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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-23 · Heft 1863 (23.4.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1863 (23.4.1924)
Date
1924-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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HuzelmunimKI/OO Wien: Zum,Abholen in der Expedition, H.,TaborstT.1-3, oder in einer Vemchleiaateile Straffte) monatl. K 35.000 trassenverkanf in . Wien däreh die Kolportenre der Firma Gold*ehmiedt,l.Bez., Wnlizeile 1t: Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 35.000 Ts e h e e h o-S 1 owa-k e i: Mon. Kl«. Inxoalawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3V» Zloty, Deutschland: Mon Goldmark 4, Frank r,, Belgien: Mon. Frea. 12 TrÄAxJ r n «kmm er Naehiahluo»*» 'BW PreJaerhRWime«! wiMi«lh» Rr. 1883 »»WW»»WWWWWW>»W»»«W»W>«WW Vien. Mittwoch. 33. Avril 1834 Po*en:poTn.8nr .3^ 0.000 Italien: Monatl. 12 T .ire R n m s n i e.n Mon. 130 l.«i Bulgarien Moh. 801.ewa.. Schweiz and das übrig* - Ansland monatlich Frcs. 4 ■ Redaktion n. Administratiot , Wien, n^Tahorstrassel—? Teleohone:. 44-0-3^.43*3-19, ah fi Uhr ahds. 19-483,25-282 IX. Unlversitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Post spar* hassen - Konto Nr. ,150.693 6. Jahrgang 800 Millionen Goldmark von Amerika und Kngland. Berlin, 22. April. Das Organ Dr. Strefevra nn s, „Die Zeit", veröffentlicht die ausfohenervegende Mitteilung, daß die Verhandlungen üben den Abschluß einer Anleihe von 800 Millionen Geldmarkt die Deutschland nach dom Sachverständigengutachten für die ersten Jahve zur Verfügung gestellt werden soll, schon ziemlich weit gediehen seien. Es seien bereits 700 Millionen, und zwar 4 0 0 vonamerilanischer und 300 Millionen von englisch e r S e i t e ga^eichnet. Die übrigen 100 Millionen seien Roch Mr Zeichnung aufgelegt. Coolidge über die deutschen Anleihe« Möglichkeiten. New-Iork, 22. April. Präsident Coolidge teilte ln einer Ansprache bei dom Jahvesstühstück der „Astoeiated Preß of America" mit, daß er, nachdem eine endgMge Siegelung der deutschen Reparationen festgestellt sein werde, fir die Einberufung einer neuen Welt- Ion f« re nz zur Erwägung der weiteren Be sch ran-, kung der Rüstungen und der KoLiflzierung deS Völkerrechtes eintreten werde. Der Präsident nannte das Gutachten des Genorals Da wes unübertroffen und erklärte, er vertraue darauf, daß alle inter- - esti-erten europäischen Regiemngey den Bericht als die? tt o t w e nd i g e M e t h o de erkennen werden, um tzurch sie Lei gegeNseitigen Zligeständnifftn zu. einerstäditen Regelung des verwickelten und beschwerlichen Repara« ttonsproblemS zu gelangen. Er betonte,' daß ein derartiges Ergebnis die W i e d e r h e r st «l l u n g D e u t sch l a n L S und die größtmöglichen Zahlungen an die anderen Nationen ermöglichen würde, und h?b weiter hervor, daß das private amerikanische Kapiräl für eine Anleihe a n D e u t s ch l a n L zur Verfügung stehen würde. Poincare ergänzt das Avertengutachte«. (Eigendienst der „Wiener Mvrgenzeitung") Paris, 22. April. Die Morgenblätter bestätigen, daß Poincare an Herrn Barthou ein Schreiben gerichtet hat, in dem er den Empfang der Entscheidung über die Sachverstandigenberichte bestätigt und einige Angaben über die. Stellung Frankreichs zu den Berichten und ihrer weiteren Behandlung macht. Dem „Matin" zufolge bringt Poincare in feinem Schreiben den Gedanken zum Ausdrucke, daß er m den Sachverständigengutachten „eine ausgezeichnete Grundlage für die Regeln ng des Reparationsproblems sehe". „Matin" bestätigt, daß -Poincare der Repavationskommistion zunächst eine weitere Ausarbeitung des Sachv e r st ä n d i g e n p l a n e s . zugehen lasten wolle und führt als Begründung hiefür an, daß die Reparationskommistion im Paragraphen 6 ihrer letzten Aeußerung selbst anerkennt, sie müste in gewissen Punkten die Sachverständigenarbeit ergänzen und vervollkommnen. Die weitere Behandlung der Gutachten. . (Eigendienst ver „Wiener Morgenzcttung") Paris, 22. April. Poincare hätte heute eine lange Unterredung mit dem Bovsitzenden der Roparationskommistion Ba rthou. Die Unterhaltung beschäftigte sich nach dem „Temps" mit den Mitte,Lungen, die die Re- Parationskommistvon in der letzten Woche an die interalliierten. Regiemngen gesendet, sowie mit den Arbeiten, die die Reparati.onsrommission^ nunmehr vorzunehmen. hat. Diese halbamtTtche Auslegung über die weitere Behandlung der. Sachverstaüdigengsitachten 'durch' die R^arationÄommifffM - besagt,, daß.'die Reparationsbommisslön in einer de rmiä W ' Wttsindenden.SltziMg.von^denA der Veri-' - schtedeüeK: rrlkbieMe st le x ü ttgtest . aü?'