Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1875 (5.5.1924)
- Date
- 1924-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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tlBzeImimnierK1200 Wien! ZfettnfÄbhoIen in dev Expedition, lLTaborstr.1-3, oder in eiben Verüehleisitillo (Trafik) monatl. K 35.000 StrassenverVauf in Wien durch i die Kolporteure der Firma Gdldschmiedt, I. Ber., . Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oeaterr. monatl. K 85.000 Tachech o-S 1 owa k ei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 31/» Zloty, Deutschland: Mon. Goidmark 4, F r a n k r., Belgien; Mon. Fres. 12 rener ^V-rV* Poi8n.*poln,Hk.S50^000 Italien: Monatl. 12 Lire Rumani e n Mon. 130Lei, Bulgarien Mon.B0 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration >■ Wien, II^Taborstrassel—-3 Telephone: 44-0-38j43»3-19, : ah 6 Uhr abds.19^483^25-282 IX. Unlversitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmatin ’ WV N«ehxahlunjen bei Prafaerhohtingen Vorbehalten Oesterreiehisehes Ppslspar * kas«en-Konto Nr. 1501698 Nr. 1875 Wien. MoMag. 5. M1924 Fahrgans Ruhiger Verlauf der deutschen Watzleiu —. MM Mißerfolg der Berlin, 6. Mai. Unter ungeheuerer Beteiligung der Bevölkerung, die stellenweie 80 Pis 85'Prozent erreichte, ist der gestrige Wahltag in Deutschland im großen und ganzen sehr ruhig verlaufen. Es ist nirgends zu. größeren Zusammenstößen gekommen. Die überaus große Zersplitterung der wahlwerbenden Parteien gestaltet die Feststellung des Endergebnisses überaus kompliziert, so. daß dis . heute früh nur vereinzelte Ergebnisse vorliegen, die noch kein abschließendes Urteil über den Ausgang der Wahlen zulassen. Betrachtet man aber die Teilresultate, so laßt sich, zumal diese aus wichtigen Städten vorliegen, deutlich ein Ruck nach rechts /eststellen, wobei aber gleich zu bemerken ist, daß die H i tlerianer nicht nur im Reiche, sondern in ihrer Stammburg Bayern sehr schlecht ab geschnitten haben. Das Reich hat sie zumeist abgelehnt, in Bäyern und in der Pfalz habende den bei den Landtagswahlen eroberten Besitz st andnicht zuwahren vermocht, im Gegenteil, Verl u st e bis zu 25 P r o z e n t erlitten. Am besten abgeschnitten, haben die Deutschnationaleu, die wahrscheinlich als stärkste Partei in.den neuen Reichstag einziehsn wird. Ihr Erfolg wird sich nicht nur in der kommenden Regierung, sondern sicherlich auch bei der b e vor stehe nde n Reichspräsid e-nte nw ah l ausdrucken. . . ' 7 Kleinere Erfolge können auch die Demo!rateu verzeichnen. Einbuße aus Kosten der Kommunisten Erlitten, die Sozi ald emokrat en, einen vol l st 8 n di ge n Zusammenbruch haben die Nationalliberalen zu verzeichnen. Die zum ersten Male kandidierende republikanische Partei konnte keinen Erfolg erzielen. Nach allem zeigt sich schon jetzt, daß der neue Reichstag zwar eine Radikalisierung erfahren hat, daß er aber seiner Zusammensetzung nach die Politik der Erfüllung bedeutet. Ob er aber auf die Dauer regierungsfähig sein wird, wird schon heute, am ersten Tage nach den Wahlen, vielfach bezweifelt. , Nachstehend die bisherigen Wahlergebnisse: Das Berliner Ergebnis. Berlin, 11 Uhr 2V. Deutsch nationale 117.000, Nationalliberale 3300, Deutsche Volkspartei 37.900, Völkische 20.000, Deutschsoziale 17.000, Wirtschaftspartei. 