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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-07 · Heft 1877 (7.5.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1877 (7.5.1924)
Date
1924-05-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ErnzeinmuTner K1200 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleisstelle (Trafikl monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u, Oesterr. monatl. K 35.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3*/s Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr ankr», Belgien: Mon. Frcs. 12 MF* Na«h*ahluojr«n *MI bei PreiierbShunjren Vorbehalten Nk. 1877 ■mm Wien. Mittwoch 7. Mai 1924 Po!en:poln.Mk.350.00G Italien: Monatl. 12 Lire Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion n. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6Uhr abds. 19-483,25-282 IX. Unlversltätsstr. 6—8 (Druckerei Sieinmann) Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 WWWWWWDWWWWWI 6. Mrsans Koalition oder Neuwahlen. Die Schwierigkeiten der MehrhettMdung in \ (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 6. Mar. Ans Regierungskveisen erhalt Ahr 'Korrespond-emt die folgenden A-eußerun-gen, aus welchen erkennbar ist, daß die am Sonntag vorgenommenen Wahlen eigentlich ohne pösrtive's politisches Resultat geblieben sind: * „Die Radikalisierung der Walhlevmassen in Deutschland läßt sich angesichts der Wahlresultate nicht leugnen. Sie ist jedoch bei weitem nicht so groß, als man im Ausland angenommen hatte. Es stimmten/ was den ,/Ruck nach links", betrifft, die ehemaligen Anhänger des linken sozialdemokratischen Flügels kommunistisch, was angesichts der kleinbürgerlichen Einstellung der deutschen Mehrheit'ssozialdemokraten keineswegs wundernehmen kann und wahrscheinlich eine Mäßigung in den Reihen der Komnmnfften Zur Folge haben wird. Der „Ruck nach rechts" wurde zwar von großen Massen mitgemacht, aber nicht, wie ntait gefürchtet hatte, bis zu den Hitlerischen Deutschvölkischen, sondern Mr bis zu den Deutschnationalen, deren Einstellung zu den einzelnen aktuellen Fragen besonders seit dem Tode Helfferichs recht schwankend ist. Da die alte Koalition der Mtteliparteien arithmetisch unmöglich geworden ist, dürfte zunächst eine R e ch t s r e g i e r u n g mit den Deutsch-nationalen als Hauptstütze in Betracht kommen. Diese ist jedoch nur möglich, wenn die Deutschnationalen, wie sie es ja knapp vor den Wahlen zugesagt haben, das Ächverständigengutachten annehrmn und Mch.--ftMtPoWsch kalen Kurs rinschlagen. Ein ^atlAmentatischtr ' Putsch", wie er von manchen Seiten befürchtet wurde, erscheint ausgeschlossen. SÄlten die Deutschnationalen sich nicht dazu bequemen, Wasser in ihren Wein zu tun, dann käme sehr wohl eine Koalition der Mittelparteien mit de« Sozialdemokraten in Betracht. Da jedoch bei Annahme des Sachverständigengutachtens eine Verfassungsänderung notig wäre (die Eisenbahnen sind versaffungsgemäß Staatseigentum und sollen nach dem Sachverständigengutachten privatisiert werden), da ferner auch eine Linkskoalition die zur Verfassungsänderung notige - Zweidritkeil» Mehrheit nicht ausbringen könnte, muß immerhin mit der Möglichkeit baldiger Neuwahlen gerechnet werden. Entscheidend für all dies dürfte auch der Ausgang der Sonntag stattsindenderr ftanzösische« Wahlen sein. Die neue deutsche Regierung wird deshalb wahrscheinlich nicht heute oder morgen gebildet wevderr." In Bayern wieder: Ausnahmezustand. München, 6. Mai. (Wolff.) Da's Ministerium des Innern weist darauf hin, daß mit 4. de die Wirkungsdauer der Verordnung vom 29. Februar zur Sicherung der Wahl^reiheit ab gelaufen ist und daß also nunmehr die bis zum Inkrafttreten dieser Verordnung gültigen Bestimmungen des Ausnahmezustandes wieder ins Leben getreten sind. Unter anderem bleiben politische Versammlungen unter freiem Himmel verboten. Ebenso wird da's grundsätzliche Verbot der kommunistischen Partei und der völkischen Organisationen des Kampsbundes wieder uneingeschränkt durchgeführt. „Eine neue Komplikation." Prag, 6. Mai. ,/Venkov", das Organ des M'mistevpräsidenten, fchveiibt: Me Antwort des deutschen Volkes auf den Sachverständigenbericht ist s e h r unklar. Die deutsche Sphynx hat nicht gesprochen. Die deutsche Wahl bedeutet für den Frieden Europas ein e ueueKomplikatiou, mit der die Verbündeten bei der Lösung der ReParationSfrage ernstlich zu rechnen, halben werden.' Auch das Urteil der offiziösen „Prager Presse" geht dahin, däß dir Wahlen keine Klärung der deutschen Berhältnisse i gebracht haben. Doch wird ein endgültiges Urteil über die deutschen Wahlen erst gestattet sein, wenn man die Folgen in Frankreich kennen lernen wird. Die Schuld der AMiertep. London, 6. Mai. (Wolff.). „Ääih. News" sch re ibenr Während der verganMw Ms.'Jyhte.'-sei die Bewegung der deutschen Politik nach den extremen Richtungen hin die logische und direkte Folge der alliierten P o li t i k in 'Mitteleuropa geiwesen. Solange Deutschland nicht, ein wirklich souveräner Staat sei, werde d ie Tende nz seines a politischen Lebens immer von der Klugheit seiner vormaligen Feinde entschieden werden. Die Mehrheit für die Sachverständigenberichte. London, 6. Mai. Wie das Reutevsche Bureau erfährt, werdein Verantwortlichen Londoner Kreisen erwartet, daß die deutsche Regierung die für die Annahme der Sachverständigenberichte durch den Reichstag notwendige Unterstützung der Deutschnationalen erhalten werde. Die Wühlen im besetzten Gebiet. i Paris, 6. Mai. Der „Matin" hebt hervor, daß in d en besetz te n Gebie te n die Anhänger der Revancheidee nicht den erwarteten Erfolg zu verzeichnen hatten. .Darin liege die Antwort an jene, die die französisch-belgische .Besatzung als tyrannisch angefochten haben. . 29 MiMonen Stimmen, 471 Mandate. Berlin, 6.Mai. (Wolff.) Vorläufiges amtlichesWahl- ^eMbnis: Es haben'erhalten: Mehcheitssozialisten 6,973.770 Stimmen (100 Man- - ZMMn^M9.023 M' " ‘ deutsche VoKspartei 2,642.843 (44), deutschnationale Volkspartei 5,766.609 (96), t, Demokraten 1,657.461 (28), ,| bayrische VMpartei 941.982 (16), Kommunisten 3,712.001 (62), bayrischer Bauernbund 683.093 (10), Deutsch-Hannoveraner 318.451 (5), Unabhängige Sozialisten 240.172 (kein Mandat), Bund der Geusen 58.880, Christlichsoziale 124.800, deutsche Arbeituchmerpartei 36.130, deutschsoziale Partei 338.356 (4), . -, freiwirtschaftlicher Bund 36.122, i Häusser-Bund 23.828, 5 Landliste 568.288 (9), v nationale Freiheitspartei 59.788, nationale Minderheiten 133.026, Partei der Mieter 46.975, republikanische Partei 45.775, sozialer Bund 26.607, deutschvöMsche Freiheitspartei 1,917.578 (32), bayrischer Mittelbund 5681, «ischer Block 9439, wirtschaftliche Gruppe 1847. Insgesamt 29,257.116 gültige Stimmen. Die Zahl der Mandate -beträgt 471. Die Stellungnahme der Rerchsregievung. Berlin, 6. Mai. In der heutigen Besprechung des Reichskabinetts teilte der Reichsminister des Innern mit, daß die a m t l i che n W a h l e r g e b n i s s e nicht vor dem 16. d. zu erwarten seien. Das Reichskabinett wird auf jeden Fall bis zum Zusammentritt des - Reichstages im Amt bleiben. Bor den Wahlen in Frankreich'. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) , Paris, 6' Mai. Für die Kammerwahl am Sonntag den 11.- d. - kandidieren 2754 Personen auf . 428 Listen, DüM sind' nur 684 Ätze in der kommenden Kammer zu vergebens da-..die"Zcchl^der -Abgeordneten,' die bisher 6Ä6 betrug, herabgesetzt würde. DieHahll der - Kammerkändidaten für' Paris unddessen Bannmeile beträgt 564 für 56 Sitze, die Paris und Umgebung in der Kammer -haben. Das' macht fast 10 Kandidaten füreinen Sitz. Zn eigener Sache. In der „Wiener Morgenzeitung" ist vor einigen Wochen unter dem Titel „Der Journalist als gewerbsmäßiger'Kuppler" ein von mir verfaßter Artikel erschienen,, in welchem ich' gegen das unwürdige, auf Gechgewinn gerichtete kupplerische Treiben zweier Redakteure der Wiener Zeitungen „Der Tag", „Der.Morgen" und „Götz von B e r l i ch i n g e n" Stellung nahm. Diese Redakteure hatten eine Wochenschrift für Erotik „Er und Sie", herausgegeben, in deren Inseratenteil Personen jeden Mers, darunter auch S e ch z e h n j ä h