Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1837 (27.3.1924)
- Date
- 1924-03-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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W firLen Stimme« fa «et WMchsit gebliehe«. — Ae JemWü« aukMommen. — Millermd bietet Psincare die Neubilduug der Regier««« ««. Paris, 26. März. (HavaS.) Die Kammer hat den Gesetzentwurf über die Regelung der Beamtenperssionen mit 271 gegen 264 Stimmen an die Kommission zurückverwiesen, obwohl Finanzminister de Lasteyrie die Vertrauensfrage gestellt hatte. Paris, 26. März. (Hava's.) Ministerpräsident Po inrare hat um 12 Uhr 15 Min. mittags dem Präsidenten Millerand die Demission des Kabinetts überreicht. Paris, 26. März, (.Hadas.) Um 12 Uhr 3V Min. ist der Minist errat unter dem Vorsitz Millerands zusammeugetretrn, um über die Lage zu beraten. Er dauerte bis 1 Uhr 15 Min. Präsident Millerand hat die Demission des Kabinetts angenommen. Die kritische Abstimmung. Paris, 26. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Anlaß des Konflikts in der französischen Kammer, der schließlich zum Rücktritt des Kabinetts geführt hat, bildet die M Jj- M Wechte Finanzlage -es Staates ausgesprochene Weigerung der Regierung, die geforderte Erhöhung der Pensionen für die Hinterbliebenen der Reserveoffiziere zu bewilligen. Da aber die Kammer sich den Wünschen der Regierung nicht fügen wollte, stellte Finanzminister de Lasteyrie die Vertrauensfrage. Das Plenum der Kammer sprach sich trotzdem für die Forderungen der ehemaligen Kriegsteilnehmer ans, worauf der Finanzminister sofort den Sitzungssaal verließ und Po in rare seine Demission a n b o t. Das K a b i n et t erklärte sich mit dem Fiuanzminister solidarisch und überreichte dem Präsidenten der Republik seine Gefamtdemissio«. Dev Eindruck der Demifsiorr. Die Demission Poineares kam Mm politischen Kreisen v o l! k o m m e n unerwartet. Poineare selbst war während der Sitzung der Kammer heute morgens in der Kommission für auswärtige Angelegenheiten und wurde in dieser Sitzung vom Absttmmnngsresultat verständigt, woraus er sofort die Sitzung unterbrach und sich in das Kammergebäude begab, wo ihn Fmanzminister de Lasteyrie und einige andere Mitglioder des Kabinetts erwarteten. Stach einer einige Minute» dauenrde« Konferenz erklärte Poineare, daß er sich ins Elysee begeben müsse, nm seine Demission zu überreichen. Sofort begab sich das Kabinett zum Präsidenten der Republik, woselbst ein Kabinettsrat siattsand. Millerand erklärte in sehr eindringlicher Weise, daß er keinen Grundfür die Demission desKabinetts sehe, und e r s n ch t e P o i n c a r e, die Demission zurückznziehen. Millerand erklärte sich bereit, in einem besonderen Communiqne an die Kammer und den Senat die Ursache;: zu diesem Verhalten darzulegen. Millerand zog sich zurück, um den Mitgliedern Rar §<vald über den Berkehnstreik. Die Verhandlungen abgebrochen. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 26. März. Mac Donald erklärte im Unterhaus aus die Anfrage Curzons, es sei richtig, daß die Verhandlungen im V er k eh r s st r ei k ab ge-, brachen worden sind. Die Regierung kenne t^rc Derpflichlungen im Interesse der Oeffentlichkeit und will auch dieses Interesse wahrnehmen. Das Dringlichkeitskamitee hat sich soeben versammelt und Vorschläge vorbereitet. Man hofft aber, daß diese Maßnahmen überflüssig würden, weil die Differenzen sich verringert hätten. Aussperrung in der Schiffsbauindustrie. London, 26. März. Die Arbeitgeber in der Schiffbauiudustrie haben in eiltet heute