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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-26 · Heft 1836 (26.3.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1836 (26.3.1924)
Date
1924-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ne Untmedung Mac Igmldr mit dem framSMen Totfchaster über aktuelle Fragen. (Eigen-dienst der „Wiener Morgenzertung".) London, 25. Atärz. Die gestrige Unterredung des Premierministers mit dem französischen Botschafter bildet nach wie vor den Gegenstand der Unterhaltung in den politischen Klubs, und die Debatte hierüber zeigt deutlich, daß es sich entgegen der anfängüchsn Annahme hier nicht um eine harmlose Aussprache, sondern um eine hochpolitische Angelegenheit handelt. Diese Unterredung ist als eine Fortsetzung der durch den Briefwechsel zwischen Mac Donald und Poincare begonnenen Annäherung zu be- Ke'ichn.m. Ihre Wichtigkeit liegt außer einer in verschiedenen Fragen erhielten Uebereinstimmung der Ansichten vor allem darin, daß man m informierten Kreisen eilte Zusammenkunft der beiden Ministerpräsidenten für gesichert hält. Allerdings meint man, daß diese Begegnung erst nach der Veröffentlichung des Gutachtens der sachverständigen ersvlgen und nichts anderes vorstellen werde, als einen Meinungsaustausch über die Durchführung der Vorschläge der Sachverständigen. Die gestrige Unterredung MacDonalds mit dem Grasen Sämt-Aulaire bezog sich, wie Ihr Kovvespondent erfährt, aus zahlreiche aktuelle Fragen, besonders üiber die Sicherheit Frankreichs, die Reparationen, die interalliierten Schulden, die Arbeiten der Sachverständigenkommission, über die Ausrufung der griechischen RepuM Die Nationalversammlung setzt die Dynastie ab. Athen, 26. Map;. (Tel. der ,Mr. Moryenzeitung".) Die Nationailvevsamtmlung. hat heute feierlich die Absetzung der Dynastie und die Errichtung der Republik beschlossen. Die vor dem Parlament angesammelte dichtgedrängte Bollksweuge nahm diesen Gnltschluß mit begeisterten Hochrufen aus. Ministerpräsident Papanastafiu hat gestern anläßlich seiner Regierungserklärung, in der er den Aufbau der RepMik auf gesicherten Grundlagen als ' Hauptziel bezeichneet, mit 269 gegen 3 Stimmen bei 13 Adsentierungen das Vertrauen votiert erhalten. Ter heute angenommene Gesetzentwurf verkündet die endgültige Absetzung der Dynastie, untersagt deren Mitgliedern den Aufenthalt in Griechenland und ermächtigt die Regierung zur Enteignung der Krongüter. Die ruUch-rrmauMe Konferm. Beginn heute vormittags. Ter Präsident der rumänischen Delegation Rasca n u hatte gestern vormittags im Landhaus eine Besprechunig mit dem Führer der russischen Delegation K r e st i n s k i. Diese freundschaftlich geführte Unterredung, die nahezu eine Stunde dauerte, beschäftigte sich nur mit der Festsetzung des Modus der nun beginnenden meritorischen Verhandlungen. Man einigte sich 'dahin, heute vormittags den Außenminister Dr. Grünberger gemeinsam auf zu f u ch e n und ihn zu bitten, der ersten KonferenHberatung, die heute im Landhaus stattfm'den soll, zu Präsidieren und sie zu eröffnen. Diese Konferenz soll um 11 Uhr vormittags feierlich ihren Anfang nehmen. Pfalz- und Ruhr frage sowie über die Mrlitärk o n t r o l l e. Wie die A g e n e e H a v a s hierzu meldet, haste Botschafter . Saint-Au'laire für seine Besprechung mit M a c Donald die Instruktion erhalten, dem Premierminister gegenüber die Erwägungen zu vertreten, die dem im französischen GeWuch zum Ausdruck gebrachten Standpunkte Frankreichs zugrunde liegen. Der