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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-03 · Heft 1844 (3.4.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1844 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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März begonnene rnssisch-rum8ttische Konferenz ist gestern nachmittags resultatlos abgebrochen worden. Beide Delegationen werden in den nächsten Tagen Wien verlassen. Die österreichisch-rumänischen Verhandlungen nehmen ihren normalen Fortgang. Ueber die gestrige Schlußsitzung der russischen und rumänischen Delegation liegt uns der folgende Bericht vor: Zu Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende der Sowjetdelegation, Krestinski, im Namen der russischen Delegation in Erwiderung aus die in der Sitzung vom 31. März von der rumänischen Delegation gemachten Ausführungen eine ausführlich e E r k l ä r u n g ab, in der der Standpunkt der russischen Regierung zum Ausdrucke gebracht würbe. Danach halt Rußland an seinen Ansprüchen auf Beßarabien fest. Am Schlüsse sagte Herr Krestinski: „Mr schlagen der rumänischen Delegation vor, von der Stellung irgendwelcher Vorbedingungen Abstand zu nehmen, «nd an die gemeinsame Beratung der Voraussetzungen der Organisierung eines Plebiszites in Betzarabien heranzutreten. Die Sowjetdelegation lehnt entschieden den Versuch ab, ihr die Verantwortung für das weitere Schicksal der Konferenz aufzubürden. Sollte die rumänische Delegation sich weigern, die Arbeiten der Konferenz fortzusetzen, so wird die Verantwortung dafür ausschließlich die rumänische Regierung belasten." Nach kurzer Pause erklärte der Chef der rumänischen Delegation, Langa-Raseann, daß die rumänische Delegation die Erklärung zur Kenntnis nehme, wonach die Delegation der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken, ihre Ansicht nicht andern zu dürfen glaubt. Sie bedauert, daß alle ihre Anstrengungen, zu einem gütlichen Einvernehmen z« gelangen, so wenig Widerhall gefunden haben. Sie ist überzeugt, daß sie alles, was ihre Pflicht, im weitesten Sinne des Wortes, raten konnte, getan hat. Die rumänische Delegation hofft, daß die Regierung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken geneigt sein wird, zu den gelegentlich der L a u s a n n e r Besprechungen vereinbarten Berhanlungsgrundlagen zurückzukehren, und erklärt, daß die rumänische Regierung bereit ist, die Verhandlungen wieder auszunehmen, sobald es der Negierung der Union genehm erscheinen wird, sie auf diesen Grundlagen fortzu'etzen. Die rumänische Delegation stellt fest, daß die Delegation der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken es ablehnt, . hinsichtlich des Plebiszits ihren Standpunkt zu ändern und sich auf diese Werse von den in Lausanne festgesetzten Verhandlungsgrundlagen entfernt. Die Regierung der Union der * sozialistischen Sowjetrepubliken übernimmt somit hinsichtlich des Schicksals der Konferenz jede Verantwortung. Die rumänische Delegation, die festgestellt hat, daß trotz allen ihre« Anstrengungen die Delegation der Union her sozialistischen SowjettepMttey aus ihrer ünversShn- ■ lichen Haltung Scharrt, steht sich indes genötigt, die Verhandlungen zu vertagen und nach Rumänien zurSSzukehren, woferne die Delegation der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken es für unmöglich hält, selbst aus ihren Standpunkt zu verzichten. Da die Thesen der beiden Delegationen nicht miteinander in Uebereinstimmimg gebracht werden konnten, wurden die Arbeite« der Konferenz als beeendet erklärt. Die Mitglieder der beiden Delegationen werden in den nächsten Tagen in