. :ihrest letzten'Briefen i vom Domterstag Kenntnis nchnrey. wird.. .'• Die englische Antwort. London, 22. April. (Reuter.) Die Regierung wird ihre Antwort Donnerstag oder Freitag der Repa rationskommistion übermitteln^ In maßgebenden Kreisen, ist man der Ansicht, daß sich die Alliierten nach der Genehmigung und raschen In-' angriffnahme der- Verwirklichung -der - Sachverständigenberichte mit - den weiteren Sanktionen werden. befassen können, da' die Festsetzung'der Gesamtheit der Reparationen und die.Frage der - S icherheit in einem sPateren ZeitPunkt erörtert werden könnten. 'Eine interalliierte Konferenz oder, eine. Besprechung der Ministevpräsidenfett werde wahrscheinlich erst nach den französischen Wahlen stattfmden. Bratianu in Konstantinopel. Konstantinopel, 22. April. (Havas.) Der vumänilsche Ministerpräsident Br a t i a n u fft hier oingetvcffen. In Brussa wird eine Besprechung mit Jsmael Pascha statffinden. In politischen Kreisen wird behauptet, daß eine Annäherung auf politischer und militärischer Grundlage beabsichtigt ist als Gegengow'cht gegen, die rusti'che Politik im Schwarzen Meer.. Man auch hervor, daß die Türkei seit kurzem in Bukarest einen Militärattache besitzt als - einzigen der ehemals iseind^chen Staaten. Die rumänischen Zeitungen betonen, daß zwischen R u m ä n i e n und der Türkei seit den FriedensverhandlnnM in Lausanne die freund ch a f t l i ch st e n Beziehungen :bestehen, die durch den Besuch, des M'i.n>i's1evprä.sidenten an Tiefe noch gewinnen iverden. Die russischen Ansprüche auf Be ßa rab ie n haken die beiden Länder nur noch n äh er gebracht und es sei deshalb wahrschein'lich, daß anläßlich der Reise Bratianus eine Vereinbarung bezüglich eines gemeinsamen S't.a n d Pu n k t e. s gegenüber der russischen P r ovaganda zustandekommen werde. ' TMWerln droht. London, 22. April. (Tel. d. ,Mr. MeMnzettung"j)' Nach einer Meldung ans Moskau hat Tschit.scherin erklärt, daß Rußland einen bewaffneten Konflikt mit Rümanten unter der Bedingung vermeiden wolle, daß der Bevölikerüng B e ß a r,a b i e n s Gelegenheit gegeben werde, durch eine Volksa-bstimmung über die zukünstige Staa-tszugchörigleit zu entscheiden. Mar rovald hat Kr Lutdde intervenirrt l (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) München, 22. April. Wie ftinerzeit berichtet, ist Proftstor Dr..Quidde wegen eines in einem Berliner Blatte - veröffentlichten Artikels unter der Anklage des Hochverrates verhaftet worden. Nach einiger Zeit erfolgte' aber seine Freilassung; es hieß, der Oberreichsanwalt hätte gegen ihn ein. Verfahren eingeleitet. Nun meldet heute ein hiesiges völkisches Blatt, Profeffor.Dr.Quidde s e i ü b e r h a u p t f r e i g'e lassen worden und zwar auf Veranlassung der englischen Regie rüg, weil Ministerpräsident M a c Donald selbst sich für ihn eingesetzt'und die deutsche Regierung darauf aufmerksam gemacht hätte, die weitere Verfolgung des bekannten Pazifisten sei nichts anderes als ein Sieg der unter dem Einfluß des extremen Militarismus gekommemn Politik. U Wahlvarteie« in Deutschland. Berlin, 22. April. (Wolfs.) Der Reichswahlausschuß Hit in seiner heutigen Sitzung 23 R e i ch s w a h l v o rfch'läge zugelasten. <• Folgende Listen „sind..eingereicht worden: Ttere-imigte . faziMstiische Partei, deutsche Bolkspartei, >deutschnationate BoKsPartei, Zentrum, deutsch-demokratische Partei, bayrische^ Vol,ksPartei,i kommunistische Partei Teutschlands, deultsch-häninaversche Partei, bayrischer Bauernbund >deutisch- - vAKsche BaEnPartei i und -nationals-ozialistische Partei,' unabhängige sozialdemokratische Partei, scz:alisiis.cher Bund (Ledebour-Gmppe). Außerdem enthält die ReichÄwWlrste «-ck Vorschläge mehrerer kleinerer Parteien. Weiße Muse. —y. Wien, 23. April. Die formelle Erklärung der deutschen Regierung, das Sachverständigengutachten zur . Grundlage von BerhaMungen zu nehmen, findet ihre