Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1839 (29.3.1924)
- Date
- 1924-03-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1839 Men, Gamstztvg Wiener MöWnrzettüttS. tj. Mrrz Vsvev Ein Erdbeben in Tirol. /': Die Seismographen •hei; Zenträl-anstalt für Meteorologie, -Dien, IS. Betz., Hohe Warte, zentrierten am^Ltz. 18^,Uhr Men, gebeten, dies ..PcrtoM Liber amtliche Aufforderung' ' an oüig-es Institut m berich.cn. Auch negative Meldungen ans idem inneralpiner. Gebiet haben großen Wert. Große Ueberschwcmmungen in der Tscheche. Slotvakei. , Aus Prag wird uns gemeldet: Alle Fl-üsie sind in schnellem Steigen bsgriffen. Die Tepel weist bei Karlsb a d einen Wasserstand van 2,4 Mer normal auf. Mb er Prag ist vorgestern ein woMenIbruHarkiyes G-ewitte.r niedergegangen. Mehrere Mohmmgen sind überschwemmt u«nd mußten von der Polizei auSgepumpt werden. I>n Gebiet von Kaschau sind große Heber- ' schwemmungen -eängetroten. In Novo Mesto wurden 'bei 70 Häuser zerstört, beHlchu«ngswM>se stark beschädigt. Achtzig Familien sind ohne Obdach. Verheerende Wolkenbrüche in Portugal. Lissabon, 28. März. (Del. der „Wiener Morgenzeitung".) Aus allen Teilen Portugals werden vecheerenide Wolkenbvüche Md Ueiberischwemmunigen gNneldet. In Lissab o n 24 Häuf er infolge der Regengüsse c i n g e st ü r z t. Der Duro ist bsi Qpporto über seine Ufer getreten. Der Tajo hat weite Strecken von Land überflutet, insbesondere die Stadt Saniamm. Der Verkehr zwischen zahlreichen Dörfern und Städten vm überschwemmten Gebiet des Tajo wird durch Boote anfvechterhalten. Bei einem Hcuisevnsturz in Lissabon fanden 15 Leute den Tob. Große Ueberschwemmuugen in Oberungarn. Budapest, 28. März. (Teil, der „Wiener Movgenzertnng".) Die U-eberschwemMungskmastroPhe in Obemngarn nimmt immer größere Dimensionen cm. Die Flüsse Theiß, Sajo, Bodrog Md Hernad haben weite Gebiete unter Wasser gefetzt. Die Theiß überflutete sämtliche Schutzdämme, so daß das Wasser aus den Ackern dis zu zwei Meter Höhe stcht. Die EisenbahMme Kaschau—Körösmegö steht unter Basier, eibensv die Landstraßen, die aus Ungarn nach Kaschau sichren. Hk Rrimkheiten des Telephons. Bon Bela Szenes. MuAg antorifverte ll-ebersetzung aus dem Ungarischen von Maurus Mezei.) iDaS Telephmr kann ebenso erkranken wie ider Mensch. .Mein Teilepho« ist besonders schwacher -Konstitution. ES kränkelt oft. ,Ich will aufMlen, welche iKrankheiten mein Telephon schon gehabt hat. Es war taub Es hat nicht gehört. Sprechen Lcmnte es, hörte -aber nicht, was man zu ihm sprach. Diese Krankheit kehrt oft wieder. Manchmal in gelinderer Form, in diesem Falle sit 'er bloß schwerhörig.! Es war schon stumm. Dees ist gerade das Gegenteil der vorherigen Zustandes. Es war auch schon taub st u m m. Dies kommt bei meinem Telephon sehr oft vor. Letzthin hat der Blitz in dasselbe ein geschlagen, damals ist es vor «Schrecken taubstumm geworden. Mein Telephon ist manchmal heiser. Es ist kaum zu verstehen. Auch sein Läuten ich heiser. Es ist kein Wunder, wenn sich bei dieser Kälte seine Stimmbänder, die sich über den 'Dächern dahinziehen, erkälten. Manchmal hat es Fieber. Es sprichtirre. Alles Mögliche durcheinander. Es hat auch schon Bronchitis gehabt. Es konnte nicht sprechen. Cs röchelte bloß, röchelte -zum Erbarmen. . Oft muß es Schmerzen haben-, denn es stöhnt in eimm -fort. Manchmal wieder macht es dumme Witze. Nerven- ' krankheit, Hysterie. Oftmals ist ihm so schlecht, daß -man es stundenlang rütteln -muß, bis es ein Lebenszeichen von sich gibt. Manchmal spricht es ein Wort, dann dcrsimmnt es, es ringt nach Atom. E ist asthmatisch. Ich konstatiere, daß diese Krankheiten des Telephons von a n st c ck e n d e r Natur sind. Mein Telephon ist -gegenwärtig - seit Wochen — sehr krank. Aber auch den Rachbartelephonen geht es sehr schlecht — scheinbar verpflanzt sich die Krankheit leicht durch die. Drähte. Die Krankheiten des Telephons sind -auch -für die Menschen -gesähi-lich. Sie können -sogar verhängnisvoll werden. Denn wenn das Telephon krank ist, kann einen leicht.