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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-28 · Heft 1868 (28.4.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1868 (28.4.1924)
Date
1924-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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linniiflvmiBgrK120& Wien: Zum Abholen in der Expedition, HLTaborstr.l-S, oder in einer Verschleisstelle (Trafik)' monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien dfirch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt.I.Bez., WoNreNe 11. Mit Postvers&nd für Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Tseheeho-Slowakei: Mon, K18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60..P ölen. Mon. 3‘/t Zloty, Deutsehland: Mon. Goldmark 4, F rankr., Belgien: Mon. Frei. 12 IV Naabjahlaaf««/Hl bei 'PieteaMmam* veibehutM Wiener tm Sr. 1868 Wie». Montag. 28. AM 1924 Italien: Monatl.!2 Uro Rumänien Mon. 130 Lei Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, IL, Taborstrasse 1—8 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 19-483,25-282 IX. Unlverslt$ts8tr.6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Poatspar* kaaaen-Konto - Nr. 150.698 6. Jahrgang Kompromiß in der Santtionsfrage. — Auflegung der Soldmarkauleihe am 1. Funi. Paris. 38. April. (Tel. der .HZiener MorgenzeiLung".) In informierten Äteife« wird, wie „New York Gerald" zu melden weiß, erklärt, daß in der Santtionsfrage ein Kompromiß bevorfiehe. Frankreich werde ans die Annahme eines von vornherein feststehenden Sanktionsplanes verzichte«, behAt fich jedoch seine Aktionssreiheitim Falle neuer Berfehluntzen DonstchlandS vor. I« diesem Falle würde es ihm überlassen fein, allein oder mit de« übrigen Alliierten Me Ruhr von neuem zu besetzen. Unter diesen Umstünden hält man es für möglich, de« Plan Da wes sofort durchzuführen und den ersten Teil der Anleihe im Betrage von 200 Millionen Goldmark zmrrl. Juni zur Zeichnung aufznlegen. Leutschlandr BerSSndigungswille. «Ni Wahlred« Dr. Mar?. D«IseS>»rf, L7. April. R-lchslanMr Dr. Marx sprach heute in einer von wehr als 5000 Personen besuchten Wählerdermnmlung der Zentrumspartei. Der Reichskanzler, der als Spitzenkandidat aufgestellt ist, äußerte sich in eingehenden Ausführungen über die Grundlagen und die Forderungen der ZmtrnmSpartei. In antzenpolitscher Hinsicht betonte der Reichskanzler den W i l l e n D e n t f ch l a n d S zu einer Verständigung zu gelangen. .Dr. Stresemann über das Gutachten. Breslau, 87. April. In'einer zahlreich besuchten Versammlung sprach Reichsminister des Aenßem Dr. Stresemann über die durch das Gutachten der Sachverständigen hervorgerufenen Lage. Er erklärte, wenn auch das deutsche Volk dmch feinen am 4. Mai zu wählenden Reichstag durchaus das letzte Wort zu sprechen habe, sei es schon heute klar, daß es, wie es ja auch der Reichsverband der Industrie ausgesprochen habe, im deutschen Interesse liege, den endlich beschrittenm Weg der Losung aus der Grundlage der wirtschaftlichen Vernunft und Einsicht zu gehen, wenn Deutschland die Sicherheit habe, daß seine wirtschaftlich« und finanzielle Souveränität einschließlich per deutschen Verwaltungshoheit im ganzen deutschen Reichsgebiet wiederhergestellt und die Einheit der Reichsbahnen gewährleistet sowie de« Ausgewiefenen die Rückkehr in die Heimat wiedergegeben werde. Abschluß einer DokarMeihe. Berlin, 26. April. Me der „Lokalanzeiger" aus New- Aork meldet, haben die Banken von New-York, Bost o n und C h i k a g o die Verhandlungen für die Gewährung eines Kredits von 5 Millionen Dollar an die deutsche Golddiskontbank abgeschlossen. Später soll der Kredit Ms 60 Millionen erhöht werden. Morgan in London. Paris, 27. April. „Petit Parisien" meldet, datz M«rgan nach London abgereist sei, um mit den Bankiers der City Besprechungen abzuhalten. „New-York Gerald" meldet, Morgan habe erklärt, amerikanische Finanßlente würden fich an der . 