18.000, Demokraten 47.000, Sozialdemokraten 107.000, Kommunisten 98.000, Republikaner 3100, Unabhängige Sozialisten 16.000. Leipzig. Leipzig, 6. Mai. Es erhielten: die Deutschnationalen 6400 Stimmen, die deutsche Volks- Partei 9100, die Sozialisten 15.000, die K o mmunisten 7600, die Deutschvölkischen 5000 und die D e m o k r a t e n 3300 Stimmen. iw jiuuw; Hamburg. Es verzeichnen: Deutschnationale 76.000, deutsche Volkspartei 47.000, Völkische 22.000, D e Mo k r at e n 49.000, Soz ia l d emok r a t e n 109.000 und Kommun ist en 66.000 Stimmen. Dresden. Dresden, 6. Mai. Die bisherigen Teilresultate ergaben großen Stimmenzuwachs für die Sozialdemok r a t e n. Sie erhielten 30.600 Stimmen. Die Deutschnationalen erhielten 16.200, die d e u t s ch e V o l k spartei 14.000, die Deutschvölkischen 5800, die D e m o k r a t en 9600 und die K o m m u n i st en 8600 Stimmen. München. München, 5. Mm. Die ersten Teilresultate lassen einen bedeutenden Stimmenzuwachs der Deutschnationalen erkennen. Sie erreichten das Mer- bis . Fünffache ihrer bisherigen Stimmenzahl. Mainz. Mainz, 5. Mai. Gesamtergebnis der Wahlen: Sozialdemokraten 13.090, Demokraten 3363, Deutsche Volkspartei 4419, Deutscher und Vaterländischer Block 2511, Völkischsoz. Block 463, Bund der Geusen 467, Häutzerbund 55, Wirtschaftspartei 62, Kommunisten 4053: " ,. Bremen. ';■,/'/';/■/.: Bremen, 5. Mai. Nach den bisherigen Teilresultaten (ungefähr ein Fünftel) entfielen auf die Deutschnätiönalen 2300, die deutsche Volkspartei 3900, die Deutschvölkischen 1900, die Demokraten 3000, die Sozialdemokraten 10.000 und die Kommunisten 4200 Stimmen. Die bisherige WahMbeGcht. Berlin, 5. Mai. Bis heute 6 Uhr früh liegen aus 22 Wahlkreisen vorläufige Resultate vor. danach sind insgesamt 246 Kandidaten als gewählt zu betrachten. Die Sozialdemokraten erhielten bisher 58, die Deutschnationalen 42, das Zentrum 39, die Kommunisten 33, die Deutsche Bolkspartei 25, die D e m o k r a t e n 12 Mandate. Der Rest entfallt auf die verschiedenen völkischen und die Landbündler. Gewählt sind bisher vom Zentrum: Reichskanzler Marx, Spahn, Dr. Wirth und Fehrenbach. Von der deutschen Volkspartei: Stresemann. Von den DentschvLMschen: L n d e n d o r f f, F r i ck und Gräfe. Bon den Sozialdemokraten: Wels, Hilferding, Bernstein, Crispien. Bon den Dentschnationalen: Graf Westarp, Fürst B i s m a r ü, Professor H ö t s ch. Von den Demokraten: Dernburg, Siemens, Frau Dr. B 8 u m e r. Bon den Kommunisten: Rem meleund Frau Ruth- Fischer. Weitere Mandate sind unter anderen gesichert für die Deutschnationalen Tirpitz und Dryander, für die Sozialdemokraten David, Scheidemann, für den Kommunisten Fröhlich, für die Demokraten Bernst einun- Schücking. Mn volittsches Attentat in Berlin. Berlin, 4. Mai. (Wolfs.) Gegen den Führer der hiesigen Ortsgruppe der deutschen Volkspartei, , Zahnarzt Dr. Richard Faltz, der in der letzten Zeit vielfach in Versammlungen als Referent und Gegen-vedner aufgetretsn war, ist heute mittags anscheinend aus politischen Motiven ein Revolverattentat verübt worden. Dr. Faltz blieb unverletzt. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden. Blutige Krawalle in Kowno. Ein Polizeibeamter getötet, zwölf Polizeileute verwundet.. Paris, 3. Mai. (Havas.) Nach einer Meldung: der „Daily Mail" aus Koiwnostnd dort bei einem Zusammenstoß der Gehilfe des Polizeipräsetten getö t e t und. z w ö l f Polizeileute sowie zwanzig Arbeiter verwundet worden. Unfall bei einer franrösische» Wähler- Versammlung. Paris, 4. Mai. In Tavbes stürzte der Fußboden unter einer Wählerversammlnng mit 250 Personen ein. Acht Personen wurden mehr oder minder schwer verletzt. Wirtschaftliche Blackade gegen Deutschland? London, 4. Mai. (Havas.) Unter Vorbehalt wird gemeldet, dast Win auf englischer Seite eine allsallige wirtschaftliche Blockade Deutschlands unter die Kontrolle des ' Völkerbundes gestellt sehen möchte, j: Auf belgischer Seite soll man gegen eine solche Auf- < sassung sein, Generalstteil m AigeutMm ■ Buenos-Aires, 4: Mai. ga n z Ä"rg e n tWie n ist der Ge ne ralstr e i$ proklamiert worden. Ms Mt; befinden sich 100.000 A r.ib'ei t e r i m .Streik.IM' Hafen von Buenos-Aires sind 80,Schiffe str1Pg'd..l'.tz'stt/'. "' Der'Generalstreik ist aus Anläße des neuen Pen-. fionsgesetzes entstanden, das die Leistung.der Bei-/ träge ausschließlich den Arb-eitcrn überläßt. , , ’// v v. Auf einen Schnellzug aus. dem Süden ist gestern eine.