Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1857 (16.4.1924)
- Date
- 1924-04-16
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Wien, Mttdo'ch Die Budapeftcr Insolvenz Frankl. Ans Budapest wiod ckegraphiert: In der Angelegenheit des mit nvehreren Milliarden insolvent gewordenen Getroidegroßhändlers Andor Frankl ist eine bemerkenswerte Wendung ringe treten. Die Staatsanwaltschaft hat nämlich bei dem Wuchevgericht das Verfahren gegen die Gläubiger des Getreidegroßhändlers eingeleitet, und zwar wegen des Verdachtes, daß die Gläubiger des Andor Frankl mit diesem unerlaubte Devisentransaktionen in Österreichischen Kronen ohne Bewilligung der Devisenzentrale betrieben haben. Der ungarische Anleihevorschutz zustande gekommen. Aus Budapest, 15. d., wird gemeldet: Durch das Entgegenkommen der agrarischen Interessenkveise ist das Zustandekommen des Anleihevorschusses von 100 Millionen Goldkronen gesichert. Im Sinne der Wünsche der Völkerbunddelegation übernchmen die Agrarier die Garantie für 37,5 Millionen Goldkronen in der Weise, daß 100 Großgrundbesitzer den Valutavorschutz ans ihre Zlnter mtabulieren lassen. Die -agrarischen Körperschaften verlangen jedoch, daß die Industrie die Garantie Kr 37,6 Millionen Schweizer Franken, der -Handel -und die Banken für 25 Millionen Schweizer Franken übernehmen. Wiener Börse. Ruhig. Die g.-striae Börse zeigte ein ruhiges Gepräge. Wohl war fit Börsen beginn einige Nervosität bemerkbar. Als aber im weiteren Verlause sich zeigte, daß die Banken mit ihrer Interoentioustäligk-eit sehr energisch einsetzten und das überschüssige Material reibungslos aufnehmen, machte sich sofort eine ruhigere Stimmung geltend. Die Kurs-e konnten sich aus einem relativ erträglichen Niveau halten. Es kam wohl jit Abgaben kleinerer Privatkonti, doch wurde die angebotene Menge ausgenommen. Der Geschäftsumsan-g war gering. Vorstöße der Prager Kontermine wurden mühelos abgcwiesen. ' In der Kulisse waren die Veränderungen nur gering. In einzelnen Kulissenwerten hatte die Intervention der Banken jede stärkere Emotion verhindert. Die Geschäftstätigkeit war beschränkt. Die Abbröckelungen überstiegen selten MO bis 10.000 K. Es senkten sich von den Bankwerten Britisch-ung. um 3000 K., Oest. Zentralboden um 1000 K., Och. Kredit um 1000 K-, Depositenbank um 3500 K., Anglobank um 5000 K., Läuderbank um 3000 K, Lombardbank. um 3000 K., Unionbank um 5000 K. Einen größeren Rückgang hatten aus Budapester Abgaben Ung. Kredit auszuweisen, weiche sich um >9 000 Kermäßigten. Auch die Jndustriewerte der Kulisse zeigten geringfügige Rückgänge, die nur selten 20.000 K. überstiegen. Alpine waren stärker begehrt und erholten sich um 14.000 K., ebenso erholten sich Semperit um 6000 K. Die meisten anderen Werte waren rückgängig. So 'büßten: Staatsbahn 12.000 K., Felten 11.000 K., Krupp 10.000 K-, Poldi 10.060 K., Poldi 10.000 K-, Rima 6000 K., Wagner 8000 K., A. E. G. Union 8000 K., Timber 16.000 K., Trisailer 5000 K., Brünncr Maschinen 6000 K., Oest. Hocherr 3000 K. ein. Auch im Schranken war das Geschäft nicht schr bedeutend. Hier waren Abgaben der auswärtigen Kvntermine vorübergehend zn beobachten, doch betrugen trotz alledem die Rückgänge nicht inehr als 10 Prozent. Es senkten sich: Apollo um 5000 K., Galicia um 100.000 K., Schodnica um 10.000 K., Wien-Floridsdorfcr 8000 K. Eine stärkere Einbuße erlitten Fanto, welche um 150.000 K. niedriger notierten. Bon den Transportwegen verloren Nordbähn 700.000 K>, Fünskirchner 35.000 K-, Kaschau-Qderberger 10.0M K., Leoben Vordernberger 25.000 K., Navigazione 35.000 K. Hingegen erholten sich Lloyd um 150.000 K. Von den Batterien waren Oest. Bau um 22.000 K., Union Bau um 10.000 K., Wiener Bau um Wiener Modenzeitung. 