Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-04-18 · Heft 1859 (18.4.1924) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1859 (18.4.1924)
Date
1924-04-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980942--18612-3005694
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

?Wf # WNWW^ VW» I _ Mm, Freftag "~ Gesetzes fft weniger gegen die Asiaten gerichtet, als VieMchr gegen die 'Emigranten weißer Rasse, die ans betät Dumps des europäischen Friedenskrieges sich ins Freie retten wollen. Dies wird ihnen einstweilen fast Unmöglich. Aber selbst wenn sie nach Amerika kämen, so wurden sie dort nur die Geistesaenassen der Hakenkreuzler, der Dscheka, der Erwachenden antresfen. Dies würde sie belehren, daß sie vielleicht vom Regen unter die Traufe kommen. Der Ku-Klnr-Mcm ist Fleisch von diesem Fleisch und er unterwirft sich auch das Gesetz. Fnternationale Konferenz für das Auswanderungswesen. Kn Gommer 1921 hat beim GemrallomMssariat für AuSwandeMilvg-in Rom eine Konferenz der meisten ander Aus Wanderung interessierten europäischen Staaten stattgesunden, an der auch Oesterreich teilgenommen hat. Der Zweck war die.gemeinsamen Interessen der Auswanderungsländer in dieser Frage festzustellen und deren erfolgreichere Vertretung zu ermögllche». Der Erfolg dieser Konferenz veranlaßte die italienische Regierung zur Einberufung einer Internationalen Konferenz für Mai 1924, an welcher neben den Auswandevungsländern auch die Einwanderungsländer Vertreterl sein fotteit. Aufgabe dieser Konferenz ist, feftzustlckken, inwieweit-diese beiden Ländevgvuppen in den Fragen der Wandevbewegnng gemeinsame Interessen haben, und diesen zum Durchbruch zu verhelfen, und inwieweit-archererstitS gegensätzliche Interessen vorhanden sind, die billigerweife ausgeglichen werden könnten. Die vom -italienischen Generallommissaviate für Auswanderung namens der italienischen Regierung für den kommenden Mai einbevufene Konferenz-soll keinen diplomatif chen, sondern vielmehr nur technischen Charakter haben. Sie soll sich darauf beschränken, in Form von grundsätzlichen Er- Lävungen, Vorschlägen oder Anempfehlungen - Richtlinien aufzuftellen, die bei internationalen Uebereinkommenin Anwendung zu bringen wären. Die Konferenz soll sich in Sektionen teilen, von denen jede bestimmte FvqgeWoupPen zu behandeln hätte. Als solche sind dermalen in-Aussicht genommen: a) Auswanderertransport; b) Hygiene und Sanitätsdienst; e) |j Ufa mm e narb eit der Auswanderungsu»o Einwanderungsämter der verschiedenen Staatend) Fürsorge für die Auswandlirer in den Einschiffungshäfen und für die Errr- WaÄderer in den Ausschiffungshäfen; AuSwandererfursovge vön -seiten Privater Institutionen, besonders Fürsorge füt Frauen und, Kinder; e) Mittel, welche angewendet werden können, um die Einwanderung dem Bedarf. der Emwandevungsländer an- Arbeitskräften anzupassen. (AirKkunftSd.iertst über den Arbeitsmarkt, ArbritSvermittlungsdienst, KolonisationSunternehmungen); s) Entwicklung der Zusammenarbeit und wechselseitigen Unterstützung unter -den Auswanderern; g) Grundsätze, nach denen sich Auswanderungsvertrage richten sollen. Das Generalkommissariat wurde von der italienischen Regierung weiters ermächtigt, die Bildung von -speziellen o I l a b o r a ti o nsg r u pp e n" zrr organisieren, welche Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganifationen, von Fürsorgeinftitutionen für Auswanderer -wtd von wirtschaftlichen Körperschaften aus jedem ^ande, das an -der Konferenz teilnimmt, umfassen sollen. * Das Bundeskanzleramt, das die Einladung der italienischen Regierung