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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-15 · Heft 1856 (15.4.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1856 (15.4.1924)
Date
1924-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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v w* “ , «fr,Sy * ,»'*\,s’ »v ()«" in - Elnze!mnnjnerR1?00 ieu: Zum Abholen in der Expedition, N.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf. in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I. Bez^ Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien tu Oesterr. monatl. K 85.000 Ts c b e c h o-S I owa k e i : Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinarÖO. Polen: Mon. 31/» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4,"Frankr., Relyien- Mon. Frcs. 12 0!"M a c V /j> h ' » n jf fi Q "ÄB be» Pteii^r hnhuagcn ' Vorbehalte» Ä Italien: Monat!. 12 Lire, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz, upd das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 •j Nr 185K Wrenr Lkenstagr IS. April 1924 Telephone: 44-0^38,'43-3-19, ' "h 6Uhr ahds.l 9-483,25-282 IX. Uni vers Itätsstf. 6—8 (Druckerei Stelnmann) O^.r^rre'Cnisches Rosispai ksflfpn jKonto; NTr. 150:698 , siahrgang Gegenseitige BeEmssredm. — Die Frage eines Kredits an Rußland. (Eigendrenst der „Wiener Morgenzeitung".) London» 14. April. Heute begann hier die ewMchtusiiiche Konferenz. In seiner Bsgvüß-ungsLMsPvache betonte MacDouald, daß die Anenbsnmnng der Sowjetregierung von seiten Großlhritanni-sns eine beding u n g s l o s e A n e r k e n n u -n g sei. Die britische Regierung wünsche, aus der britischen Anerkennung die praktischen Konsequenzen zu ziehen. Die nächste Ausgabe sei, die Vergangenheit zu liquidieren, die Kwlüschen beiden Ländern bcstchenden Rechte und Wichten zu Prüfen und festzustellen sowie für friedliche und vorteilhafte Beziehungen in der Zukunft zu sorgen. Dieganze Welt blicke gespannt aus den.Fortgang der Konferenz und würde von deren Erfolg nicht nur ihre zukünftigen Beziehungen zu Rußland abhängig machen, sondern sich auch ein Urteil bilden Mer die Wirksamkeit derartiger Verhandlungen zur Beilegung-von internationalen Schwierigkeiten. In seiner Ermilderung galb Räkowski der Hoff-- nung aus eine' . ' enge Zusammenarbeit zwischen Rußland und Großbritannien Ausdruck. Er betonte besonders die Notwendigleit des künftigen Friedens, für Europa und. die Notwendiigkeit der Enswassnu.vg.Er gedachte bei^.dieser Gelegenheit in syr^i^vMtz. Mqffei.des MkkeHu-ndes. .V;; y { Her eÄrt' 4)^4«J Rogiernng Wgla n^s - -die - bolle - antibolscholpWische Kampagne in der.Periode.des WaDnst'lllstandes uibevmmmt. Falls'Rußlands Schätzungen der Schäden in dieser Zeit anerkannt werden sollen, dann müssen, ebenso die .enMschen Schätzungen der rutischen Verpflichtungen anerkannt• werden,' wobei wahrscheinlich beide Schätzungen durch gegenseitige Annullierung außer Kraft gefetzt werden. Bevor sich die englischen - privaten Mündiger nicht befriedigt erklären, kommt sin Darlehen an Rußland nicht in Betracht. Inzwischen haben führende englische Baukicrs Mac Donald ein Memorandum überreicht. das die Bedingungen enthält, unter welchen ein Kredit an Rußland empfchlenswert wäre. Sie fordern Anerkennung der öffentlichen und privaten Schulden, Vergütung des kon- Der Mrumverttag verlängert. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) ‘ Berlin, 14. April. Heute fanden in Düsseldorf die Schlußverhandlungen zwischen den Vertretern der Industrie und der Mieu m statt. Die Verhandlungen führten zu einem Ergebnis. Das bisherige Abkommen wurde auf w e i t e r e z w e i Monate bis zum 15. Juni v c r* längert. Man nimmt an, daß bis zum 15. Juni die Angelegenheit des Sachverständigengutachtens soweit geklärt sein wird, daß ihre Anwendung auf die Micumlieserungeu von diesem Zeitpunkt an übersehbar ist. Ahinettswechsel in ZSnemark. Svsr Sozialistensührex Stauning mit der Regierung betraut. Kopenhagen, 14. April. Das Kabinett hat demissioniert. Der König hat den Sozialisteusührer Stauning zu sich berufen. Stauning