Botschafter habe auch darauf ve«wissen, daß die französische Regierung auf produktive Pfänder nicht verzichten könne, es sei denn, daß die Alliierten ebenso wirksame und produktive Garantien bieten würden. Was die Frage der Sicherheit anlange, so habe der französische Botschafter mit blonderer Dringlichkeit auf eine Regelung diefer Frage in Zufammenhamg mit der endgüLtigen Lösung der ReParationZfrage hingdwiefen. Der britische dvahtlM Dienst meldet, außer her Tatfache, daß auf beiden Seiten her Wunsch nach einem Z usammenwirken zwischen Großbritannien und Frankreich zu ernennen war, sei keine weitere Information zu erhalten gewesen. Die allgemeine Auffassung sei indessen die, daß ein derartiger Meinungsaustausch nur den Charakter einer vorläufigen Sondierung habe und. daß ein wirklicher positiver Fortschritt erst dann erwartet werden könne, bis die Sachverständigen der R^pavationskoMMissiou ihre Schlußfolgerungen vorgelegt haben. Belgien und SMetrußland. Brüffel, 26. März. (Tel. der,Mr. Morgenzeitung".) „Libre Belgique" teilt mit, daß sich der gestrige Ministerrat mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Sowjetrußland beschäftigt habe. Diese Frage interessiere vor allem Antwerpen. Aus diesem Grunde habe der Bürgermeister von Antwerpen, Kauwelart, vor einiger Zeit mit den Vertretern Sowjetrußlands Verhandlungen eröffnet, die im Ministerrate zur Sprache gekommen sind. Die „Nation Beige" teilt mit, daß die Unterhandlungen des Bürgermeisters von Antwerpen mit den Sowjetdelegierten auf die Schaffnng eines rusfischen Handels st ützpunktes in Antwerpen abzielen. Die Regierung verhalte sich a - w e i f e n d. Das militaristische Sowietrußlmd. Moskau, 25. März. (Tel.-Kump.) In seiner Antrittsrede als stellvertretender Chef des Obersten militärischen Redolutionsrates, warnte Frumse die allrussische Militärkonftrenz vor den Gefahren der „Anerkennungsepidemie" bei den europäischen Mächten, welche geeignet ist, die Sowjetbürger und auch die Militärbehörden in ein Gefühl falscher Sicherheit zu wiegen. Die kriegerische Epoche fei sicherlich noch nicht vorüber. Die Westeuropäische Welt vergrößert ihre Rüstungen und bereitet sich, trotz ihrer Friedensbeteuerungen auf neuen Krieg vor. ,^Jch sage mit vÄler Uebergeugung," erklärte Frumse, „daß die nahe Zukunft neue. bewaffnete Zusammenstöße bringen wird. Trotz unserer Friedensliebe können wir uns nicht unbedingt von allen militärischen Verwicklungen strnhalten, und aus diesem Grund muffen die militärischen Angelegenheiten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit im russischen Arbeiter- und Bauernstaate stehen. Wir muffen alle unsere Energie daran wenden, eine starke und w o h l o r g a n i s i e rt e W e h r m a ch t zu schaffen." Das Gesetz desFremderchaffes. —y. W i c n, 26. März. Amerikanische Bürger aller Nationalitäten haben sich zu einem Protest gegen eine weitere Einschränkring der Einwanderung zusammengetan. Eine am 8. März in New-Jork stattgefundene Massenversammlung beschloß, die Aufmerksamkeit des Kongresses darauf zu lenken, daß das vorbereitete Gesetz die EinwanderungSquoten nach Raffenprinzipien sestfetzen wolle und sich in Widerspruch zu dem Geist der amerikanischen Geschichte setze. Es ist aus der Ferne nicht zu beurteilen, ob diese Bewegung Erfolg haben und zu einer liberaleren Reform der strengen Gesetze führen wird. Aber aus der Tatsache, daß alle Nationen modern Protest einig sind und einen Ausschuß gebildet haben, der den bezeichnenden Namen „Gleichheitskomitee" führt, erhellt, daß