Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1858 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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■S*' ' Mttr, Do-tt-neMrtz -«. w4 - _ De« Wiener Geldmarkt. Der Geldstand ist Astern oh'.'.e tüesentliche Veränderungen geblieben. Groß« Summen sind zir Ä öi» 97 Prozent pro anno leicht erhültlich. Reportgelder fiir die nächste Prolongation sind n-och nicht zum Abschluß gelangt. Der deutsch« EinlagenzinSfuh auf 15 Prozent erhöht. Aus BerAn -wird gemeldet: Die Berliner Bankenveveinigung hat den Beschluß gefaßt: Die Zinsvergütung für mehr als 14tägige WerdbeständrgL Einlagen auf 15 Prozent zu erhöhen. (Einlagen bis zu einschließlich -14 Tagen werden wie bisher mit 8 Prozent pro Jahr verzinst.) Diese Neuregelung erstreckt sich auch auf alle Großbanken und großen Börsenfirmen der Provinz, nachdem diese sich damit einverstanden erklärt haben. Das österreichisch-jugoslawisch e Uebereinkommen über die Sißverlegung von Aktiengesellschaften. Dis Staatskorrespondenz meldet: Da» bereits am 24. Februar 1908 in Belgrad unterfertigte Uebereinkommen über die Sitzverlegung oder LeÄung von ProduktiionS. oder Transportgesellschaften ist, da sich in Jugoslawien die Ratifikation verzögerte, erst am 5. April 1904, also zu einer Zeit in Kraft getreten, in welcher die im Uebereinkommen vorgesehenen Fristen bereits verstrichen sind. ES ist zu gewärtigen, daß durcheinen Zusatzvertrag dies« Fristen nun nachträglich verlängert werden; darnach soll den beiderseitigen Regierungen das Recht, Gesellschaften zur SitzveÄegung oder Teilung ausßufordem, bis . April 1004 zustehen; die Sonderbchandlung bei der österreichischen Vermögensabgabe soll allen jenen Gesellschaften gewahrt vleiben, die ihre Sitzverlegung nach Jugoslawien oder ihre Teilung in «ine österreichische und in «me jugoslawische Gesellschaft bis 30. Juni 1004 durchgesührt haben. Zusammenbruch einer Budapest« Bankfirma. Au8 Budapest. 16. d., meldet die Tel.-Kvmp.: Der Bankier Zoltan Lengvarh, Chef der Firma Lengvarh u. Co., wurde in posiMilichen Gewahrsam genommen. Die Firma hatte von Hunterten von Einlegern, meistens kleinen Leuten, Gelder entgegengenommen und an der Börse verspielt. Bor drei Tagen erklärte sich Lengvarh zahlungsunfähig. Die Passiven betragen eine Milliarde, die Aktiven werden auf ungefähr die ' hälfte geschätzt. Der Kompagnon LenavarhS. Defider German u 8, der ebenfalls unter dem Verdacht sieht, Kommittentengelder veruntreut zu haben, sollte gleichfalls verhaftet werden, tch aber aus feiner Wohnung verschwunden. Kein Devisenelearina am Karfreitag. Die NationaVbank teilt mit, daß am 16. d. (Karfxertag) kein Devisenelearing ^attfimdet. Das Postsparkaffenamt am Osterfamstag. Am Samstag . den 10. d. werden , die Kassenschalter des Postsparkassenamtes Wie sonst an Wochentagen, jedoch nur bis 12 Uhr mittags, Mn (schalten. Keine Frankenengagements der Britisch-österreichischen Bank. Aus-Budapest, 16. d., meidet U. T.-K.-B.: In der heute ^gehaltenen Generalversammlung der Britisch-ungarischen Zank erklärte der geschäftsführende Vizepräsident Simon Krausz auf die Anfrage einer Aktionärs, die Britisch-ungarische Bank habe ebensowenig wie ihr Schwesterinstitut, die Britisch-österreichische Bank, jemals an Frankenspemlationen teihgenommen. Kapitalsvermrhrung. Buhum A.