Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1840 (30.3.1924)
- Date
- 1924-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Inhalt der heutigen Rümmer: Der Journalist als gewerbsmäßiger Kuppler. Die überwundene Krise. Von Dr. Michael Sussair. Frau; Oppenheimer — 80 Jahre alt. Paris, 29. März. (Havas.) Ministerpräsident Poinrare hat mittags seine Mitarbeiter dem Prastrenten Millerand vorgestellt. Der Präsident beglückwünschte Poineare dazu, daß er so glänzende Persönlichkeiten um sich vereinigt habe und setzte hinzu, das Haupt der Regierung könne unter allen Umständen auf seine vollkommene Mitarbeit zur Lösung der gegenwärtigen heikleü Fragen in dem den nationalen Interesse «nt besten entsprechenden Sinne rechnen. Ueber den vormittägigen Ministerrat ist kein Comnvniquc veröffentlicht worden. Handelsminister L o ritz enr erklärte den Journalisten, er beabsichtige, Maßrahmen zur Herabsetzung der Lebenskosten zu Hessen. Minister des Innen: de Selbes und Kriegsmnister Maginot äußerten sich, die Regierung werde vwohl di ein ne re wie auch die äußere Politik ws vorigen Kabinetts fortsetzen. Zer Beschluß des «iulstemNes. Pari», 29.März. (Havas.) Der heute vormittags tbgehaltene Ministerrat hat einmütig beschlossen, d i e rnswäriige Politik des früheren Kabiretts fortzusetzen. Ern Expose Poincares. ... In seinem im Ministerrat gehaltenen Expose erklärte Ministerpräsident P o i n e a r e, die neue Regierung werde nach Verlesung der Regierungserklärung die Kammer darnm ersuchen, die d r e i B u d g e t z w L l f t e l des Budgets der von Deutschland zu erstattenden Ausgaben zu BMbemttentat in Kow«es. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Leniberg, 29. Mörz. Nach Meldungen aus Kolo- A e a wurde dort jüngst ein B o m b e n a t t e n t a t gegen das dortige Polizeigeb'äude, wahrscheinlich von Kommunisten, verübt. Die Attentäter schleuderten die Bomben durch das Fenster des Erdgeschosses. Die Bomben explodierten jedoch nicht. NeMÄMeWkerbMdsversMmlung — ein internationaler Kmmck. Persönliche Teilnahme Mae Donalds und Mussolinis. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Geys, 29. März. Die fünfte Völkerbundverfammlung ftn September dieses Jahres sich, wenn sich die vorliegenden Nachrichten bestätigen, als ein internati »-> n a l c r K o n greß e r st e r O t d n u n g darbieten. Nach Meldungen, daß Mac Donald persönlich an der Hauptoersammlnttg teilnehmen wird, kommt nunmehr die Nachricht, daß auch der italienische Ministerpräsident M u s s o l i n i im September nach Genf kommen will. Sollte dieser Plan zur Ausführung gelangen, so nimmt man an, das; auch, andere l e it e n d e S ta a t s mä nn e r an der Völkerbundtagung teilnöhmen werden, wodurch das P restige' des Völkerbundes außerordentlich st e i g e n wird. AMölMS der SkvtzschÜsa? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Belgrad, 29. März. In politischen Kreisen verlautet, §aß die RegieruW nicht a'bwarten werde, daß. sic durchdie Nichtcrledigung des Budgets in der vorgeschriebcnen Frist in eir^en ungesetzlichen Zustand gerate, sondern daß sie Montag die Skups ch t ina aufzulösen -Leubsichtige, um ' Neuwahlen auszuschreiben, wofür sic die Ermächtrgüng hüben soll. ' ' '' KaMpfansage der Opposikrom Belgrad, 29.? März..-Die Rallen Blocks veröffentlichen ein «Com m u n i q u e, bewilligen. Hierauf werde sich die Regierung zur B e r atung der Interpellationen über die allgemeine Politik bereit erklären, falls solche emgebracht würden. Nach Auffassung der Regierung soll die Kammer sodann die Beratung über das Pensionsgesetz fortsetzen. In der heute nachmittags stattfindenden Ministerratssitznng wird der Wortlaut der Regierungserklärung festgesetzt werden, die dem Präsidenten der Republik morgen unterbreitet werden soll. Montag - Programmerklärung. . Paris, 29. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng".) Das Ministerium wird Montag vormittags die Programmerklärung beschließen. Am Nachmittag erfolgt die Vorstellung vor der Kammer.. Ne «Mische zasammeasetzs», der Regler««». Paris, 29. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng".) Das neue Kabinett Poineare setzt sich vom parlamentarischen StandpuMe gesehenwie folgt zusammen: 4 Senatoren, nämlich Poineare, Jonvenel, Marsch, de Selves; 9 Abgeordnete, nämlich Äiagmot, Lefevre du Prey, Bokanowski, Le Trouquer, Fabrp,. Louchenr, Vincent, Capus^ und Loyis Marin. Parteipoliti f ch hat das Ministerium folgende Züsammeusttzung:' Unters den Sena-- iom\ sind 8 Mitglieder Hr ^rH^blikanisihen Union und 1- Mitglied der' AnksdiMuMwü, imter den Abgeordneten 3 Mitglieder -heL'IrepüWka.ni!schen Aktion, 2 Mitglieder-der repüblikauifcheu Entente, 2 Linksdempkratenz 1, Radikaler und.1 LitÄsrepublAaner. Jonvenel. . Bokanowski, Eapus und' Marian sind" zum elften Male Minister. worin iu. ausführlicher Weise ihre Stellungnahme zu der durch-die-Bildungdes neuen Kabinetts ° Pasic' Kschaffenen Lage dargesegt wird. Es wird zunächst sestgestellt, daß der o ppo si t io ne I-I c Block die ta tsäch l i ch e M eh rh e i t des Volkes reprösentlerc, die Krise demnach in unparlamentarischer Weift gelöst worden sei. Der oppositionelle Block p r o testiere daher auf das entschiedenste dagegen, daß die AbgeordneteMin zwei Klassen geteilt werden, in eine, deren Stimme in Betracht gezogen werde, und eine andere, deren Standpunkt man nicht. Rechnung zu trügen brauche. Die Opposition hat beschlossen, dieses Regime in entschiedener Weise zu. bekämpfen und alle Folgen dieses Kampfes zu. tragen. Aushchnngdes MatsssrichtÄM. Berlin, 29. März. Dem Reichskabinett ist e-n Gesetzentwurf zugegangen, durch den der im Gesetz zum Schutz der' RepMik vom 21. Juli 1922 eingesetzte Staat sgeri cht s hof aufgehoben werden soll. Damit würden an Stelle dieses Sondergerichfts wieder die ordentlichen Ger'chte zu treten haben.' An dem im Gesetz zum S ch u tz e. der- R e p u b l i V vorgesehenen Stra s b c st i m in u n- .gcn wird-dadurch nichts geätrdert. Tie bsyrWrn BoMerWe ausgrhobe«. Die. Rücksicht auf Hitler. München, 29. März. Durch Verordnung des Gesamtmrnisteriums vom 27. März d. I. wurden alle Vöttsgerichtc, ' < m i t - A u s ir a hur e des V o -l k s g eu i ch t e s München,-mir Wirksamkeit vom 1. 'April änsgehoben. Zur Begründung der.in dieser VerordrulNg gemachten Ausnahme,wird' bemerkt, .daß sic sich aus'der Unmöglich-/ ke:t ergehe/bis zum.ft April das Strä/fv'erfahren gegcnsitzitleriund Genossen.zu beenden. Außerdem schweben wegen'der.Vorkommnisse vom'8. und 9.'November 192,3 „üerHiedene . Verfahren, die bis zur Erledigung des ' Hanptverfahrens ruhen, aber gleichfalls' vor b-em Volksoericht verhandelt.werden. Das Vclksgericht München bleibt daher'solange sortbestehen, als dies, zur Hrledigung stener Strafverfahreik. ich 'äußersten Falle 'notwendig ist.' nämlich Ms' zum lö.i Mai. ' ' . . . Fahrendes Volk. Von Jakob Kravsz. Jüdische Literatur im neuen Polen. Von Dr. M. Kanfer. Aas ist's mit der Sommerzeit? Die Wünsche der Enterbten. Von Klara Mautner. Die Organisation des Radioverkehrs. Mermds Warnung. -y. W i e n, 30. Mrz. Präsident Millerand hot feine am Donnerstag abgegebene Erklärung gestern in solenner Weise wiederholt. Das neue Kabinett Poineare gibt dies in einer durch den amtlichen Draht verbreiteten Note bekannt, um alle außerhalb Frankreichs etwa , noch bestehenden Zweifel an der Stärke der Regierung zu boseitigen. Das Aviso richtet sich selbstverständlich zmlächst an die Berliner Adresse und soll dort signalisieren,.daß man sich keinerlei falschen Erwartungen hjngeben solle. In der Ruhr- und Reparationsfrage geht'Frankreich von seinem dnrch ein Pfand gesicherten Anspruch nicht ab.