hat die B ild u ng des Kabinetts angenommen. ' Iie französische Kammer geschloffen. Paris, 13. April. Die Kamnler hat gestern um Mitternacht die zwölfte L egi s l atu r p e r i v d e abgeschlossen. Der Senat hat sich bis zum 3. Juni: vertagt. siszierten Privatbesitzes an die Ausländer, Schaffung eines bürgerlichen Gesetzbuches sowie von Gerichtshöfen, die die Wiedereinsetzung der Heiligkeit der Privatvertväge garantieren. Weiter wird die Sicherheit des privaten Eigentums gegenüber den staatlichen Konfiskationen gefordert und freies Recht der englischen Bankiers und Industriellen verlangt, ohne Vermittlung der Regierung mit den gleichartigen Einrichtungen in Rußland zu verkehren und zu verhandeln. „Daily Chronicle" stellt der russischen Stellungnahme gegenMer, daß von keiner Regierung erwartet werden kann, daß sie die fremden Angehörigen bester behandelt als die eigenen und daß die Regierungen kein Recht haben könnten, den Privatbesitz ohne Kompensationen zu nationalisieren. Diese boiden Prinzipien ausrechterhalten, sind die Solwsets twtzdem bereit, die ausläMschen ' Opfer der Konfiskationen zu entschädigen, falls Rußland durch Gewährung langfristiger Kredite Gelegenheit geboten werde, sich wirffchafMch zu erholen. Erklärungen Mae Donalds. Im Unterhaus teilte Mac Donald aus mehrere Anfragen mit, daß erstens die e n glisch - russische Konferenz daraus Hinziele, die,zwischen England und •: Afüßkmd,bLslehLuden-.Sireitfrdn zu lösen; eine Teilnahme;aWrer Länder stehe dahe^'nÜh^in Frage; zweitens, daß. i-er-! te ineMitt.e'iKAEe,n g zwischen Japan und Rumänien erhalten habe; -drittens, daß er vor Abgabe einer 'Erklärung das Ende der gegenwärtig im Zuge befindlichen. Erörterungen über die B e r i ch t e. der Sachverstä n d i gen abwarten .werde; viertens, daß der Prozeß gegen die' Kiewer Professoren kein Gegenstand sei, bei dem sich ein englischer, offizieller Schritt als nützlich erweisen könnte. Auf eine Anfrage über die Haltung der englischen Negierung gegenüber der französischen und belgischen N u,h r b e s ätz u n g erwiderte Mac Donald, daß er im gegenwärtigen Zeitpunkte jede Aeußerung darüber verschieben wolle. Auf eine weitete Anfrage, ob die Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich und Belgien nach dem Vertrag von Versailles als gerechtfertigt angesehen werden könne, erfolgte keine Antwort. 78 Prozent der griechischen SevSlkernng für die ÄermM. Kunduriotis provisorischer Präsident. — Verhängung des Kriegsrechtes. Athen, 14. April. Nunmehr liegen aus f a st s ä m t l i ch e n Bezirken d i e E r g e b n i s s e der Volks a-b st i m m u n g vor. Durchschnittlich 7 0 Prozent der Abstimmenden haben sich für die Republik ausgesprochen. Die noch au'ssteheuden Ergebnisse dürsten das Verhältnis aus 75 Prozent bringen. Die Enthallung von der Stimmenabgabe tvar sehr gering. Die R 0 y a l i st e n erzielten eine Mehrheit nur in einigen Bezirken auf dem Peloponnes In Ath c n und in Piräus lauteten 75 Prozent Stimmen für die Republik. Die Presse und die öffentliche Ateinung begrüßen im allgemeinen den Sieg der R publik und sprechen die Hoffnung aus, daß dadurch eine Aera der inneren Versöhnung und der wirtschaftlichen Wiederaufri-chtnng eingeleitet werde. Die. Blätter der rotralistischen Opposition empfehlen ihren Anhängern, Rnhe zu bewahren. Das K r i e g s r e ch t ist in Kraft getreten. Regent Admiral Kunduriotis wird zu:m p r 0 v is o-r i s ch e n Präsidenten der Republik ernannt werden. .Der Presse ist für die Dauer von fünf Jahren jeder Angriff gegen die Republik verboten. Der gute Ruf der AMe. Bon Dr. Heinrich Schreiber. Was sich in der letzten Zeit an der Börse ybspielte» hat wohl dem Renommee der Aktie enipfindlichen ^Abbruch; getan. Die Verluste, welche der Besitz erleidet, sind unermeßlich, zumal sich schon seit Monaten die Kurse in abfallender Kurve bewegen. Wenn die.Kursgestallnng nichts weniger als lockt und auch das übrige Unt.. und. Auf der Aktie, wie insbesondere die Div ideude, keinen fesselnden Anreiz ausübt, dann schlägt die Vorliebe für die Aktie, welche die Jahre der