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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-25 · Heft 1865 (25.4.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1865 (25.4.1924)
Date
1924-04-25
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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'i MB ' *rr**r «M« M-sn, Freiiag Wiener MorgeüzelLnns. tim ■'-W i ©etfe i$ „Wr.WorgenzettUNg" f'fc: „Zwischen Ehe und Flirt." P' I y, („DaS Geheimnis der Schrift.") Diesem Mm liegt eine ganz einfache Geschichte Ms dem EWichen Leben zugrunde. Rosa Wachtel, di« für die' Dvamaturgie.des Filims zeichnet, verstand e8, einige Episoden aus dein Leben des bekannten Graphologen Rafael S ch er man n. zu eiOnt Drchbuch zufammenzufassen, das trotz seiner Einfachlieit '-mrnterdrochen Spannung zu schalten weiß und in manchen Momenten auch zu packen imstande ist. Cs ist nicht nur die Figur dieses bekannten Mannes, der hier selbst als Deus ex machina agiert, die dieses Geschehen so eindrucksvoll macht, sondern die Handlung selbst verstcht es, Interesse zu erwecken. Schermann ift im Gegensatz zu' beruflichen Darstellern von Figuren absolut Nicht auffällig und verzichtet auf jode Pose. Er macht den. Eindruck eines netten älteren Horm, der Wer etwas liebenswürdig Onkelhaftes verfügt und immer dort anstancht, wo mm besondere Hilfe braucht. Daß er Wer eine Gabe verfügt, die heute noch vielen übernatürlich erscheint, würde man feiner Gutmütigkeit gar nicht Mmerken. Er kommt in diesem Film beinahe auch ohne sie aus, denn er bietet hier an und für sich eine sehr gute Schanspielfigur. Die Regie I. W. Bnyers zeigt vor allem ein junges und kräftiges- Talent, das zu sehr schönen Hoffnungen berechtigt. Er verstcht es, fein und doch wirkungsvoll zu pointieren, dabei aber immer alle Effekte diskret zu halten. Auch die um Schermiomt gruppierten Darsteller lassen nichts zu wünschen übrig. Erika Gläßner reigt.ihr sprühendes Temperament von der günstigsten Seite, Carmen Cartellieri verstcht es, ihren ganzen Scharm diskröt und liebenswürdig zu entfalten und Pauline Schweighofer brilliert in ihrer lieben und faselnden Art. Sohr schöne.Leistungen, bieten durchwegs Engen Neuseld, Albert Kersten und Benno Smyth. Sehr gut ist auch die Photographie, für die Ludwig Schaschek zeichnet.! „Die Freiheit der Frau." Dieser Film wendet sich gegen die erwerbende- Frau, die <tttt ihres Berufes willen die Pflichten der Hausfrau und Mutter verabsäumt. Gegen diese Tendenz ist nichts einzuwenden. Doch arbeitet — wie immer in amerikanischen Filmen — hier das Buch und die Regie mit vielleicht allzu drastischen Mitteln. Es ist nicht recht anzunehmen daß eine Frau, die in einer Bank derart organisatorische Fähigkeiten entwickelt, nicht auch, -imstande sein sollte, diese Gabe auf ihren Haushalt zu übertragen und ihren Kindern tüchtige -und verläßliche Erzieher zu sichern. Und schließlich hat es das Löben auch bewiesen, daß lunge Leute mit zwanzig Jahren trotz bester Kinderstube und größter.Sorgfalt in ihrer Erziehung in schlechte Gesellschaft und auf krumme Wege geraten können, ohne daß hierbei der Mutter irgend ein Bovwuvf zu machen wäre. So ist eben wieder einmal-hier das typische Beispiel des Tendenzfilmes anzutreffen, der alle Mittel heranzieht, um seinen Zweck zu betonen. - Mag nun auch dieses Werk übertrieben sein, so versteht es unbedingt zu wirken. Jeder nur halbwegs erreichbare Effekt wurde herangezogeu und bis zur vollendeten Geschäftstüchtigkeit des Filmmannes, der sein Publikum unbedingt wehrlos haben will, ausgeschrotet. Es liegt hier ein ganz eigenes Raffinement der Eindringlichkeit im-Film vor'das nur noch in einem einzigen anderen Gebiet zu finden ist: In dem der amerikanischen-Plakate. — Und-vielleicht atmet aus beiden dieselbe Absicht. Kreffcht das Plakat: „Du darfst zur. Pflege deiner Haut nur Colo Creame verwenden", orgelt der film: „Deine Seele darf nur Moral aus der Goldwyn Piktures orporation beziehen" — und Moral ist jetzt ein marktgängiger Artikel