nachmittags abgehaltenen der Regierung Gelegenheit zur Beratung seines Vorschlages zu geben. Die Kabinettsmitglie-er beschlossen, die Demission aufrechtzner. halten. In den Wandelgängen des Parlaments herrschte heute abends ungeheuer große Aufregung. Allgemein glaubt man, daß Poineare dennoch ein neues Kabinett bilden werde, obwohl er sowohl dem Präsidenten der Republik als auch anderen politischen PersSnlichkeiten feine Meinung mitgeteilt habe, daß fein Demiffionsentschlutz «nwiderrnstich fei. Deputrertenproteft gegen die Kammerabstimmung. In der Nachmittags sitzung -er Kammer legten mehrere Deputierte dagegen Protest er», daß bei der Abstimmung am Vormittag ihre Stimme als gegen dteRegiernng abgegeben gezahlt, worden sei, während sie für die Regierung gesttu^rthätten. Deputierter Klotz betonte, daß Mehrere Deputierte in Ansschnßfitzunge« festgehalten und von der Bedeutung der im Gange befindliche« Debatte nicht unterrichtet gewesen seien. Die Kammer hat sich bis Freitag vertagt. Poineare die Neubildung der Regierung angeboren. Nachmittags hat Präsident Millerand Poineare die Neubildung des Kabinetts angeboten, der fich Vorbehalten hat, bis morgen mittags zu antworte«. Vor der Berufung Pomeares hat Präsident Millerand den Präsidenten der Kammer Per et und den Präsidenten des Senats Doumergue empfangen. Als P e r e t das Elysee verließ, äußerte er zu Journalisten, daß ei« neues Kabinett Poineare gebildet werden dürfte. Er fügte Hinzu, daß durch die Abstimmung in der Vormittagssitzung, zumal nach den in der Nachmittagssitzung von einzelnen Deputierten vorgebrachten Berichtigungen zur Stimmenzahlung, nach seiner Ansicht nicht das gesamte Ministerium in die Minderheit geraten sei. Die Ansicht bei: Börse. Die Kabinettskrise hat auf die Gestaltung des Börsengeschäftes heute nachmittags keinen Einfluß gehabt. Die W e ch s e l k u r f e blieben während des ganzen Tages unveränderL In Börsenkressen überwiegt die Ansicht, daß Poineare weiterhin an der Spitze der Regierung bleiben werde. Man hofft, daß er bei dieser Gelegenheit den Fiuanzminister Lasteyrie abschütteln werde, der in Börsenkreisen wegen seiner FinamvMik kein Ansehen besitzt. Sitzung beschlossen, auf allen Werften mit der allgemeinen Aussperrung vorzugchen, da die Bemühungen, Ue Streikenden in Southampton zur Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen, fchlgeschlagen seien. Bon der.Aussperrung werden annähernd 100.000 Mann betroffen. Der Bericht der öachderftündige« Paris, 35. März. Die Agence H-avas erfährt, daß die Sachverständigen ihre Arbeiten am 28. d. boendigen und ihrÄn'.Bericht am 1. April der Reparativnskommissimi unterbreiten werden. Stalle« und Soivjetrußland. Moskau, 26. März. Der italienisH-sotvjetrussische Handelsvertrag trat mit dem 23. d. in Kraft. Noch einmal nach Paris. 8t. W i e u, 27. März. Die absurde Idee, den Zusammenbruch der fraw zöstschen Wirtschaft als ein Ereignis der nächsten Wochen anzusehen, und aus die Entwertung des Fvanzosengeldes toll urrd kurzfristig zu spekulieren, ist ein Produkt der brutalen und sinnlosen Berliner Pressepropaganda, welche die auf den Schlachtfeldern erlittene blutige Mederlage mit Druckerschwärze wegschwemmeu will. Wo preußische Kanonen und Feldherrnköpse versagten, werden jetzt Druckmaschinen und Journalistengehirnchen eingesetzt. Die sollen es schassen, die Vernichtung Frankreichs aus papierenem Wege. An die sechs Jahre dauert schon die Totsagerei. Allgemeine Stimmung gegen Frankreich. England vor dem Abbruch der Beziehungen zu Frankreich. Amerika