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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-30 · Heft 1870 (30.4.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1870 (30.4.1924)
Date
1924-04-30
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Wiener MorMnzettnntz. « 30. AM IM. m. MG VaumwollmaM. S!«W»BorK» 38. April. Baumwüllznfuhren in.den atlatü. und Golfhäsen 17.000, im Simern 4000, Ausftchr nach Großbritannien 8000. nach dem Kontinent'1000. Lokalmarkt middlina: 29.80 (letzt. Kurs 30:50). Tendenz i Gut behauptet. — Terminer Avril —. Mat - 29.45, Juni Juli 27.78, - August 27.-.' September 24.95. Oktober 24.19, November —Dezember 23.60. Jänner 23.32 Februar März 23.40. - Beniner Börse. Berlin, 26. April. Da m Anregung^ günstiger Art an der Börse nicht Vorlagen, ist die Erholung der Kurse nur von kurzer Dauer gerochen. Instste der ungeklärten Verhältnisse ersoWe-n heute auf verschiedenen Gebieten wieder Gladtstellungen, die teils angEch für einige Firmen im Reiche und teils infolge erschöpfter Deckungen für diverse Kredite vorgenommen wurden. Die Kursbildung war daher vorwiegend nach unten gerichtet, dock) erreichten die Kursverluste nur bei wenigen Papieren 2 Billionen Prozent. WerschiÄ>sntlich setzten sich die Kurserholungen fort. Das Geschäft war wieder äußerst still. Aus dem Geldmärkte hat sich so gut wie nichts geändert. Auch auf dem Devisenmärkte sind die Anforderungen weiter MtÄckgcgarMn. (Alles in Billtonen von Mark.) Schlußknrse: Türkische Lose 19.62, £ eiten. Staatsbabn 28.—, Nordd.' Llovd 4.4. Ver. Elbeschiffahrt 2.1. Berliner Handelsgesellschaft 26.—, Kommerz. Privatbank 3.75, Darmstädter Bank 6.12, Deutsche Bank 7.87, DtSkonto- Kommandit 8.1, Dresdner Bank 4.9. Rationalbank für Deutschland —, Oesterr. Kredit 0.475, Oesterr. Liinderbank —, Reicksbank 21.5, Wiener Bankverein 0.276. Wr. Unionbank 0.325. Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft 7.5. Bochumer Gußstahl 36.25, Daimler Motoren 2.7, Deutsch-Luxemburger 30.75, Deutsche Maschinen 4.75. Dynamit Nobel 4.37, Felten u. Guilleaume 18.5, Gelsenkirchener Berg. 34.6, Tb. Goldschmidt 9.1, Harpener Bergbau 44.5, Hirsch Kupfer 24.25, Höchster Farben 9.5. Hohenlohe-Werke 17.—, Laurabütte 7.75, Mannesmannröbren 23.5, Phönix Bergbau 19 3, Schnckert n. Co. 25.6, Siemens u. Halske 31.5. Telephon Berliner 3.—, Dollarschatzanweisungen 80.75. Budaveftrr Börse. Budapest, 29. April. Me heute bekanntgewovdeue Zahlungseinstellung einer Bankfirma übte auf den Markt einen ungünstigen Eindruck aus. Der Verkehr bewegte sich während des ganzen Verlaufes, in den engsten Grenzen. Da auch aus Wien keine AnreMngen Vorlagen, hatten schon kleinere Berkauss-austräge größere Verluste zur Folge. Die Kurse schlugen bis just Schlüsse eine rückläufige Kursbisidung ein. Die Einbußen betrugen bis zu 5 Prozent. In dicken Papieren kam es überhaupt zu keinen Abschlüssen. Die Börse schloß zu den tiefsten Tageskursen. Wochengeld stellte sich aNf 1 Prozent. (Alles in Tausenden von Kronen.) Schlußkurse: Britisch-Ung. Bank 76.