im amerikanischen Film, wie diverse Serien der Firma .Paramount beweisen. Sieht man davon ab, in das kommerzielle Um und Auf hinter diesen Mm blicken zu wollen, muß man ihn unbedingt vorzüglich nennen. Die Regie arbeitet hier nicht nur mit Eindringlichkeit, fondern auch mit Geschmack. Sie weiß wirklich reizvolle Szenen zu schaffen, und treffend zu symbolisieren. Weiters entwickelt sie ein außerordentlich flottes Tempo, dem nicht zuletzt das ununterbrochene Aufrechtechalten der Spannung zuzuschreilben ist. Ausgezeichnet ist die Darstellung bis zur winzigsten Rolle hinunter,, deren jede durch eine überaus markante Type verkörpert wird. Und wieder ist hier zu bemerken: Kein Schauspieler bemüht sich, seine Rolle zu „spielen", jeder gibt ein Stück wirkliches Leben, das volle Wahrheit zu bergen schemt. Eine Kunst, wirkliche um» wahrste Kunst, von der wir hier der noch west entfernt sind. i „Das StratzenmLdchen." . - Die Heldin des Geschehens ist eine ehemalige Prostituierte, wie verschämt mehr im -Titel als in der Handlung angedeutet, wird, doch wird hier nur das obligate Gesellschastsfchaufpiel abgewickelt, das den Ämi zwischen zwei Frauen zeigt, von denen er Mießlich die wertvollere wählt. Und die ist das „Straßenmädchen". * Es wirst sich hier übrigens unbedingt die Frage Mf, warum diese Frau als Dirne Eingestellt wird; sie konnte ebenso gut auch bloß Probierfräulem gewesen sein. Mer diese sind Grscheint jeden Ireitag ja in Amerika — zumindest im Film — durchwegsttugendhafte Geschöpfe, und um den Gegensatz zur „feinen" Dame, dieihren alten, reichen Gatten betrügen will, hevausznarbeiten, muß eben in die tiefste Niederung des Löbens gegriffen werden. Wie dies drüben wirken mag, kann von hier aus schwer beurteilt werden. Bei uns findet man diese Art eher übertrieben als wirksam. Ansonsten bietet der Film vom regietechnischen und darstellerischen Standpunkt aus fchr schöne Leistungen. Elsie Ferguson und David Pawell sind, in den tragenden Rollen ausgezeichnet. Auch das übrige Ensemble läßt nichts zu wünschen übrig. Die Ausstattung ist glänzend und Beleuchtung und Photographie vollkommen. Die Fox-Filme der Woche. Auch diese. Woche bringt uns wieder zwei Filme aus dieser weltbekannten Produktion. Der eine betitelt sich „Die Modekönigin" ein Schauspiel mit dramatischem Einschlag und gutem Ende, das uns Pearl Wh it e in der Hauptrolle bringt,- und ein'T o m Mix- Film, „Um hohen Einsatz", in dem auch sein wundervoll dressierter Hengst Tony, keine geringe Rolle spielt, ist der zweite. — Zwei sehenswerte Filme. Großer Erfolg von Schnitzlers „Medardus"-Film im Auslände. Der Sascha-Film . „Der junge Medardus" von Artur Schnitzler hat in fast allen großen Städten des Auslandes einen sehr bedeutenden Erfolg errungen, ganz besonders in London, wo kürzlich ttrt Opera-House, das seit eineinhalb Jahren ein. Riesenkino, mit einem Fassungsraum für 3000 Personen besitzt, die Pressevorsührung . stattfand. Die Londoner Kritik rühmt dieses hervorragende österreichische Erzeugnis der Sascha-Filmgesellschaft und die glänzende Regie von Michael Kertesz. Auch ein zweiter Großftlm der Sascha, . „Sodom und Gomorrha", der. ^gleichfalls von Michael Kertesz^ inszeniert ist, läuft seit acht Wochen ununterbrochen im Londoner Music-Hall. Die Aufhebung der Zensur in New-Aork meldet der New-Dorker „Film D a i l y". Gleichzeitig soll das Strafgesetz entsprechend abgeändert werden. Die amerikanische Filmindustrie Wird durch Beseitigung der Zensur ungefähr eine halbe Million Dollar im Jahre ersparen und das Publikum wird durch das Strafgesetzbuch gegen unmoralische Filme geschützt werden, denn jeder Theckerhesitzer, Verleiher und. Fabrikant, der an der Beranstaltung solcher Schaustellungen beteiligt ist, hat dann Verhaftung und Aburteilung durch das Schlyurgericht zu Mwävtigen. Doch erwartet man, daß es bei der jetzigen Höhe der ainrevikanifchen Filmpvoduktion zu einer Anwendung des Stväfgesetzes. nicht kommen wird. Eine .Kinoreformtagung wird vom 16. bis einschließlich 18. Mai stattfinden, bei welcher.'Fachmänner des In- und Auslandes die wichtigsten Fragen dvs^FAmiwefens erörtern und zur Debatte stellen werden. Das Programm der Daaungwurde festgesetzt wie folgt: 15. Mai: Die gegenwärtigen Ver- Wtnisse des Filmmarktesf Kinoreform '. und' Filmzensur;. Film ,nnd" BoWsbildung. 