ihre Heimat abreisen. Nach Schluß der Konferenz beglückwünschten die Chefs der beiden Delegationen einander zu dem h ö flichen Ton, in welchem die Verhandlungen geführt wurden. Her BEI der ZMrrNndiM. Das Moratorium für Deutschland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 2. April. Für Samstag oder Montag wird die Veröffentlichung des Berichtes der, Experten über die -Zahlungsfähigkeit Deutschlands erwartet, nachdem gestern eine Einigung zwischen den englischen und französischen Kcmmissionsmitgliedern erzielt wurde. Nach Angabe des „Matin" hätten in den wichtigsten Punkten die französischen Sachverständigen ihre Kollegen überzeugen können. Die in dem Bericht enthaltenen Ziffern böten Frankreich die Gemrgtuung. daß die Anzahl der Annuitäten nicht begrenzt fei. . Insbesondere habe man zum ersten Male ein ganzes System ausgearbeitet, dessen Zweck darin bestehe, die politische SchuldDeutschlands schrittweise in eine finanzielle Schuld gegenüber seinen zahlreichen Gläubigern auf der ganzen Erde umznwandeln. Das Blatt meint, es sei notwendig, daß man noch vor den deutschen und den französischen Wahlen zu einer Lösung der Reparationsfrage komme. Der „Petit Parisien" glaubt zu wissen, nach. Mitteilungen aus dem Hotel Astoria werde das Moratorium, das Deutschland für seine.Zahlungen werde eingeräumt werden, auf drei oder sogar auf vier Jahre ausgedehnt werden. Der Bericht, der bereits zum Teil in Druck gelegt worden ist, stellt.ein sehr umfangreiches Dokumen t dar. Ter Teil .mit.den S chlu ß fo lge ru ng e n der Experten umfaßt mehr als 60 Schreibmafchinseiten, die Annexe mehr als 70 Seiten. Insgesamt umfaßt der Bericht etwa 75.000 Worte, die sofort nach den Vereinigten Staaten gekabelt werden, um dort gleichzeitig wie in Frankreich zur Veröffentlichung zu kommen. BttWerum aller RMk-ManLate. Pasie abermals in die Minorität gedrückt. (Eigendienst. der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 2. April. Die gegen den Willen der Koalitionsregierung begonnene Verifizierung der neu vovgelegten Radic-Man-bate wurde heute fortgesetzt und volllende t, indem der Rest von 27 Mandaten ratifiziert worden ist. Somit sind jetzt 61 M a n d a t e d e r Radic-Partei im Ausschuß ratifiziert, davon 20 bereits auch in der Skupschtina. Da die restlichen Mandate auch im Parlament anerkannt werden, gerät die Regierungspartei in eine st a r k e Mi n d e r h e i t. In Koalinonskreifen sicht - man als einzigen Ausweg. die A u sschreibuirg von Neuwahlen, denen man einen nationalen Anstrich geben will. Als Wahltag will mau, um diesen Charakter zum Ausdruck zu bringen, den Nationalfeiertag, den 28. Juni, ansetzen. 8i« Bombenwurf in NeatzrI. Nom. 2. April. In das französische Bereinshaus in Neapel ist eine Bombe geworfen worden, die einen Faszisten tötete und einen anderen schwer verletzte. Re Werten. —y. W i e «. 8. April. Die Sachverständigen haben sich endlich geeinigt Sie kommen spät, allein sie kommen. Sie hatten die Zahlungsfähigkeit Deutschlands im Hinblick. auf die Reparationsleistungen zu prüfen, demnach eine sehr schwierige Aufgabe zu erfüllen. Man weiß, wie schwer es für Regierungen ist, in finanziellen Fragen zu einem Einvernehmen zu gelangen. Umso schwerer ist dies für Sachverständige, die gewöhnlich zu den hartnäckigsten Menschen gehören. In diesem Falle spielten die verschiedenartigsten politischen Momente in ihre Arbeit hinein, Rücksichten auf die erteilten Instruktionen, auf die wirtschaftlichen Interessen ihrer Auftraggeber und auch noch die persönliche Einstellung zu dem zu losenden Problem. Der Bericht ist in den Einzelheiten noch nicht bekannt, aber da man