Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1836 (26.3.1924)
- Date
- 1924-03-26
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, NNtMoch Berliner Börse. . _ DerVu. W. März. Die Beftirchtinligen lveiterer Schwi-e- LkMten mfckge der Baisstfpskulation n, Franken haben sich E gerechtfertigt, weitere EZekutionsverkaufe machten sich E Mtend und somit hatten Deckungs- und Meinungsikcrilfe vLt Beigrnn des Efsektenvevkethrs entschieden das lieber gewicht «ber '»äs Angelbot, so daß die ersten amtlichen Kurse ast ausnahmslos Besserungen gegen gestern austviesen. Namhaft waren die Erhöhungen besonders aus dem Montamnavkt Äalwerte, Chemische und auch ElektriMtsccktien erlanaten emschnlrche Gewinne. Obrvschlssische Kokswerte stellten sich um ZlEich 4 Billionen Prozent höher. In elektrischen Hochoahnaktven eiitwickelte sich wieder em lebhaftes Geschäft bei steigen- Die Besserungen für diese Papiere betrugen L,5Billwnen Prozent/ Bon Schiffahrt alt ieri zogen Hapaa und Sudamevikandsche DanPsschissahrtSgesellschaft um 1,5 bis 2 Billionen Prozent an. Auf dem Bank-nmaM erholten sich Berliner Handelsgesellschaft von ihrem gestrigen Rückgang. (Alles in Billionen von Mark. > $ lttJIwtLe\ türkische Lose 25*/*. Ccftctt. ^aatSfcö^n 82.—, Nordd. Lloyd 6.375, Ver. Elbeschiffahrt Eie^t^. Handelsgesells>uast 36—, Kommers Privatbank 8^25, Darmstadter Bank 10.25, Deutsche Bank 10.6. Diskonto- Kouimandit 12.25, Dresdner Bank 6.876, Nationalbank ftir Deutschland , Oesterr. Kredit 0.45, ■ Ccfterr. Länderbank ~i Neichsbank 28.25, Wiener Bankverein 0.35, Wr. Union, bank 0.4. Ällg. Elektrizitäts-Gesellschaft 9.75. Bochnmer Gußstahl 52.25, Daimler Motoren 4.2, Deutsch-Luxemburger ^3.8. Deutsche Maschinen 8.—, Dynamit Nobel 6.875, gelten u. Guilleaunn: 26.5, GelsenklrcheUer Berg. 60.6, Th. Goldschmidt 14.376, Harvener Bergbau 68.75 Hirsch Kupfer 36.75. Höchster Farben 18 875. Hohenlohe-Werke 34.1 Laurahtitte 14.625, Mannesmannröhren 38.25, Phönix Bergbau 32.—, Schuckert n. Eo. 33.5, Siemens n. Halske 89.5. Telephon Berliner 5.25, Dollarschatzanweisungen 83.30. Die Devisenkurse. Zürich, 25. März. (Devisenkurse von 12.25 Uhr. - Don der Schweizerischen Kreditanstalt mitgeteilte Mittelkurse.) Berlin pro Milliarde (-.-), Holland 213.50 (213.75), Netv-Bork 579.50 (578.12), London 24.92 (24.87), Paris 31.50 (31)30), Mailand 24.95 (25.05), Brüssel 25.- (25.-), Kopenhagen 9L- (90.25), Stockholm 153.- (152.50), Eliristiania 79.- (79.50), Madrid 75'/. (75.25), Buenos Aires 194.50 (194.—), Prag 16.80 (16.77*/,), Budapest 0.0085 (0.0085), Bukarest 3.05 (3.05), Belgrad 7.12»/, (7.10), Sofia 4.15 (4.10). Warschau Wien 0.0081*/, (0.008162). Berlin, 25. März. (Devisenkurse.) (Zn Goldmark für IVO Einheiten mit Ausnahme von New-Aork und London für 1 Einheit, Wien und Budapest für 100.000 Einheiten.) Amsterdam 155.89 (155.36/, Beioien 18.45 (1865-, Christians 57.67 (57.85,, Kopenbagen 66.67 (65.83-, Stockholm 111.78 (110.92), Italienische 18.35 (18.25,, London 18.145 (18.055), Aew-?1ork 4.21 (4.19,, Daris 23.26 (23.54), Schweiz 72.98 (72.62-, Spanien 54.89 (64.61), Wien 6.22 (6.18), Prag 12.29 (12.21-, Budapest 6.42 (6.36-, Sofia 3.26 l3.19-, Belgrad 5.62 (5.48). Berlin, 26. Marz. (Notenkurse.) (In Goldmark für 100 Einheiten mit Ausnahme von Dollar und Pfund für 1 Einbeit, österreichische für 100.000 Einheiten und polnische für 1 Million Einheiten.) - Boren: Dollar 4.21 (4.19), Pfund 18.15 (18.05), Italienische 19.65 (19.45), Lesterreichische 6.22 (6.18), Polnische 4,715 (4.54), Tschecho.slowakische 12.29 (13.21). Belgrad» 25. März. (Devisenkurse.) London 351*/- bis Paris 438.