zur Teilnahme -an der Konferenz angenommen hat und dorthin einen Vertreter entsenden wird, hat an verschiedene Körperschaften und Organisationen,die sich direkt'«der indirekt mit den aus die Auswanderung bezüglichen Fragen beschäftigen, die Anftage gerichtet, ob sie zur Mitarbeit in den Kollaborationsgvuppen der Konferenz bereit wären. Run -ist allerdings in den letzten Tagen die offiziell noch nicht bestätigte Nachricht eingetroffen, daß das Generalkommissarrat in Rom von der geplanten Heranziehung solcher -Kollaborationsgvruppen doch wieder absehen Will. Aber auch für diesen Fall beabsichtigt das Bundeskanzleramt (Abteilung 13) mit den erwähnten Organisationen i n F ühlu ng zu b l eib e n, um sich über deren Wünsche auf dem Gebiete des Wandevungswesens informieren zu können. Koudurlotis — Präsident von Hellas. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 17. ApM." Der griechische Geschäftsträger Mellas begab sich gestern nachmittags nach dem Quai VDrsay, wo er im Namen der griechischen Regierung mitteilte, daß bei der Abstimmung über die Frage der Staatsforw die Republikaner eine überwältigende Majorität erlangt haben-. Admiral Konduriotis sei zum Provisorischen Präsidenten der RepMik ernannt worden.. Det Direktor der Politischen Angelegenheiten am Qy>ai d'Orsay eMärte, daß die französische Regierung die rmye griechische Regierung auch weiterhin yMiell anerkenne. Das Ergebnis des Plebiszits. Athen, 17. April. Das Plebiszits Hai folgendes EndeMiben: Für die RepMik wurden 756.718, gegen die.HepuM 321.391 Stimmen aibgegeben. Wiener Morgenzestuns. K. April 19A "" Nr. 1859 Wie Bethlen in Amerika Gerechtigkeit sucht. Ein antisemitisches Pamphlet als Petition. Atts New-Aork wird uns berichtet: Die ungarische Reglievung -hat durch ihre hiesigen Handlanger sine neue SchaMal. begangen. Sie ließ durch em „K.omitee amerikanischer Bürger magyarischer Äbstammung" dem Kongreß eine Petition überreichen, die den -Titel „Gerechtigkeit für Ungarn" fiihrt und von frechstem Judenhaß -strotzt. Diese Petition ist voll der schauderhaftesten Berlernndmrgen gegen die Juden, nicht mrr Ungarns, sondern der ganzen Welt. Unter Benützung der Hetzschriften von Henry Ford werden die Juden für den Ausbruch des Krieges ebenso wie für den schlechten Fviedensvertrag in Paris verantwortlich gemacht. Die Inden, so heißt es, haben durch ihre ungekrönten Könige, die Rothschilds aller Länder, den Krieg hevaufbeschworen und dann durch di« Mischen Ratgeber der Alliierten in Paris alles ausgeboten, damit Ungarn und Oesterreich zerstückelt und vernichtet werden. "Die großen Vier", Wilson, Lloyd George, Clemeneean und Orlando, werden in dieser Denkschrift-der Lüge als Dummköpfe hingestellt, die sich von den Juden Bernard B a r u ch -und anderen den Friedenstraktvt einfach vorlegen ließen, den sie dann unterschrieben, ohne ihn gelesen zu haben, denn auch der -Uebersetzer des Traktats in die verschiedenen Sprachen war natürlich ein Jude, der die Uebersetzungen gefälscht und ganz besonders die Reden des ungarischen Delegierten verdunkelt hat, damit die Stimme Ungarns ungehört verklinge. Selbstverständlich -erzählt die Petition auch die Lüge, daß der Bolschewismus von Juden nach Ungarn importi«rt wurde, Verschlveigt hingegen all die Grausamkeiten, die das christliche Regime an den Juden und an den Arbeitern begangen hat. Selbstverständlich werden in dieser Schmähschrift auch die Nachfolgestaaten in der unflätigsten Weife verleuntdet. Das sonderbarste an der Sache fft jedoch; daß es diesen amerikanischen „Erwachenden Ungarn" gelungen ist, den Senator -La Follette dafür zu gewinnen, daß er diese PeMöü befürworte. La Follette, Senator von Mnscounsin, galt bisher als ein äußerst liberaler Politiker, der an der Spitze jener -Richtung stcht, die die Forderung aufftellt, daß Anierika feine zurückhaltende Stellung gegenüber der europäischen.Politik verlasse und für einen Welffrieden um jeden Preis emtvete, -Allerdings war La Follette auch einer vor größten Gegner Wilsons und die gesamte amerikanische .Presse nimmt an, daß die amerikanffchen Magyaren ihn bei dieser Schwäche faßten, und nehmen, bis er sich hierzu nicht neuerdings äußert, an, daß er die Petition, die er Mt feinem Namen deckte, vorher gar nicht -gelesen hatte. Das Präsidium des amerikanisch-jüdischen Kongresses hat an Senator La Follette ein P r o t e st s ch r e i b e n gerichtet und ihü äusgefordert, die Eingabe gründlich zu -studieren und der Öffentlichkeit bekanntzugeben, wie er, als bekannter Pvogrefsist Und Pazifist, sich mit einer solchen Berleumdungsfchvift -gegen ein ganzes Voll identifizieren konnte. Sie Wahlkampagne in Frankreich hat begonnen. Paris, 17. April. (Tel. der „Wr. Movg-enzeitung".) Die Wahlbewegung für die am 11. Mai stattfindendon Wahlen in die Kammer hat ihren Anfang genommen. Nicht weniger als 14 Parteien treten mit eigenen Liften in den Wahllampf ein. Auf der äußersten Rechten .steht die royalistische Gruppe Aetion francaffe, die sich in 'ihrem Wahlmauifsst auf das italienische Beispiel beruft, und einen Diktator für Frankreich verlangt. Aus der äußersten Linken stehen die Kommunisten,- deren Programm neben sämtlichen Punkten der.Dritten Internationale die Vernichtung des Versailler Vertrages und eine Allianz Frankreichs mit S-owjetrußland Vorsicht. Anerkennung Rußlands durch Frankreich »nd Amerika. Amsterdam, 17. April. „Aligemeen Handelsblad" erfährt, falls die englisch-russischen Verhandlungen zu dem von beiden Regierungen ins Auge gefaßten Ergebnis führen sollten, werde wahrscheinlich in diesem Sommer im Haag eine Konferenz von Vertretern bet Sowjetregierung einerseits und der Regierungen Frankreichs und der Vereinigten Staaten andererseits statffinden, um einen Weg zur Wiederherstellung normaler Beziehungen ausfindig zu Machen. An franzSsisch-sugoslamisches Sefenfivbsindnlr, (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 17. April. Dsr Korresporrdent des „Matin" berichtet aus glaubwürdiger Quelle, daß anläßlich des für Ende Mai angffetzten Besuches des jugoslawischen Königs- Paares in Paris zwischen Frankreich und Jugosla>wien ein Defensivbündnis abgeschlossen werden soll. LotzalM der dänischen Sozialisten. lEiaendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Kopenhagen, 17. Aipriil. Der Mt der Bildung der neuen dänischen Regierung betraute Führer der dänischen Sozialdemokraten Stauning gab einer Anzahl Pressevertretern gegenüber eine Loyalitätserklärung seines Kabinetts gegenüber dem König ab. Er erMärte, sein Kabinett stehe dem König durchaus loyal gegenüber. Er anerkenne die bestehende Ordnung und sehe in dein König den o b e r st e n Beamten des Reiches. Er Dbst habe von jcher in guten Beziehungen zum König gestanden, der für soziale Fragen immer das größte Interesse gezeigt habe. Kopenhagen, 17. April. Die Regierung Stauning wird voraussichtlich nach Ostern gebildet sein. Stauning hat einen Gesetzentwurf zur Stabilisierung der dänischen Krone ausgearbeitet. Ferner ist em Gesetzentwurf zur Einschränkung der Heeresmacht in Vorbereitung. Ein weiterer Gesetzentwurf bezieht sich aus die Trennung von Staat und Kirche. Eine aus neun N-egiernngsbeamten bestehende