12.000 K., Königshoser um 32.000 K., Perlmovser >nn 100.000 K., Union Bau Materialien um 10.000 K., Ziag um 20.000 K. niedriger. Bezugsrechte: Handels A.-G. 15.000 K. Auf dem Aula gemarkte war die Geschäftstätigkeit gering. Von den Exoten notierten: Eos 1800 K, Effeff 20.000 K., Kuobloch 12.000 bis 13.000 K., Mrazniea 56.000 bis 62.000 K., Tepege 52.000 bis 56.000 K., Universale Bau 26.000 bis 30.000 K., Wiener Waffen 16.000 K. Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der heutige Verkehr, an der Warenbörse zeigte ein lebhafteres Bild und verschiedenerlei Warengattungen wurden umgesetzt. In Chemikalien traten unbedeutende Veränderungen ein, dagegen kamen einige exekutive Verkäufe vor, von denen erwähnenswert find: t090 Kilogramm Kupfervitriol zn 7100 K., 2500 Kilogramm Bleiglätte B. B. U. zu 11.000 K., 4000 Kilogramm Minium B. B. U. zu 12.000 K. Ausgeboten wurden: Bleiweiß chem. rein zu 15.000 K>. chlorlaures Kali zu 23 engl. PKnd transit Regensburg, Kremserweiß zu 17.300 K, Kupfervitriol 98/99 zu 7500 K., Paraffiit 50/63 iit Tafeln weiß zu 8600 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangen am 22. d., 12 Uhr, 30 000 Kilogramm Schwefel floristella und 30.000 Kilogramm Kupfervitriol. Oele und Fette. Dar Geschäft lag ruhig, jedoch bei preisbaltender Tendenz. Speisetafelöl war um 400 K. billiger zu 18.000 K. erhältlich. Nordamerikanisches Schweinefett purs larck, TicröeS notiert 80.50 Dollar pro 100 Kilogramm transit Wien. Kolonialwaren. Jutereffe war Kr ParadeiSmark vorhanden. Einige Abschlüsse erfolgten in Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze zu unveränderten Preisen. NeiS wurde offeriert in Burma II Original neue Ernte zu 5700 K. Exekutiv wurden verkauft 7000 Kg. Saigon glaciert zu 4750 K. ab Lager Wien. Zucker liegt andauernd flau, tschechischer ließ um 10 Punkte und ab Lager Wien um 200 K. nach. ES notieren: Kristall 3.70 tschech. K.. Würfel 3.95 tschech. K., resp. 10.700 K. und 11.500 K. ab Lager Wien. Zum öffentlichen Verkauf gelangten laut 8 311 des H. G. B. 20 Ballen Sohlenleder (zirka 1463 Kilogramm) zu 38,000.000 K. ab Wien. Zum öffentlichen Verkauf gelangen heute am 16. d., 12 Uhr, zirka 100.000 Kilogramm Benzin, am 22. d., 1 Uhr, 72 Kisten kalifornische Sardellenpasta. f ie Warenmärkte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Seide. Auf dem Mailänder Ssidemnarkte dauerte die starke Konkurrenz der asiatischen Seiden an. Das allgemeine Interesse speziell Kr Canton-Gregen war so bedeutend, daß selbst einige Lyoner Importeure ihre Verkäufer nach Mailand schickten. Tue Spekulation und auch die Crepefabrik kaufte sehr große Mengen. Der tiefe Preis und die Spekulation aus ein Sinken regten an. Die Preise sanken auf 210 und 200 Franken Kr Grege Canton Best 1 13-15 Verschiffung Mai-Juni. Auf einige bessere Berichte vom Produltionsplatze horten jedoch die Verkäufe sofort auf. Canton-Greaen zu 220 Franken sind kaum aufzutreiben. Die weniger große Verkaufslust der Importeure hat erholtes Interesse Kr Nostrauer Gregen gebracht. Vorteilhafte Lots finden bei der Fabrik mehr Beachtung, jedoch müssen die Forderungen reduziert werden. Da die Spekulation, die Canton-Gregen den Kokons vorzog, war das Geschäft gering. Der Preis sank auf 82,5 Lire. Pro Ende April