- bis New-York 81.30 bis - Genf —bis —Saloniki —.— bis . Mailand 352.—. bis —, Prag 236*/, bis —.—. Berlin —bis —Wien 0.1153 bis Bukarest 43.- bis Sofia 60.- bis Budapest 0.10 bis Brüssel bis —, Amsterdam 3000.—bisWarschau -.— bis—.-. Agram, 25. März. (Devisen.) Wien 0.1145 bis — .— Berlin —- bis —, Budapest —bis —, Bukarest — bis Italien 350.- bis London 349.65 bi? New-York 81- bis Paris 338.80 bis Prag 235.- bis Sofia bis Schweiz 1408.30 bis —Brüssel —bis —, Warschau —bis —, Amsterdam —.— bis —. Stockbolm —bis Wiener Morgen^eltung. 26. Dmrz lv24 ■«MeV ■*77i*7 Fvßball. Die gestrigen Spiele. Obwohl gestern keine Mristerschaftsspiele ausgetragen wurden, war das Programm sehr reichhaltig. Mit Ausnahme des Cupspieles W. A. F.— Donanstadt trugen alle Treffen freundschaftlichen Charakter. Hertha—Jüdisches Team A 5 :2 (1:1). Hertha-Platz. 2000 Zuschauer. Schiedsrichter Neubauer. Hertha: Ostriczek; Schneider, Solil; Wrsolek, Reiterer, Krenn: Rosendors, Lokwenc (Sindelar), Lvstopad 3, Sefzik, Knlisch. Team A: Dnldig'(Hakoah); Lewitus (Hakoah), Kolisch (Kadimah); Schirok, Schönseld (Hasmonea), Linneberg (Kadimah); Weiß (Hakoah), Hermann (Kadimah), Kestler, Fuß (Hasmoirea), Juhn (Hechawer). Das jüdische Team legte gestern eine achtunggebieteirde Talentprobe ab. Obwohl die Hertha ihre beste Mannschaft zur Stelle hatte, erwiesen sich ihre Gegner vor der Pause als vollkommen gleichwert. Nach Seitenwechsel sielen die jungen jüdischen Spieler, die fast ausschließlich nnterklassigen Vereinen angehören und derart schwere Kämpfe noch nicht absolvierten, dem schnellen Tempo zum Opfer. Nicht unerwähnt soll die Tatsache bleiben, daß das jüdische Team gegen Ende des Spieles nur 9 Mann ans dem Felde hatte, da Lewitus nach einer Auseinandersetzung mit Dnldig, die der Schiedsrichter hörte, ausgeschlossen wurde und Schirok wegen einer Verletzung abtrat. ( Beim jüdischen Team hielt sich die Verteidigung sehr brav. Duldig uwd Lewitus boten sogar ausgezeichnete Leistungen. In der Deckung war Schirok der beste. Der Angriff spielte vor der Paule sehr gut. Besonderes Lob verdienten Weiß, Fuß und Kestler. Juhn erwies sich nach Seitenwechsel als Mittelläufer als unermüdlicher Kämpfer. Die Hertha hatte in Solil, Reiterer und Sindelar ihre besten Kräfte. Hingegen war Ostriczek diesmal sehr unsicher. .Schiedsrichter Nvubauer hatte keinen guten Tag. Beide Mannschaften spielen sehr fair und gestalten den Kamps interessant. In der 39. Minute erzielt Fuß, der mit Juhn Platz getauscht hatte, den ersten Treffer. Noch in derselben Minute stellt Lokwenc den Ausgleich her. Nach Seitenwechsel gewinnt die Hercha langsam Terrain. Sindelar, der nach der Pause für Lokwenc eintrat, bringt in der 10. Minute den Stand auf 2:1. Dann ist LrstopcÄ 3 nach einem Eckstoß in der 14. Minute erfolgreich. In der 20. Minute verschuldet Lewitus durch Verletzung der Handsregel einen Elfmeterstoß, den Solil verwandelt. Das jüdische Team kämpft trotz des Mißgeschickes unentmutigt weiter. Es sieht seine Bemühungen auch belohnt; Juhn geht nämlich in der 28. Minute den Verteidigern aus und davon und erzielt für seine Farben das zweite Tor. Nun scheiden Lewitus und Schirok aus, so daß Kolisch den Stand auf 6:2 