- Die Wiederlberufung Poincares ist übrigens auch ein Pelveis dafür, daß der Akkord .mit England ungeschmälert, geblieben ist und daß er die Basis für die von der englischen Regierung geplanten Verhandlungen bildet. .Es kann sich nur darmre handeln, die BoÄäiügungLw'M'einLiÄn-- teiluahme Deutschlands an diesen Konferenzen.zn schaffen und in dieser Hinsicht stehen die Aussichten' nicht schlecht. Poineare hat in sein Kabinett den alten Verhandlungspartner Rachenüus', 'Herrn Loücheur, und den Freund der Völkerbundidee, Jonvenel, ausgenommen und so eine Annäherung an die^ Lücke vollzogen^ Wenn man! es in Deutschland verstiinde, die Zeichen der Zeit richtig; zu deuten, so würde man . die sich jetzt bietenden Mög- ' lichkeiten. ergreifen. Poincares .Regierung ist unzweifel-^ Haft, eine Stärkung der Demokratie. Damit sich dies in ' der-'auswärtigen Politik auswirkc, .müßte das Systemin Deutschland sich ändern und es müßte sich vor allem: der ernste Wille der Regierung.zeigen, mckt der Reaktion bei den Wahlen den Kampf anfzünchmen. Aber dieser Wille besteht nicht und die JustWandalc der letzten Dage sind der Maßstab für'die Kühnheit des Chauviuis-. mus, der feine Zeit' herannahen-'-fühltürch. derseinen endlichen Triumph, methodisch vorbereitet. - ' Der Hitler-Prozeß ist beendet und das Gericht.wird. t sein Urteil übermorgen am Bismarck-Tag sprechen. Es hat drei Wochen lang die stärkste Wahlpropaganda wider die deutsche Republik ■ sich ausleben lassen, drei Wollen lang Tag für Tag Angeklagte und Zeugen ungestört erzählen lassen, daß diese 'RepMik'von Meineidigen, Deserteuren, Landesbeträtern' und'Juden gegründet worden'sei und daß.'man demzufolge den 9ko- ' vemberputsch, der doch nur/Verrat dm Verrat gewesen fei, nicht gar so strenge nehmen dürfe.' Das Gericht tat nichts, um diese inuNevhin interessante Rechtsauffassung zu dementieren. Vielleicht wird sich im Urteil ein anderes Bild zeigen,'obzwar inzwischen den Angeklagten Hilfe von einer Seite zuteil wurde, von der fic sie nicht erwartet hatten. Die Herren Kahr, Lossow und Seisser haben eine Erholungsreise nach dem-Süden angetreteu. Es schwebt gegen sie eine Untersuchmig, die ihren Anteil an den Vorbereitungen des Marsches auf Berlin ailfklären will, und da:hat man ihnen den allgemein verständlichell Schweigeurlaub erteilt, damit sie in der warmen Sonne Italiens. unbehelligt von neugierigen Untersuchungsrichterii int trauten.Gespräch unteinander ihre Erinnerungen auf den gleichen Klang a-bstiulmeu können..; .. : . Freilich, so intensiv wie!im Saale der Münchener. Jnsanterieschnl.e hat. hie. Justiz .im übrigen Deutschland . nicht geschlafen. Sie hat deg Müller v. Hausen, der doch nur wegen der -Beleidigung des toten. Rarhenau angeklagt war, nach durchgeführtem. Nachweis seiner Lüge fteigesprochen, weil sic 'seine gbistige'-Versasinng respcktrerte. (Wir haben 'öa.rübep'-am-..L1./ März 'gesprochen.) Wenige Tage 'später nahnu ein .Berliner 'stGdncht? den fisgemnüntvl. ttvrrvii- und Damenwäsche. Wolljacken und Jumper, ferner alle ,Sorten von Chiffon, Web- und Leinenwaren, alles erstklassig und billigst im Warenhaus {[Schiff mann II. TaborslräSe 48 Teieohqn 47-1-7G Eft ^ros ''«fi-a'daVaU ■ .'.-W ' ^769