sind aber noch bedeutende Kokonsverkäufe einzudecken. Amerika ist sehr zurückhaltend im Einkauf von asiatischen Seiden. Der inländische Konsum ist von 30.000 Bällen im Februar aus 26.500 im März gefallen. Da jedoch die Importeure seit einiger Zeit sehr wenig einkaufen, fiel gleichzenig die Einfuhr von durchschnittlich 25.000 bis 30.000 Ballen auf 16.700 Ballen im März. Das hat natürlich zur Besserung des inländischen Rohseidenmarktes beigetragen. Die Stocks sind leichter geworden. Nach- 16. Äpril 1924 —~ lg57 dein Lyon große Mengen Canton-Gregen und Crepe verkauft hat, ist das Geschäft in asiatischen Gregen etwas ruhiger. Zn tiefen Preiset: finden italienische Gregen wieder ntehr Absatz. Die asiatischen Märkte sind ruhig. Japan notiert 1880 bis 1900 2)en gegen 1980 Mn in der Vorwoche. Mrhmikrkte in St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgsnzeitung".) Borstenvieh markt. Angemeldet wurden Kr den gestrigen Markt 5177 Schweine, allein zu. Beginn desselben waren bloß 4947 Stück, darunter 2041 Fleisch- und 2906 Fettschweine, aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 429 inländische, 1305 ungarische, 940 ingoslawische, 742 dänische und 1631 niederländische. Außer Markt wurden 258 Schweine bezogen. Fettschweine tendierten bei ruhigem Verkehr flauer und erlitten gegenüber der Vorwoche einen Preisrückgang von 1000 bis 2000 K. pro Kilogramm. Fleischschweine haben in den meisten Fällen 500 K. pro Kilogramm eingebüßt. Es notierten: Fettschweine prima 23.000 bis 24.000 K., extrem 25.000 K., holländische Fettschweine prima bis 26.000 K., mittelschwer» 23.000 bis 24.600 K., Bauernschweine 23.000 bis 24.000 K., alte Schweine 21.000 bis 22.000 K.. alte dänische 20.000 bis 21.000 K. und Fleischschweine 23.000 bis 35.509 (26.000 K.) pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferdemarkt. Zum gestrigen Markte wurden 866 Schlächter- und 363 Gebrcntchspferde gebracht. Bei lebhaftem Verkehr notierten: Zugpferde leichte 6,000.000 bis 14,000.000 K., schwere 8,000.000 bis 18.000.000 K., Kutschpferde 6,000.000 bi» 14,000.000 K., Pferde Kr Schlachtzwecke 6500 bis 13.500 A. pro Kilogramm Lebendgewicht. Baumwollmarkt. Nrw-Vork, 14. April. Baumwollzuftchren in den atlanl und Golfhäfen 11.000, im Innern 4000. Ausfuhr nach Großbritannien 3000.—, nach vem Kontinent 14.000. Lokalmarkt wiäaimjk: 30.40 (letzt. Kurs 91.50). Tendenz: Kaum stetig. — Terminer Avril —.—, Mai 30.05, Juni —Juli 28.71,. August 26.40, September 25.80. Oktober 26.07, November —Dezember 34.48, Jänner 24.2P Februar —, März 24.22. Berliner Börse. Berlin, 15. April. Die bevorstehende viertägige Unter» brechung durch die OftcrfeiterWirst auf die Börse einen Schatten voraus. Die gestern begonnene Kursbesestiigung und Geschästsbölebung hat nicht angehalten. Die Börse bot' dccher wieder das alte Bild der Unsicherheit und Leblosigkeit. Die Kursbildüng war ungleichmäßig. Ansiangs zeigten sich in einigen führenden Papieren noch Erhöhungen von 1 bis 2 Billionen Prozent, wogegen die Mehrzahl der Werte Einbußen in ungefähr gleichem Ausmaß aufwiesen. Später wurde die Abbröckelung allgemein, so daß die Kursgewinne teilweise wi^er schwanden. Auf keinem Gebiet kam es zu Umsätzen von irgend Welcher Bedeutung. Dies gilt auch vom Rentenmarkt, wo 'heimische Anleihen überwiegend mäßige Kurseinbußen ersnhrett. Aehnlich war auch die Kursbildung bei den zu Einheitskursen gehandelten Jndustriepapieren. Auf dem Geldmarkt haben sich die Verhältnisse nicht geändert. Das gleiche gilt auch für die Devisen, wo die Nachfrage geringer war rntd die Zuteilungen unverändert blieben. Einige Kurse waren mäßig hinausgesetzt. (Alles in Billionen von Mark.) Schl « ßkurfer Türkische Lose 22.04, Oesterr. Staatsbahn 82.