sich alle in gleicher Weise bedroht fühlen und hinter der auf Einschränkung der Einwanderung abzielenden Propaganda doch andere Motive vermuten, als die gemeinhin naegebene Rücksicht aus den Arbeitsmarkt. Die Induriekrise, die in den Jahren 1921 und 1922 so vedrohich auftvat, ist vorbei und es zeigt sich, wie man aus der Arbeitsstatistik sehen kann, eher ein Mangel an geschnlten und ungeschickten Arbeitskräften. - Der Einwanderungskoimniffär der. Bereinigten Staaten, Herr Cürran, hat kürzlich in einer öffentlichen Rede in New-Aork 'bemerkenswerte Aeußerungen über die Frage getan, aus denen man einige Klarheit über die in den führenden Kreisen herrschenden Anschaurrngcu ' erhält. „Wir haben in unserem Lande zu viele fremde Kolonien, fremde Zeitungen, , fremde Standpunkte, fremde Liebe und fremden .Haß, ererbt aus der Geschichte anderer Kontinente. Keine Nation kann ihre Rolle in der Zukunft spielen, wenn sie uneinig, gespalten, unter sich innerhalb ihrer eigenen Grenzen in verschiedene Lager geteilt ist. Wir aber sind diesem Punkte . gefährlich nahe. Ich erhielt dieser Tage ein Telegramm von einem Kongreßmitglied, in dem er die Zulassung eines bestimmten griechischen Einwanderers forderte, weil, wie er sagte, die griechischen Stimmen eben von der Zulassung dieses Mannes abhingen, und es gäbe 8900 griechische Stimmen in der betreffenden Stadt. Was aber heißt griechische Stimmen in Amerika'? Was zmn Teufel haben sie hier zu suchen?" Klingt das nicht ganz fo, als wäre es von irgend einer alldeutsch-bodenständigen Zeitung geschrieben? Und in der Tat sind die Tendenzen, die hier wie dort mit der gleichen Ideologieaustreten, in ihrem Ursprung gleich. Sie kommen aus I dem Nationalismus, aus der Ueberschätzung des eigenen nationalen Wesens und aus der damit eng verbundenen Fremdenfeindickfaft. Diese Bestrebungen sind i durch den Krieg bis zur Siedchitze befeuert worden und sie stehen einer ftiedlichen Ausgleichung der Gegensätze immer im Wege. Sie haben Europa so weit verwüstet, daß vielen Tausenden von Menschen das Leben zur Hölle geworden ist, der sie sich entziehen wollen. Aber ihre Rettung verhindert die Quote und wenn sie nach dem Ziel ihrer Sehnsucht kommen, so machen sie die Erfahrung, daß die teuflische Erfindung der engstirnigen, brutalen Krähwinkelei schon vor ihnen den Ozean übersetzt und drüben festen Fuß gefaßt hat. Käme sie zur endgültigen .Herrschaft, ■ so wäre dies der letzte und schwerste Schlag für das in stimm Wahnsinn sich selbst 'verzehrende Europa. Denn im Grunde eirtspvicht doch die Drosselung der Einwanderung dem in den Vereinigten Staaten sich immer stärker regenden Gedanken, Europa sich selbst zu überlaffen. Es ist die Verachtung für den alten Kontinent, der aus eigenem nicht mehr die Kraft ausüringt, sich der nationalistischen Bestie zu erwehreu. Die Gründer und Befiedler des amerikanischen Staatenbundes waren aus der von Religionssthden vergifteten Luft geflohen und hatten sich ein reines.und freies Heim geschaffen. Während Europa die Entwicklung von den. Glaubenskriegen bis zu dem großen Zusammenstoß der konkurrierenden Nationen zurücklegte, wuchs Amerika zu immer größerer Macht. Sein Land, seine Freiheit und seine Selbftsicherheit wurde zum Asyl für so viele Menschen, die hinter dar übertünchten .Kultur ihrer .Heimat die greisenstarre Fratze des Hasses und des Am besten y.biHigitensf",g!,aieiSchiffman»i II. TabarstraBe 48 TeSenhon 47-1-79 En gros En cieCsSi

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