—, Ung.Kredit 670, Oesterr. Kredit 227, Salgo Kohlen 728, Rimamuranyer 143, Südbahn 94.—, Staatsbabn 580.—. Anglobänk —. Gran- Szaszvarer 460, OLerung. Berg- Hütten 610.—, Drasche- Ziegel 310, Ung. allg. Kohlen 3450. Urikany Kohlen 1000, Koburg Spodium 248,'Clotilde Lem. Fabrik 93, Ung. Eisenbahnverkehr —, Bereich Holz —, SIK- 1 Prager Börse. Prag, 29. April. Die Rückgänge an der gestrigen Wiener Börse wiÄten nachteilig ans 'den heutigen Verkehr ein. Die schon in den letzten Tagen bedeutend herabgesetzten Notierungen wurden heute durch lokale und Aribitvageverkäufe sowie Abgaben aus freier Hand weiter in Mitleidenschaft gezogen. Infolge des Geldmangels können die Banken keine Interventionskäufe durchfuhren. Auch im späteren Verlause kam es auf keinem Gebiete zu einer Echolung und die schwache Stimmung blieb bis zum Schlüsse bestehen. Heimische Banken gäben zuyr Tckle nach, die Wiener um etwa 5 Prozent. Auls dem Indnstrieäktiemtrarkte stellten sich Zucker-, Eisen-, Textil« nutz chemische Werte niedriger. In der Kulisse waren die Kurse geichsalls überwiegend tiefer. Der Amagemarkt ' verkehr« ruhig, nur Kr StaatZpapiere Machte sich bei geringem AlMo» bot einiges Interesse bemerkbar. Die NotieruNMn blieben jedoch in der Mehrzahl unverändert, nur die' Züterlung wurde etwas eingeschränkt. Auf dem Exoteumarkte überwog wechaM eine rückläufige Kursgestalknng.' Namentlich Bulgare» 4 WS SchönPviesewr gaben nach. Der Schluß war schwach. Schlußkurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —.—, Böhm. Unionbank 445.—, Böhm. EsstmpteLm^ M.—, Böhm. Jndustrialbank 425.—, Zivnostenska Banka 409.50, Anglobänk 124.60, Oesterr. Kredit 89.—, Wiener Umonbank 82.50, Wiener Bankverein 65.75, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A —, Sit. B —, Ferdinands-Pordbahn 6000.—, Prag-Duxer 175.—, Ausfig-Teplitzer Eisenbahn ——, Nestomitzer Zuckerindustrie 1520.—, Bereinigte Elektrizität Wien 125.—, Brosche 1095.—, Koliner Spiritus 1042.—; KLnigShvfer Zement 1000.—, Breitfeld-Danek 491.—, Rtnghoffer 675.—, Simmeringer 113.-, Rotbkosteletzer Textil 818.-, Alpine Montan 243-, Poldihütte 260.-, Prager Eisen 929.-, Oesterr- Berg n. Hütten 2240.—, Skoda 578.—, Jntvtlld 248.—. Ae LEukmse. Zürich» 29. April. (Devisenkurse von 1215 Uhr. — Von der Schweizerischen Kreditanstalt mitgeteilte Mittelknrse.) Berlin pro Milliarde (-.-), Holland 209.50 (209.60), New-York 562.60 (563.-), London 24.65 (24.72), Paris 36.30 (86.50), Mailand 25.15 (25.20), Brüssel 31.— (81.—), Kopenhagen 94.50 (94.50), Stockholm 148.- (148.50), Christians« 77.60 (78.50), Madrid 77.50 (77.75), Buenos Aires 184.- (184.-). Prag 16.50 (16.55), Budapest 0.0074 (0.0075), Bukarest 2.90 (2.95), Belgrad 7.05 (7.02‘/s), Sofia 4.15 (4.12), Warschau Wien 0.007925 (0.007950). Berlin, 29. April. (Devisenkurse.) (In Goldmark Kr 100 Einheiten mit Ausnahme von Buenos,New-Aork, London,Japan und Rio Kr 1 Einheit, Wien und Budapest Kr 100.000 Einheiten.) Amsterdam 157.11 (156.41), Belgien 2314 (33.44), Christiania 58.10 (68.25), Kopenbagen 70.52 (70.52), Stockholm 110.47 (110.47), Italien 18.75 (18.75), London 18.406 (18.466), Retv-Nork 4.19 (4.19), Paris 27.23 (27.43), Schweiz 74.61 (74.61), Spanien 57.95 (57.95), Wien 6.98 (5.98), Prag 12.46 (12.46), Budapest 5.38 (6.28), Sofia 3.09 (3.09), Belgrad 5.38 (5.28). Berlin, 29. April. (Notenkurse.) (In Goldmark Kr 100 Einheiten mit Ausnahme von Dollar und PKud Kr 1 Einheit, öfterreichische Kr 100.000 Einheiten und polnische Kr 1 Million Ein- Helten.) — Noten: Dollar 4.19 (4.19), Pftmd 18.40 (18.40), Italienische 18.85 (19.20), Oesterreichlsche 5.98 (6.03), Polnische 4.885 (4.46), TscheKo-slowattsche 12.86 (12.86). ' Budapest, 29. April. (Kurse der Devisenzentrale.) . — . Amsterdam 30.700 bis 31.600, Bukarest 420.— bis 440 —, Kopenhagen 13.850bis 14.260,Christiania 11.350 bis 11.700.Londo»361.6« > bis 371.600, Berlin bis —Italien 3690.- bis 3800.-, Paris 5320.- bis 5480.-, Prag 2420.- bis 2490.-, Stockholm 21.700 bis 22.350, Zürich 14.670 bis15.070, Wie» 1.1680 bis 1.195V, Sofia 605.— bis 625.-, Agram 1030.-bis 1065.-, New-Nor! 82.450 bis 84.750, Warschau bis—.—, Brüssel 4540.- biS 4680.-. . . Prag, 29. April. (Devisenkurs». — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-flowakischen Finanzministeriums.) — Berlin») 8.05 (7.89), Zürich 605.50 (606.25), Park 224.25 (226.50), London 149.30 (149.80), New-Yorj! 34.05 (34.10), Belgrad 43.37»/, (43.06). Bukarest 17.60' (17.70), Men 4.76 (4.85»/,), Warschaus) 3.42 (3.44), Agram—.—<—.—), Budapest 4.07V, (4.10), Jugoflawsschti 43.25 (43.—), Oesterreichlsche gestempelte Krone 4.80 (4.82), Polnisches) 2.90 (2.90), Ungarische 4.05 (4.05). , *) Pro Billion, s) pro Million. Agram, 29. April. (Devisen.) Wien 0.1139. bis — Berlin bis —. Budapest 0.11 bis —.—, Bukarest 42.50 bis Italien 359.90 bis —London 354.- bis New-York 80.62»/, bis Paris 516.75 BIS Praxi 237.60 bis Sofia bis Schweiz 1427.- bis —, Brüssel bis —, Warschau —bis — Amsterdam 3017.50 bis Stockholm bis VoKe 8.. mvt, MW-q "" Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitun^.) Das Auslandsgeschäft stand teilweise mit unter dem Einöruck der F-rankenspeknlation. Es wurden größere Partien, wie insbesondere Zinkweiß Md Lithopone von schwachen Hände« auf den Markt geworfen, um sie flüssig zu machen; dies drückte naturgemäß auf den Preis. In Deutschland notieren verschiedene Metallfarben billiger als im sonstigen AuSlande. Blei ist, ebenfalls stark zurückgegangen, dennoch konnten sich die Bleiprodnkte, Bie Bleimennige und Bleiglätte, im Preise halten. In Schwefelsäure ist großes Ausgebot auf dem Hamburger Markte, der Konsum nimmt Mt genügend Mengen auf; der Preis ist weiterhin zurüayegangen. Salzsäure ist ebenfalls reichlich angeboten, hingegen hat die Nachfrage nach Salmiak und Schwefel» natriuu:, insbesondere Schwefelnatrimn krist. angehalten. so daß die Preise etwas anziehen konnten. Aetznatron wmde auf 32 Man ftgnko Verbraucherstation, ermäßigt. Der gestrige Verkehr an der Warenbörse gestaltete sich ruhig, in der Tendenz sind jedoch merkliche Veränderungen nicht zu verzeichnen. In. C b e m i t a l i e n wurden a u.s gebot e n: Französisches Harz W. W. zu 6900 K., Aaaa zu 7700 K., Schellack T. N. zu 104.000 K., Uttum zu 115.000 K.. Schwefelnatrimn 60/62 konz. zu 4600 K., Stearin in Tafeln zu 17.600 K., Karnaubawachs fettgrau zu 38.000 K. Alles tranfit Men ferner Aetznatron 128/30 zu 15.500 K. Wien- Minium Bleiberger zu 13.500 K., Naphthalin Schuppen weiß in Säcken zu 6100 ft., inländisches T o r p e n t i n ö l zu 27.000 K., russisches zu 17.500 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangte laut Art. 311 des H.