöser Schäden. Hofrät Prof. Dr. Robert Bartsch berichtete über die „Reform des Unterhaltsrechtes". Er schlug unter andevem vor: Die Strafbarkett der Unterlassung der Unterhaltsgewährung als Gefährdung des Lebens und der Gesundheit des Unterhalrsberechtigten, Mithaftung der Angehörigen des Unterhaltsschuldigen, Erleichterungen des gerichtlichen Weges für die Fürsorge, besonderfür PernsSvormünde». Mitteilungen aus dem Publikum. Machten Sie RI. Leopoldisgasse 19, Kleine Pfarrg. 2 RI. Leopoldisgasse 19, Kleine Pfarrg. 2 neu renoviert und neu'eingerichtet, ab l. 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Vielfach blieb gestern die Mittägstemperatur unter 16 Grad. Die Vorhersage kündet weiter veränderliches, kühles Wetter an. Wien, 7. Mai. * Fortsetzung des außerordentlichen zionistischen Parteirates. Das Zionistische Äandeskomitee tM mit: Montag den IS. d. um 6 Uhr abends findet im Sitzrmgssaal des Landeskomitees, 2. Bez., Taiborstvaße 20 o, die Fortsetzung dev außerordentlichen Parteivatssitzung statt. Tagesordnung: Dringertde Parteiangelegenheiten. * Bankier Rosenmann. Die Mttbeilungen über eine Verhaftung des Wiener Bankiers R o s e n m an n wegen Betruges werden von dem Rechtsanwalt Dr. Erwin Löwenthal als vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnet, ebenso die über angebliche große Frankenverluste des Bankiers. * Goldene Hochzeit. In voller geistiger und körperlicher Frische feierten Sonntag den 4. d. der über 6V Jahve in Angern ansässige Kaufmann Siegmuetd Geherhahn und seine Gattin Charlotte geb. König das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich im dortigen Bezirk ob seiner Biederkeit und außerordentlichen Rechtschaffenheit allgemeiner Beliebtheit. * Erzbischof Cichlak in Wien. Erzbischof Cieplak auS Petersburg, der, nachdem er vom russischen Volksgericht zum Tode verurteilt, dann zu zehnjähriger Kerkerstrafe begnadigt worden war unb kürzlich über Intervention des Papstes seine Freiheit wieder erhalten hat, ist auf der Durchreise nach Rom in Wien eingetroffen und hat dem Bundeslkanyler Dv. Seipel einen längeren Besuch abgestattet. * SieMund Freud und Professor Gcrsuuh — Bürger von Wien. In Vertretung des Bürge-mdeisterS hat dev amtssuhrenüe Stadtvat Prof. Tandler gestern den Entdecker der pshchoanalhnschen Methode, Professor Sieymund Freud, in seinem Heim zu seinem Geburtstag beglückwünscht und chm das Bürgerdiplom der Stadt Wien mit Worten der Verehrung übervoichr. — Bürgermeister Seitz überreichte gestern vormittags in feierlicher Wesse Professor Robert Gerfuny das Diplom des Bürgers der Stadt Wien. * Schwere Beschuldigungen einer Verlassene«. Die von ihrem Geliebten, einem Schaffner, im Stich gelassene Marie S. hat bei der Polizei angezeigt, daß dieser zweien ihrer Kinder, die dem Verhältnis mit ihm entstammen, in ihrer Abwesen^it Benzin zum Trinken gegeben habe, so daß er cm dem Lob der beiden schuld sei. Der Beschuldigte wurde dem Landesgevichte eiugeliefer-t. * Verteuerung drr Ziindhölzchrn. Die Regierung hat gestern dem Nationalrat eh« Vorlage betreffend die Zünivnmttelstieuernovelle zngchen lassen. DaS Gesetz bestimmt unter anderem: In Mändevung des § 7 der