Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1847 (6.4.1924)
- Date
- 1924-04-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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// h V/' ElnzslmumnerKUOß Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11^1'ahor»tr.l-3, oder in einer Versch lei »stelle STreflk^ monatl. K 35.000 traesen verkauf in Wien dureh die Kolporteure der Firma Goldschm?edt,1.8er.. Wollzeile 11. Mit Pontversand für Wien u. Oesterr, monatl. K 35.000 Tschecho-Slowakei: Mon. IC18. Ineoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. 3*/» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r„ Belgien; Mon. Frcs. 12 Nachzahlungen bei Prei*erh5hun?en Vorbehalten Wiener . . ♦. Der erste Kuss .avvaH Poenif)oin,Mk350.000 Italien: Monatl. 12 1 .ire, Rumänien Mon. 1301 ei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schwei? und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Tahorstrasse 1 —3 Teleohone: 44-0-38,43-3-19, ah ^TJhrahds. 19-483,25-282 IX. Universltätsstr, 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches?ostspar> hassen-Konto Nr. 150.693 MMUMMDMi aiigiiiiadji Nr. 1847 Men. Sonntag. 6. Avril 1934 8. liahrgang MMkontrok und Ruhrsrage. Ae Unterredung -sefch-P>i»mr *. — Set SMlvtz der Sotfchastertonfereur. (Eigendie-ist der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 5. April. Nach Len offiziösen 3r.limge» der Unterredung zwischen Poincare und ‘u. ö o e sch habe Poincare dem deutschen Botschafter erklär das; die Nichterneuerung der Micumverträge, die am 15. d. Mausen, von der französischen Regierung als eine Wiederaufnahme des passiven Wider st and es angesehen würde, die zu neuen Sanktionen, vor allem aber zur Auslosung aller bestehenden Abkommen, führen müsse, v. Hoesch habe darauf ein provisorisches Abkommen für die Dauer eines Monats vorgeschlagen. Auch über die M i l i t ä r k o n t r o 11 c sowie über die Berichte der Sachverständigen sei gesprochen worden. Wie dem Vertreter der ,.Europa Preß" von Berliner unterrichteter Seite erklärt wird, habe Hoesch Poincare erklärt, daß die Micumverträge in ihrer heutigen Form weiterhin undurchführbar seien, zugleich aber Poincare eine Reihe von Abänderungsvorschlägen unterbreitet, der eine schleunige Prüfung durch die französische Regierung zusagtc. Dev Beschluß der BoLfchafterkorrferenz. Paris, 5. April. (Hadas.) Die Botschafterkonferenz befaßte sich heute mit der deutschen Antwortnote betreffend die Militärkontrolle. Es wurde der .Beschluß gefaßt, die Aufmerksamkeit der allii e r t L n R e g i e r u n g e n auf die Note zu lenken. Die Antwort der deutschen Regierung, die nach der EiHtLmnig der Rechtspresse „die nationale Ehre" wahrt, besteht in dem Gegenvorschlag, es sei die Frage der Durchführung einer Nachprüfung über den deutschen Abrüstnngsstand dem Völkerbund zu übertragen. Es solle Sache des Völkerbundes sein, zu prüfen, oib' die Voraussetzungen zur Anordnung einer Spezialmrtersuchung gemäß Arli^l 213 des Versailler Vertrages gegeben seien. Die deutsche Regierung begründet ihren Gegenvoü'chlag damit, daß die Frage der Aufrechtechaltung des durch die deutsche Abrüstung geschaffenen Zustandes bereits in d en Rahmen der aNg em e i n0 n Abrüstung hineingehöre, für deren Aeberwachnng und Prüfung nur der Völkerbund zuständig sei. Der Völkerbund wird in der Lage sein, durch gleichzeitige Einleitung des tatsächlichen und allgemeinen Ab'rüstungsaktes die breire Oeffentlichkeir davon zu überzeuigen, daß die etwa für notwendig gehaltene Untersuchungshandlung nicht einer dauernden Aufrechrerhaltung des jetzigen Mißverhältnisses zwischen dem Deutschen Rüstunasstand und demjenigen seiner Nachbarn, sondern d-x, ehrlichen und endgültigen Befriedigung Europas dient. Die offizielle französische Note. Die Agence Havas veröffentlicht folgende offiziöse Note: Die französische Delegation ans der Botischafterkonferenz legte heute vormittags dem deutschen Vertreter die Anschauung der französischen Regierung über die Behandlung dar, die die deutsche Antwort auf die Note der Botschafterkonferenz betreffend die Wiederaufnahme der