-G.-B. 1 Waggon Bittersalz in Säcken zu 820 K. tranfit Hassan. Oele und Fette. Bis auf S ch w e i n e f e ist (nordamerik.) pure lard in Kisten, welcher Artikel um 200 K. billiger zu 22.600 K. ausgeboten wurde, blieben Presse aller Gattungen auf unverändertem Stande. Kolonialwaren und Lebensmittel. Kaffee. Tee und Gewürze erlösten letzte Presse. Inländischer Kakao befestigte sich um 1500 K. auf 33.500 K. Italienischer Reis erfuhr eine Erhöhung von 50 bis 100 K., Splentor kt notiert 7250 K., 6s 7000 K. Zucker bröckelte um 5 Punkte ab. Kristall notiert 3.75 sschech. K., Würfel 3.95 sschech.-ft.^ ab Grenze, aLLager Wien blieben die Preise unverändert, Kristall notiert 10.900 K, Würfel 11.600 K. Lekwar 1923 schwächte sich um 200 K. auf 9100 K. ab. Zum öffentlichen Verkaufe gelangten 1 Waggon Orangen (havariert) zu 25.000.000 sowie 53.000 Stück französische Fahrradsspeichen zu 16,000.000 K. tranfit Wien. Zunr öffentlichen Verkaufe gelangen heute am 30. d. um 12 Uhr Briefmarkensammlung und Schmuck sowie am 2. d. um °»1 Uhr 186 Paar div. Herren- und Damenschuhe. Biehmörkte in St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung") Borstenviehmarkt. Angemeldet wurden Kr ittt gestrigen Markt 3786 Schweine, allein zu Beginn desselben waren bloß 3306 Stück, darunter 1922 Fleisch- und 1314 Fettschweine, aufgetriebeu. Der Provenienz nach waren 18 inländische, 281 ungarssche. 449 jugoslawische, 694 polnische, 431 dänische und 1533 niederländische. Bei wesentlich verminderter ZuKhr sind Fettschweine gegenüber der Vorwoche um 2500 bis 3000 K., Fleischschweine um 3000 K. und mindere Qualitäten um noch mehr pro Kilogramm gestiegen. Es notierte«: Fettschweine vrima 24.000 bis 25.000 K., extrem 25.500 K., holländische Fettschweine prima bis 26.000 K.. mittelschwer» 23.500 bis 24.500 K., Bauernschweine 23.000 bis 25.000 K., alte Schweine 22.000 bis 23.000 K., alte dänische 18.000 bis 19.000 K. und Fleischschweine 23.000 bis 25.500 K. (—.— ft.) und polnische bis 26.000 pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferdemarkt. Zum gestrigen Markte wurden insgesamt 331 Schlachter-, darunter 211 ans dem Kontumazmarkte, und 340 Gebrauchspferde, gebracht. Bei flauem Verkehr notierten: Zugpferde leichte 4,000.000 bis 12,000.000 K., schwere 6,000.000 btt 17.000.000 K., Kutschpferde 4,000.000 bis 12,000.000 K., Pftrde Kr Schlachtzwecke 7000 bis 13.500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Copyrigth by 1923 Nachdruck verbot««. Deuisch-Oesterreickiicher Verlag, Wie». 