-G. Nr Buch-, Kunst- Musikglienhcmdel vormals Hugo Heller u. Cie. Erhöhung von 160 Millionen auf 800 Millionen Kronen. Bezugs-echt auf je eine alte Aktie eine neue Aktie zum Preise von 4600 K. Befrist bis 6. Mai d. I. Der französische Holzmarkt. Der ,Holz-markt". berichtet: Marseille: Bauholz und Dischlecholz finden guten Absatz. Faßholz und Karrmermaterial sind ruhig, die -übrigen Qualitäten nominal. Der Rückgang der Peseta hat den Export nach Spanien günstig beeinflußt. Lyon: Der Holzmarkt hat, trotz vielversprechender Ansätze, unter zahlreichen Hemmungen zu leiden. Der lange Winter hat die Nachschübe in Stammholz erschwert, dann kamen die unsicheren VerMtnisse infoll-ge des Frankensturzes, dann legte eine Streik im Mauvergewevbe die Verkäufe in der Banholzoranche lahm. An Tanne herrscht vollständiger Mangel. Für Schutttmaterial ist die Lage besser, man notiert den Kubikmeter waggonverlalden: Savoie-Dauphine, Bohlen 8-28, 3 bis 7 Meter, 260 bis 260 Franken; Hte-Loive: Bohlen 8-23, BastingS 65-615, Latten 6*8 250 Franken. Loire: Bohlen BastingS, 3 bis 6 Meter, Fichte und Tanne gemischt SSO Franken. Eiche: Der Markt ist ziemlich ruhig, die Preise sind fest. Fichte ist sehr selten. Buche ist Wenig gesucht, dagegen wird Pappel stark verlangt. Wiener Mov»enzettu«F. Die Allgemeine Depositen-Bauk hat, wie wir vernehmen, mit der Russischen Staatsbank (R. S. F. &. N.), Moskau, ein. Abkommen getroffen, wonach die beiden Banken ein-- schließlich ihres Fiftalnetzes (die Russische Staatsbank verfügt über 250 Filialen im europäischen und astatischen Rußland), gegenseitig als ständige Korrespondenten fungieren. Die Allgemeine Depostten-Bank ist dadurch in die Lage versetzt, sämtliche Ein- und Auszahlungen, Jnkasst und: bankgeschäftlichen. Transaktionen für Rußland vorzunehmen. _ . (Entgeltlich.) SBIeiter Börse. RWg. Bei weitgehendster Zurückhaltung der Spekulation verkehrte auch die gestrige Börse in überaus ruhiger Haltung, wobei die Kurse mit ganz geringen Ausnahmen leichte Abschwächungen aufzuweisen hatten. Die auf den Markt zufolge unterdeckter Konti gelangte Ware fand lchilanke Aufnahme, da seitens der Großbanken ckbermals JnterventionLkäufe getätigt wurden. Das Geschäft hielt sich in den engsten Grenzen, da KauforderL nur spärlich Vorgelegen sind und das nenepliche Emporschnellen des französischen Franken Zürich zu Entlastungsabgaben veranlaßte. Größere Einbußen erlitten jedoch «ur tschechische Werte, da für Prager Rechnung in Uebevriinstimmung mit den dortigen niedrigerem Notierungen Verkäufe zur Ausführung gelangten. Hingegen profitierten Länderbank- Mtien von der Frankenstdigevung und profitierten 27.000 K. Bon den tschechischen Papieren in der Kulisse ermäßigten sich Zivnostenska um 16.000 K>, Skoda um 48.000 K. und Drünner Maschinen um 18.000 K. Bankenwerte erfuhren nur geringe Verschiebungen. Im Schranken bewegten sich die Umsätze in den engsten Grenzen. Die Haltung war keine einheitliche. Ebenso wie in der Kulisse waren die Werte tschechischer Provenienz niedriger gehalten. Berg und Hütten büßten 200.000 K., Dampfschiff 25.000 K., Ungar, allgem. Kohlen 50.000 K., Fanto 70.000 K., Schönpriesener 90.000 K., Perlmooser 60.000 K., (Söffet Brau 150.000 K., Pilsener 130.000 K., Graf & Stift 100.000 K. ein. Hingegen gewannen Nordbahn 400.000 K., Jungbunzlauer 500.000 K. und MunduS 10.000 K. Bezugsrechter Handels-A.-G. 1600 K. Auf dem Anlagemarkte erfuhren Renten abermals leichte Abschwächungen. Bon den Exoten notierten: EoS 1600, Effeff 20.000, Knobl ochlg.500, Mrazniea 54.000 bis 61.000, Tepege 42.000 bis 53.000, Universale 27.000 bis 30.000 K. Sie Warenmärkte. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Kakao. DaS Geschäft in Kakao ist nur mäßig, die Preislage ist seit langer Zeit stagnierend. Zu Markte kamen inländische Ware zu 31.000 K, und holländische In in Kisten oder Fässern zu 86.500 Kronen ah Wien. Die Auslandsmärkte bekundeten in jüngster Zeit ein recht lebhaftes Gepräge, da das Inland seine umfangreichen Lokokäufe weiter fortsetzt. Trotzdem war die Grunbstimmung schwächer. Auffallend ist da» starke Angebot auS zweiter Hand, das darauf schließen läßt, daß sich umfangreiche notleidende Partien am Markte befinden müssen. Sowohl Bahia-Kakaö als auch Accra und Trinidad mußten sich durchwegs Preisrückgänge gefallen laßen. Es verlautet, daß größere Insolvenzen in New-Aork gleichfalls zum Preisrückgang betgetragen haben sollen. Zurzeit werden Bahia superior per April-Mai-Abladung mit 42 Schilling cif Hamburg offeriert, während jetzt greifbare Lokobestände mit 44 und 44'/, Schilling verkauft worden sind. Accra fair fermented pro April-Mai-Berschiffung stellten sich auf 37'/, Schilling und Trinidad Plantative gleicher Abladung auf 52 Schilling, alle» vit Hamburg. Kaffee. Auf dem hiesigen Platze blieb die Tendenz in der letzten Woche sowohl als auch in der Befichtswüche unverändert. Die Preise stellen sich wie folgt: SantoS primeS auf 48.000 K., i SantoS superior auf 46.500 K,, Rio VII Jvhnston auf 42.000 K. 17. April 1924 (Seite 9 ab Wien, ferner SantoS primeS pro 50 Kilogramm auf 162 Schilling, Santo» superior auf 96 Schilling, Rio VII Johnston auf 84 Schilling eis Triest. Aus dem ausländischen Kaffeemarkt zeigte sich eine weitgehende Unternehmungslust unter Bevorzugung - von verzolltem Brasil-KaffeeS und von gewaschenem amerikanischen Kaffee; ebenso kam eine Reihe von Abschlüssen am Hamburger Markte in Transitware zustande. Die von Brasilien vorliegenden Offerten unterlagen starken Schwankungen angesichts der augenblicklichen Unbeständigkeit des brasilianischen Wechselkurses. Zuletzt lagen in SantoS superior überseeische Angebote zu 99 Schilling, in primes zu 100 Schilling und extraprtmeS zu 105 Schilling, alles cif Hamburg vor. Bon mittelamerikanischem Kaffee stellten sich,die gewaschenen Sorten auf 113'/, bis 147 Goldmark. ES. handelte sich zumeist um die Marken Salvador, Caracas und Guatemala. Rio New-Iork Type 5 erzielte einen Preis von 84 Schilling. Börse für landwirtschaftliche Produkte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Die Lustlosigkeit, die den Wiener Markt seit Wochen be» herrscht, ist auch diesmal nicht gewichen, im Gegenteil, das Geschäft hat infolge der hevannahenden Feicrtagspause womöglich eine weit-ere Verringerung erfahren. Weizen wurde in sehr bescheidenen Mengen zu unveränderten.Preisen aus dem Markte -genommen. Roggen tendierte freundlicher und stießen auch kleinere Mehrforderungen kaum aus Widerstand. Gerste blieb geschästslos. Die Tendenz für Mais ist schwer zu beurteilen, . da verschiedentlich Abschlüsse zu sehr variablen Preisen getätigt wurden. Amtlicherseits wurden die Notierungen aus unverändertem Stande belassen. In Hafer hat sich die Marktlage nicht geändert, der Begehr ist normal, aber auch die Zuschübe übersteigen nicht die gewohnten Grenzer . Für doppelgriffige Weizenmehle hat sich die Nachfrage in den letzten Tagen etwas.gebessert, allerdings wickelte sich das Geschäft nur zu sehr gedrückten Preisen ab. Griffige Weizenmehle sind weiterhin dringlich offeriert, ohne daß die Ausnahmssähigkeit des Marktes eine Besserung erfahren hätte, auch Roggenmehle sind schwächer gefragt, dagegen bleibt der Begehr'für Kleie unvermindert rege. Es notieren pro Kilogramm ab Wien inklusive der Warenumsatzsteuer: Weizen inländischer 3250 bis 3350 K.. jugoslawischer 3500 bis 3600 K., Roggen inländischer 3100 bis 3200 K., ungarischer 8050 bis 3100 K., rumänischer 2850 bis 2875 K., Gerste inländische 3450 bis 3600 K., tschecho-slowakische 3600 bis 3900 K., 1.70 bis 1.80 tfchech. K. ab Marchegg, Futtergerste 2750 bis 2850 K., Mais 2800 bis 2875 K., Ctnquantin 3300 bis 8400 K., Hafer 2700 bis 2800 