bringen kann. Das B-Team des jüdischer.Verbandes unterlag gegen die körperlich weit überlegene Reservemannschaft der Hercha 1:6 (0:2). Seine Ausstellung lautete: Münzer (Hechawer);! Seidler (Hazair), Dr. Dickler (Hechawer); Lechner, Sternmann (I. A. C.), Gold (Hazair); Bulla (Kadimah). Arm (I. A. C.), Schulmann (Hazair), Bock (Bar-Kochba), Haas (I. A. C.). Zur Halbzeit wurden Dr. Dickler und Lechner gegen Kaplan (Kadimah) und ' Groß (Hechawer) ausgetauscht. Die besten Spieler des jüdischen Teams waren Seidler, Bock und Haas. Das einzige Tor erzielte Schulmann. Hakoah—Cricketer 2 r 2 (2 r v). Cricketer-Platz, 2000 Zuschauer, Schiedsrichter Rostnzweig. Hakoah: Halpevn; Scheuer, Vogelfänger; Kerr, Grünfeld, Palmay; Pollatschok, Wortmann 2, Goild, Fried, Häusler. Das Spül nahm einen sehr fairen Verlauf und wurde von der Hakoah nicht allzu ernst genommen. Bei ihr wirkten nach längerer Zeit wieder Hcrlpern und Scheuer. mit. Bei ersterem machte sich die alte Fnßverletzunig noch immer geltend. Scheuer hingegen stand das Tressen bis zum Ende durch. Obwohl er sehr vorsichtig spielte bewies er dennoch seine hohe Klasse. Bei seinem Partner Vogelfänger fand er überraichenderweise tatkräftige Unterstützung. Dieser Spieler ist sehr energr'ch und überdies versteht er es, mit beiden Mützen ranmirei'end zu schießen. Die Deckung war iu ihrer Gesamtheit schwach. Palmay übersiodelte nach der Panse ruf den rechten Flügelstüvmerposten und an seine Stelle _ trat Herlinger ein. 'Ter Angriff pflegte mit wenig Geschick die ,Mck and Rush-Methode". Häusler bemühte sich vevgMich, seinen Partner zum Kom'binationsfpial zu veranlassen.^ Wortmann, 2 trat zur Pause wegen Ubbermüdung ab, so daß der Angriff dann folgende Znsaamnenlfetzuna aufwies: Palmay, Häusler, Gold, Fried, Pällatscheik., Die Cricketer kämpften sehr eifrig und ihre Mannschaft erwies sich als ausgeglichen. Vor der Paust ist die Hakoah übevleigen und erzielt durch Fried und Wortmann 2 zwei Tore. Nach Seitenwechsel kommen die Cricketer auf und verringern durch Berger den Vorsprung. In der letzten Spielminute wird den Cricketern ein Elsüretevstoß zugesprochen, den Ludwig verwandelt. Ostmark—SimmEng 3:3 (2:1). Simmermger-Platz, 1500 Zuscha-n-er, Schiedsrichter Weinzettel. Ostmark: Kerl; Weiß-enböck, Mgrowitsch; Jarvsch, Biber, Graf 1; Graf 2, Siocboda, Meißner, Hafbauer 2, Wchlmnt, , S im me rr ug: Sdinlka; Mnssil, Rieidl; Baumgartner, Bartosch, Duntser; Urban, Götz, Horbach, Danis, Fröch. Die beiden . Mannschafteu waren e-rnartder ungefähr >gl<ichwert>ig, so daß das Re-snltat dem Spi'Äverlanf entiv rechend bezeichnet werden kann. Bei den SiMmeringevn gestÄen die Verteidigung, ferner Baumgartner, Horbach und Danis. Bei Ostmark war die Deckung der beste Manwchaftsteil. Im Sturm verrichtete wie immer Hofbauer 2 die Hauptarbeit und erzielte alle drei Tore. Bei den Simmeringern keilten sich Danis (2) und Horvath in die Erfolge. W. A. F.—Don-rustadt 1:0 (1:0). l W. A. J.