— der Schlag -treffen. Historische Funde in PMstina. Zur Genugtuung -ber -Fachleute werden gegenwärtig in der Nähe von Jerusalem an drei Stellen Ausgrabungen vorgeiw-mmen. Unweit des Dorfes Haschiloach -wurde eine Höhle mit drei Abteilungen entdeckt, welche das Fovschungsdepartement der Regierung mit Beschlag belegte. Die dort gestrudenen 18 Meinschvänke mit hebräischen Inschriften wurden ins Museum des Departements gebracht. Der Waad Leuwi berisf Vertreter der jüdischen Fovschu-ngsgcsellscha-ft und des mbbinischen Rates ein, -um hierzu Stelt-ung zu nehmen. Mau beischloß, -der Regierung ein Memorandum zu unterbreiten, -in welchem die Bedeutung jener Funde -für die Juden ausemandergesetzt und die - Regierung ersucht wird, die Funde in der Höhle zu belassen . und diese selbst unter, Kontrolle der jüdischen und englischen - Geftssschast für r-eligiölse oder wiffenischast-liche Besuche all- Ae zerstönmg " " . tzrdbebenkataftrvphe im Golf von Salerno. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitunz".) Neapel, 28. März. Die Nachrichten ans Am-alfi lauten immer erischütt-ernder. Ganze Häufer-gruppen von Amdailsi und Positano sind verschwunden. Lett-iea ist n-ur vom Meer aus erreichbar und fast ganz zerstört. Ungefähr 1000 Flüchtlinge wurden von Schiffen aiufgenümmen mtö von Amalsi nach Salerno gebracht. Die Katastrophe, von der der Golf von Salerno heiwgesuchi wurde, ist, wie jetzt sestgestellt wurde, nicht ans ein plötzlich zufällig em-getretenes Unwetter, souldem aus ein Erdbeben zurückzuführen. Gestern wurden in der ganzen Gegend, auch in Neapel, Erdstöße verspürt, die große Panik hervorrieseu. Das Unheil scheint noch nicht zu Ende Zu sein, denn noch immer treffen Meldungen ein, daß Gebäude neuerdings eingestürzt, sind. Nunmehr fällt ununterbrochen dichter Regen. Die Bevölkerung flüchtet sich zumeist nach Amalfi, wo sich etwa tausend Personen eingefnuden haben. Die Rettungsavbei-ten werden Tag und Nacht betrieben, ohne daß es bisher gMligen wäre, sämtliche Opfer ausfindig zu machen und zu bergen. Im Hotel bei Amalsi ereigneten sich, wie jetzt bekannt -wird, große Schreckensszenen. Im Speise,faal des Hotels waren zahlreiche Gäste versammelt, die der Befreiung Sk werden es nie bereuen wenn Sie den Kat befolgen: Ihren Körper widerstandsfähig u. widerstandskräftig zu machen Im Kampf ums Dasein spielt es eine grosse Rolle, dass Sie keinen Tag verlieren, dass Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Geschäft, Ihrem Bureau fern zu bleiben Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA Franzbranntwein mit MENTHOL und Sie schützen sich am besten gegen alle Unbill des Winters und des Alters Uaberall erhältlich! Diana-FranzbranBtwein-ProilQktigfi- WIEN, »., Engerth strafte 160 PRAG, VlläB, Lieben« Drahobeljova 1678 Mm Lonatt bei den gonrnaliften. Bor -einigen Tagen wurde die Tochter des britischen Premierministers, Isabel Mac Donald, 21 Jahre alt. Aus diasem Anlasse -widmete ihr der Klub der L -o-u d o n e r Journalisten eine kleine Aufmerksamkeit