8 00 Milli o ney-Go ldmar kau lei he in bedeutendem Mäße beteiligen^ WÄm sich die Alliierten und Deutschland Über die D u r ch f L h r u n g des Sachverständigenplanes einigen. Re antisemitische Einheitsfront zertrümmert. Me die Korespondenz Herwei erfahrt, beabsichtigt Abgeordneter Dr. Jerzabek seine Stelle als Obmann des Antisemitenbundes zurückzulegen. Hierzu wird der genannten Korrespondenz von antisemitischer Seite noch folgendes rnitgeteilt: Der bevorstehende Rücktritt des Abgeordneten Dr. Jerzabek von der Obmannstelle des AntisemitenLundes, in welchem alle antisemitischen Parteien vertreten sind, ist auf die Quertreibereien der Nationalsozialisten zurückzuführen. __ Mutiger Zusammenstoß zmflche» Kommunisten und MMsche» in Berüu. Berlür, 28. Aprll. (Del. d. „Wr. Movgentzeitung".) Bei einer Versammlung der Deutschvölk-ischen kam es gestern zu blutigen Schlägereien und Kämpfen. Kommunisten lauerten in großen Trupps den mit Hitler-Abzeichen -versehemn BersammlungZ!teilwhmern aus. Bei den Raufereien wurden, etwa 40 Personen verletzt. Nach der Versammlung kam es dann noch zu blutigen Zusammenstößen, wobei mehrere Personen durch Messerstiche verwundet wurden. Erst durch Eingreifen der Schutzpo l rze i konüte die Ruhe Wiederhergestellt werden. Lie " "" Valuta soll gestützt werden. Stockholm, 27. April. (Wolff.) Nach „Svenska Dagbladet" verhandelt die Schwedische Reichsb a n k mit amerikanischen Banken zwecks Ausnahme eimr A n l.e i h e von 6 Milliarden Dollar, die im Bedarfsfälle zur Stützung der schwedischen Valuta diewn soll» Lar Karpeutm-Lawuled-Voxmatch abgesagt. Schlechtes Wetter oder schlechte Kasseneinnahmen. Der Carpentier-Townleh-Boxkampf hat geistern nicht stattgefunden, da die Arrangeure die Veranstaltung mit Rücksicht aus das schlechte Wetter verschoben -haben. Von anderer Seite wird erklärt, daß ihnen das zweifelhafte Wetter sehr gelegen kam, da angesichts öer hohen Eintrittspreise viele Karten noch nicht verkauft sind. Der Zutritt in die Arena wurde niemandem gestattet, nur einige französische Matrosen, die am Abend wieder Weiterreisen mußten und als Ersatz für das erwartete Boxmatch wenigstens den Kampfplatz besichtigen wollten, wurden eingelassen. Angesichts solcher Bevorzugung,/murrte" das übrige Volk, aber schli-eßlich beruhigten sich die Neugierigen wieder und zerstreuten sich. Der Boxring, der am Samstag nach der behördlichen Kommissionierung noch ein wenig erhöht worden, war, um von allen Plätzen aus gute „Sicht" zu ermöglichen, war abgetragen. Die Veranstalter werden sich heute darüber entscheiden, an welchem Tag der Woche das große Boxmeeting ausgetvagen werden soll. In erster Linie kommen der nächste Samstag oder Sonntag in Betracht. Einige wenige Ziffern des Budgets beleuchten am besten das Gigantische des Arrangements. Die Gesamtkosten der Veranstaltung können auf 4,8 Milliarden geschätzt werden. Gegen 2 Milliarden machen allein die Kampsbörsen für die teilnehmenden Boxer aus. Mehr als die Hälfte davon, so heißt es wenigstens, soll in Earpentiers Tasche, beziehungsweise in die seines Managers fließen. Der Gegner CarPentierS soll gegen 400 Millionen Gage bekommen. Der Rest verteilt sich auf die übrigen Kämpfer, deren kleinste Börse 20 Millionen beträgt. Die Errichtung des Podiums auf der Hohen Warte hat über 700 Millionen Kronen verschlungen. Die Miete für die Hohe Warte selbst, die Kosten der großen Plakatreklame, die Lustbarkeitssteuer, die Spesen für den Aufenthalt der Boxer im Hotel usw, erfordern gleichfalls riesige Summen. Hochsness gegen die Aerztekammer. Prof. Dr. Hochenegg veröffentlicht heute einen o ffe ne n Bri ef an die Aerzte, der eine scharfe Stellungnahme gegen die Aerztekammer enthält. Er erklärt, daß er umsonst auf das von der AerztekomnK gegen ihn gefällte Urteil -warte und teilt dann das Gutachten einer Fachgruppe an die Aerztekammer mit, das besagt: Was die Hauptfrage betrifft, ob ordinierende Aerzte von Fachärzten einen erheblichen Anteil vom Honorar als Provision gefordert haben, respektive ob -Fachärzte durch Anerbieten von Provisionen Aerzte zur Zuweisung Von Patienten veranlaßt haben, so muß die Fachgruppe gestehen, daß sie erst ans dem Schreiben vom 1. März zur Kenntnis nehmen konnte, daß dem Hausarzt ein Fünftel (20 Prozent) des QPerationShonorars als rechtmäßige' Forderung,,zuzuerkkennen ist, ferner jede über diese Summe bis' zu einer gar nicht festgesetzten -oberen Grenze erfolgte Zuweisung durch Leistungen besonderer Art begründet sein müsse, ohne daß diese nicht im geringsten näher qualifizierte Leistung aber als Provision aufßrrfassen sei. Abgesehen davon, daß diese -uns ganz unbekannten Auffassungen nicht Grundlage des bi'shevigm Vorgehens gewesen sein konnten, lassen sie jede Exaktheit vermissen und sind'in ihrer Dehnbarkeit und Unklarheit geradezu geeignet, unlauteres Vorgehen zu decke n. Als Regel kann heute -gelten: Bis vor 15 Jahren . waren es in unserem Fache seltene Ausnahm'sfälle, wenn einem ordiniereniden Arzt von seiten des Operateurs ein Teil des Opevationsbetrages zugewiesen, respektive '.von letzterem beansprucht wurde. Kamen solche Fälle vereinzelt vor, so wurden sie als unkorrekt enip-fun-den und beurt-M. ' In immer fortschreitendem Maße aber entwickelte sich aus einem Usus einzelner ein Gewohnheitsrecht der Mehrheit und heute ist der Brauch so sehr verallgemeinert, daß sich ihm kaum ein Facharzt ohne Gefährdung ferner eigensten Interessen entziehen kann.' Dem ursprünglichen treibenden Motiv kann hier nicht nachjghMNgen werden. Heute ■ besteht ganz. allgemein die? GepstöUn- - heit, daß ein Drittel bis eine Hälfte des Operationshonorares gefordert und' ge-' währt wird, jedenfalls immer eine die obengenannte Grenze von einem Fünftel weit übersteigende Summe. Erst einige Zeit später, aber in zunehmender Häufigkeit,' sehen wir, daß derselbe Anspruch in gleicher Höhe bei Konsiliarhonoraren, ja selbst bei Be handln ngshonpraren erhoben undwohlauchgewährtwird. Es gehört wahrlich ein hoher Grad von Mut der Aerztekammer -dazu, nach einer solchen Abfuhr durch eine große wichtige Fachgruppe zu behaupten und zu publizieren, daß ,M vernommenen Zeugen über-' ein stimmend bestätigen, daß Forderungen von Aerzten nach einer Beteiligung am Konsiliavhonvrar so selten sind, daß sie nur als Ausnahmsfälle zu werten sind." Wer die Verlautbarung der - Aerztekammer Mit ' einigem Verständnis liest, wird trotz aller Berklausulievungen eher eine Bestätigung als ein« Wiederlegung meiner Worte darin findend Ich muß der Kammer das Zeugnis aussiellen, daß sie sich von allem Amsang an, sobald sie sich einmal nur ein bißchen von de-m Schreck über -meine Enthüllungen erholt hatte, sofort an die Arbeit gemacht hat, mich Lügen zu strafen. Ihr emfige's Getue erforderte viel Zeit. Ich bin -der Kammer für ihre wochenlange Gründlichkeit ungemein -dankbar. Es wurde auf diese Weise dem Publikum und den Aerzten, die ich nicht meinte, und die sich -daher auch nicht getroffen fühlten, reichlich Gelegenheit gegeben, mir ihre Zustimmung auszuspr-echen. Und so erwarte ich denn mit vollster Gleichgültigikeiit das Urteil des „Ghrenrates" wie immer dasselbe lauten möge." Ler Krach der Allgemeinen 8ndastriebavl. Die Stellung des Finanzministers. Die Zahlungsschwierigkeiten dieser Mittelbank l/uei\ die Frage in den Vordergrund gerückt, ob die Verwaltungsräte einer Gesellschaft für den von ihnen verschuldeten oder verursachten Schaden aujßukommtzn haben. Wie verlautet, hat der Finanzminister ein namhaftes : Mitglied des Verwaltungsrates einer Mittelbank, die sich! -in Zahlungsschwierigkeiten beftndet, zu einer Besprechung eingeladen, um die Auffasiung der maßgeberÄen Regierungsstelle hinsichtlich der Frage der Haftüng dev Bevwal-« 421961

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