Kommission soll neue Steuern ausavbeiten. Die amerikanischen BeftechnngsaWen. Neue Verhaftungen. New-Yvtk, 17. April. Dsr Generalstaatsanwalt in Washington entschied, daß die Anklage gegen den Senator Bnrtoti Wheeler berechtigt sei. Seine Verhaftung st e h t unmittelbar bevor. Er wird angeklagt der Bestechung für die Verschaffung von Konzessionen für Petroleumgesellschaften. Wheeler war, bevor er selbst angeklagt wurde, Untersuchungsrichter im Senatskomitee in der Affäre des Generalstaatsanwaltes D a u gherth. Er leitete diese Untersuchung, bis er selbst kom-;pvoMttiert wurde. Auß>erdem wurde die Verhaftung von Forbes, des ehemaligen Direktors des Betevanenbureaus, der die Neuen Vorräte der Regierung als beschädigt erklärte und sie für ein Fünftel des Wertes verkaufte, angeordnet. Weiters wurde gegen den Direktor der kaufenden Gesellschaft und gegen den MarinekoMmand<nt'en ^Oleary wegen Mitschuld die Strafuntersuchung eingeleitel. Politische Kontroversen in England. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 17. April. Die Osterferien und die Paust, bis zum WiederzusamMentritt des Parlaments zur Behandlung des Budgets sind von lebhaften pol i tischen Kontroversev erfüllti Innerhalb der liberalen Partei herrscht, obwohl man offiziell das Gegenteil versichert, Unzufriedettheit mit der gegen-, wärtigen Führung, Und es wird die Formulierung eines klaren Parteiprogramms gewünscht, namentlich bezüglich des Verhältnisses zur Arbeiterpartei. Auf der anderen Seite bereitet der Kongreß der unabhängigen Arbeiterpartei, der Sonntag in London zu tagen beginnt, eine Opposition gegen Mac Donald vor. Mae Donald., wird persönlich seine Politik verteidigen. Wahrend der Osterferien wird der Premier eine Konfererrz mit SnüwdeU bezüglich der endgültigen Formulierung des Budgetvoranschlages haben. _ Prinz Mar von Anden sür den Frieden. Heidelberg, 17. April. (Wolfs.) Prinz Max von Baden sprach im Europäischen Hof in Heidelberg in einer Versammlung ausgswiesener Pfälzer. Er sagte: Chrrstlichnational ist die heilende Botschaft, die aus dem besetzten Gebiet zu uns dringt. Neben dieser großen sittlichen Wahrheit sicht eine furchtbar ernste realpolitische Erkenntnis, die im unbesetzten Gebiet vorhanden ist. Es gilt heute nicht mehr allein der Sorge um die Zukunft des Vaterlandes. Mehr als je brauchen wir heute einen R e l i g i o n s f r i e d e n, brauchen. wir auch den K l a s s e n f r i e d e n. Separatist fft heute jeder, der Bitternisse und Spannungen im deutschen Volle anhäuft, die schließlich nur e'ttt Bürgerkrieg lösen könnte. Die Bismarcksche Forderllng muß wieder Geltung erhalten, daß die auswärtige Politik das Primat vor der inneren Haber: muß, das heißt ans unsere innere Lage angewandt, urffer politffches Leben muß eine solche Gestalt annchmen, daß wir dieverloreneBün-dni.^' sährgteit wieder gewinnen. Dr. Murr übernimmt das Fnstizportefeniste. Berlin, 17. April. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, Mernahm der Ret-chMnzler das infolge des Rücktrittes Dr. E m M i n g e r s erledigte Justizportefeuille selbst und wird die Geschäfte bis zu den Neuwahlen führen. __ Der Prozeß gegen die Khrßardt-Berbönde. Berlin, 17. Apriil. (Tel.-Konch.) Das gegen die Gehevmovganüsatipn CoNful schwebende Bomntersuchuugsvevfahrrn ist mnmchr abgeschlossen worden. Die Anklageschrift, die schr umfangreich ist, wird in dsn nächsten Taigen dem Staatsgerichtshof Kugestellt werden, der rrach ihrer Prüsimg Wer den Termin des Morrsierpro-zeffes Böschluß fassein wird, ms

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.