in Form eines silbernen Schreibzeuges, das -die familiäre Inschrift trägt: ,ZMell zu ihrem 21. Geburtstag in Liebe gewidmet vom Presse-Club." Mac Donald, -der schon feit drei Jahrzehnten der Zunft der Zeitungsschreiber angehört, hat diese Aufmerksamkeit für seine Tochter, die selbst Journalistin ist, dankbar zur Kenntnis genommen und hat, obgleich er an jenem Tage schon schwere R-egierungsgeschäfte zu erledigen «hatte und, wie er sagte, in sechs verschiedenen Versammlungen reden mußte, die Einladung zu dem Bankett;be§ Presieklubs angenommen. Hier hielt er einen Trinkspruch, der für diesen einfachen, großen Mann so sehr bezeichnend ist, daß wir einige Stellen seiner Rede hier wiedergeben wollen. Er sagte unter anderem: „Ihr, meine lieben Freunde, erhebet und stürzet die Regierungen, ihr seid große Künstler, die nur den einen Fehler haben, daß sie sich selbst viel zu gering einschätze u. Der Journalist ist der Mensch, der sich vor ein Stück Weißes P a p i e r hinfetzt und unter den unmöglichsten Arbeitsbedingungen dieses Weiße Blatt mit -den Gedanken und Ideen Mt, die die öffe ntliche M einung tn Bewegung setzen. Der Journalist, der instinktiv fühlt, lvas in der Lust steckt und die Menschen mitzuveißen vermag, dieser Journalist wird auch dann seine völlige Unabhängigkeit und vollkommene Vornehmheit bewahren, wenn sich auch a.b und zu in die Reihen Schwärzer emschmuggeln, zweffelhafte Elemente, die den vornehmen Rahmen durchbrechen. Wird es euch -einmal gosalleu," schloß Mac Donald seinen Trinkspruch, „daß diese Regierung verschwinde, so kehre ich zu meiner a l t e n L i e b e z u r ü ck und werde euch bitten: Riickt ein wenig enger aneincruder und gebt auch mir einen Stuhl, damit ich -unter euch Matz nehmen und d-?rt sort- , sttzen Lrnw wo.i^ aWechen -muLte," harrten. Ihre Lage war um so beängstigender, «48 die Deck» bereits große Risse zeigte, und jede Minu-te ernzustürzen Im letzten Augenblick wurden die Anwesenden durch Trup^ p en befreit. Kaum waren sie geborgen, als die Saätdecke tatsächlich emstürzde. Der König, der Herzog von Aosta, der Herzog von Spole-ta und der UnterstaatsskEvetär des Arbeitsministeriums haben sich nach dem Unglücks- -gebiete bcge'beu. Die Regierung hat für die erste Hilselcistun'^ -die Summe von 280.000 Lire zur Verfügung gestellt. Die Abendmeldlnrgen aus Äm-alfi besagen, daß di« Ket-tungsaktiou in den zerstörten Gebieten auf großtz Schwierigkeiten stößt, da noch immer Erdlawineü niedergehen und -unausgesetzt ein w o l k e n b r n ch a r t i -g e r R e >g e n niederströmt, während die ft ü r m i s che Sec daß Landen der Rettungsschisfe, die der -abgefchnittenen Bevölkerung Hilfe zu bringen trachten, erschwert. Die -größten Schäden wurden bis jetzt in Betica fest,gestellt, Ivo gwAf Häuser, das st'i der -ganze Ort, eingest-ürzt find und 90 Menschen noch unter der: Trümern begraben liegen. Praj-a bei Traijan-o ist eben« falls ganz vernichtet. Bisher wurden in den betroffenen- Gef bieten die Toten nicht ausgegraben, -da der -unabläfsigr wolkenbruchartige Regen immer neue Einstürze und Rutschungen verursacht. Ueber die Z-cchl der Opfer und über die Größe des Schadens läßt sich daher noch nichts Bestimmtes sagen. Reue Maffenverhaftuuse« von zioniften to Rußland. Zionistische Kreise in Berlür haben, WM I. T. A. erfährt, Berichte erhalten, wonach die Zionistenverfolgungen fortgesetzt werden. Im Monat März sind neuerdings Masseuverhast tun gen vorKekommen. Allein in Moskau wurden mehr 50 PerfonLn verhaftet; unter ihnen Mitglieder der