-Plah. 1000 Zuschauer. Schiedsrichter Kaulich. W. A. F.: Gristner; Stejskal, Brodkopb; Roy, Brandstetter, Menzel; Eichler, Bauer. Kreuzer, Straßer, Klein. Douauistadt: Schubert; Biogler, Mach; Pollach, Haydn, Frank; Panlini, Patok, Ammcrling, Hallak, Kaiser. Im Cupspiel gelang es W. A. F., einen,glücklichen Sieg zu erringen. Die Roten boten eine schwache Leistung. Gut war Stejskal als stoßsicherer Verteidiger, -dann der unverwüstliche Seppl und im Sturm Straß-er von der Reserve. Auch Grifter als Ersatz für den verletzten Janczik entspvach. Die Zweitklassigen kämpften mit viel Eisernste hätten aber iPech. Schußünsicherheit und Fchlentschetdnng des schwachen Schiedsrichters brachten sie um >den Ausgleich. Hervorgehoben sind. Biegler, der als Back endlich seinen richtigen Posten gefundM bat,' der andauernde iMittMäuser Haydn und die rechte Angriffsseite. Heftige Angriffe der Roten leiten den Kampf ein. Nach zwei Stangenschüssen Bauers und Kve-uqers gelingt es Straßer mit herlicham, unvermutet abgegebene Volleyschuß aus 20 Meter Entfernung einznsenben. Trotz vchementester Gegenangriffe, die M zahlreichen Kornern und Toreckchancen führten, gelingt es den Donanstadt ern nicht gleichzuziehen. Ein Hcvnds im Strafraum der Roten wird von Herrn Kaulich übersehen. Pau-Iini verläßt verletzt das »Spielfeld. Trotz numerischer U-rberlegenheit kann der W. A. F, kein Tor mehr erzielen. Copyrigth 19S3 by Nachdruck verdoken. Deutsch-Oesterreichischer Verlag, Wien. 81. Foryetzung. Ae Heimatlosen. Von Wilma Vukelich. Tie rückwärtigen Bänke füllten graue Massen an. Existenzen, die eben auch da sind und die gewissermaßen auch ihre Existenzberechtigung haben, da sie doch Lehrer und Beamte sind, Mittelstandsärzte und Advokaten . . . das heißt mit einem Wort: die sogenannt» Intelligenz. Lsnte, die nicht hoch kommen, weil es ihnen an den: nötigen Etwas fehlt. Die Sprache hat tatsächlich noch kein Wort geprägt für dieses gewisse Etwas, das im Grunde eiM Art sechsten Sinnes darstellt. Jenes Sinnes, der Vorteile wittert und sie auszunützen versteht. Der die Leute vorwärts bringt, aus kleinen Kaufleuten große macht, aus schlichten Aerzten gesuchte Kapazitäten. Aus unbedeutende). Vankjünglingen finanzielle Großmächte. Aus ungelkannten Kunftjüngern Halbgötter der Kunst. Verstand ist cs nicht. Und auch nicht Voraussicht im landläufigen Sinne. Es ist eben ^das gewisse Etwas, der sechste Sinn. 'Und wer ihn hat, ist ein gemachter Mann. Er findet sich überall zurecht und wittert jede Konjunktur voraus. Er liest, den Menschen von den Augen ab,' was sie von ihm in jedem Augenblick erwarten. Er spürt es irgendwie, welche Ware eben gangbar ist... Alle die anderen, die Grauen, sind die Narren ohne Sa^lz und Witz. Sind jene, die ewig im seichten Gewässer ihrer Mittelmäßigkeit Zurückbleiben, während die Bevorzugten in einer luxuriös geschmückten und bewimpelten Vergnngungsijacht hinrusstglen ans das weite Mer der unbegrenzten Möglichkeiten. Die ersten Nummern absolvierte eine junge Konzertsängevin mit schönem, gepflegtem Organ, die ein paar ^-ugendlieder Alfreds Vortvug. Ein paar leichtere Sachen, die noch keineswegs charakteristisch waren für sein späteres Schaffen. Es sollte ja auch nur eine Einleitung sein, ein Anstalt sozusagen, um das Publikum bei guter Stimmung zu erhalten, um über die erste Uumhe des Saales hinweMuhÄstn. Usber das erste Rausche« und Hüsteln. Tüven und Bänkrknarren. Jedenfalls verdarb die Sängerin nichts, denn ihre Stimme war zart und angenehm, auch sah sie entzückend aus, hatte Augen, mit denen sie vorzüglich umzugehen verstand, und beherrschte alle Mätzchen und Tricks, von denen sich das Publikum gerne fangen läßt. Aus alle Fälle ein günstiger Anfang. Der erste Applaus strömte leicht und vom Herzen. Er galt mehr dem Persönchen als der Krmst. Als Alfred das Podium betrat, rauschte eine neue Welle