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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-31 · Heft 1841 (31.3.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1841 (31.3.1924)
Date
1924-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Hn*elmnmner8l200 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleiastell« (Trafikl monatl. K 35.000 Strasscnverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. X 35.000 Tscheeho-Sl owa kei: Mon. K 18. luvoslawien: Mop, DinaröO. Polen: Mon. 3V* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr ank r., Belgien- Mon. Frcs. 12 MT N a c li j. a h I o n j: e o "VW bei Preiaerhohnnpen vorteballei) Wiener 91t. 1841 Wien, Montag, 81. MSrz 1924 lmTaume) einer Haciu Polen:polD.Mk 350-000 1 t.'i 1 i c n: Monatl. 12 Utc, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrig* Ausland monatlich Fres. '1 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 19-483,25-282 IX. Unlver sitätsstr. 6—8 (Druckerei Stelnmann) Oesterreicbisches Postspat kassen-Konto Nr. 150.69:’> msmaammmmamm 6. Zahrgang Reichskanzler Ir. Marx Wer die Bedeutung der Reichstagsvahle«. Ein druMvZMcher Sieg - „ Hannover. 30. März. /Wolfs.) Im vollbesetzten Äuppelfaale der Stadthalle fand heute abends eine Zentrums-Wcchlversammlund statt, in der Dr. Marx eine Rede hielt, in der er unter anderem ansführte: Das Wohl des deutschen Volkes, die Aufrechterhaltung der Reichseinheit, die Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft, die Rettung des Vaterlandes, das müssen die Gesichtspunkte für die kommenden Reichs- Lagswahlen sein. Arbeit in tiefster Wahrheit sind die Bemühungen, das deutsche Volk von dem Vorwurf der Kriegsschuld zu befreien. Der Regierung wird der Vorwurf gemacht, sie trete nicht entschieden genug der Schuldlüge entgegen. Dieser Vorwurf ist unberechtigt. Mit Bezug aus das Reparationsproblem führte der .Kanzler aus: Die Regierung ist sich bewußt, daß si-e das Volk einen mühseligen Weg führt. Um wieder zu erträglichen und gesunden Verhältnissen im Innern zu kommen, müsien wir die schwere Last der Reparationen auf uns nehmen. Politik ist nicht Sache des Herzens und Gefühles, sondern kühler Vernunft und ernster Pflichterfüllung. Daher würde ein Sieg der deutschvölkischen Sache geradezu den Untergang der Untergang des Reiches. des Reiches bedeuten. Weit nationaler als pathetische Aufreiznng der Bolksleidenschast ist der Weg strenger und ernster Pflichterfüllung, um möglichst bald das widerrechtlich besetzte Ruhrgebiet zu befreien, die Zollgrenze int Westen zu beseitigen und die offene Munde, an der unsere Wirtschaft verblutet, zu schließen. Ersüllungspolitit ist Besreinngsvolitik. Darum wollen wir einen Reichstag, der mit "der Bürgschaft für Ruhe und Ordnung 'im Innerir die Gewähr für ein friedliches E i n vernehmen mit den a ndcren Nationen auf brr Grundlage der Gerechtigkeit bietet. Diese Politik entspringt nicht, wie man uns von deutschnationaler Seite vorgeworfen hat, hündischer Furcht. Nicht um Beweise persönlichen Mutes geht es, sondern um ernste Erwägung dessen, was dem Volke und dein Lande frommt. Znm Schlüsse wandte sich der Reichskanzler in eindringlichen Worten gegen eine Anfpeitschung konfessioneller Leidenschaften, gegen die Eutfachung eines neuen Kulturkampfes. Das Zentrum tverde weiter den Weg gehen, den Ehre, Pflicht und Vaterlandsliebe ihm weifen . msn MM Präsident Geßmann ist gestern nachmittags aus Ser polizeilichen Verwahrungshaft entlassen worden, nachdem er der Behörde alle jene Auskünfte gegeben hat, die sie zur Klarstellung des mysteriösen Falles von ihm forderte. «Herr Geßmann gab mittags im Verhöre an, daß seine Gattin, die in perversen Beziehungen 3u einer Schauspielerin und einer Tänzerin gestanden ist, und von denen sie buchstäblich ausge preßt worden:st, so Laß sie nicht nur mit ihrem monatlichen Nadelgelde nicht auskam, sondern auch infolge von Schulden ihren 'Schmuck versetzen mußte, den: dämonischen Einfluß ihrer lesbischen Freundin derart ausgeliosert war, daß Frau Geßmann ihren eigenen Gatten Mit wahrem Hatz verfolgte. Da sie dann mit dieser Freundin nicht mehr zusammeukommen konnte, wurde ihr ■ Haß gegen den Mann noch mehr geschürt, so daß er sich tatsächlich vor ihr-fürchtete und sie -deshalb auch, in: vergangenen Frühjahre auf' Reisen schickte, die sie auch nach Deutschland unternahm. Fmn Geßmann, die eine Kokamistin und Morphinistin ist, war schon in ihrer Jugend in einer Heilan-sialt in Deutschland untergebracht, wurde aber später wieder in ihre elterliche Wohnung zurückgebracht. Herr Geßmann hatte in der letzten Zeit wiederholt, versucht, seine Gattin dem dämonischen Einfluß ihrer Freundin zu entziehen und hatte sie'daher wieder in der letzten Zeit.zu sich genommen, um sie dann in ein Sanatornun zu bringen. Am 19. d.. M., am Ta ge de t Ta t, war das Verhalten der Frau g artz e i g e ntüml i ch, sie war stark überreizt, - und während sie mit ihrem Gatten der Vorstellung im' Ronacher. beiwohnte,, wurde sie wiederholt vo.neinem Schauer befallen, der stets einzutret.Ly pflegte, wen stich ihr Haß gegen die. Männer ins. Unendliche steige r.t e.. Anch als man. »ach -er BoLstellung nach Hause znrüchkehrte, )war . K ihrem'Gatten gegenüber äußerst. kühl. Hälftend «UN; schön ' Lurch das 'Dienst personal, das Lallkomchen außer. Betracht. kömmt, dek Kaffee' serviert wbrdeN war/ verließ 'Herr Geßmgnn cin-- mal düs.Zimmer^nm sichftm Mezickm-V diä-Hsinde zü reiuigpy stnö. dann ein zwritesmal, ' M l^deri Bchisthek' etwas, nachzusehen/. so daß Wohl. H e'i t g e nügen d vorhanden wardds Grstt. im'dieiSchale zit.’ ßehen.; ■: ' ■ Geßmann sagte gestern nachmittags Beim' , Verhör aus, daß seine Gattin möglicherweise gar nicht die Absicht hatte, ihn zu vergiften, sonder« nur bezwecken wollte, daß er sich ihr nicht nähere. Jedenfalls erklärt der Gatte, daß die Frau die Tat n u r i n einem A m falle von Geistesverwirrung und Abneigung-' gegen ihn begangen haben könnte. Da diese, seine nunmehrigen' Angaben^ glaubhaft erscheinen, war kein Grund zu einer weiteren Beliassung in Derwahrungshaft für Herrn Geßmann gegeben,"so daß er um 5 Uhr nachmittags aus der Berwahrungshchst entlassen wurde. Die Staatsanwaltschaft wurde von dem ganzen Sachverhalt sofort in Kenntnis gesetzt: Die lesbischen Freundinnen. Wabro^d Frau Geßmann sich in Berlin aufhielt, erhielt der Man« ans Berlin die Nachricht, : daß seine Frau dvrtselbst mit Ariitta Berber, jener Nackttänzerin, die beftmnilich im Sommer des Vorjahres die Gattin eines Wiener ^ankdirektors entführt hätte, in gemeinschasilicheni Haushalt lebe. Wiederum griff er energisch rin, .um seine Frau zu retten, und tatsächlich zog sich Leönie Gchnrann von ihrer.. Freundingürück und lebte von nftn an /in absoluter Ab-' Geschlossenheit. Nachdem Frau Geßnmnn so'durch viele . Monate .'rin normales Leben geführt hait-e, glaubte Herr. Geßmann, sie nun völlig gehellt, und berief sie nach W ien'zurück. . Anfangs vollzog sich die neue eheliche Gende'mschaft unter.-sehr.günstigen Auspizien. Frau Gchniann '.nahm mit großem Interesse an der geschäftlichen Betätigung ihres Mannes teil, sie begleitete chn auf-DienstrieiM, tzle ev'aus veijfchrchenL: Güter unternahm, mchl zeigte sich von! der lrebenswürdigstM Seite. Mt > erstem Schlage aber ä nderte sich das Bild, als Frau Geßmann'eines Dages' eine ehemalige Freundin traf, hie sie wieder in den Strudel der abnonmn LeMstschststew Weinzog. Es kam zu verschiodenen -prinlichen- AüftrWerr, die' eines-Tages 'ihren Gipfel darin fanden,. Laß -e i n e Wiener.Hofra'tstochter einen Selhstmord- ' vckr'su ch/n n ternah nt. - 1;■ ' Eine ic f a n n t e Wien erScha u s p i e le r iit, : i die