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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-29 · Heft 1839 (29.3.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1839 (29.3.1924)
Date
1924-03-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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!fnMlmmraierK12W Wien! Zum Abholen in der Expedition, TUTaborstr. 1-3, oder meiner Verachlei«stelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenvcrkauf in Wien dürch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I.Bez„ Wollzeile 11. Mit PostVersand für Wien a. Oesterr. monatl. K 85.000 Tscheeho-Slowalcei: Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 31/* Zloty, Dentschland: Mon. Goldmark 4, F r a n W r., Belgien: Mon. Frcs. 12 URJP Nachzahlungen WA bei Preieerböinrnfrcn vorbehnlleb lener ImTaumel einer nach! PofeapoMk 85008 Italien: Monatl. 12 L.ir, Rumä nie nMoa.^SOLe -Bulgarien Mon. 80 -Lew;, Schweiz und das übrig) Ausland monatlich Frcs. Redaktion u. Administration Wien, II.» Taboratrasse 1—5 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr ahds. 19-483.25-283 , IX. Universitätsstr. 6—8 » (Druckerei Steinmaitn) Oeaterreichisches Postspar* hassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1838 Me«. Samstag. 38. März 1834 0. Jahrgang Las MM Kabinett Psimare. BrMiebmg des Wahltermim? (Ergendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 28. Marz. In den Abendstunden ist die KabinettMlÄung Po iu car e s endgültig zustande gekommen. Seine Zusammensetzung lautet: Vorsitz und Auswärtiges — P o in ca re. Finanzen — Marsal. Handel — L o u ch e u r. Krieg — M a g i n o t Oefsentliche Arbeiten — Le Trocqn e r. Unterricht — De Ion bene l. Kolonien — Iabrh. Anderes — D e Selbes. Marine *— Bokanowski. Ackerbau — Castus. Arbeit — Daniel Vincent. .Justiz — Lefevre du Prey. Befteite Gebiete — Louis Marin. Die Regierung ist aus der Grundlage eines Triumvirats Poincare, Maginot und LeTrocquer gebildet worden. Maginot soll davgelegt haben, daß das neue Kabinett in innerpolitischer Beziehungdarauf dringen müsse, die Autorität wieder zum Ansehen zu bringen. Die Wiederherstellung der geschwundenen Autorität müsse sich zunächst auf die Disziplin der Beamten erstrecken. Es Vrme nicht mchr.tzrduldst werden, datz Beamte des Swates der kommunistisch-en Partei an-gehöwm Man will zunächst Verwarnungen an die betreffenden Beamten erteilen und mit _ Strafversetzungen vor allem bei einzelnen Präfekten beginnen. Maginot soll Poincare auch davauif hingewiesen haben, daß der frühere Ministerpräsident sich zwar verpflichtet habe, die N e u w a h l e n bis zmn 11. Mai durchzuführen, -aß dagegen der neue Ministerpräsident diese ^Verpflichtung nicht anzuerkennen brauche. Infolgedessen nmnnt MM Lonald Wer de« Eintritt LeElMds in de» Böllerbimd. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 28. März, In einer ausführlichen Rede legte heute Mac Donald im Unterhaus seine Anschauungen über die aktuellen Problenre der auswärtigen Politik dar. Er erklärte, die englische Regierung ^verde in einigen Wochen ein Blauouch veröffentlichen, das den englischen Standpunkt in den Bewandlungen über die Sichernngssrage vom Jahre 1919 bis 1923 darlege. Der Bericht der Sachverständigen werde wohl noch einige W o ch c n auf sich warten lassen. Bezüglich der Sich erungsfrage führte Mac Donald aus: Die britische Regierung strebt die Garantie einer Organisation wie des Völkerbundes an, durch die das militärische Gewicht des Lichecheitspaktes einer moralischen Aktion der Versöhnung und des Schiedsgerichtes, untergeordnet wird. Zunächst muß die Repavationsfvage geregelt werdet:. Es ist notwendig, daß Deutschland <m jv:;t Verhandlungen mit beit anderen Nationen teilnehmen kann und daß die anderen Nationen die Ansichten Deutschlands kennen lernen, damit zwischen den Alliierten und Dentschland e i n E i n v e r n e h m e n bestehe. Deutschland muß dem Völkerbund rngeHoren. Erst wenn die Reparaüonsfrage gelöst und als Siche- «tugsverfahren