—, Nordd. Lloyd 6.6, Ver. Elbeschiffahrt 3.125, Berliner Handelsgesellschaft 33.25, Kommerz. Privatbank 4.75, Darmstädter Bank 8.5. Deutsche. Bank 9, DiSkonto- Kommandit 10.4, Dresdner Bank 5.75, Nationalbank für Deutschland —, Oesterr. Kredit 0.4, Oesterr. Länderbank —, Neichsbank 27.—, Wiener Bankverein 0.3, ' Wr. Unionbank 0.325, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 9.-, Bochumer Gußstahl 45.75, Daimler Motoren 4.2, Deutsch-Luxemburger 39.5, Deutsche Maschinen 7.—, Dynamit Nobel 6.5. Felten u. Guilleaume 26.625, ' Gelsenkirchener Berg. 43.9, Th. Goldschmidt 12.75, Harpener Bergbau 56.5, Hirsch Kupfer 28.75, Höchster Farben 12.75, Hohenlohe-Werke 25.26, Laurahütte 11.2, Mannesinannröhren 33.5, Phönix Bergbau 26.25, Schuckert u. Co. 32.75, Siemens u. Halske 40.—, Telephon Berliner 4.—, Dollarschatzanweisungen 82.70. CoD7rif?n> hy if jss Nachdruck verboten. Tkutsch-Lesterreichilcher Verlag, Wien 72. Forschung. Ire Heimatlsseu. Von Wilma Vukelich. Alfred dachte angestrengt nach. Es erschütterte ihn sondergleichen, sie, die.Klare, Zielbewußte, Ruhige, sie, die der: Berus der Aerztin gewählt hatte, um der Arbeit willen, ans Freude am Tun und Hoffen, die scheinbar so ganz >',nd gar im realen Leben wurzelte und seinen Bedürfnissen entsprach, die 'heiter war, weil sie den Ausgleich gefunden, die in sich selber beruhte, weil sie das Ziel ersah, sie, die Bekennerin, Hannah, so sprechen zu hören, und zu empfindet:, daß auch sie ihr Schicksal hatte. Tenn Judentum war ein Schicksal. Er erkannte das. Auch Lydia litt daran. Auch sie. Und Lajos. Und Daniel. So sicher sie waren. So zielbewußt sie schiemm. Und da nt: hörte er -Hannah weitersprechen. „Ich glaube, es ist das. Wir alle sind he rau sge rissen aus uns selber. Sind nur Frag-mente . . . Bruchstücke. Hub hier im alten Lande, in dieser ungesunden Atmosphäre, gelingt uns auch nichts Ganzes mehr. Nur Bruchstück? gelingen uns von dem, was wir leisten -könnten bei Entfalrung unserer ganzen Kraft. Und weil wir das erkannt haben, ist die Heimatsehnsucht gerade jetzt so groß wie noch nie . . Un d da tu: trennten sie sich unter demselben Torgang, in deffet: Dunkel Lydia Küher so oft verschwunden 'war. Und Alfred nahm Hannahs Stimme mit sich, und übertrug sie in seine Musik. Cr fühlte sich merkwürdigleicht. Und wußte: auch feine Stunde war nun gekommen. Das Merk wiirde nun Wiedererstehen und würde ein Stück Leben sein. Denn .Hannahs Stiminre würde seinem Merke die Lc'b-etrdigkeit geben... so tvi-e ihre Idee ihm selber die Seele . . .! Und er wußte: r.m den Schrei seines Volkes zu belauschen, nrußte er in die Tiefe dieser Seele laus..-e .. Und um sie zu erlösen, mußlc er sie zn Musik machen, daß auch andere von ihr. .;»>-tu cru'fs to-'den. Daß auch andere Mitschwingen. ’ Und Alfred hatte sein Thema gefunden. In dem 'die Posaunen dröhnten. Und leise Klagegesänge, in -denen eine Welt von Schmerz sich verdichtete, sich auflöste in den Jubel der Neugeburt und des Wiederfindens, in den Fanfarenklang der Begrüßung. Und eine irre Sehnsucht, die endlich die Heimat gefunden hatte, erlöste sich in rauschenden Schlußakkorden. Es war die Hymne Zions, die Alfred dichtete, an feuern Abend, als Hannahs Jubel'be'kenntnis und ihre ringenden Zweiselworte in seinem Blute