Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1851 (10.4.1924)
- Date
- 1924-04-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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‘ ' , V EInzeInnminerK120O Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldachmiedt,I.Bez„ WoIIzeüe 11. Mit Postversand für Wien Gestern, monatl. K 35.000 Ts c li e c h o-S I o wa her: Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3V» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Fres. 12 Nachzahlungen "WO be' Preiaerhohung-en vorbehulteo Wiener Der Scblederlcliter Polen:pole.nnt.350.000 Italien: Monatl. 12 Eire, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrige Aasland monatlich Frca.’4 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassel—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 19-483,?5-282 IX. Uni versltätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisebes Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1851 Wien. Svimerrtag. 18. April 1924 6. ZaHraimg Ae Berichte der Sachverständigen. Kontrolle der deutschen Finanzen. — Ae Kapitalsllncht. Die Gutachten dos crjtcm und des zweiten Ausschusses der Rcparationskommission liegen nunmehr vor. Wir haben den Bericht der ersten Kommission bereits in der gestrigen Ausgabe der „Wiener Morgenzeitung" veröffentlicht. Unsere Mitteilungen - decken sich vollinhaltlich nnt be>m amtlich gemeldeten Vorschlag. Er zeigt deutlich das Bestreben, zwischen den politischen und wirtschaftlichen Interessen ein Kompromiß herzustellen. Für Deutschland uird die volle Freiheit der Wirtschaft verlangt nmd so gegen die Okkupation des Ruhrgebietes Stellung genommen. Andererseits jedoch wird so ziemlich das gesamte Gebiet der deutschen Finanzen unter Kontrolle gestellt, das Moratorium abgelehnt mib der sofortige Beginn der Reparationszahlungen vorgeschlageu. allerdings gemildert durch eine Anleihe für die erste. Rate. Der Bericht des zweiten Sachverständigeuckomitees schätzt die d c u t s ch e n Guthaben im Auslände mit dem 31. Dezember 1923 auf etwa acht Milliarden G old mark. Hievon befinden sich 6750 Millionen an deutschem .Kapital im Anstande und 1200 Millionen ausländisches Geld in Dcntschlar^i Das Komitee hat es für nutzlos gehalten, bei den ansländischen Bankiers Umfrage zu hallen, da die deutschen Kapitalien im allgemeinen geheim nntergrbracht seien. Es wurde nach dem Gesamtbeträge der deutschen Guthaben im Auslande zur'Zeit des Kriegsausbruches geforscht; weiters wurden die aus verschiedenen Gründen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Defizit der Handelsbilanz eingetretenen Rückgänge überprüft und auch dem Gewinn aus der deutschen Ausbeutung der besetzten Gebiete / n Belgien, F r a n k r e i ch, R n m ä n i e n und Polen Rechnung getragen. Weiters wurden das Anwachsen der deutschen Guthaben int Auslande während des Krieges und schließlich die Veränderung bis zum 31. Dezember 1923 abgcschätzt. Ein Zuwachs ergab sich vor allem aus dem Verkauf von acht Milliarden Geldmark im Bantverk'chr. Der Bericht zieht auch den Zuwachs aus dem Verkauf von Waren, Wertpapieren und Grundbesitz, aus dem Touristenverkehr und aus den Einkünften der deutschen Guthaben in den abgetretenen Gebieten und anderes in Rechnung. Die Berichte wurden durch General D a w e s, den amerikanischen Vertreter und Vorsitzenden der ersten Kommission, der Reparationslonnnission in feicrlicker Sitzung überreicht. In seiner Antwort betonte der Vorsitzende der Reparationskommission Barthon den technischen Wert der Arbeiten der uneigennützigen Männer, die einzig und allein darauf bedacht gewesen seien, durch gerechte Achtung des Vertrages den Frieden Ins Urteil im Wlsr-Aozch. Zehn Jahre schweren Kerkers. Otto Elßler wurde von den Geschwornen wegen Mordes n'it zehn gegen zwei Stimmen schuldig gesprochen, worauf ihn das Gericht zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilte. Der Staatsanwalt hatte ä n s; e r st e Milde beantragt. Der Verteidiger meldete sofort die Berufung an. Sie deutsche Golddirkontbank errichtet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 