im Rahmen des Völkerbundes zustande-- [•jcrviUiUteu ist, dann erst ist der Zeitpunkt gekommen, an dem England gemeinsam mit Amerika, Frankreich und Italien eine Einladung an alle Völker der Welt ergehen lassen kann, zn einer Abrüstungskonferenz zusammenzutreten, die durch Verminderung der Rüstungen die Kriegsgefahr auf lange Zeit hinaus einschräuken und möglicherweise beseitigen solle. In seinen Ausführungen über die Verhältnisse im- Rheinland und i m R n h r g e b i e t e übte Mae mau an, daß die Wahlen eine Verschiebung erfahren werden. Die Unterstaatssekretrrpostcn werden sofort ausgehoben. Morgen mittags um halb 10 Uhr findet der erste Mini st errat des n-euen Kabinetts statt. Die Minister werden sich sodann in das Elysee begeben, um sich bem Präsidenten vorzustellen. Das Ernennungsdekret wird am Sonntag im Journal officiell" veröffentlicht werden. Nachmittags trat die Kammer zu einer kurzen Sitzung zusammen. Es wurde beschlossen, Montag nur über das Bu-dget für April zu verhandeln, dessen Erledigung auf alle Fälle sichergestellt werden soll. Erregung in republikanischen Kreisen wegen des Eingreifens Millernnds. Die Erklärung Millevands im gestrigen „Matin" hat in republikanischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Allgemein wurde sie als eine Drohung des Präsidenten aufgefaßt, die Kammer aufzulösen, fällst sie das Kabinett Poincrve nicht unterstützen werde. Man weist auch daraus hin, daß sie eine Botschaft an die Nation darstellt, und auf diese Art berfassung's-i widrig ist, da solche Botschaften Ms Präsidenten der RepMik vom MinisWsBlideuten gegMgezeich^bsÄn-wüflen. .1 . Der ,>Quotidien" hat eine Reihe von Führern der Linken über die Erklärung Millerands befragt. Der frühere Ministerpräskdent Paileve meint, daß die Botschaft Millerands der republikanischen Doktrin widerspreche, wonach imr das Parlament ermächtigt sei, die Politik der Regierung anzuerkermen oder zu mißbilligen. Der Sozialist Leon Blum sagt, daß die Erklärung Millerands eine Verhöhnung des parlamentarischen Regimes sei und einen Staatsstreich vorzubereiten scheine. Donald Kritik daran, daß die Steuergesetze des Reiches zum TvÄ von der Rheinlandkomm isiion nicht zugelassm worden sind. Den alliierten Behörden stehe nur die Prüfung zu, ob Verordnungen geeignet feiert, die Sicherheit der Besatzmigstruppen zu gefährden, Senator Borah verlangt eine Wett- WMnngskonferenr. Washington, 28. Acärz. (Tel. d. ,Wiener Morgenzeitung".) Senator Bo r ah hat im Senat von neu-vm einen Antrag eingereicht, worin er die Bereinigten Staaten ersucht, eine Weltabrüst-ungskonserenz einzuberuftu, die sich zumindest mit der Beschränkung des Baues von Untersee boote« zu befassen hätte. Moratorinm mV Revmatkonen. Paris, 28. März. Der „Mattu" schreibt, die Experten hätten sich über die von Deutschland anzuspvechendcn Summen noch nicht endgültig geeinigt. Nach dem dreijährigen M o r a t o r tu m wäre Deutschland, in der Lage, jährlich 2,6 Milliarden Goldmark an ' Reparationen zu zahlen, wobei die Einnahmen aus den Zollen sowie aus den gegenwärtigen mid neuen Steuern mit 1200 Millionen, der Zinsendienst für die auf das deutsche Eigentum sichergestellten Obligationen mit 300 Millionen und der Zinsendienst für die auf den Eisenbahnen sichrgestellten Obligationen mit einer Milliarde veranschlagt würden. Auf das industrielle und landwirtschaftliche Eigen- - tum würde ein Hypothek von zehn Milliarden zugmfften einer Gesellschaft gelegt werden, die Obligationen in der gleichen Summe ausgeben würden Andererseits solle eine Gesellschaft für die deutschen Eisenbahnen mit einem Kapital von 26 Milliarden Goldmark gegründet werden. Söller und Weltgeschichte. —W i e n, 29. Marz. Der englische Romanschriftsteller Wells hat den Versuch unternommen, irr einer aus das äußerste Maß zusammengedrängten Darstellung der geschichtlichen Vorgänge eine einheitliche Entwicklungstendenz zu konstruieren. Er glaubt an ein Hinaufstreben der Menschheit aus dem Sumpf des Zwanges und der Sklaverei