Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1849 (8.4.1924)
- Date
- 1924-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElszelnaminerKtfOO Vi«n: Zum Abholen in dar Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einar Verachleiaatelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien ddrch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez„ Wollzeile 11. Mit Postvamnd für Wien u. Oaaterr. monatl. K 85.000 Tnchecho-Slowakei: Kon. K18. sn^oHlavion: Men T)lnar60. Polen: Kon. 3% Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r ankr,, Belgien: Mon. Frei. 12 MT H*eh**Hlunr«t> bei PraiwrhohnB^n Vorbehalte* Nr. 1849 Wiener Du Schiedsrichter Dir ScliMtiitir ,.HÄOR'4fei Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Sch w e i z und das iibriffe Ausland monatlich Frca. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 19-483,25-282 IX. Uni versltätastr. 6—$ (Druckerei Sfelnmann) Oesterreichiaches Postspar» Vaeeen-Konto Nr. 150.693 Me». Dienstag. 8. W! 1924 6. Jahrgang Die“*';. 8n Bayern. Re Batzrifche Bolksvartel an erster Stelle. — Re Verfastungsönderuns abgelehnt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) München, 7. April. Da in Bayern bekanntlich das flache Land den Ausschlag gibt, lassen sich bis jetzt noch keine bestimmten Schlußfolgerungen für die künftige Zusammensetzung des neuen Landtages aufstellen; aber es ist auf Grund der bisherigen Ergebnisse aus der Provinz damit zu rechnen, daß sich die Völkischen an die zweite Stelle unter den Parteien schieben werden. An e r st e r Stelle wird wohl nach wie vor die bayrische Volkspartei rangieren. An dritter Stelle werden die vereinigten Sozialdemokraten stehen. Natürlich dürfte das nicht ohne Rückwirkung auf die zukünftige Zusammensetzung der Regierung bleiben. - Bis abends lag das Abstimmungsergebnis aus 159 Verwaltungsbezirken vor; 38' Verwaltnngsb^nrke stehen noch aus. Es wurden gezählt: . . Rom, 7. April. (TellEMorgenzeitung".) Die Zählung der Stimmen ist spät abends noch nicht beendet. Es fehlen noch viele Wahlresultate aus den einzelnen Provinzen, doch wird allgemein damit gerechnet, daß die saszistische Liste 60 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen werde. Die Wahlbeteiligung dürste 57 Prozent überschreiten, also nach höher sein als die Wählt 4s'ligil'Ng' vom Jahre 1931. Im großen und ganzen sind die Wahlen ruhig verlaufen. Zu Zwischenfällen kam es in A v e 111 n o, wo der Bruder eines liberalen Kandidaten, der der faszistischen Partei angehört, erschossen wurde. Schlägereien werden gemeldet aus Mailand, wo einige Kaufumgenoffenschasten von Faszisten geplündert wurden, ans Turin, wo ein Faszist von Kommunisten verprügelt wurde, aus Grecco, wo ein Faszist von einem Sozialisten angeschossen wurde und aus einer Schenke Revolverschüsse auf Faszisten abgegeben wurden. In M o d u g n o bei Bari mußte die Miliz von der Waffe Gebrauch machen, wobei eine Person schwer und zwei leicht verwundet wurden. In Reggio di Calabria kam e's zu Zusammenstößen zwischen Faszisten und Popolari. Es wurde niemand verletzt. Die Blätter betonen, daß diese Wahlen die ruhigsten seit langer Zeit seien. > . ' In Trie st sind keinerlei Zwischenfä 1le zu verzeichnen. Abgegebene Stimmen: 48.147. Davon erhielten die Popolari 1039, die Republikaner 4254, die. liberale Opposition Bonomi 326, die Slawen 5993, die Kommunisten 7103, die Faszisten 26.644 und die Maximalisten 1051 Stimmen. In Pola wählten 60 Prozent der Einwohnerschaft f a s z i st i s ch. In Z a r a wurden abgegeben: für die Faszisten 1784, für die Republikaner 220, für die Popolari 36, für die Slawen 63 Stimmen. In Mailand sind von 229.000 Wahlberechtigten 162.000. also 72,33 Prozent, zur Urne