Inflation hindurch so lebhaft vor- , geherrscht hatte, leicht r»n und es tritt ein Zustand öoat Gleichgültigkeit und Abneigung ein, welcher der Entwicklung des Aktienwesens nicht förderlich und nicht unbedenklich. ist. Die Anziehungskraft der Aktie hatte ohnehin mehr als genug . an Hemmungen und Vorurteilen zu überwinden, did sich im, Vorstellungsvermögen . des Sparkapitals eiugenistet und . festgesetzt hatten. Erst die üblen lind verderblichen Erfahrungen, welche die Zertrümmerung des Geldwesens gezeitigt hatte, erbrachte eine Schwenkung und Sinnesänderung zu- ■ gunsten der Aktie, die sie nicht enttäuschte, weil chre Wertschätzung ebenso hoch gestiegen war, als der: Wehtdes Geldes wich und dahin schmolz. Seitdem aber' der'Vasall des Geldwertes in der Stabilisierung seinen Halt gefunden hat, ließ . zwangsläufig der Elan. in der Kursen-twicklnug der Aktie nach und damit auch die gute Meinung für die Aktie, um sich bei fortgesetztem Kursrückgänge einpfindlich - zu drehen und zu verflüchtigen. Die Aktie hört daun leicht wieder auf, Liebkind zu sein, das so gerne aüf den Schoß genommen und liebreich gehätschelt wird. Die freundlichen Mienen der Inhaber werden exnst und mißmutig-und die - so 1 oft gebrauchte und ausgestoßene Parole, -haß: dSr Mir : die Zeit gehöre, beginnt -zu verflgueni-nnd .jnJin^m^isisigsni Stillschweigen ünterzugehen: - - - v -r / - Der alte Besitz' hat .sich' 'allmählich-. in 'h^.'UnMäll'Mg-»' verbohrt, daß die Kürsbesserüngen, an dem Friedenswert-- gemessen, nur eine Scheinblüte vorgegaukelt, dast die Kapitalsivermehrungen Wasser irr beit guten Wein gegossen haben und - die vermeintlich vorteilhaften und wertvollen Bezugsrechte, die als süße Lockspeise kredenzt wurden, unter den Verwüstungen der Kursstürze.arg mitgenommen üi;b um den Duft, ihrer Zurichtruig gebracht.wurden, iNicht bloß die vorüberziehende Spekulation, sondern auch die »konservative Hand, welche den . alten Bestand durch junge Zuwächse organisch zusammenhält, mußte freilich zu Schäden kommen, wenn sich die Kursrückgänge in Niederungen vollziehen, die selbst den bevorzugten, Begebungspreis, nnterbicieu. Der Aktionär hat das Nachsehen, das die bisnnu allzubescheidene Rente nicht rosiger gestaltcti- . . Der Ruf der alten Aktie wird dadurch unvermeidlich gefährdet und ist nahe daran, in Mißkredit zu geraten. Ihre Popularität, die in den letzten Jahren ganz gewaltig gestiegen war, könnte allzurasch schwinden: die Gefolgschaft, die ihr blind und. hmgebend geleistet wurde, wird bedächtiger und zaghaft und kritihhe und skeptische Anwandlungen, machen sich schon breit mit der These, die Konjunktur für die Aktie sei vorbei, sie reiße ab und es sei an der Zeit, ihr den. Rücken zu zeigen und sich von ihr abznwenden. Diesen Anfechtungen kommt freilich die mißgünstige Behandlung unzart entgegen, welche seitens der staatlichen Älussicht und Verwaltung dein. Effektenhandel widerfährt, welche darauf ausgeht, die Emission der Aktien und ihren Ab- und Umsatz mit drückenden Erfordernissen und stacheligen Belastuirgen zu erschweren und so -die Freude am Erwerb und Besitz von Aktien zu vergälleni Allerdings'hat es' der Effektenhandel sich niehrfach selbst zuzuschreibett, weimr er derart zum Handküße kommt. Seine Treue und AnhänglLchkeit für die Aktie hat er leichtfertig verleugnet und gebrochen, wenn ihm aus Abwegen höherer Liebes-lohn winkte, wie dies zumal in solchen Epochen geschah, in denen die Valutaspekulation in Blüte kam. Da ist der Aktienbesitz abtrünnig geworden, um sich vor fremden Götzen zu beugen, die freilich, als ihre Kraft jählings gebrochen war, , ihre Anbeter schnöde im Stiche ließen. Dann ist es zumeist ge- Hehen, daß die Aktie das Opfer zahlen und-herhalteu chußte, um die Bläßen des Götzendienstes zu decken und iM Verluste zu bestreiten, welche der Moloch des wilden Irrwahns verschlungen, hat. Gewiß, man kehrt immer wieder , zu seiner ersten, alten Liebe.zurück. Allein ihr Leumund, der ein heklles, gebrechliches Ding ist, hat unter der Zurücksetzung, die ihr

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