Militärkontrolle erfahren soll. Paris, 5. April. Ter Leitartikel des „Temps" teilt mit, daß bei der heutigen Botschafterkonserenz der italienische Vertreter Baron A v a z i a n o nicht Persönlich erschienen sei und der englische Botschafter Crewe noch keine Instruktionen erhalten habe, weshalb die Beratungen Provisorisch auf Ende nächster Woche vertagt worden seien. Das Matt schlägt vor, das Anerbieten der deutschen Regierung, die Militärkontrolle vo m Volke r b u n d durchführen zu lassen, , unter der Bedingung aüzunehmen, daß die Engine. sofaH stattsyidei Auch soll der gegenwärtige Stand der Rüstungen nicht mit jenen von 1922 und 1323 verglichen werden^ sondern mit den Vorschriften des Friedensverirages. Diese Vertreter seien auf Einladung des Völkerbundes zu ernennen. Der Sachverftärrdigenberrcht. Paris, 5. April. Der erste Bürstenabzug des Berichtes der Experten ist bereits hergestellt. Es werden noch einige kleinere unwesentliche Korrekturen vorgenommen. Der Bericht kann jedoch aus technischen Gründen kaum vor Mittwoch oder Donnerstag der Reparationskommission übergeben werden. Mßmg des belgische» Franken. (Eigendienst der ..Wiener Mongenzeitung".) Paris, 5. April. Der Brüsseler Korrespondent der „L'Jnformation" meldet heute seinem Blatt, daß ein Brüsseler Bankenkonsortium mit amerikanischen Banken über die Stabilisierung des belgischen Franken Verhandlungen angeknüpft habe, und zwar würde sich die Operation folgendermaßen gestalten: Die „Societe national des credites a l'induftrie" wäre bereit, e i n e M i l l i a r d e ihrer Aktiven zu mobilisieren. Diese Milliarde würde es erlauben, während 20 Jahren Kredite in Pfund und Dollar aufzunehmen, um auf d'ese Weise die Stabilisierung des belgischen. Franken zu sichern. Ein Konsortium von Schweizer Banken würde an diesem' Geschäft partizipieren. ßtMdrecht in Ankarest. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeituug") Bukarest, 5. April. Infolge der zunehmende n Sind e nten tt n r u h e n beschloß der' 9)1 i nt sterrat heute für Bukare st das S t a n d r e ch t zu erlassen. Die O r d n u n g s k o n trolle geht dadurch auf die M i l itärbeHörden und die Kriegsgerichte über." Während der Abwesenheit des Königs bleibt das Parlament geschlossen. __ Heute italienische Wahlen. Rom, 5. April. Morgen Sonntag finden in ganz Italien die Neuwahlen zur Kammer statt. Der Sieg der Regiernngsliste kann bereits als feste Tatsache gelten. Die Wahlkampagne war außerordentlich erbittert und stand unter dem Terror der Faszisten. Wegen der Wahlen bleiben heute und Montag auf Weisung der Negierung die Börsen im ganzen Lande geschlossen. Re falsche MvratoriumMeldMg. We bereits gestern berichtet, hat der österreichische Fiuauzmimster Dr. Kienböck den Herausgeber der „Times" ersucht, die Falschmeldung über ein Moratorium in Oesterreich zu widerrufen. Tic „Tinies" dementieren ihren Bericht und erklären, daß wegen der Fvankenverluste der österreichischen Fiuanzwelt kein Moratorium beabsichtigt ist. Der österreichische Völikerbuttdkommissär Dr. 31 nt nt c r nt a n ersucht die „Times", dem Dementi hinzuzufügen, daß ein Moratorium' niemals erwogen wurde und absolut überflüssig sei. Wie wir erfahren, ist der Urheber der Falschmeldung der Wiener wirtschaftliche Korrespondent der „Times", Herr Hugo Reumann, ein gewesener österreichischer Konsulatsbeamter.. An informierter Stelle wird uns dies bestätigt. Es ist gegenwärtig eine Untersuchung im Gauge, die festsiellen soll, ob Reumann seine Meldung zu Börs c n z wecke n hinaustelegraphiert hat. ' Abbau der MiMrdittatur in Spanien. [ Madrid, 5. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnug".) Das Amtsblatt veröffentlicht eine Verfügung, durch die das Direktorium ermächtigt wird, die provisorischen Milkt ärg andern eure durch Zivilgonvernenre zu ersetzen. Es ist dies der erste Schritt, der in Spanien zur Rückkehr von der Militärdiktatur zum bürgerlichen Regime gemacht wird. Die Versiigung erregt im ganzen Lande ungeheures A u f s e h e n. Doch glatlbt man, daß das Direktorium wahrscheinlich noch längere Zeit an der Macht bleiben wird. Aus dem Znhalt der heutigen Nummer: Zur Beurteilung der Frankenfpekulationsgefchäfte nach österreichischem Recht von Rechtsanwalt Dr. Josef Stein. Turanische Phantasien. Fahrendes Volk 2, von Jakob Krausz. Ueber den Umgang mit Tieren von E. G. Fried. Philisterersatz von S. Meisels. Bücherwanderung. Die erste Bankbilanz. Ludeudorffs Gesetz. —y. W i e n. 6. April. Sechsundzwanzig völkische Gruppen treten mit ge» sonderten Listen in den deutschen Wahlkampf. Die Nachricht kommt aus völkischer Quelle und trägt den Zweck, beruhigend und einschläfernd auf die Demokratie zu wirken, in scharfer Prägung auf der Stirn. Diese sechsundzwanzig Gruppen stimmen alle miteinander bis auf geringfügige Schattierungen Her Tonart in den Grundlinien überein. Sie wollen die Macht, die sie bereits besitzen, auch legalisiert haben, sie wollen die Regierung, die sich vor ihnen beugt, ganz und voll in die Hand bekommen, um dann ihr Programm zu verwirklichen und durch den Reichstag, den Repräsentanten der Bolkssouveränltät, zu bestätigen. Weise und Text des Programmes ist bekannt: Bürgerkrieg, Judenhaß und Kaserne. Diese drei Pfeiler . sollen in Hinkunft das deutsche Dach tragen, diese drei Pfeiler sind durch Verlauf und Ende des Münchener Prozesses in das Licht gestellt worden, und die Prediger . dieser Lehre, die Angeklagten dieses Prozesses, stehen im Wahlkampf in vorderster Reihe und verkünden als Rettung: nach blutigem Sieg am Rhein die Kaiserkrone zu heben, die Juden, herrschaft in Berlin zu stürzen und über die November- Verbrecher das Strafgericht zu halten. Diese Parolen geben auch den anderen Parteien die Wegrichtung, sie beherrschen mit für und wider die Wahlbewegung und schreiben den Konkurrenten das Gesetz des Handelns vor. Es war immer die Theorie des deutschen Militarismus, die Initiative an sich zu nehmen. Er tat dies im Weltkrieg, indem er die belgischen Verträge zertrat. Er tut dies diesmal mit dem Sturm auf die Weimarer Verfassung und die innere Ruhe Deutschlands. Und so wie vor zehn Jahren kann auch jetzt die Entscheidung in Deutschland zu einer Angelegenheit Europas werden und wieder nicht im guten Sinne. Aber das deutsche Reich steht heute ohne Rückendeckung. „Nichts wäre unheilvoller, als wenn Deutschland gerade im jetzigen Augenblick sich der Reaktion in die Arme werfen würde", schreibt der „Manchester Guardian" im Hinblick auf die gegenwärtig zwischen den Alliierten und Deutschland schwebenden Fragen. Es ist sehr zu befürchten, daß dieses Unheil eintreten wird. Es zeigt sich schon jetzt am politischen Horizont und hat, noch che es zur vollen Tatsache geworden ist, sich schon ausgewirkt. Die deutsche Regierung, die sich in allen Reden, für die Erfüllungspolitik einsetzt, ist noch immer der Gefangene jener Kreise, die noch außerhalb der Macht und der Verantwortung stehen. Der Appell des englischen liberalen Blattes macht Deutschland ernste Vorstellungen über die Torheit, die es bedeuten würde, jetzt England vor den Kopf zu stoßen. Aber an wen richten sich diese Warnungen? An das Deutschland der Quidde und Zeigner oder an das Deutschland der Luddendorff'? Dieses letztere hält die Regierung unter Druck und ruft seine Kriegsrufe durch tausend gut gefütterte Zeitungen in das Volk, die Rufe, denen das Gericht die Autorität beistellt. - Die Warnungen sind an die Regierung adressiert, die dm so empfindlichen Augenblick vor der Veröfsentlichnngen der Expertengntachten nicht anders ausznnützen weiß, als die Note über die Militärkontrollc mit dem Vorschlag zu beantworten, der Völkerbund möge auf Grund des Artikels 213 des Versailler Vertrages die Frage der allgemeinen Abrüstung Prüfen. Das sind so die Scherze, die im Kriege in Berlin beliebt waren, so oft sich ein Fricdensfuhler auf der Gegenseite zeigte. Aber zu jener Zeit stand doch Deutschland im vollen Schmuck der Waffen, während es heute der Besiegte ist. Diese Stellung ist unbequem und leidvoll. Aber sie ist Teppiche Herren- und Damen Wäsche, Regenmäntel, engl. Wollstoffe, ferner Bettzeug u. Webwaren, alles erstklassig und billigst im Warenhaus Schiffmann II. Taborstrafte 48 Teießhon 47-1-78 En gros En detail