des Beifalls durch den Saal. Man feiert ihn. Man jubelte ihn: zu, noch vor dem ersten Ton. Man stierte sozusagen sich selber, indem man einen stimsgleichen stierte. Die Leopoldstadt hatte ihren großen Tag. . . Alfred spielte. Ein wenig lau, nüt einem kaum merkbaren Tremolo. Ein Etwas würgte seine Kehle und er war tatsächlich außerstande, hinabzusthen in dm Saal, wo sich die große Bestie breitmachte, diese schöngepflegte Bestie, die mit Blnnren bekränzt, mit Seide und Gold behängen war und sich von Sensationen nährte, die sie aus den Seelen und Nerven anderer saugte. Die vom Vergnügen -lebte, und >der zuliebe er nun den Narrelüanz mit der lustig bebänderten Pritsche tanzte. Ein Etwas würgte seine Kehle. Es war jenes Gefühl des Ekels, das er häufig enrpfand nnd das ganz körperlich tvar . . . ein Würgen und der rote Blutnebel vor den Augen. War das Befangenheit, Lampenfieber? Er suchte sich zu finden. Zu samnreln. Er suchte seine Gedanken zrr fangen, die immerfort über die vielköpfige Bestie hinschweiften . . . suchte sie oinzufaugen und auf ein Ziel zu richten. Und spielte mechanisch, wie im Traiun, in stiner gewohnten gedämpften Manier, con sordino . . . und das Publikum hielt seine gkistige Abwesenheit für Post und seine gedämpfte Art für die Manier des Meisters, für jenen neuen Stil, als dessen Interpret Alfred gepriesen wurde. Und eS jubelte Beifall, denn es hatte langst seinem Willen entsagt und war entschloffm, in Alfred das Genie zu sindsn, das man ihm versprochen hatte. Dieser spielte. Schweifte ab vom Thema, das er sich selber gewählt hatte. Kletterte die Leiter der Töne hinan und fand sich irgendwo wieder in einer kühlen Einsamkeit, di« ohne jeden Zusammenhang mit dem Publikunr Ivar. Er spielte und träumte sich aus. Dann zwang er sich in sein Thenra hinein, zwang sich in seine Aufgabe zurück, indes auf stiner blassen hohen Stirne langsam die Schweißperlen zu sikern begannen. Auf und ab wippende Fächer. Das Rascheln der Pro» gramme. Gi n Hüsteln, ein auffallendes Opernglas ... Es ist, als ob der Saal plötzlich erwachte, man weiß nicht wieso,- und der Zusammenhang geht verloren. Schon aber betM Benitzky das Podium und stellt sich cm den Dirigententisch. Sein fanatischer Künstlerkops mit den schneeweißen Locken wirkt noch imnrer faszinierend auf das Publikum. Den Bewegungen seiner langen seingegliederten Hände zu folgen, ist schon Genuß. Er dirigiert. Es ist der Höhepunkt des Abends. Alfreds Meisterwerk, die Symphonie. Das Lied von der Heimat. Nun rauschen die Geigerr empor und singen von der Heimat. Die Eichenwälder der ungarischen Tieft bene rauschen. Die Felder dehnen sich golden und sind unermeßlich weit wie das Mer. Die Traube reift, süß, wie nur ungarische Trauben reifen. Alfred fühlt:: das Lied von der Heimat! Aber er hört nichts. Sieht nur die Hände Benitzkys, die seltsam schweben. Sie heben und sich senken. Und er muß knien: aller Wille ist in diesen Händen. Sie halten das Ganze. Hundert Stimnren stießen in eine Stimme zusamnnen, die Geigell gehen auf im Bioloncell und dieses ordnet sich den Harfen unter, süß singt die Wöte, nur einen -kurzen Herzschlag lang. Nur ein einziges seliges Aufjauchzen und ein schluchzendes Vergehen. Ein seliges Untertauchen im Chor, der nicht mehr Chor ist, sondern die letzte Harmonie die das Aufgelöste bindet, die das Zerstreute stmmelt r:nd Wille ist — Benitzkys Wille . . . (Fortsetzung folgt.)