9. April. Die deutsche Golddiskontbank ist nacfj riner Mitteilung des Reichspräsidenten Dr. Schacht am 7. d. errichtet worden. In den nächsten Tagen soll der Verkehr mit dein Publikum cmfgenommen werden. Sämtliche hierzu nötigen Lummen sind sichergestellt. zu sichern. Die Mitarbeit von Amerikanern sei ein Ereignis, desien außerordentliche Bedeutung die Zeit dartun werde. Die Reparation'skommission nehme ihre aus dem Vertrage hervorgehende Mission wieder auf. „Wir sind ein Gerichtshof, der weder Sieger noch Besiegte, sondern bloß Gläubiger und Schuldner kennt, deren Rechte und Verbindlichkeiten ein öffentlicher Vertrag geregelt hat." * In einem Begleitschreiben zu den Berichten, das vom General D a w e s stammt, heißt es unter anderem: Wenn die deutsche Negierung die Vorschläge verwerfe, würde sie mit Vorbedacht die Fortsetzung der wirtschaftlichen Demoralisierung wählen, die allenfalls ihr Volk in hoffnungsloses Elend stiirzen würde. * Am 30. November 1923 hatte die Reparationskommission die Einsetzung zweier Unterausschüsse beschlossen, von denen sich der erste mit der Prüfung der d e n t s ch e n Leistungsf ä h i g! c 11 sowie der Mittel zum Ausgleich des Haushalts und der Maßnahmen zur Stabilisierung der Währung beschäftigen sollte, während der zweite die aus Deutschland ab gewanderten Kapitalien bewerten und Maßnahmen zu ihrer Rückführung beraten sollte. Die amerikanische Regierung erklärte, daß sie einer Beteiligung privater amerikanischer Sachverständiger nichts in den Weg legen werde. Den beiden Ausschüssen, die ihre Arbeit Mitte Jänner in Paris aufncchmen und die anfangs Februar \\ Deutschland selbst das Quellenstudium dnrchführten, -gebHie^ an: Als Vorsitzender des ersten Ausschußes der frühere amerikanische Sparkommissär General Dawes, ferner der amerikanische Bankier Owen A o u n g.. Die englischen Vertreter in diesem Ausschuß waren einer der Direktoren der Bank von England, Sir Robert Kindersley, sowie der Steuers-achverständiae und Sekretär der Nobel-Gesellschaft Iosuah Stamp. Die französischen Vertreter waren der Verwaltungsrat des Credit Foncier Parmentier und Prof. A l ix. Für Italien der Großindustrielle Dr. P ir e l l i und der Nationalökonom Prof. Flora, für Belgien Bankier Baron H o u t a r t und Staatsminister F rang ui, Vizegouverue-ur der Societe General. Der zweite Ausschuß setzt sich zusammen aus dem früheren englifcheu Schahkanzler Mac K e n n a, dem amerikanischen Bankpräfidentcn Robinson, dem Direktor der belgischen Nationalbank Ianssen, dem stellvertretenden Direktor des Credito Italiano Albert i und dem Direktor der Banque de Paris et des Paps Vas A t t h a l i u. Beratung der Nestaratianskommission. Paris, 9. April. Die N e p a r a t i o n s k o rn- Mission hat in ihrer heutigen Vormittag ssitzung über das nach Ueberreichung der Sachverständigenberichte einznschlagende Verfahren keinen Beschluß gefaßt. Rach der Agence Havas werden die Delegierten vielleicht noch in dieser Woche offiziell darüber verhandeln und vielleicht am nächsten Montag in einer offiziellen Sitzung die verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit dem Abschluß der Arbeiten der Sachverständigen, darunter auch die der Anhörung der deutschen Vertreter, regeln. ZelWMWWMM in Mmest, kzermwitz MÄ Lmesvar. (Eigendicnst der „Wiener Morgsnzeitung".) Bukarest, 9. April. In B'n k a r e st, Ezernawitz und T e m e s v a r ist wegen schwerer a n t i s e >m it i s ch e r S tn d e n te u kra walle der Belager u n g s z u st a n d verhängt worden. Einige Präsesso re n werden sich wegen Aufhetzung zu Pogrom e n vor einem Militärgericht verantworten müssen. Bor der Auslösung der französische« Kammer. » . Paris, 9. April. Nachdem die Kammer heute vormittags den Gesetzentwurf über-die Wahlkreiseinteilung angenommen hat, dürfte die Session morgen, spätestens F re i ta g, geschlossen werden. .. . Ramsaner. Chiffon Herren- und Damenwäsche. Regenmäntel, er?gl. Wollstoffe. gestrickte Socken, Kleider, Kostfmie u..Jumper, alles erstklassig und b:ll?;,st im WARENHAUS -y. Wien, 10. April. Der Fall Elßler hat viel Aufsehen erregt und zu