Ergänzung in einer Aeußerung des Reichsbankpräsidestten- Schacht, in der er die unantastbare Folgerichtigkeit dieser' Berichte anerkennt, obzwar die Zahlungsfähigkeit Deutschilands ' überschätzt zu sein scheine. Dieser Widerspruch in den Mitteilungen dieses hohen Funktionärs ergibt'sich wohl aus der Notwendigkeit, nach außen, wie nach innen etwas Freundliches zu sagen. Er muß dem überheizten Nationalismus, der gegenwärtig Deutschland .in ' Schach hält, eine Konzession machen, die den Geld- ' gebern der Ultras gilt, der Schwerindustrie, die in dem Expose der Experten nicht so gut wegkommt. Bekanntlich haben diese gefunden, . daß die Steüerlasten in; Deutschland nicht so gleichmäßig verteilt sind, als es den Verpflichtungen des Reiches entspräche.'Findet der Reicksbankpräsident, daiß die Finanzkväft. Deutschlands . überschätzt wird, so richtet - er sich - unbetvußt^ nach den Schätzungen, die. ihm von Seite der durchaus nicht unbefangenen Amtsstellen Deutschlands zugingen, die ga ' die gleichen sind, deren Material die ' auswärtigen ' Sachverständigen zu beurteilen hatten. : - Die Rücksicht auf die Stimmungen in Deutsch-, land tritt besonders scharf in der weiteren Erklärung Schachts heraus, daß. die/Regelung der Reparations- ' frage schon, vorden. deutschen - und französischen Wcih-. len erfolgen sollte. Dafür sind Mn Mli^ die Aussichten sehr gering. Auch .die' französische.- Regierung --: hat/pM Wahlen zu rechnen und ihr liegt:'alles' daran, die VeHündlungen in bie W^^^ zu ziehen und es. der- ... zeit zu tkeliMn iReMüt^' nicht'Ämnal' Mr Mckestüng- - der direkten Aussprache , kommen zü' lasten. Poincare läßt durch sein Nachrichtenbureäu eine - diesbezügliche; Kundgebung verbreiten, derzüfolge er den französischen Mitgliedern der Reparationskommission - denmächst seinen Standpunkt Mitteilen werde. Dieser Standpunkt ist bereits aus einigen Dutzend von Reden des - Ministerpräsidenten bekannt. Es ' ist immer wieder die Frage, ob die Okkupation zur Gänze/oder nur zum Teil aufgehoben werden könne. Neu ist, daß . Frankreich schon jetzt in einem Abkommen mit den Alliierten die neuen Zwangsmittel ftststellen will. Das ist genau ' so,.' wie wenn in unruhigen Zeiten der Offizier der Militärassistenz seine Truppen scharf laden ließ, ehe er' das Volk zum Auseinandergehen aufforderte. Jeder Kommandant wußte, daß sein Befehl zum Steine-; werfen aufforderte, - und' der - ftanzösiscke Ministerpräsident kennt sckwn im vorhinein die Wirkung seiner Forderung auf . die deutsche Oeffentlichkcit. Der Offizier konnte sich auf die Provokateure in der Menge verlassen? Herr Poincare auch. . - Er ist zweifellos der Stärkere. Sowohl der 'takti-' scheu Lage nach als auch psychffch. Er konnte den Wahltermin so auswählen, wie > ihm die deutsche Politik das Stichwortzutrug, und er ist heute in der . Lage, seine Versck-leppungsnianöve'r mit Hilfe des Mßtrauens zu vollführ'en, das nun wieder in aller Welt bezüglich der weiteren Entwicklung in Deutsch- - land besteht. Auch Mac Donald hat trotz aller Friedensliebe seine Beffirchtungen deutlich ausgesprochen, daß der deutsche Nationalismus die Welt verderbe und jode Aussicht auf Sanierung obstruiere. Tatsächlich hat denn auch , die Haltung der deutscken Regierung zu den Expertenberichten in. der deutschen Rechtspresse einen neuen Sturm, der Entrüstung erregt, dessen Zentrum selbstverständlich die durch das „geheime jüdische Komitee" erfolgte Besteck «ung der Minister bildet. Ein Grund fii.r diese Tätigkeit der Juden, ist wabrlich weit und breit nickt zu finden und ein wackerer deutscher Mann sieht überall Weiße Mäuse. Es ist eine ' heillose Angst vor den Juden, die manchesmal heiter ’ wirkt, wenn man liest, wie sich Helfferich, Hergt und sogar, .man traut seinen Augen nicht, Lndendorff gegen die Lüge ihrer jüdischen Versippung öffentlich wehren . müssen. ' Solange solche Giftmischereien das Um und Auf '.der Politik jener Parteien bilden, die sich den großen Sieg bei den Wahlen erhoffen, hat Frankreich es nicht notwendig, sich . mit seiner Verhandlungsbereitsck;aft allzusehr zu beeilen. Es wird sich ja schon in wenigen Wochen zeigen, ob die Siegesträume der vereinigten Antisemiten ihre Bestätigung in den Tatsachen finden.

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