gleichfalls die Freundschaft der Frau Geßmann . . ' suchte, ist seit' deren Verhaftung » n s W i e nl v e i* ‘ t A kHIl h S’iI« * ' Re^enmärlel. Herren- und Damenwäsche. Wolljacken und Jumper, feriier alle Lenen von Chlffoa, Web- und I.einenwaren, alles Erstklassig «nd billigst Im Warenhaus Jene Aussagen, die für Frau Geßmann am schweificn belastend sind und auch zu ihrer Verhaftung Beranlassung gaben, rühren vou einer Dame her, die nicht nur in sehr intimen Beziehungen zu der unglücklichen Frau .gestanden, sondern sie auch materiell sehr in Anspruch genommen hat. Nebcrprnfuug des Geifteszuftandes der Frau. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Giftmordasfare kein gerichtliches Nachspiel haben wird. Der Vertreter der Frau Leonie Geßmann, Rechtsanwalt Dollar Kl em per er, wird heute bei der Staatsanwaltschaft den Antrag stellen, den Geisteszustand der Beschuldigten durch die Gerichtspsychiater überprüfen zu lassen und es ist vorruszusehen, daß auch der Vertreter des Präsidenten Geßmann, Dr. P r e ß b u r g e r, sich diesem Anträge anschließen wird. Ein Antrag auf Enthaftung der Frau Geßmann wurde von der Staatsanwaltschaft abgelehnt. SbstmttiM in der Skuvschtina. Die Opposition gegen das Budget. Belgrad, 30. März. (U. T. K. B.) Nachdem gestern spät abends der Veristkationsausschuß ohne Beschlußfassung auseinandergegangen war, traten die Führer der Opposition zu einer Konferenz zusammen, in der beschlossen wurde, alle zur Verfügung stehenden Mittel zu benützen, um die Vvtierunq des Budgets zu verhindern. Rach dieser Obstruktionsansage ergriff das Präsidium der Skvpscküna Gegenmaßnahmen und ordnete an, daß die Plenarsitzung in den Abendstunden nicht geschlossen, - dauerte ohne Unterbrechung die ganze Stacht über an. Nach einstündiger Pause wurde die Debatte heute weitergeführt. Zurzeit (8 Uhr abends) dauert die Sitzung noch an. Da von der Opposition zahlreiche Redner vorgemerkt sind und jeder Redner eineinhalb Stunden in Anspruch ^.nehmen kann, rechnet man damit, daß d i e D e b a t t c b iODienrita^gef rüh h au e-r n wird, so daß Montag ' Mitternacht der ex lex-Zustand eintritt. Me Putschgefahr kn Mache«. Verstärkung der Polizei. Wegen der befürchteten Putschversuche ent Tagt ' her<U rie ilsverkündig un, gRm Hitler-Prozeß ist die aus- ,'wärtitze.Polizpli zu-r Ulnterstutzuug der Münchner Mannschaft hier e iu.getroff«m . In München werden hohe Weckten aLMchlossen, die zu «80 Prozent' eine F r e -i s prech u n g der Angeklagten ckder doch eure Begnadrguug bei eventueller Vevrrrtrillmg Zur Grundlage häb-en. ___ Mkgan in vriecheulaad. Athen, 31. Diärz. (Tel. Äer „Wiener Morgenzeitung".) Pierpont M o r g a n^ist geftdrn. in Athen emgetroffen und wivd mit dem Ministerpräsidenten mrd dem Gouverneur der NationÄbank Unterredungen haben. Das knde der Londsarr Berkehrsftreits. Morgen Wiederaufnahme der Arbeit. London, 31. März. (Tel. der ,Mr. Morgenztg.") Die Delegierten 'der Arbeiter haben nach eiltet Versanrtirlnng in der Central Hall de» Arbeitern die ÄWeihote der Unter-! nehmerünterhreiiet. Heute werden dre/Ävbeitevdelegierteu Äe, Entschließung der Arbeiter entgegennchmen,. so daß es porauMchMch erst am Dienstag Zur Wiedera uf«- ■ nähme der Arbeit kommen wird. DiePragerArruptiovsaMen. . Prag, 31.^März. ^ll üe^ ,,M>?Morgenztg."). GcsiciR wurden>.ün Znßimmetthang mit der BengiiGandalafsä'.? vier Offiziere• LaWesvHrieidiMng^nlsWums «ver hastet. " // Inzwischen is^eftteMüe 'Kö^ufNwnKffare im Land.. ^rieidignWwimsteriüm ausgedeckt Ipordettt Cs - wiirdc ,Nämlich "ome-D,ruÄ^-r^öftr.riiefe-^u-Ngnm'Werte von mehreren'Millionen^vhme '»'O-sf-eÄaHss.chre-ibnn$ he^ehen^Der 'DrüWreWMr^G'r'oDUÄn-nriN' Gperjes haite deri ReserWten'b-c'st o che n. Großmann wurde tw «haftet. :: ' '; ' - ' Tfllenh en 47*1«79 Cu detail

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