will von Frankreich schon gar nichts mehr wissen. Die französische Industrie vor dem Generalkvach. Frankreich vor dem Aussterben, seine Frauen kriegen keine Kinder mehr, die Regierung kauft Senegakbabys und laßt sie weiß anstreichen. Aus jÄ>e Fehlgeburt in Frankreich ein Drilling in Deutschland. Jeder zweite Bankier in Paris ein Bankrotteur, jeder dritte Minister wegen Lieserungsschwindeleien oder Kokamhandel verhaftet. Tiefgehendste Entrüstung gegen Frankreich in Mexiko, China, Schweden, Australien und Kamerun. Die kleine Entente gegen Frankreich. Die große Entente gegen Frankreich. Der Papst gegert Frankreich. Der DalaÄama, der Kalis, der Großrabbiner von Tunis gegen Frankreich. Kommen Sie 'ran meine Damen und Herren, morgen platzt die ganze französische Blase, übermorgen, aber ganz sicher! Stinnes hat schon eine Option aufs Ganze. Notredame wird eine SpodimnstckriL, der Eiffelturm wird in Hakenkreuzform umgebogen, ins Palais Bourbon kommt eine Kursürstendammschnapsdiele, alle Sonnabend frischgewaschene Nackttanze. So kocht's im Kleistertops des deutschen Pressedienstes, aus welchem auch die Wiener Presse mit vollen Löffeln schöpft. Immer zäher und dicker wird der Brei, welchen man den verehrlichen Zeitungskäusern in die Augen und Ohren schmiert. Was Wunder, wenn die Leser schließlich dahin gekommen sind, Frankreich mit Albanien oder Montenegro zu verwechseln und seine Geldwährung mit den verwässerten Aktien einer abgebrannten Zahnstocherfckbrik. Das Herz von Zuversicht erfüllt und den Kops voll garantterter Berliner und Wiener Leitartikelweisheit, so setzten sie sich in den Luxnszwg Wien—Paris, um dabei zu sein beim großen Schlachten und an der Flamme des sterbenden Frankreich ihren Braten schmoren zu lassen. In Paris mußten sie die erstaunliche, bettübliche und kostspie-lige Erfahrung machen, daß Frankreich noch Frankreich ist, trotz aller Bedrängnis ein großer, mächtiger Staat, kein wackliges Winkelunternehmen, welches man mit einigen Valutenschiebungen erledigt. Die Wiener Ausflügler sind zerschlagen und zerzaust heimgekehrt. Die Niederlage war gründlich. Die Spekulanten hatten diesmal nebst ihrem Gelde auch die Selbstbeherrschung verloren und fingen an, die Wahrheit zu sagen, was ansonsten Spekulanten mir tun, wenn sie sich unmittelbar daraus die Kehle abschneiden. Die Wiener Blätter — auch die Zeitungen, deren Verhältnis zu bestimmten Großspekulanten allgemein bekannt ist — berichteten rückhaltlos über den Umfang der erlittenen Verluste und taten nichts, um den Gerüchten über die triste Lage ihrer Brotgeber oder anderer ^eldmagnaten und Institute entgegenzutreten. Man rüg seinen Katzenjammer auf die Straße. Nun aber cheinen sich die Herren Drahtzieher eines besseren 'beonnen zu halben und ihre Presse leitet ein mächtiges Beschwichtigungs- und Verschleierungsmanöver ein. Aus der Leitartikelseite erscheinen wieder Telegramme und Berichte von „besonders informierter Seite", welche die politische Katastrophe in Frankreich als unvermeidlich bezeichnen. Im volkswirtschaftlichen Teile findet man langatmige- Erörterungen und Feststellungen, welche haarscharf beweisen, daß das Steigen des französischen Franken eine Fiebererscheinuug ist, , ein sicheres Anzeichen für die baldige und völlige Auflösung. Dann werden Berechnungen angestellt, als Damenwäsche Englische Stoffe für Herrenu. Damenkleider, Jacken u. Jumper aus Wolle u. Seide, Regenmäntel u Textilwaren, alles erstklassig u. billigst im Warenhaus Eiei Schiff mann II. Taborstraße 48 Teleuhoo 47-1-79 En gras En detail