aus dem „Matin" erfährt, daß die Anschauungen Frankreichs durchgedrungen sind, so kann man sich keinem Zweifel darüber hingeben, daß die zu Wahlzwecken gebrauchten Aeußerungen Stresemanns von der Festigung der deutschen Wirtschaft in idealer Gemeinschaft mit den Details des Hitler-Prozesses ihre unerfreuliche Wirkung getan haben. Es ist zu erwarten, daß sich diese Verschlimmerung in den nächsten Tagen noch erweitern wird, wenn der Bericht der Experten zur allgemeinen Kenntnis kommt und die näheren Aufklärungen dafür bringt, wie das vonr „Matin" angekmrdigtc System aussieht, das „die politische Schuld Deutschlands in eine finanzielle Schuld" umwandest. . Wenn man solche Worte hört, so muß sich in diesen: Falle dabei auch etwas denken lassen. Es ist ein.neuer Stotz, gegen die Versöhnungsabsichten Englands und es ist zu konstatieren, daßdie Initiative hierfür - nicht aus Frankreich allein kommt. Die neuerliche Radikalisierung der öffentlichen: Meinung; ist durch die Entwicklung der deutschen Wahlkampagne naturgemäß gegeben und diesmal schweigt auch die Linke der Pariser Kammer, die trotz der heftigsten Angriffe gegen den innerpolitischen Kurs jedes Wort vermeidet, das die Stellung der Regierung in den außenpolitischen Fragen schwächen könnte. Sie hat dies auch bei der entscheidenden Abstimmung über die Nachtragskredite getan, die eine überraschend große Majorität für Poineare ergab und damit zugleich auch bestätigt, daß die Kammermehrheit nichts gegen seine programmatischen Erklärungen über das Verhältnis zu Deutschland einzuwenden hat. Der Bericht der Sachverständigen soll zu einer eingehenden Diskussion zwischen London und Paris führen, an der sich diesmal auch Amerika beteiligen wird. Mac Donald hat in verschiedenen Aeußerungen vor dem Unterhaus festgehalten, daß an dem vorläufigen Ende dieser Besprechungen die Einberufung einer internationalen Konferenz über die Reparationen und das Abrüstungsproblem stehen soll. Bleibt es bei diesem Plane, was heute doch nicht so ganz sicher ist, so würde jedenfalls der Mai herankommen, der die Wahlen in Deutschland und dann in Frankreich bringt. Diese kommenden Ereignisse sind heute in ihren Umrissen keine unbekannte Größe mehr. In Deutschland bereitet die Rechte ihren Sieg vor. Die demokratischen Parteien find wie der Spatz vor der Schlange gelähmt, die Volkspartei gespalten und unter das Diktat der Schwerindustrie gezwängt. Dagegen wirkt der Freispruch Ludendorffs wie ein Bericht der Obersten .Heeresleitung. Alle Patrioten liaben glänzende Augen und schönen Agitationsstoff. Was sie gegen den inneren Feind, die Iudenrepüblik, den Marxismus und die Revanche an Frankreich Hmettern, hat die Weihe des gerichtlichen Verdikts er- -alten. Freilich würde ihr Triumph nichts an der well' politischen Ohnmacht Deutschlands ändern und auch völkische. Minister könnten in der heutigen Situation nichts anderes tun als sich auf den Boden des Versailler -Vertrages zu stellen. Das „Echo de Paris" hat kürzlich eine Aentzerung Ludendorffs, aus dem November 1022, also zur Zeit des Kabinetts Wirth, zitiert: „Wenn mir jetzt von französischer Seite auch nur das kleinste Zeichen gegeben würde, dann könnte ich meinen Einfluß auf die nationalistische Bewegung so geltend machen, daß jeder Gedanke an Revanche für lange Zeit vermieden würde." Dieses Zeichen ist ausgeblieben, mußte ausbleiben, weil Teppiche Herren- und Damen Wäsche, Regenmantel, engl. Wollstoffe, ferr* Bettzeug u. Webwaren, alles erstklassig un<f billigst im Warenhaus t Schiffmann II. Taborstraße 48 TeFeuhsi 47-1-75 En gros En datal.

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