82. Fortsetzung. Die Heimatlosen. Von Wilma Vukelich. Und der Ekel würgte ihn. Er, der schweigsam gewesen bisher, er wurde nun stumm. Sern Gram fand keine Worte, hatte kein Ventil. Keiner verstand ihn. Er selbst verstand sich am wenigsten. Er 'haßte sich selbst und verabscheute die Schmach seines Lebens. Aber er ivar gekettet an diese Schmach und suchte sie immer wieder auf, mit dem krankhasietr Wüten der letzten Seb'bstvernichtung. Er ließ sich von den Lieb'ha^bern seiwr Geliebten verhöhnen, beleidigen. Von ihr selber ließ er sich ins Gesicht lachen. Ja, die Schmach tat ihm wohl. Seine Sehnisucht nach Schönheit und Reinheit schien erloschen, verkehrt irr ihr Gegenteil. Alles, wofür er gebebt, schien wesenlos geworden. Er -haßte seine Bücher, er floh die Öffenbarungen der Kunst. Denn er haßte sich selber fo tief, daß er trachtete, diese Utzte Heiligkeit vor der Berührung mit seinem besudelten Ich Fn bewahren. Und er suchte alles aus, was seine Erniedrigung, seinen Selbsthohn verschärfte. Er labte und berauschte sich daran wie an >gallenbitierem Wermut. Und es gab keine .Hilf-e. Denn Abend um Abend schürte Jolan das Feuer an mit ihrem niederträchtigen Lachen^ mit ihren.unflätigen Liedern, mit jenen frechen GeNrden, die sie den Männern hmwars wie einen Brocken, um dm sich dann alle balgten. Tibor aber träumte von seiner kleinen Fren-ndm, derer» Augen blau gewesen wie -der blaue Himmel über ihnen. Und deren Küsst süßer waren als die Beeren,, bis sich rundeten. Aber auch des Traumes vergaß er schließlich. Vergaß jener Jolan, die einmal ihm gehört 'hatte, ihm allein. Und war der Knecht jener anderen, die jedermann gehörte. Und dies war das Ende von allenr. Für Lydia brachte die Sommevsa-ison nette Toiletten /iud nette Jlluücnett. Es kam Marienbad, der Semmering mit Mama und PaPa. Kam ein entzückender Flirt mit einem goldigen^ Aeinen Leutnant, dem Lydia Seinesweg^s widerstehen konnte. Denn er ivar rosa, blond, 'wie ans dem Ei geschält, und selbst bis über die Ohren in Lydia verliebt. Es. kam e-ine ernste Angelegenheit hinzu, die sogar sehr ernst war. Utrd die machte namentlich Mama und Papa viel Kopfzerbrechen. Lydia weniger. Das war nämlich.eine Glanzpartie aus der Hautefinanoe, und Mama sagte 'händeringend, so was werde sich niemals wieder bieten. So eine Familie! Solch ein Reichtum! Alles beisammen was sich wünschen läßt: das Auto und da's Palais auf -der Andrassystraße. Und diese Diskretion, diese Feinheit im Auftreten! Lydia war gerade tom der Diskretion des Auftretens weniger entzückt, aber sie mußte eingestehen, >datz da nichts, aber auch gar nichts auszusetzen war, und Ehemänner ha'ben schließlich nicht die Aufgabe, amüsant zu sein. Also Lydia -woMe und wollte nicht. Der Leutnant 'war zu süß! Aber die Partie drängte auf Entscheidung. Schließ-- lich war man sich zu gut für ein Uantgcg Hin- und Herziehen. Papa und Mama erschraken furchtbar. Diesmal ging es ums Ganze. Auch sie waren es müde, Lydia von Ball zu Ball zu schleppen. Nnd sie versprachen ihr goldene Berge: sie malten die Zultzunft aus mit rosigsten Farben. Darauf verstand sich Mama. Ja, sie richtete für Lydia ein kleines Feenparadies ein, ewas.Noch-nicht-Dagelvestnes. Sie 'beschrieb