ziom« stischen Arbeiterpartei Zeire Zion (Hitachduth), -des zionistischen Jngendbundes, der Organisation der allgemeinen Zionisten sw wie des erst kürzlich legalisierten Hechaluz. Diese Verhaf« tungen bilden eine Fortsetzung der Ausweisungen und Vechast -jungen, -die in -den letzten Monaten in vielen Orten Rußlands stattgefunden haben. _ Erfolge in der Bekämpfung der Malaria. Ein Bericht des palästinensffchcn Gesundheitsamtes. Bor kurzem erschien der erste Bericht der Acalariaerfovschun-gskmmttlsswn, die eine Abteilung des R-sg-ierungsamtes für Volksgesundheit in Palästina bildet. Einbegleitet wird der Bericht durch einen Aussatz des Direktors für Gesundheitswesen in Palästina, Kolonel Heran, nt welchem dieser feine Bewunderung über die Erfolge der zielbewußten Zusammenarbeit zwischen der Malariakvmmisiimr und den Kolonisten aüsd-rückt. An -der Spitze der Malaria-ko-Mnüssion stcht Dr. Israel Kl-igler, der seine Arbeit zuerst unter den Auspizien der amerikanisch-jüdischen medizinischen Organisation „Hadassah" in Palästina begomten lhattc. Oberst Heran erklärt, daß die Arbeit -der Malariakom-mission vielleicht den wichtigsten Teil der Ausbau- und Bestedlungsarbeit Palästinas bildet. Nahezu sämtliche neuen jüdischen Kolonien, führt er aus, wurdert in Malariagegeuden angelegt. Dies nrag als ein großer Fehlgriff von seiten dev hiefür verantwortlichen Stelleit angesehen werden. Dies stimmt jedoch nur in sehr geringem Maße. Die landwirffcha-Mch reichsten Ländereien in Palästina sind jene, die reich an Wasserzustüffen sind. Nun -sind aber -wasierreiche Landstriche, deren Agrikultur jahrhu-nöertelang allmählich degenerierte, die natürlichsten Malariahevde. Gerade diese Lä-ndereien wurden von den neuen Einwanderern zur Wiederbelebung mi Vorliebe gewählt. Die Pioniere hiben -darunter gelitten. Ihre Leiden waren jedoch nicht ohne Vorteile, sowohl für sie selbst als auch für die kommende Generation. Da die Kolonisten «wissen, daß ihr mächkiMer und gefährlichster Feind die Ätalaria ist, -sind ste die willfährigsten Helfer fSc‘t der Durchführung der Vorbeugungsmaßnahmen. Von Bedeutung ist auch die Feststellung des Berichtes, -daß die Araber, die sonst gegen solche behördliche Zlvangsmaßregeln eine ablehnende Haltu-ng einzunehmen pflegen, nunmehr von -der Wichtigkeit -der Einhaltung -dieser Vorschriften überzeugt, selbst an der BeU-mPfung der Malaria Mitarbeiten-. Sämtliche amtlichen und g-osellschastli-chen Faktoren arbeiten .Hand in Hand, um die Lksherrgen großen Erfolge a-uszubauen. und nicht nur Len Boden Palästinas malariasrei zu gestalten, sondern auch die dort der Kmnikheit besallenen Menschen zu heilen. Ser importierte Autifemittrmus iu Amerika. Aus New-Aort wird uns berichtet: Das American Jewish Committee veröffentlicht soeben den von Louis M-arshall herausgegebcnell Bericht über die Verbreitung -des Antisemit tismus in Amerika. In -dem Bericht befindet sich auch ein Brief- Wechsel zwischen M a r sb all und dem Perlag Dobb le da h- Page u. Co., einer Gründung des verstorbenen amerikanischeu Botschafters in England, Page, m welchem Adershall den Nachweis führt, daß der genannte Vertag aus dem Antisemnismus Kapital schlägt, indem -er sich schon seit längerer Zeltausschließlich auf die Herausgabe judenfeindlicher Hetzliteraturver^ legt. So hat dieser Verlag das ans erwiesene historische Lügen ausgebaute Buch H c n d r i ck s „Die Inder: in Amerika" erst m "er Zcimug des Verlages -abgedr-uckt und -dann in Buchform^ herausgegeben. Auch in dem Rundschreiben des B-evl^eS zm