waren. Me ein leiser Duft schwebte der Schmerz über dieser Hymne und eine letzte, niemals zu stillende Sehnsucht. Denn -Hannahs Augen waren voller Tränen gewesen. Und sie Nie inte um Daniel. * „Höre", sagte Lajos zu Daniel, als auch er einmal an einer solchen Zusammenkunft der Bekenner teilgenommen hatte. „Höre! Ihr packt die Sache beim Unrechten Zipfel an! Ihr erhitzt euch am eigenen Feuer, und der Schluß sind doch utopische Phrasen. Keiner hat was davon! Ich aber sage euch: ihr müßt eure Gemeinde erweitern! In die Kaffeehäuser ur:>d Nachtlokale müßt ihr gehen. Ueberall dahin, wo Bu!dapest sich amüsiert, ober an die Börse, bitte/ versteh' mich recht! Ihr müßt den anderen Predigen und. nicht i'tnmer nur euch selber, die ihr so ziemlich überze^ugt seid! Und ihr mßtet den Begriff des Judentums zurückführen aus sein Wesen... da würdet ihr Wunider erleben!" Lachend blieb Lajos stehen und hielt >den Freund arn Mantelknopf fest. Sie standen an der Kettenbrücke und die weiten Pro>menaden waren bereits menschenleer. Nur manchmal polterte ein schweres Gefährt über den schlanken, geschmeidigen Bügen. Ein elegantes Auto stürmte -dahin -mit lachenden, vermummten Gestalten, Nachtbummlevn, die u-eue Vergnügungen suchten. Drüben aber glänzte Ofen in einem Lichtcrkr^nz. und die dunklen Wellen der Donau zerbrachen in an steinernen Brückenpfeiler, „Ich v-evstehe dich nichttst sagte Daniel, ein wenig scheu, denn das Lachen des Freundes verstimmte ihn. „Aber ich möchte nicht, daß du durch geiistreiche und paradoxe Behanptungen den Begriff. . ." „Habe keine Sorgen!" meinte Lasos und strahlte vor Vergnügen und Zuversicht. ,^Jch bin meiner Sache sicher! Und wenn ihr selber nicht wollt, so werde ich die Sache in die Hand nehmen! Ja... das ist ein Ginfall! Das könnte mich reizen. Es -ist die Erweiterung der Idee! Auch -das Juidentttm hat Raum in der Idee . . . nur muß es vorher reduziert werden aus seinen wahren Gehalt. Aufgelöst werden in Menschlichkeit, so wie sich sede Idee schließlich aus eine letzte Menschlichkeit zurücksühretr läßt. Oder nennst du das Pa-radox? Wenn -man die letzte Gebun- -denhe'it zerreißt. Den letzten Zusammenhang findet. Wenn man die Schranken von Rasse zu Raffe zerstört, wie wir ja auch die Klaffemrnterschiede aufzuheben trach-tetr. Nennst du das paradox. Den Menschen erlösen aus Form und Norm, aus Vorurteil und geschichtlicher Gebundenheit? Ihm die Möglichkeit einer ganz freietr, ganz schra-nkeNlosen Cuffaltung geben. . . ttenust du da's paradox?" „Kannst du das?" fragte Daniel. ,Men-n dt: im luftleeren Raunte der Jde-e . . . einer Menschlichkeit, die bloß die Abstraktion alles Menschlichen ist und die außer in deinem Kopse n-irgetws aus Erden existiert. . , „So will ich sie schassen!" Laij-os -schmetterte. „Ich will sie schaffen, in-dem ich unter die Menschen gehe und ihnen predige: man foppt euch! Man täuscht euch! Man blendet eure Mtg-en! So lernt doch endlich sehen, die ihr ewig blind durchs Leben geht! -Man lehrt euch hasset:, inden: man euch auseina-nderveißt, indem man euch Begriffe anstatt Wirklichkeiten gibt. Indem man Schranken aufrichtet, wo es keine gibt-, und iurmer -nur das Trennen-dc hervorhöbt ... ja, indem -man dem einzelnen eine Maste anfzwinat, unter der sein menschliches Antlitz verschwindet. Ihr seht die Ra-rrenmaSke, die Pose, die gut a:ff -den Leib ge-schrie-bene Rolle . . . aber ihr seht nicht das le-idverzerrte Antlitz, den geknechteten Leib, weil ihr d'e l>util:it Lappen seht. (Fortsetzung, jolgt.)