r i g e unter Angabe ihres Mers sich gegen Bezahlung für die Befriedigung jeglichen Geschllechtsgennsses anboten. Die Herausgeber machten , ein glänzendes Geschäft. Ich forderte in meinem Artikel den Eigentümer und den. Chefredakteur der obgenannten Blätter und ' auch die Standesvertretung der.Wiener . Journalisten auf,, gegen das Treiben dieser beiden Schädlinge öffentlich Stellung zu nehmen. Ich betonte hierbei auch, daß eine Stellungnahme auch im j ü dis ch e n I n t e r e s s e . geboten sei, da die Geldgeber, Verantwortlichen Leiter und Mitarbeiter der Matter, bei welchen die Herausgeber von „Er und Sie" arbeiten, Juden sind. Es müsse der Behauptung der antisemitischen Parteien und Zeitungen, daß Juden die Förderer der Schmutzjournalistik sind, rechtzeitig und. eindeutig entgegengetreten werden. Die Antwort seitens, der in meinem Artikel Angerusenen . blieb -aus. Nach einigen Tagen erschienen die offiziellen Vertreter der Standesorganisaüon der Wiener Journalisten, die Herren Redakteure. Zappler und F o r st, bei mir..Sie teilten mrr mit, .daß die Zeitschrift „Er und Sie" nicht mehr erscheinen werde, daß gegen deren Herausgeber Bettaue-r seitens -der Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Kuppelei erhoben und überdies ein - chrenrätliches ' Verfahren bei der Joürnalistenorg-ani'sätion anhängig sei.' Sie appellierten an mein nlenschliches- Empfinden, baten mich, Bettauers Existenz zu-schonen und bis zur Erledigung der anhängigen Bewahren keine neuen Angriffe zu unternehmen. Ich erklärte, daß ich an der persönlichen Schädigung Bettauers, den ich überhaupt nicht kenne, kein Interesse habe, und daß ich bereit sei, bis zur Austragung des gerichtlichen und chrenrätlichen Verfahrens in der Angelegenheit zu schweigen, falls ich nicht von Bettauers oder anderer Seite durch Angriffe und Entstellungen zu Aeüßerungen gezwungen würde. Die Herren nahmen dies dankend zur Kenntnis. ¥ Die Antwort aus meine Zusage erfolgte bald. Wenige Tage später erschien eine Broschüre Bettauers, in welcher ich als Reaktionär, „zionistischer Hakenkreuzler" usw.'beschimpft wurde. Der „Götz von Berlichingen" brachte meine Karikatur a.ls „Minjenmann I s i d o r S t r i ck e r" zusammen mit Pfaffen, Wucherjuden und Kerzelweibern. Ich wurde als Sittenschnüssler, Psaffenknecht und Denunziant verhöhnt. Die „Wiener Morgenzeitung" und ich haben dieses feige und freche Vorgehen unbeanüvortet gelassen, da es uns um die Sache selbst, nicht aber um die herzlich leichte persönliche Abfertigung der KupplergeseNschast ging. Die „Wiener Morgenzeitung" hat lediglich noch einmal zur Angelegenheit Stellung genommen. Als eine Schweizer Tageszeitung, das „Luzerner Tageblatt", anLnüPfend an den Bettauer-Skandal einen vernichtenden Artikel über die Wiener Journalistik brachte — „Wiener Pressesumps" war er betitelt —, druckte die „Wiener Morgenzeitung" diesen Artikel auszugsweise ab und knüpfte, lediglich die Bemerkung, daran, daß durch die Duldung und Förderung der KuPPlerjorrrnalisten die Wiener Journalistik ihr Ansehen eingebüßt haj.. Auf diese Bemerkung ist nun in dem Wiener Montagsblatte „Der Morgen", dessen Eigentümer und Herausgeber, Herr Maximilian Schreier, gleichzeitig Chefredakteur'des „Tag" und „Götz von Berlichin-gen" ist, im Fr-agekasten folgende Antwort erschienen: " „Ehrlicher Zionist. Während alle anderen Moralprodiger sich damit zufriedengeben, daß das Erscheinen von - „Er nnd Sie" eingestellt wuirde, fühlt sich die. „Wiener Morgenzeitung" immer-von neuem bemüßigt, auf den Fall; zurüchnk-ommen.. Nicht etwa, als ob sie damit ein ethisches i Bedürfnis'.befriedigen wollte, nein, bloß um ihre Rachgier i zu stillen. Alle anderen Blätter, die manchmal sogar in ' ziemlich heftiger Weise ihre Abneigung gegen diese pnblizrftische Erscheinung kundgaben, haben sich mit ihrem Verschwinden begnügt-und niemand ging so weit als der Sittlichkeitsapostel ' des zionistischen Organs, der . in echt alttestamentarischer Weise'Sühne-bis ins vierte Glied fordert. Sein ^22739

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