mannigfachen Reflexionen Anlaß gegeben, tue sich in wehmütigen Betrachtungen über die funkelnagelneue Erscheinung ergingen, daß das Geld die Moral verdirbt. Alle Essayisten, die nasebohrend den Problemen der Zeit nachsinnen und sie auf ihre Eignung zur Zeilenzapferei prüfen, haben an diesem Fall ausreichende Beschäftigung gefunden. Sie starrten entzückt auf den Goldregen, den Angeklagter und Zeugen auf die Wand des Gerichtes projizierten, und merkten nicht, daß es hier im Grunde eine alltägliche Geschichte war, die nicht im geringsten auffälliger ist als irgend ein Drama im Bauernhaus, wo der Neffe den Onkel oder der Onkel den Neffen wegen eines Grenzsteines mit der Mistgabel niedersticht. Daß aber dieser Prozeß oder vielmehr die Art seiner Durchführung durch den Vorsitzenden ein sehr tiefes politisches Problem ist, das in unsere Zeit hineingehört und von ihr gar nicht zu trennen ist, das soll nicht übersehen werden. Denn es ist ein System, keine Einzelerscheinung. Die österreichischen Richter sind in der letzten Zeit von der Parlamentsoppofition wiederholt in das Zentrum einer scharfen Kritik gestellt worden. Die Staudesvereinigung der Richter hat dies zurückgewiesen und sich mit viel Entrüstung gegen die Anwendung von Pauschalverdächtigungen gewehrt. Sicherlich mit Recht, weil ja die Verallgemeinerung an sich eine Gemeinheit ist, die am üppigsten in den Niederungen der antisemitischen Tollhäuslerei gedeiht- Aber die Oeffentlichkeit bemerkt doch,, daß sich die Fälle häufen, in denen sei es ein besonders hartes oder ein besonders mildes Urteil im Widerspruch zu dem einfachen Empfinden des Volkes steht, und sie ist geneigt, hier an ein' polisisches Einfügen des Richters, an eine geschmeidige Anpassung an eine bestimmte Richtung zu glauben. Und tatsächlich gibt es für die Wahrheit dieser Annahme so viele Symptome, daß sich in Wirklichkeit das Bild eines geschlossenen Systems zeigt, eines Systems, das sich genau mit dem geistigen Inhalt der herrschenden Parteigrundsätze und 'ihrer Einstellung zu den Dingen und Menschen deckt, wobei die betreffenden Richter diesen Parteien gar nickst anzugehören brauchen. Sie unterliegen dem Fluidum, das seit dem Anbruch der chrfftlichfozial-großdeutschen Sanierung die Luft durchsetzt, das man nie. fassen kann, aber in tausendfältiger, immer neuer Manifestation merkt. Es ist der Geist, der konsequent, aber langsam, beharrlich, aber unauffällig und mit viel Verbeugungen vor der modernen Kultur, das durch Krieg, Revolution und — Korruption arg ramponierte Prestige des Obrigkeitsstaates wieder Herstellen will. Eine Kerntruppe in diesem zumeist unterirdisch geführten Kampf bilden die Richter, denen berufsmäßig das Prinzip der Autorität sehr nähe steht und die ihm aus Gründen ihrer Auffassung vom sozialen Ausbau der Gesellschaft Geltung schaffen wollen. Die Richter -sind, mit wenig rühmlichen Ausnahmen, eifrige Diener' an dem Werk und sie üben die Macbt, die ihnen das Gesetz gibt, im Sinne dieser obsturen Tendenzen. Sie strafen den Schwachen und schützen den Starken. Sie-machen es jedem, der in den Radius ihrer Amtswirksamkeit gerät, klar verständlich, daß er ein Sünder ist, der bestraft werden muß. Immer so', wie das der Obrigkeit genehm ist. Ist es ihr nicht genehm, handelt es sich um Stützen dieser Obrigkeit, dann zeigt sich Milde. Die. zehn Kumpane des Nowosat gehen frei. Für alle Fälle aber ist der Richter der Repräsentant der Autorität. / Er herrscht den Elßler an, verhöhnt ihn, diszipliniert ihn, setzt ihn vor den Geschwornen herab. Der Richter erforscht nicht die Wahrheit als unbefangener und freier Mann, er dient der strafenden Gerechtigkeit. Er will sich nickst Rechenschaft geben von der zitternden Angst in dem Armesünder, der das Verdikt fürchtet und sich immer tiefer verstrickt- ■< - Herr 3tam]äfo*s, Richter, ‘ Äostxrt . spgar, spielt mit ihm Katze und Maus.^ .Um sin wie .HHer Ramsauer sind ein paar tausend, so-ist:.der Staatsanwalt Winterstein, der das Zuchthaus. als Kuranstalt für kranke Nerven begeistreichelt, so sind die meisten dieses Il„ TaborstrsBe 48 - Taleolw» En gros En detail