16i Mäi l Mr ' Filrw als Kultur-- pvMem; das Filmdoama .als Kunsttypus;- .Verbindung des' Kulturfilms mit. Vortrag, /Stehbild und Musik; KinomusA. 17. Mai: Film und die Jirigend;' der Hy-oapva-vat. und seine » Schule; Unterrichtsfilm; das - Kmotheater mit en Hebungen. Sonntag. den. 18. .Mai, vormittags: Kinovefovm und Kmocheater; Organisierung..der Beschaffung, bezichungslwviise Verbreitung der Lehr- und Kulturfilme; die Frage der Schaffung einer Filmauskwmtsistelle. An die Vorträge schließen sich Diskussionen der Teilnehmeran. Teil-- nehmevg-öbühr 10.000 K. An den Abenden finden Vorführungen der „Urania"-Ailme statt, bei denen die auswärtigen Teilnehmer unentgeltlichen Zutritt, haben. Einen Schadenersatzprozetz hat die Schriftstellerin Milena Wlodimirska gegen den - Filmrog-isseur Friedrich F e h e r und zwar auf 160 Millionen Kronen, angestrengt. Den Gegenstand der Klage bildet die verweigerte Herausgabe eines dem Filmregisseur Fcher anvertrauten pazififtiischen Großfilm- Mjets „Du -sollst nicht töten", welches durch - Fchers Bruder an diesen selbst zur Beurteilung und zum eventuellen Ankauf für Amerika weitevgegebein wurde. Da Fcher dahandgeschriebene Ori-gnalm-anufkript. trotz Aufforderung nicht zurückstellte und 'der Frauensriedenskongveß in Washington rm. Mai tagt, für welcher, eine rechtzeitige Uebersetzung des Mannffripts ins Englische geplant war, hat die Autorin die erwähnte Schadenersatzklage gegen Feher, gegen dessen Bruder aus ähnlichem Anlaß schon wiederholt Klagen kaut wurden, angestrengt. . ' Die Filme dev Woche. „Die Flucht ins Glück." — „Die Modekönigin." — „Um hohen Einsatz." — „Die Brotausträgerin." — „Ein verhängnisvoller Sieg." — „Zwischen Flirt und Ehe" —„Ein Glas Wasser." Lesen Sie DIE FILMWELT Illustrierte Kinorevue Film-Fachblatt und -Publikums-Wochenschrift REDAKTION UND VERWALTUNG: * Wien, VII. Hermanngasse Nr. 5 Telephon Nr. 38*5-8B -BURGKINO, I. OPERNRING19- Ab heute bis 28. April £ii Verhängnisvoller $icj| Paramount-Exklusivfilm in 6 Akten mit Gloria Swanson in der Hauptrolle und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4, %6, 7, Uhr Paramount-Exklusivfilm in 6 Akten mit Gloria Swanson In der Hauptrolle und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: */45, 1/ST, y*9 Uhr Kino-Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Rümeth Ab heute bis 28. April III. Löwengasse 33 CENTRALKINO mit P E A R L W HIT E in der Hauptrolle und das übrige Schlagerprogramm Ab heute bis 28. April II.Taborstrasse Nr. 8 Direktion J. Schulz"! ROTENTURM-KINO- WIEN, L, FLEIS GEMARKT 1 Ab heute bis 28. April Ae Müdekömgin mit PEARL WHITE in der Hauptrolle und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4. y,6, %8 und */♦•- Uhr Begleitmusik einer erstklassigen Ettnstlerkapelle BeaeaeMnnBennesMeHeeeegMMMMi _DIE FOX-FILME DIESER WOCHEi PEARL WHITE i TOM MIX : DER LIEBLING DER VÖLKER : mit seinem WunderpVerd Tony in dem Film in dem FOX-GROSSFILM Ae Modekönigin l Um hohen Ansatz 6 Akte s 5 Akte f . - Ende gut — alles gut! : Wunderleistungen der Dressur! IAB HEUTE DEN 25. APRIL IN DEN WIENER KINOS RAFAEL SCHERMANN IM FILM Zwischen Ehe und Flirt S e n s a t ionelles Sittendrama in 6 Akten mit Raffael S CK ER MAN N, Erika GLÄSSNER und Eugen Neufeld Ab 25. bis 26. April: Kärntner-Kino, I. Johannesgasse 3 Haydn-Kino, VI. MariahUferstrasse 57/59 Lichtspiele Hernals, XVII. Jörgerstrasse 19, Hernalser Hauptstrasse 32 Ab 29. bis 30. April: Rotenturm-KIno, I. Fleischmarkt I Elite-Kino. (Kleine Bühne), l. Wollzeile 34 Flieger-Kino, IX. Uechtensteinstrasse 37 Wellhnd-Lichtspiele, XX, Klosterneuburgerstrasse 33 ER MINUS-FILII, WIEN, Vl|. S

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