die Reisen und die Jours, die Toiletten und <ba§ ganze Drum und Dran mit einer Jokcvischen Phantasie, wbbeib sie die Brieftasche des kkünftigen Schwiegrvsohn>es keines-wegs schonte. Lydia wehrte sich flau. Me war wirklich nicht mehr die alte Lydia. Indessen ging auch -der Ueine Leutnant furioso vor und sprach von Duell und Selbstmord, von Entführung und 'heimlicher Trauung. Und das fand Lydia doch noch viel amüsanter. Ms aber der Leutnant HKüvgsfcchren war -in ferne kleine siebenbürgische Garnison und der Sommer sich seinem Ende zuneigte, da übevkam Lydia die richtige Katzenjämmerstmrmnng. und sie sagte ja. Harastzti Arpad war ein Mann von Geschinack, der ^nichts Kr das: lärmende Schauspiel einer Galahochzeit übrig hatte. Und Lydia konnte es kaum glauben, daß sie nnn wir-klich die Gattin ArPadZ ivcir, nachdem die 'kleine Zeremonie am Standesamte so sang- und klanglos, ver-' laufen war, der Mbald die stille Trauung in der Basilika folig-te. Denn Arpad sagte, es -wäre bei weitem vornehmer, Aufsehen stder Art zu vermeiden. Und er , sagte, ein paar Ges-chästsfreun'de und ein Paar Freunde vom Turf, kti' Graf Reichenstein und der kleine Moritz von Dreher, ^daswäre alles, was nötig sei, und hatte darauf be!stau>den, daß! Lydia-acht Tage vor der Trauung zum KatholtziSmus übertrete, wie er selber das schon vor vielen Jahren getan habe, 'denn er sei das seiner Stellung schuldig. Und schließlich, was war dabei-? War sie überhaupt sturals ei-m richtige Jüdin gewesen? Nun also! Und auch das ivar sang- und klanglos verlausen —. obwohl es Lydia immerhin ein-bißchen kalt über den Rücken gelaufen ivar und sich allerlei stntimentäle Gedanken urÄ Träume einstellen w-ollten. Daniel. . . und der Kummer, den er empfinden würde . . . Dann äber dachte sie: Nun gerade! Was ging sie Daniel an und sein dummes Juden-' turnt, das ihm lieber war als sie selbst? Und sie war fast -froh, daß sie nun sicher war vor so iiberspannten Ideen, denen man ein ganzes Äebettsglück, uubedenlklich aUfoPstrt. Denn erstens gab sich Arpad.überhaupt nicht mit Ideen ab, zweitens schämte er sich seines Judentmtr's st intensiv, daß er peinNchst bestrebt war, auch! die unschuldigste Erinnerung -daran zu zerstören.-Schau als Bräutigam ivüuschte er, daß Lydia ihren Freundeskreis auf - das Notweudigstte einfchränkte. Dafür führte er sie in vornehm-christliche Kreist ein, die völlig einwandfrei lmrett-, das mußte Lydia selber sagen. Nur nicht 'immer sehr mu'üisant. Im-Gegenteil! Uebevhaupt die Frauen! Und sich immer mir ■ eine Ehre aus den anderen macherr — vahei kann mcut doch kaum auf feine Kosten kommen! ' Die Ho-chz-eitsreist im Automolbil an der Seite Arpads war auch uur ein-müßiger Genuß. Paris hätte schon was sein köuMN, -wenn man allein dort gewesen ivare. Oder miit rtetten Lmtetr. Die wie sie das pvogvanmrlost^ Btt'tunteltti geliebt hätten und die Uebervctschuugeu, die denr Master -en-twuchsen. Aber so als „Grande datne",. uu Arpads Seite, gedämpft, diskret, wortlos? War das ans-' Jühalteu? - , (Fortsttztuig

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