Verbrauchssteuernovelle vom 24. Juli 1922 werden für die Zmrdrnittelsbe-ner folgende Höchstausmaße festgesetzt: a) für Zündhölzchen einschließlich der Zündkerzen höchstens 40 Prozent des Steuerwertes; b) für Fauerzeirge höchstens 1000 K. für ein Stück. Innerhalb dieser GreMN werden die jeweils antzuwendenden Äbgübensätze vorn Frnanzmimster durch Verordnung festgesetzt. * Radiokonzert der Sendstation „Radio-Hekaphon". Programm für heute von halb 6 bis halb 6 Uhr nachrwittags. Zwerter Kammermusiknachmittag. 1. DschaikowÄH: Streichquartett in B-Dur, 1.. Satz. 2. Beethoven: Kreutzer-Sonate (Andante mit Variationen). 8. Gefangsvortrag. 4. Schubert: Variationen über „Dev Tod'und das Mädchen". 5. Schumarm: Klavierquintett (in' Es-Dur, 1. Satz). Das Streichquartett Silving (von der Wiener Urania). Am Flügel: Frau Therese Nsuimorm,. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „vereine" find entgeltlich.) * Tansinstitttt Hermann Braun, H. Bsz., Neindorfgasse 42. die Preise . Sch für Leinenwaren im Warenhaus Brüdel i f f m a n n, 2. B e z., T a b o r st r a ß t 48. Webe.. . Cbiffoir ...... Streifgradl. . . . . Damast .... » » i Irrlet........ Molino ....... Vettzeuge ... -. . Batistchiffon . . . . . Matratzengradl.... Bettücker ...... Tischtücher. Kaffeegarnitmen . . . Glasertücher. . . . . pro Meter 10.800 K. 8.800 K pro Meter 13.800, 11.000 „ 9.800 w . . . .pro Meter 19.800 „ 17.500 „ . . . . pro Meter 22.800 „ 18.500 „ ... ....... pro Meter 14.800 , .> . . .pro Meter 8.900 „ . . . . pro Meter 15.800 K. 12.801 „ ..vro Meter 15.900 „ . ... pro Meter 30.000 K. 24.000 „ . . . .. 26.500 „ 19.800 „ . 48.000 „ .. . 98.000 „ . 8.000 „ Vereine. Vortröge und Versammlungen. Beth Waad Leiwrim. 9. Bez., Türkenstraße 9, 3. Stiege. Heute um */«8 Uhr abends Vortrag M. Ungarfeld über TzernichowSki, Schneiur und Cohen. — Verein T i k w a t h I e h u d a, 8. Bez., Bennoplatz 1. Heute um Uhr Prof. Spitz, Rezitationen; Frl. Anna und Piroska G o i t ein, Kammermusik. Programm: Bach, Brahms, Händel, Mozart, Sarasate. Anschließend TaW — Zionistische Ortsgruppe Baden. Heute um 8 Uhr abends im großen Saale des Cafe Schopf, Weilburgftraße 3, Vortrag Frau Anitta Müller-Cohen, Wien: „Gegenwart- und Zukunftsfragen im Judentum". — Z i o n i i st i s ch e r B l o ck. Morgen 8 Uhr abends s e h r w i ch t i g e Vollsitzung im Cafe de France, Roter Zimmer. Schriftliche Einladungen ergehen nicht. * Generalversammlung der Chewra Kadischa 6.-7. und 12.—15,. Bezirk. Sonntag den 27. April fand die Generalversammlung des Chewra Kcvdsscha für die Bezirke 6 und 7 und 12 bis Io statt. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Herrn Moritz Weiß, hielt Herr Julius Fritz den im abgelanfenen Jahre verstorbenen Mitgliedern einen warmen Nachruf. Sodann erstattete Herr Oskar Goldschmied den Rechenschaftsbericht; nach diesem zählt die Vereinigung 400 Mitglieder. Ihrem Grabsteinfonds haben sich bereits 20 MitgliÄ»er angeschlossen, sodaß es möglich ist, Grabsteine für verstorbene Mitglieder zu errichten. Weiters errichtete die Chewra Kadischa aus ihren Mitgliedern eine Vormundschastsbehörde für sämtliche in den Bezirken wchnhaste Waisenkinder und teilt jedem