geschritten. Das Mahlergebnis lautet: Nationale Liste rund 58.000 Stimmen. EmheitssozialistLn 45.500, Maximalisten 20.700, Popolar; 12.160, Kommunisten 6300 und Demokraten 1780. In Tu rr n entfielen bei 55prozeniiger Wahlbeteiligung aus die Regier»ngsliste 28.943 Stimmen, auf Giolitti 11.002, aus die Republikaner 6163, aus die Umtavier 13.453. ans die Kommunisten 9672, aus die Maximalsten 437 Stimmen. Neberraschend ist das Ergebnis der Wahlen in den Abruzzen und in dem bisher stark sozialistischen Mo- Ist.. Hier 'haben von 519.000 Wahlberechtigten 360.000 gc.wihlt, davon 225.000 für die Regievungsliste. für die Vereinigte sozialdemokratische Partei 355.956, für den Deutschen Block 61.568, für die nationalliberale Landespartei 25.17'.°'. für die Kommunisten 179.323, für die deutsche Volkspartei 5087, für die Christlichsozialen 18.555, für den Völkischen Block 405.865, für die U. S. P. 2361, für die vereinigte nationale Rechte 167.115, für die bayrische Volkspartei 753.398, für die bayrische Mittelstandsvereiniauna Südqau 6282, ' ' für die Beamtengruppe Kratofiel 18.105 und für den Bauern- und Mittelstandsbund 184.362 Stimmen. Für den V o l k s e n t s ch e i d wurden gezählt: Ja 986.978; Nein 1,012.305 Stimmen. ' In'Neapel erhielten:' die Faszisten 83.320, die regierungsfeindlichen Liberalen 13.197, die Unitarier 6954, die Popolari 7021, die liberale Opposition 7507, die Republikaner 407, die Kommunisten 5236 und die Maximalisten 7061 Stimmen. Aus Sizilien werden folgende WahlMern gemeldet: Provinz Palermo: Faszisten 62.422, Sozialdemokraten 17.494, liberale Opposition 12.170, Popolari 10.182 Stimmen. Provinz Cattan ia: Faszisten 24.877, Sozialdemokraten 1062, Liberale 6561, Unitarier 1025, Maximalisten 900 Stimmen. Provinz Syrakus: Faszisten 36.322, Maximalisten 143 Stimmen. Die Wahlen in Südtreol. In Bozen hat die deutsche Edelweißliste eine überwältigende Mehrheit gefunden. Sie erhielt mehr als 2000 Stimmen, die Faszisten 582 Stimmen. In Bruneck erhielt die EdelweißlisLe 80 P r oz^ent, in Brixen vier Fünftel aller abgegebenen Stimmen. Auch in Meran weist die deutsche Edelweiß l i st e eine Mehrheit auf. Arbeite rerfolge bei de« englischen Gemeinderatewahlen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") London, 7. April. So weit die. Ergebnisse der Ergänzungswahlen in die Gemeinderäte vorliegen, ergeben sich enorme Gewinne für die A r beiterpart e i. In dem Londoner Edmonton bezirk wurden von 27 insgesamt neugewählten 11 Kandidaten der Arbeiterpartei gewählt. Da Re Arbeiterpartei bereits zehn Vertreter in diesem Bezirk besitzt, hat sie die Majorität. Auch in dem Gemeinderatsbezirk Malden hat die Arbeiterpartei eine Mehrheit errungen. Mac Lomld in der Minderheit. Die strittige Mietzinssrage. London, 7. April. (Reuter.) Die Regierung ist im Verlause der Debatte über die Mietzinsvorlage bei einer Abstimmung mit 221 gegen 212 Stimmen in der Minderheit geblieben. Premierminister Mac Donald erklärte im Unterhanse, die Regie mm, habe nicht die Absicht, zurückzutreten, sie werde sich jedoch mit der Frage noch beschäftigen. Ae Strafe. Wien, 8. April. Der Sieg Mussolinis ist keine Ueberraschung. Et war bereits in dem Wahlgesetz verbürgt, das die Oppositionsparteien von vorneherein zurücksetzte. Aber damit allein wäre doch dieses Ausmaß der faszistischen Stim- Menflut nicht zu erklären. Wahlgeometrie und Wahlterror sind wohl imstande, kleine Parteien üuszuschalten, dem Besitzstand der Parlamentsopposition hier und dort eine Ecke abzubrechen. Aber daß die Parteien der Kritik mit solcher Intensität ins politische Ausgedinge gedrängt lvevden, muß doch tiefere Gründe haben, die zum Teil in der Billigung der Regierungspolitik durch die Massen, zum