Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1861 (20.4.1924)
- Date
- 1924-04-20
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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GHe 83 _ Wien, Sonnlag_ Menev MorgenzeitunA. 20. AM 192# We. IW' . * . n o Abkehr von der weiblichen Form? Betonung der maskulinen Linie. Das Problem „La Garconne" ist in der Lust gelegen, schon M einer Zeit, bevor es im Romag fixiert wurde. Die Literatur hat hier also tatsächlich aus dem Leben geschöpft und in scharfer Charakteristik ein Bild von der modernen Frau -der Großstadt gegeben, die unabhängig in ihrer Existenz und in chvem Denken aus den soMen Strömungen heraus sich selbst projiziert. Daß diese Tatsache in der Mode zum Ausdruck kommt, ist natüiKich. Von der Hinneigung zur männlichen Form finden sich schon Andeutungen in der vorigen Saison: die streng geschnittene Smoking ja cke und der flache Schuh, zwei Elemente, die, wie jede Dame weiß, bisher ein männliches Monopol waren. Glsichzoitig mit diesem Keim setzt die übertriebene Strömung nach der übe r s ch l ä n k e n Figur ein, welche die typischen Formen des weiblichen' Körpers in den Hintergrund drängt und das Burschikose-des männlichen Typus hervortreten läßt. Dieser Richtung hat sich auch die Haartracht gefügt, dis zuerst noch immer die Fülle des Haares zeigte, ccher die obligate Frauenfrisur schon verwischte, in weiterer Fortsetzmtg den Kopf glatter gestaltete in der Waise, daß das Haar , von rückwärts den männlichen Schnitt zeigt und nur nach vorne etwas länger ist. Mau ist also beim kurzge-schmtteneN^ typischen Männerkopf angelangt. Dieser erfordert in natürlicher Fortsetzung den kleinen Hut,' der an die KoPfhedeckh'Ng des Atannes erinnert, die ganz kleine Clo che nur mit einem Ripsband geputzt, in zwangsläufiger Folge die Sakkojacke, -die H emddluse mit dem kleinen Gawi nkragen und den ausjgefchlagenen Manschetten, die, beide glanzgestärkt (Elfe Volkmar, „Die Wege nach Rom^, VoRstheater), den männlichen Typ vollenden, der R e i s c r a g I a u im Schnitt des. übertrieben weiten englischen Herrenraglans, der um den Hals geschlungene S h a w l natürlich hier nur in Verwendung der Idee, aber durch das Gewebe und Muster ins Weibliche transponiert. . Die'Betonung der'maskulinen Lüne wird weniger in Paris favorisiert als in. England und in Amerika, den Ländern der Herremnode, weil hier der stir diese Art der Mode trainierte schlanke Frauentyp von der .Natur begünstigt ist. Die Wienerin, obwohl von Natur aus weicher in der Form, versucht die schlänke Linie der westlichen Frau mit der größten Energie zu erreichen, um sich diesem maskulinen Typ stilgerecht anzupaflen. Die Hinneigung 'zur männlichere Kleiderfprm hat nicht nur ästhetische, sondern auch praktische Gründe. In der Tracht, welche jede überflüssige Lini^, jede Ansbauschung vermeidet und der Struktur des Körpers und dem Rhythmus des Ganges folgt, bewegt sich bi£ Frau freier, ein Zeichen.der.Zeit. 6 . R. MenczeL p k k k r i c Künstlerische Modearbriten. WM Einen speziellen Zweig des .neuerrichteten .Kunstgewerbehauses Menzel it. C o. in der Burgpassage bilden die geschmackvollen Strick- und Häckelavbeiten, durchwegs Handarbeiten,"wbbei das .Hauptgewicht auf moderne Motive und Farbenzusammenstellunggelegt wird. Diese Erzeugnisse, wie bestickte Kindermantel, bestickte, Damenjäckchen und Kostüme, sind schon deshalb praktisch, weil sie bequem im Haus gewaschen werden können und weil zu solchen Stiljäckchen, jeder beliebige Rock getragen h T ' ' * werden kann. Besonders praktisch Md schick' . find dazu die drahtlos enHüte in allen Farben und Formen für Reise, Sport und Sommerfrische- In der nebenstehenden Zeichnung zeigen wir für dir Dame ein handgehäkeltes, buntbesticktes K o st ü m mit charakteristischen Shawlkragen und bunter Umhäktung; dd Baby trägt ebenso ein ha-nipgehäkeltes und in zarter To nung besücktes Mäntelchen mit passendem Hut. - Die erwähnten Modehandarbeiten stammen aus. den Kunstgewerbehaus Hanna Menzel u. Co., 1. Bei. Burgpassage. _____ Frühjahrsfarben. Der. Modefrühling kann dte Eleganz per Fvauenerfchr^ nung reizvoll zur Geltung bringen — denn ferne Farbe ip bunt, leuchtend wie seine. Sonne. . -, Der Frühjahrshut ist bunt: zum Hellen Kleid au» ~ schillerndem GoDlackleder, zum StvaßenÄeid aus^ braunem Lcher mit schwarzeml Lack oder in einer Komposition von' Beige und Tabakfarbe oder -aus Antilopenileder mit lichterer EiHassung. Für die heißen Smnmertage, für -den Meeresstrand gibt es farbige Bastschuhe in rot und . grün, atoe* Farben, die einen grellen Kontrast zu den weißen Seiden. tEotkleidern. bilden, in weiterer Fortsetzung erscheint der ' fleischfarbige Strumpf zu dem. dünkleren Schuh, wahrend der Strumpf mit einem reich -gestickten, vielfarbigen Bordevblat< sich vortrefflich zum Abendkleid eignet. Beliebt sind die bunten Handtaschen aus,gemusterter Moirveseilde, deren Wirkung durch ein aus bunten Steinen oder Elfenbein gearbeitetes Monogramm unterstützt wird, danun einmal modern geworden ist und in allen Ausführungen getragen wird. Ein reizvolles Modebeiwevk des Frühlings und des Sommers bildet der Schirm. Auch hier bevovzuigt man bunte Farben: hellblau und tiesrot, du-nkeWraun und rosa domi-wie« reu, daneben erscheinen Sonnenschirme aus fraistfarbsnem Taft, aus lachsfarbener Seide, weißem Chiffon mit schwarzen Kontr-astwirkunigen. Hier muß das Gesetz der Mode sich nach der Persönlichkeit der Trägerin richten, die Abstimmung der Farbe zur Haarfarbe und dem Teint muß unbedingt berücksichtigt werden. Die Blondine wird einen Farbenklang wählen, in dem blond leise mitklingt, sie wirb sich niemals für leuchtendes Blau entschließen, Wie eine Brünette niemals für lachsfarbene oder Fra-i's-e-Nuanc-en. Farben sind rätselhaft in ihrer Wirkung, sie sind launenhaft und schwierig in der richtiger» Behandlung, und man darf nicht Vevgesien, daß sie sine Er. fcheiuung nicht schlagen, sondern herausarbeiten sollen. „Jur Bluienrrönigin". Wien ist durch ein elegantes ModenetaMssement tze r-eichert. 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