^ Bo m be geworfen worden. V ier Re i se n d e wurden * v e rle tzt. Die Bö rse ist.g e schl osse n. In Bu e n o s-, Ai re's find die meisten HandclHäUser gesperrt, ' .... ' .1 8in Bombenattentat in Konstantinopel, i Paris, 4. Mai. (Havas.) iWe die Blätter aüs -Kon-.' stantinopel melden, ist dort in einem' Automobil, 'eine Bombe explodiert, wodurch zwei Personen getötet und zwei ■ andere schwer verletzt wurden. - . ' Der Setzerstreik in Budapest beendet. Budapest, 4. Mai. Der Streik im Buchdruckergewerlx ist heute' beigelegt worden.- Morgen früh wird^ -die 'Arbeit Wreder aufgenommen. Auch.die Tagesblätter können iwidder/ erscheinen, nachdem der Minister des Innern das Verbot , des Erscheinens, periodischer Preßerszeugmsse nunmehr/zü-i? rückgezogen hat. , : - ' Die ßnthMmg der Büste des Pro- Mt 8odl. / - Gestern vormittags wurde im Arkadenhpf der UnWH»'. 'Mi >cS ^rofc^^0r§ Dr. Friedrich Ml heit -des Bllndespräsidenten Haimsch von PröfessoD uüd Mlreichen Anhängern Jodls in feierlicher Weise entpüllt. ... Prof. Dr. Reiniger hielt die Gedenkrede, in^ der er'. Jodl Äs Forscher, Ethiker und Vertreter der f r e i.e'n. .G e-.' danke n r i ch t u n g feierte ' und darauf verwies, daß semer- Ueberzeugung unerschütterlich auch dann. AusdruckE/gab^. wenn Konflikte deshalb zu erwarten waren. Jeder, iher/chrch im Leben nahetrat, hÄ einest werwollen unvergeßlichen C»E druck davongetragen. Im Jahre 1896 wurde Prof.. Jodl, an die Wiener Universität berufen, am 26. Jänner 19)14: räffte der Tod den Fünfundsechzigijährigen dahin. Pros. Dr. Wettstein erwähnte, daß an -den Hochschulen jetzt Mangel an solchen Persönlichkeiten herrsche, wie sie Professor IM gewesen, ein Mangel, der Vielleicht der Hochschnlorganisation zur Last falle, und besprach'sodann JMs hervorragendes Wirken für das' Wiener Volksbildungs- Wesen, das diesem wirkiMgsvollsten Redner der Wiener Uni-' versität viel zu verdanken habe. Jodls didaktischen/ Erfolge hatten vor allem darin ihre Ursache, daß' er, sobald er aus Mm' Kcühed-er stand, begeistert war und die Begeisterung seiner Zu- > Hörer zu erwecken wußte. Er war einer der populärsten Pro- , fessoren, dem noch heute die Lielbe und Anhänglichkeit seiner, Schüler gehört. Deren Liebe und Treue hat ihm Ersatz geboten für manches, was die Regievung des Staates untersagen zu müssen glaubte. Cr war ein u n a b h ä n g i g e r F o r s ch e r in g e i sti g e r und poiliti scher Beziehung. Wenn man heute oft davon'spricht, daß Freiheit und Fortschritt .an der Universität nicht mehr bestehen, so sei dies vielleicht darauf zurückzuführen, daß die Kämpfe der poli--. rischen Parteien an den Pforten der. Universität nicht Halt gemacht haben. Nach werteren Ansprachen übernahm der Rektor die Büste in die Obhut der Universität, womit die Feier ihr. Ende fand. Der ästemichische Tuberkulosetag. Am 3. und 4. d. M. fand in den Räumen der. Gesell-- schaft der.Aerzte der sechste österre-ichische Tubcrkulosetag. statt. Der erste Teil der Tagung beschäftigte sich ausschließlich mit. wissenschastlichen, der Erforschung der. Tuber-, kulose dienenden Themen. Professor W e i cha r d t (Erlangen) und Professor Sorgo (Wien) behandelten die Frage der Proteinkörpertherapie/bei Tuberkulosen., Ist. der. NächmrttagGtzung besprachen Professor P f an n d l e r (München) und Professor Weinb.erger .(Wien) die äußerst schwierige Frage, der. Diagnosenstellung bei kindlicher Tuberkulose, beziehungsweise Tuberkulose bei. Erwachsenen. ' .. , / .Der zweite Tag - brachte die EröGlimigs-. ansprache Professor Durigs. Ausgehend von der an sich erfreulichen. Tatsache, daß die Sterblichkeit un Tuberkulose d er zeit im Rückgang ist, .gah er