Waisenkind einen speziellen Vormund zu. Es wurden im abgelaufenen Jahre 52,000.000 K. für charitative Zwecke verausgabt. Bei den Wahlen wurden einstimmig - die ausscheüienden Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Da der Präsident, Herr Moritz Weiß, erklärte, krankheitshalber kein Mandat annehmen zu können, wurde Herr Bernhard Freund neu in den Vorstand gewählt. Herr Moritz Weiß wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt Der Vorstand konstimann; Revssoren: Aidor Spitz, Alexander Kohn, Bühne vnd Kunst. Die gutemattonale Miniaturenausstellung. Zur Eröffnmg in der „Albertina". In den Pvachffälen der berühmten Sammlung „Alber» tina" (im ehemicvligen Erzherzog Frieidrich-Pailais aus der Mbrechtsrampe) wurde Sonntag den 4. d. eine für die östierwichi- . sche Kulturgeschichte bedeutsame Ausstellung eröffnet: die von der Gesellschaft der Bilder- und Minvaturenfteunlde arrangierte Internationale Miniaturenausstellung. Aus die Begrüßung durch den Vorstand der genannten Gesellschaft Robert Raditz erwiderte der Protektor Bundespräsident Dr. Mchael Hainisch, daß es die vomehme und auch soziale Wicht der besitzenden Scrnnnler sei, Kunstwerke nicht mw zu erwerben, sondern sie auch der Oeffemlichkeit zugänglich zu nvachen, und eErte hievanf die Ausstellung für eröffnet. An die Ansprachen schloß sich eine eingehende Besichtigung an. Die berühmtesten Miniaturenmaler, wie Füger, Daffingeo, Kriehuber, Anreiter, Peter, Saar, Rudolf Alt, fermr die Ausläüder Petitot, Hall, Cooper, Isabe y, sind in charaiktersstischen Werken vertreten. Die Ausstellung sst täglich von 10 bis 6 Uhr all-Mnein zugänglich. Demnächst wird ein reich illustrierter Katalog erschein'-'n. „Peftk Kollare" im Variete Reklame. Kabare ist Kleinkunst, die zu großem berufen wärt. Ihr Gobi-ei: Lelben und Bühne, Theater und Welt; ihr Zweck: Die Motive der Zeit eiiMchangen und wiederzuspie-geln im Zerrbild der Glosse. Einst: Drei kleine Strophen, lose und geschliffen, mit andeutender Pointe, von Musik diskret untermalt, und es war ein Mick in soziale Liesen. Heute: Zudringliche GassenhauerumsÄ, dazu der Refrain, flach und lärmend. Gesangsverpflichtungen zur Hebung des Wvinkousunls. Die Kabareperspektive: Den l(ag abcn-'üs im Stegreif der Kunst wieverzugÄen, den Zivkus des Lebens zu projizieren aus das lleberbrettel, das eine hochliterarische Welt bedeuten könnte... Etwas davon haben diese Budapcster, die jetzt im Variete RcAaine 'Zitieren. In den Szenen blitzt manches aus an Satire und Ironie, was -ureigenstes Kadare ist, wenn auch gemildert für den Puvlikumserfolg. Am Anfang: Bcla Zenard mit stimmungsvollen Pierroiliedern in deutscher Sprache. Dann Felhö Fiochi, deutsch und ungarisch, eine gewandt« Msvuse", die in -dem Einakter „A kölyek" („Der Fratz") Charakterssierlmgskunst zeigt. Viragh Ienö pointiert trefflich - ungarische Aktualitüten. Solti Herinm, rassig, mit Starallüren. Zrlletzt eine heitere Szene in deutscher Sprache: Äld er t der> A chie von und . mit Szö k t Sgakall. Possenreißerssche Schnarren mit satirischen Streiflichtern; ein parodistisches. Thema in burleskes Budapest er Schwankgelesse äbgeleitft.' Die^ap-pei'ki.n^erence IT: