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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-07 · Heft 1877 (7.5.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1877 (7.5.1924)
Date
1924-05-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 " fofett, Mttwo'H__ ^undesLa^ler Tr.SeiPel uiub hatten mit diesem eine neuerlich« Aussprache Ger die Forderung nach einer Noitstandsh ilf« in der Höhe eines hMen Monatsbezuges sowie über die Echöihnng der WirrschaftAPrämien. Der Bundesikantzler eMxt-e nochnmls, daß Weyen der geringen finanziellen Mittel ein« N-otstandsouchllf« in dsm verlangten Allsmaß nicht gewährt werden könne. Er sei jedoch bereit, seinen Einfluß dahin geltortd zu wachen, daß die erhöhten Wirtschafts- Prämien ehestens flüssig werden. Wegen eines raschen Abschlusses - der Vechandlnng-en werde er sich mit dem Generalpostdivekior Hoheisl ins Einvernehmen setzen- Weichtzc.iti'g machte der Bundeskanzler der Mochnung die Mitteilung, daß die erst mit Ende, Juni dieses Jahres fälligen Erfolgprämien schon am IS. d. zu rÄu Zahlung - gelangen., - . ■ . „ .' ’ ' - Die Abordnung nahm die Mitteilungell des Bmldeskanzlers zur Kelultnis, ersuchte jedoch denselibm, er nwge mit Rücksicht aus die lange Dauer der Verhandlungen veranlassen, daß den Beauuen des Kanzlei-, Vevwaltungs- und Rechuu-ngSdienstes int Telegraphenuitb Telelphondiallst <m 15. d. ein Vorschuß ans die Erfolgpränli-LN ausbezahlt werde. Hierauf fand eine Sitzung der Lsttrauensmänner der Technischen Union statt, der auch die Vertrall-ensmänner der Betriebe in den Bü-llideMndern anwohnten, in der die Vorschläge der Regierung mitgeteilt wurden. Lar österreichische Makmomtsi. Pläne des Italieners Aliprandi? Der Präsident des Reichsvevbanbes der Trafikantenversine Oesterreichs, Edmund Löffler, veröffentlicht eine Mitteilung, wonach der italienische Tabaksachverständige Aliprandi den Versuch beabsichtige, das öst-creichis-che Tabaknonopal Italien zu verschaffen...In seinem Gutachten an den Völkerbund habe Aliprandi geraten, die Preise der Rauchwaren in Oester, reich zu erhöhen und de-n Zigarrenverbrauch ei rausch ranken. Er spricht von Interessen/ die sich deS Dalbakmonopvls bemächtigen wollen, und'sägt, Italien werde diesem Spiel nicht tatl-os Züschen dürfen, zumal es-selbst Tabäkproduzent ist und-ein so naher McM, wo Wer lll Millionen Kilogramm.verbraucht werden^ die italienischen TabManern nicht gleichgültig lassen könne. Die österreichische Monopolverwaltung täte gut daran, den billigen, wenn auch .minderwertigen irali«wischen Tabak'an Stelle des vorzüglichen, über kostspieligeren bulgarischen Tabaks einzukGfen. Löffler meint, wem» die. leitenden Männer der österreichischen Tabak« nionopolleitung '. wirklich so. unklug 'sein sollten, allen Ratschlägen des italienischen Begutachters zu folgen, würde sich nur allzubald ein riesiger Konfumvückgang mit gänzlichem Bevfall der TabMevschleißgeschäfte - einst-ellerr. Da aber ein Umstellen auf italienisch« Verhältnisse nicht'so schnellmöglich - wäre', wie der momentäw eintretende- Verfall der österreichischen TaWregie, wäre der Moment gekommen, wo der italienische-Begutachter darauf Hinweisen -könnte, daß die Leitung des österreichischen TäbäkmouoPolS unfähig sei, Fabrikation und Verschleiß richtig zu.Dhron, weshalb-' eben andere tüchtigere Männer des Auslandes an ihre Stelle zu treten halben. ' Das ,^Journal des De-bats" mach« übrigens der italienischen Regierung.bereits das Prioritä t Srecht aufdas' österreichische Tabakmonopol streitig und betone, daß--Frankreich mchr Anspruch auf..das österreichische Tabak-- mouopol habe als Italien. Tagesbericht. Ser erste Weltkongreß der Wischen Stndentenschast. Antwerpen, 5. Mai. (I. %. A.) Deün Kongreß' der' Studenttuschaft kommen unaufhörl-ich aus allen Teilen der Welt Begvühungstelsgramme zu; unter diesen- Begrüßungen sind noch zu erwähnen: Professor Weizmanu, Nahum 2o kolow,die Universität in Jerusalem,, die Jüdische Na-tiünalbibliochÄ in Jerrffal-em,. der. Jüdische Nattonälrat in Litauen, die B'nai B'rith ln Wien, -der belgische Minister für Kunst und Wissenschaft Rolf, der Vizepräsident des belgischen Senats La.Iontai.ne, der Gouverneur von Antwerpen, der Rektor der-Universität Lüttich, das Oberrabbi-nat in Jugoslawien, das -belgische OberraAbmat, Homitato Jtaliano del assisteiM agli immigranti Ebrei in Florenz, kcrtholffche Srudenrenvereinigung in Genf. , In Bsgmn des zweiten Sitzungstages ergriff der Vorsitzende des Komitees der internationalen Universität im Völkerbunde Dr. Otelet das Wort. Er teilte mit, daß mehr als 20 Universiiäten in verschiedenen Län-dem diesem i-nternationale-n Komitee an gehören und begrüßte den Kongreß der Studentenschaft eines Volkes, welches im eigenen Lande eine neue Kultur schaffen will. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß die Mische Studentenischaft einen Perir.'ter in das Komitee , der internationalen. Universität delegieren werde. Sodann sprach in Vertretung des European Student Relief in Genf Herr- Konrad Hoffman«, welcher aus das Mische Elend in. Rußland, das er. jetzt mit eigenen Augen gaschen habe, hinwies und der Hoffnung Ausdruck gab, daß an der Verbrüderung der Studenten aus allen Ländern auch die Mische Studentenschaft teilnchmen werde. Hierauf erfolgte die Wahl -des Präsidiums. ES wurden gewählt«: Levit (Deutschland), Lev in Dolen), Kolba n (O-est'ervnch), Grünberg (Belgien), Jochelfohn <Lvktlaitd), Brey.mann (Oesterreich), Lauterbach (England). . Zn Beginn des dritten SitzungStageS verlas ein- Vertreter der Studentenschaft aus Ungarn eine Erklärung, in der es ‘ unter anderem -heißt, daß die ungarische Delegation - den Wie««« Morgenzejtimg. y ....■ '7. M« H9Si ... - Ste/my Bom 4. bis 11. Mai 1924 ES stehen nur noch vier Arbeitstage zur - Verfügung. Nützet sie, damit der Erfolg für Wlüstina günstig ist. OefferiMche Datirsagung der Oesterreichifchen Keren Hajessod-Kommisslon an die Nachstehenden Frauen und Männer, welche bis nun . während der- Palästina-Woche mit aufopferndster Hingabe und mit großem Erfolge tätig waren: Herr und Frau Zausmer, .Herr Lehrer Schwertfrnger (2. Bezirk), - Herr Bruno Rabinowikz^ (3. Bezirk), Herr Markus Bartseld (Pratersprengel), . Herr Bezirksrat Moritz Kohn (6, Bezirk), . - Frau R-ebekkq Weiner (9. Bezirk), Herr Moritz NiweS (29. Bezirk), Herr S. Präger (.FloridMors). Die Versammlung im Cafe Siker. Im Rahmen der Palästina-Woche fand gestern eine schr gut besuchte Versammlung im Cafe Siller statt, bei der Frau Anitta Müller-Cohen, Oberbaurat Stricker Herr. Ludwig Dato sprachen. Zunächst führte Herr Bato aus, daß in den letzten dreißig Jahren aus den Juden eine bewußte Ration geworden ist. Der größere Teil des Weges-- der opferfordernde, liegt aber, noch vor uns: der Anfbam Palä- - stmas, zu dem jeder sein Bäftes gchen muß. Hierauf h'iel-t' Frau Anitta' Müller-Cohen eine ihrer zündenden aufrusartigen' Ansprachen: Das Leben'der PalDinenser ist ein großes Opfer für unser Land — und" sie empfinden ei nicht als Opfer, sondern als, Freude. So mögen wir unsere wahrlich gerinWgtgen' Geldopfer schon gar nicht als. Opfer bezeichnen, selbst wenn sie unS-wchetun. " ' Nach-Entgegennahme"der Zeichnungen für den Keren". Hajeffod ergriff- Ing. Stricker.'das Wort.. In geistvoller' Art' legte «.-dar, -daß" Zionismus-naH der PäfföürÄekläräiivnnicht mehr' Ansichtssache,' sondern ö ö l l b r a ch t"e Tat such«' i AntffemitiKmus in 'Ungarn. äls . vö rü.vtr-gehende Gr«. - scheinung betrachtet, welche dem /gesunden Ve.rstand und dem liberalen Sinn der ungarischen Bevölkerung weichen. wird. Die ungarischm Delegiert-eu fiühlon sich nicht als Zionisten und Wunen deshalb nicht an einem Kongreß teilnchmen', dessen überwiegende Michchcht zionistisch gssinnt ist. Darauf verläßt -die ungarische Delegation ' den Kongreß. - Sodann ergriff der Vorsitzende.der Jüdischen WelchiffSkonserenz Leo Motzkin daS Wvrt zu einer Ansprache an den Kongreß, in der er betonte, , daß dieser Kongreß, der .auf dem / Selbsterhaltungstrieb der jüdischen Jugend geboren ist, eine Nottv«ch>igkeit fei. „Die unS umgebend Welt" — ftchr der Redner fort — „strebt danach,' die. Mische Jugend aus'.der Welt des Geistes, aus den Reihen der Intellektuellen hinauSzudrängen. Die Jüdische Welthiffskonferenz hat sich stärchig bemW, -«. jüdischen Studentenschaft. in ihrer schlechten ma-teprellen Lage zu Hilfe zu kommen, dyS jüdische Bott hat jedoch noch nicht daS.richtige Verständnis für die. Nöte der Mischen Jugend^ Pie jüdische Welt glaubt, daß die Zahl der Wischen. Intellektuellen eine zu große sei. . Ich halte dafür, daß diese Meinungen falsch sind. Wir haben unS das Bott bis zum heutigen Tag nur deshalb erhalten können, weil wir immer ein Voll deS Geistes gewesen . sind. Die Zahl der jüdischen' Intellektuellen darf nicht eingeschränkt werden. Wir müsien nach Mitteln suchen, den jüdffchen Studenten aus seiner jetzigen schlechten Lage herauszubringen, damit er sich entwickeln kann." Mit dem Wunsche, daß' der Kongreß fruchtbringende Arbeit leisten möge,, schloß der Redner seine mit rauschendem Beifall aufgenommenen Ausführungen. : ••••.. Die Verhandlungen des Kongresses ziehen , sich durch gewisse innere Schwierigkeiten in die Länge. Diese liegen darin,' daß nicht nur Delegierte aus verschiedenen Ländern arttvesend sind, die naturgemäß in ihrem Temperament und in ihren Ansichten über'die Ziele des Weltverbändes verschiedene Auffassungen vertreten, sondern daß auch die pol'itische Zugehörigkeit zu den versihiedenen Parteien des'Juden- ' tums der Gegenwart — aus'dem Kongreß sind, die .Wischen Nationalen Parteien verschiedener ^chatttemstgelr, Zionisten, sozialistlsche Zionisten, ferner Buüdisten, Anhänger der. Orchodoxte u. a. vertreten — die Hindurch ein'er hWögenen, allen. AUschauungen gerecht werdenden Meinung" erschwert, '' Doch kaM .g«Me.'.-ürA,' ^rD'tiM^ AisSslPrache^ v.iÄ'..gi-'.' lefftet werdcm und sich dadurch sozusagen ein PBMiz 'für'.die' Mglichkeit eines gesam-tMilschen WeltkpngresseS.evgelbsn. Der'-' Sttldontenkongveß fft -jä -eigMich - ein solcher"^ attMlscher" WMongreß im kleinen. Wie er seiner wichtigen Ausgabe ent-' üdre^bs-- wvrd^ werden die weiteren Vetbaudlunäe«' reiäe«. : ist. Wer heute seine Pflicht dem jüdischen' Botte und dem jüdischen Lande gegenüber nicht erfüllt, ist im moralischen Sinne .als Hochverräter zu bezeichnen. Dieses Bswußffein!den hiesigen Juden wachzurufen, ist Zweck der Palästina-Woche. . Die Redner wurden stürmisch bejubelt. Der Zeichnunoscrfolg war ein günstiger. Sie nrkchften VeraNstaltungen Heute Mittwoch, 8 Uhr abends: 2. Bezirk: Feftsaal des Hotel Contittental. Redner: Dr. Josef Löwenherz, Dr. Otto Adeles, Rabbiner Dr. Feuchtwang, Leo. Sendrowrtz. ' - 3. Bezirk: Vortragssaal Cafe Lovrana, Löwengassc 36. Redner: Dr. Rudolf Schwarz-Hiller, Adolf Böhm, Dr. Martin RosenMth. 4. u u b 5: Bezirk: Saal . des Terrassen- ResLauLüuts, o. Bez., Margaretenplatz. - Redner: Dr. Desider Friedmann, Vizepräsident der Israelitischen Knltltsgemeinde, Prof. Artur Freud, Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). . 18. Bezirk: Roter Saal, Türkenschanzpark. Redner: Rabbiner Dr. David Feuchtwang, .Erna Patak, Dr. David Rothblum. 2 0 . B ezir!: Wallensteinfäle, Wallen stein- ' straße 72. Redner: Oberbanrat Stricker, Dr. Waldmann, Dr: Löwenherz, M. D. Groß (Misrachi). Morgen Donnerstag, 8 Uhr abends: i 9. Bezirk: Saal der- Bezirksvertretung, Gemciuvc-- Haus, 9. Bez., Wahringerstraße. Redner: Dr. Isidor Schallt, Anitta Müller-Cohen, Dr. Nahum Blauer. : 10. und 41..Bezirk: Bauers Eichensäle, 10. Bez.,- Favoritenstraße 71. Redner: Frau Anitta Müller-Cohen, 'Lckerbaurat- Jnss. Stricker, Dr, M. Nosenblüth. 12. bis 16. Bezirk: Bottragssaal Herklotzgasse 21. -Äedner: Dr. Desider Friedman», Vizepräsident dev IsraMi--' scheu KultuSgemeinde, Erna Patak, Dr. - I. H. Kpttiek, Präsident der Häkocch. .*■ . ■ '' lö. Bezirk: Saal des Bethausvereines, ^18.;99^:1 „ ReiÄgvfse 33. Redner: Löwenherz, David Nebenzähl. . . . : mmmmmmmmmmmmmsaäammamummHmmBsmmm&immiBmm Vom WWW Die nachsicheulden Anekdoten sind dem soebeu- ' ' ' m KommisliMsvevlag bei' Ruidoff Lechiier ir. Sohn, Wien, 1. Bez., erschienenen Büchlein von Hermann B lumentyal „Die besten Mischen Anekdoten" ' . -: . (Perlen des Humors) entnommen, das, mit einer UmschbaWeichrmug von llriel Birnbaum geschmückt, «ine Anzahl trefflicher, treffsicherer jüdi-. schtt Anekdoten'und Spässe enthält. Valuten. Gm Kcmfmanln,. der keinsn guten. Ruf . hat,, kommt zn>n'. Bankier Luidmerier in Lembepg und will BEnjen kaufen. . . " „Könmn.Ei« mir.SOv Schwerer Franken geben?" fta'gt er. „Ich.Hab' nicht," ettvidert der Bankier... \. _ „Dann gcken Sie . mir, bitte, 100 Dollar," sagt der Ka-ufm-ann. - . . . . „Ich Hab' mcht," wiedecholt der- Baukier. „Sie haben nicht,".' sagt der Kaufmann nachdenklich.' „Dann bitte ich um 30 englische Pfunds" „Ich Hab' nicht? '- . „Sie. haben boine Franken, Sie haben keine Dollar und auch keine Pfund," -ruft 'der Kaufmann verwundert. „Was denn hckben Sie?" „Ich hob' Moi-ve" (Angst), meint der Bankier ge« Die Nacht. -Zwei Juden sitzen eines Nachts im B«thau§ dein: Talimcd sindimn. Da stürzen zwei. Kosaken herein,. rauben ihnen -den Dal-mndfolianten und einen Polster und dilctt davon. Bestürzt sitzen .die beiden da und endlich spricht der eine: „Wir -waren gerade bei der Stelle, -wo zwr>i.Rabbis dar- Mer streiten,, wozu:Gott die Mcht geschaffen..hat.- .Der erste mpmt: l - Die Nacht ist zum Studium der heiligen Schrift geschaffen. —. Der zsveite hingegen..Vertritt den Standpunkt, daß die. Nacht zum Schliafen da fei. - Ich frage euch mn: Welcher- Ansicht Wietzen sich die Kos-aken an? Giuld sie dafür, daß die. Mcht zum Studium da sei, warum stahlen sie Ms-das heilige Buch? Vertreten sie aber -die Meinung, daß die Nacht zum Schl'afen da ist, warum nahmen sie uns dann den Pol-ster?" v „Die Sache ist ganz einfach," erwidert der.andere. „Der. eine Kosak schließt sich der Ansicht des Rabbi an, baß die, Nacht . zum Lernen da ist, darum raubte, er uns' den Polster.' Der zweit« wiederum billigt den Standpunkt des andren Rabbi, daß mau bei Mcht schlafen svll^ deshalb nchm er nttL das Puch."'.' ’ Lohn. .. ©i.n Soffer (Thoraschrerber), der sechs kleine Ki-isder. zu-W . haltenhat, erl-cd!-gt für den Rabbi alle schriftlichen. Arbeiten, ohne"das verein bä rie' Hönovclr M erhalte»'.

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