anderen Teil in ihrem Haß gegen'die Parteien liegen. Mussolini, der Sieger der faszistischen Revolution, hat unzweifelhaft daran profitiert, daß die Wähler sich von den bisherigen Trägern ihres Vertrauens abgewendet haben. Es ist sicherlich richtig, daß seine hanebüchenen Methoden gemeinsam mit der Organisation >des Vatikan seinen Triumph sicherten. So wertvolle Unterstützung sich ihm hier bot und so trefflich die militaristische Schulung seiner Scharen an'der Vorbereitung der Wahlen arbeitete, so würde dies doch nicht ausreichen, um zu erklären, daß die Liste Mussolinis 60 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen konnte. Der Sieg liegt darin begründet, daß der Faszismus die Politik der Unruhe vermieden und in' weiser Rücksicht auf. den wirtschaftlichen Rückstand des Landes alle Menteuer unterlassen hat. .Er hat die.Fragen, die er nach dem Neapler Kongreß vorfand,, nicht gelöst, aber auch nicht verschlimmert. Die rasche Beendigung des Streites mit Jugoslawien, die Italien zur Vormacht'auf dem Balkan machte, ist zweifellos. ein auch vom Standpunkt des italienischen Steuerzahlers kluger Schritt -gewesen, und die von Mussolini begonnene, Herstellung normaler Beziehungen zu Sowjetrußland hat ihm viele Sympathien in den Kreisen der Arbeiter ein* getragen, die sich dann am Wahltag äußerten. Noch mehr hat ihm die aufgelöste Kammer geholfen, die sich vor ihm duckte und deren jämmerliche Feigheit in der Bevölkerung nur Verachtung wecken konnte. Mussolini hat das Programm des Friedens und der sozialen Ruhe nicht erfunden und nicht proklamiert. Aber er hat in der Innenpolitik und auch nach außen viele Befürchtungen nicht ausreifen lassen und die Bureaukratie in eiserner Zucht gehalten. Bleibt es bei seiner Politik, dann wird auch der Faszismus eine andere Form annehmen können. Anders verhält sich die Sache in Deutschland. Der Wahltag in Bayern hat den von 5>cn Völkischen erhofften großen Sieg nicht gebracht, aber doch gezeigt, daß ihre Parole des Hasses, ihre verzerrte und verfälschte Kopie des Faszismus einen groben Teil der bayrischen Bevölkerung gefangen hält. Auch dies ist keine Ueberraschung und auch dieser Wahlausgang ist ein Zeichen des Zornes und der Enttäuschung, die sich weiter Kreise angesichts der Schwäche und Ideenlosigkeit der republikanischen Parteien bemächtigt hat. Der bayrischen Wahlen ist die urterhörte Gerichtskomödie des Hitlerprozesses vorangegangen, die den Hochverrat zur volkserlösenden Tat stempelte und den Gedanken der-Demokratie und der Republik zum Kinderspott erniedrigte. Die Regierung, die Hüterin der Verfassung, hat dies zugelassen. Die Parteien, die als freiheitlich gelten, besonders aber die sozialdemokratische, haben ihre eigene Sache im Stich gelassen und ihre Tätigkeit hat darin bestanden, sich im Hurrcihpatriotismus von niemandem übertreffen zu lassen. Das bekommt der Wähler bei den Völkischen viel bester unb mit mehr Geschrei, und darum zieht er Ludendorff mit seiner Militärmusik den senilen, liberal und demokratisch tuenden Bonzen vor. Freilich ist dieser Ludendorff, der geniale Stratege und Taktiker, so ungeschickt gewesen, mit der katholischen Kirche anzubmden, ivas Mussolini eben nicht getan hat. Beide erhielten die Quittung. Auf dem flachen Lande zeigte sich die katholische,Volks- Partei im vollen und festen Besitz der kochenden. Vllksseele. Mussolini aber konnte.die Popolari ob ihres Nngehorsams gegen die Kurie schlagen. Mussolinis Sieg. Damenwäsche Englische Stoffe für Herrenn. Damenkleider, Jacken u. Jumper aus Wolle u. Seide, Regenmäntel u. Textilwaren, alles erstklassig u. billigst Im Warenhaus li! Schiff mann II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-70 Bn gras Br datall 0931