K.. Hirse 2400 bis 2600 K., Hirfebrein 4800 bis 5200 K., Weißbohnen ungarische rumänische 5700 bis 6200 K., Kartoffeln inländische 1400 N-00K., ungarische 1300 bis 1500 K., Pflaumen k 25 Kilogra In Kisten 80/85 13.500 bis 13.700 K., ■95/100 11.800 bis 12.00‘ .Preßheu oberösterreichisches süßes 1360 bis 1450, Bundstrcd gepreßt 1650 bis 1150 K. ab Station, Weizengrieß inländischer 6100 bis 6200 K., Weizenmehl Nuller inländisches 6700 bis 5800 K., ungarisches 5200 bis 5500 K.. amerikanisches Vollpatent 5800 bis 6200 K., Brotmehl Ia 4100 bis 4200 K., Futtermehl Ia 2700 bis 2800 K., Roggenmehl Ia 4600 bis .4700 K.. Weizenkleie 2100 bis 2200 K., Roggenkleie 2000 bis 2060 K. Wiener Holzbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der Verkehr an der gestrigen Holzbörse war schwäch-und es machte sich bereits mehr oder weniger Feiertagsstimmung bemerkbar. Gesucht waren Madrics 75/225, 65/180, Gerüstpfosten, Werkscheiter, Eichen-Rundholz von 36 Zentimeter aufwärts, Kantholz 10/10. Geld war am Markte von Nadelholz-Schnittmaterial für Bauware 60 Millimeter von 18 Zentimeter aufwärts 560.000 K. ab Wien und fiir Staffeln 10/10 -13/13 4 Meter 555.000 K. Ausgeboten wurden von N adelhol z- R tt.n dholz Schleifholz pro Raummeter 1 Meter lang Fichte zu 160,000 K., Grubenholz 10 bis 20 Zentimeter zu 210.000 8k. ab niederösterreichischer Station, Lärche Blochholz 4 bis 6 Meter von 25 Zentimeter aufwärts zu 830.000 K. ab niederösterreichischer Station, von Laubholz- Rundho lz Buche 25 Zentimeter aufwärts zu 300.000 K. ab niederösterretchischer Station, Erle Werkholz 1 Meter 13 Zentimeter aufwärts zu 480 K. pro Kilogramm, Bundholz trocken zu 420 K. ab Wien und Spreiselholz ungebündelt zu 215 K. pro Kilogramm ab niederösterreichischer Station. Copyrigth by 18£3 Deutsch-Oesterreichischer Vertag, Men. Nachdruck perdpten. 73. Fortsetzung. Die Heimatlosen. Von Wilma Vukelich. Und imr vop, sich Wer sagt, ich hi-u m Jude, lügt ... denn er sagt Aeußerfiches vom sich Ms, Er redet von seilnsm Narrenkleide . . . n.nd vergißt selber und macht di« anderen vergessen, daß er cm Mensch ist. Ein Mensch'. Und das sagt mehr als alles! . . . Und weil die Manschen intimer an ihren gemeinsamen Upsppung vergossen, so will ich gusstchen und zu ichnen sprechen. Ich will sprechen zu jedermann, und jedermann wird mich verstehens Ich will den Juden, vernichten, }uu ihn zu reiten im letzten Sinne. Denn nur diese Vernichtung gibt es . . . die Auslösung. Es ist das, was uns dem Le-btzn wi-edergiht, Es ist unser? letzte Möglichkeii, das, was uns die Menschen verzeihen . . . sonst nichts!" „Du wirst dich selber vernichten!" Daniel sprach es schwer und traurig. „Und keiner wird dir verzeihen. Keiner!" Daun trennten sie sich. DieKiual hafte Lajos mit ziemlicher Neklame geavb<r>itet. Ja, er hatte sich sogar ein aussallendes Psalgt geleiste t : Kwei eilt saure HLM, in e in Züchtendes Rot getaucht, die die Kette zerreißen, an die sie gLschmiedet sind. Und auch die Zeitung interessierte sich für sein Th?Ma Uttd hehandelte es auf ihre Art. „Die Vernichtung des IlldentllUls." Das War ein Altlaß, um vieles zp sagen. Und die Leute' rcgtcit sich auf, noch ehe Lajos selber ygß erste Wort gesprochen hatte. Judentum ist überhaupt fein Thema. Davon spricht luau nicht! So schried die liberale Presse, der „Mopgell" voran. Ja, es ist sin besten Falls eine Tafilosigkeit, wenn einer dieses Thema öffentlich gnschWidet! Md MN ließ dabo: durchblicken, daß der Vovtragends, ein exaltierter, r Mann, ftiircf jener Outsiedex, denen dev richtige r SjM und Taft gbgeht, gMz und ggx nicht ernst nen hei« ÄbriKN»'tzchöre «» W tezren-c3t1L“ lichen Käuzen, die die koMische Marotte