zur Freiheit und Selbstbestimmung. Darin läge ein starker Trost, und man könnte in den Katastrophen, die von der Zeit der Völkerwanderung an bis zum letzten Weltkrieg den Bau der Menschheit erschüttern, Explosionen des RLinlichkeitslDillens erblicken, zu dem Zweck, eine veraltete, einschnürende Ordnung zu sprengen und aus den tauglichen Trümmern etwas neues zu bauen. Aber wenn man aus demselben Buch Wells, in welchem er dies beweisen will, erkennt und von nssuem bestätigt findet, was schon ererbte Erfahrung ist, daß die Kämpfe im alten Rom doch auch. nicht anderen Inhalt besaßen als unsere nationalen und sozialen Krisen, dann muß man alle Hoffnungen ausgeben, durch Schaffung einer einheitlichen Geschichtsauffassung zu einer einheitlichen Formulierung der politischen Ziele zu gelangen. Darin würden viele die Aufgabe der Zeit sehen, weil sie meinen, daß die Unterschiede in den Begriffen über Staat, Volk und Politik durch unifovimerte Erziehung aufgehoben werden können./ . Es fragt sich, ob dies erstrebenswertwäre^EsW wahr, 'düß BW AtÄtzre begriffe besitzt, aber dies ist kein Zufall und keine äußerliche Erziehung. Die Begriffsbildung hängt von - tauseckderlei Einwirkungen von Schicksal, Wohnort und Klima ab. Gebirgsbewohner sehen die Dinge und die Welt anders wie Tal- oder gar Küstenvölker. Ein Volk wie das jüdische, das in seiner nationalen Entwicklung jäh unterbrochen und in Fragmente geteilt wurde, muß sich andere politische, wirtschaftliche und soziale Begriffe formen als ein Volk wie etwa das englische, das seit dem ersten Augenblick politischen Bewußtseins ungestört auf'seiner Insel leben konnte. Die geschichtliche Entwicklung eines jeden Volkes zieht in seinem Willen tiefe unverwischbare Linien, die dem Auge, dem technischen Werkzeug unerkennbar bleiben mögen, die sich aber in der Einstellung des Volksganzen zu seiner Umgebung, in der mehr oder minder scharf formulierten Erkenntnis seines Zweckes aüsdrücken. Dieser' Zweck ist bei allen Völkern der gleiche, ihr Leben, ihre Freiheit, ihre Zukunft zw sichern. Die Wege, auf denen diesem Zweck nachgegangen wich, sind verschieden und in dieser Ungleichheit liegt eben das Glück und das Uirglück, das, zusammengefaßi, uns als Weltgeschichte vorgeführt wird.- Völker sind Gemeinschaften von JMvidueu gleichen Blutes, gleichen Schicksals, gleicher Gegnerschaft. Wenn sie dies erkennen, dann schließen sie sich zur .nationalen Individualität zusammen, deren Kriterien das gleiche politische Ziel und Bewußtsein sind, und in dem Maße, als der Wille dieses Ganzen sich mit den Tendenzen - der anderen Nationsgemeinschasten in Harmonie setzt oder mit ihren Zielen in Gegensatz gerät, in diesem Maße vollzieht sich die nationale 'Entwicklung. Dabei besitzt jedes Volk Fähigkeiten, die nur ihm eigen sind, die ihm aus dem Gang seiner Geschichte, aus der Einwirkung äußerer, von ihm selbst unabhängiger Umstände entstanden sind. In diesem Eigeübcsitz liegt der Wert eines Volkes für die Menschheit. Wäre es möglich, durch ein Weltnivellement diese Ungleichheiten zu beseitigen,'dann käme man logischerweise zn dem heute so hoch verehrten Ideal der Kaserne und auf eine Linie, die direkt zum Zwang und zur Unfreiheit führt. Eine Weltregierung mit Weltschule, Weltmilitär und Weltpolizei — das wäredie' Konsequenz der Wellsschen Vorschläge. Damit, könnte sich nur jemand befreunden, der die Menschen als Schafe und die Völker als Herden aus-- faßt, die sich willenlos in einen Pferch treiben lassen. Dem ist aber nicht so, und gerade die Katastrophe unserer Zeit lehrt, daß sich der nationale Wille keines Volkes für die Dauer unterdrücken und aus dem Leben der Allgemeinheit ausschalten läßt. Me Völker fordern mmmmmmmMRsmmmmmmmimBmaBi Chiffon nl «Sn« Herren- und Damenwäsche. Regenmäntel, engl. Wollstoffe, gestrickte Socken, Kleider, Kostüme u. Jumper, altes erstklassig und billigst im WARENHAUS Schiff mann II. TaborstraSe 48 Telenhon 47-1-79 Sn gros En detail

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