haben, um jeden Pve-is 'auffallen zu nmssem Das fei alles. Die Sozialisten verwahrten sich. Lajos Mr w-oihl einer von den Ihren. Aber er sprach Mer ein gefährliches umd ominöses Dhenta, Bitte, er sprach ganz auf eigene Faust ttotib unter eigener Bevantwortung. - Die Partei vermeide es, sich mit Dingen zu befassen, die geeignet lvären, die Gemüter zu trüben, Sch>lamniwellen auszuwühlen . , . in solcher Weise. Am übrigen, man hatte andere Sorgen. Was ging sie im Ökwwbe die ganze Frage an? Die Pfaffen aber frohlockten. DaS Judentum vernichten? Das war etwas! Auls alle Fälle eine brillante Idee! UM die klerikale Presse baute dieser Vernichtlmg vor durch die nwdertmchttgsten Verleiemdungen, die sie über Nagh LajoZ als Eiuzelindividuum und.als Vertreter einer ganzen Rasse erfand. Als Lajos das Podium betrag ging bereits ein Murmeln durch den Saal. Es ivar das Hin- und Herziehen der Stimmen^ di>e zwischen Beifall nnd Mißsti-iunmug kgnrpften. ' Borne saßen ds-e Snobs. Sie waren in voller Za^l erschienen, Viele Juden war enda, die schreiend die Theo ne des Redners zu widerleUn schienen. Durch ihr bloßes Dasein schon. Das Judentum vernichten? Gab es das? Solange sie lchten? Njernalst Lajos' Stammpublikum genierte sich eine wenig über dm jüdischen Zulauf. Sie wußten nicht recht, wie sich verhalten, Mvo'hl sie große Anhänger seines Wortes waren, Aber mit diesen Vertretern seiner Rasse hatten sie uschts Gemeinsames. Im übrigen fiel ihnen hettte zum erstenmal auf, daß auch Nagy Lajos ein Jude war . . . also! Wollte er sie vielleicht zum Narren halten? Zwischen das Arbefterpuhlikum drängten sich die Freigtzsiunten. Die sogenannte Intelligenz, die M Geiste Assimilierten, die Kathsderanftsemiterr -lnosaischer Konfession. Und verlangen von' Lajos dia Bestätigung ihrer Exlsteuz- «l» GchheiMNM zwischen he-n Rassen. Mr auch sie genierten sich. Im allgemeinen tvllgen sie ihre zersetzenden Theorien nur in christenreinen Kreisen vor. Box Ghristen redet man überhaupt nicht von Juden. Schon gar nicht ernst und objektiv. Höchstens in der Manier des Budapester Orpheums . . . wobei man sicher sein kann, verstanden zn werdetl. sind nur jene fühlten sich daheim und restlos zufrieden in dem Weiten Saal, die die letzten Reihen füllten. Dt? inkognito reisenden Agenten der „Klerikalen", die gekom-Mn waren, um im Trieben zn sichen. Die lauerten und sich duckten. Aber sie wußten Wohl: auch ihre Stunde kam. Ud sie konnten warten. Als La-jo§ zu -reden begann, schwoll die Welle an. Die Unruhe des Publikums ging ü-bex in ein leises, klirrendes Lachen, das sich vorerst selbst^ verspottete, das heißt, -man chatte sich entschlossen^'die Situation nicht allzu ernst zu nehnren. Sich zu amüsieren. Das Judentum zn vernichten. Was lag auch daran? Und Lajos sprach. Ernster als sonst. Er, der glänzende Improvisator, dessen Manier e's war, ein paar Schlagworte Hinzuwersen und Mit diesen sich undsein Publikum zu sangen ruch zu berauschen, er kam diesmal mij Argumenten, Mit historischen Nachweisen. Mit statistischen Belegen, Ja exwollte Wveisen. .Beweisen, daß alles, was wir gewohnt sind, als jüdisch zu bezeichnen nutz ju verdammen, gar nicht das Kennzeichen einer Rasse ist, sondern ein Pegiff, der wechselt mit dom Breitegrad, mit oen politischen Verhältnissen, mit den soziale:: Umstünden, unter denen wir leben. Was ist jüdisch. . . bitte? Präzisieren wir einmal! Dev Verdiener, Der rücksichtslose Geldumnn, Der Schächer, der den Tenrpel des Herrn schändet. Schön. Darüber sind wir uns ja langst einig. Aber auch Christus, der gute HirtewW ein Jude, und seine Jünger,- die das Evangelium hex Liehe ln di« Welt trugen, waren es gleichfalls. Maß also ist jüdisch?