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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-23 · Heft 1833 (23.3.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1833 (23.3.1924)
Date
1924-03-23
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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«nrp MM. Tönnkckff „SIftifaitmn" trotz ihrer noch imnnr und noch auf lauge Zeit kostbaren Thoatermusik und trotz aller aufgewcnserer Mühe itttl Sorgfalt, di« wir genre anerkennen, von voruhcre-in anssichts- 'LoS. Erwin Felder. Licht« und Reklame. Wne Jugenderinucrung des Dichters Börries Freiherr von Münchhausen. Am 20. d. feierte der Lyriker und Balladen-ichter B ör- 'rie- Freiherr von Münchhausen seinen 50. Geburtstag. Zu Hildesheim a-ls Sohn eines alten deutschen Ge- - schlechtes im Jahre 1874 geboren, studierte er Jurisprudenz, Philosophie und Naturwissenschaft und erwarb den juristischen Doktorgrad. Frühzeitig, bereits als Zwanzigjähriger, durch einen Gedichtband bekannt geworden, hat sich Mmchhausen besonders d.r romantifchen Verjüngung der Ballade zugewandt. „Ritterliches Liederbuch", „Das Herz im Harnisch", „Schloß in Wiesen" sind die bekanntesten seiner Balladenbücher. Er hat sich auch als Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs verdient gemacht. Unter seinen Balladenbüchern ist die von S. M. Lilien in Schwarz-Wciß-Manier ausgeschmückte Sammlung „I u d a" bemerkenswert, in welcher er die Romantik der jüdischen Größe ht seinem Geiste zu ersassen sucht. Münchhausen, der jetzt als Gutsherr in Sachsen lebt, ist in gewissen Grenzen ein eigenartiges Talent der neudeubschen Ballaidenform. In seinem Büchlein „Fröhliche Wochen mit Freunden", « welchem Münchhansen anziehend aus seinem Leben plaudert, erzählt der Dichter, wie er als junger Student einmal ein Gedicht veröffentlichte, in dem er eine fröhliche Radfcchrt Fweier jU'Ntz-r Menschen schilderte. Dabei waren die Räder, ohne daß der Dichter sich etwas Besonderes dabei gedacht hatte, mit dem Namen einer der größten deutschen Fahrradfabrrken bezeichnet. Bald «ach Erscheinen des Gedichtes erhielt Münchhausen ein Schreiben dcr betreffenden Firma mit der Bitte, das Gedicht zu Werbezwecken Nachdrucken zu dürfen- Der Dichter gab die Erlaubnis, war aber sehr erstaunt, als ihm die Firma unter gleichzeitiger Uebeoweisung von sieben Mark und fufftzig Pfennigen Honorar schrieb, er möchte doch nun dafür die Schlußzeilen ändern. Dich? lauteten nämlich: „Im Staube rauschten die Räder. Kein Wort fiel mchr, nur dann und wann knirschte dein Sattelleder." Das könnte nicht so bleiben, denn bei den neuen englischen Chrysty-Sätteln der Firma .knirschte nichts mehr! „9|Wes her WfiWn." Die neue Ronacher-Revue. Die große Ausstattungsrevue, die gestern rn vierzehn Bildern und sechs Stunden an den Augen sämtlicher Wiener Premierentiger und mancher anderer vorüberzog, ist von Gustav Beer und Karl Farkas zusammengestellt und von Fritz Lehner mit Musik versehen worden. Es sei gleich verraten: das im Titel erwähnte Radium leuchtet weder durch alle Gewänder hindurch, die sogar auch an diesem Abend den Frauenleib blecken, noch dient es als dramatisches Leitmotiv, das hie lockeren Bilder fest aneinanderknüpst. Es hilft nur bei der szenischen Unterstützung mancher Tricks, die zusammen mit starken Sensationen und witzigen Einfällen das Publikum von Ueberraschung zu Ueberraschung führen. Verherrlichen die ersten sechs Bilder mit leisen, sentimentalen Gefühlstönen das Wien von anno dazumal, so tragen die anderen Szenen mehr interncmonales Gepräge. Ihr großer Erfolg ist in gleichen Teilen den mitwirkenden Modekünstlern wie den Darstellern zuzuschreiben. Die Kostüme, von Ladislaus PH. Czeitel entworfen, sind mit vornehmen Geschmackssinn der Individualität ihrer Trägerinnen angepaßt, ohne daß das Zeitkolorit oder der zugrunde liegende Einfall gefälscht worden wären. Die Commere Claude France, eine blonde Keltin, führt nicht nur ihre Schönheit siegreich durch die ganze Revue ins Treffen, sondern auch die Pikanterie der durch den romanischen Tonfall an musikalischer Weichheit verstärkten deutschen Sprache. Wie in Stanniolpapier gewickelte Bonbons rollt sie ihre Fragen und Tone mit französischer Grazie aus Ind bietet ein Chanson wie eine Barkerole, einen Tanz wie einen ernsten Gesang mit gleichem Zauber dar. Ihr Partner Karl Bachmann verfügt über die geschulteste Stimme in der großen Menge der Mitwirkenden, seine Bewegungen zeugen von der nicht erlernbaren Routine eines geborenen Operettencharmeucs. Dann tollt Hans Moser bald als Wiener Kutscher, bald als weinbeflissener Uhrmacher, bald als Jockei in der Freudenau mit bodenständigem Humor umher, wirbt Lisch Jungkurth als Conferenciere mit irdischen und unterirdischen Anspielungen um Gunst und Beifall und tanzen und singen große Scharen auserlesener Weiblichkeit im bunten Reigen. Doch den Clou des Abends bildet das englische Kabarett „The Midnigth folies". Englische Akrobatik, die ihre Technik vom Fußball und vom Boxen, von Gymnastik und vom Ringen bezogen hat, hat den Rhythmus der Großstadt au-sgesogen und ist vom Atem der Dominions durchzogen. Sie lebt hier im Temperament der Lilly D a m i t t a, diesem gertenschlanken, schwarzen Racker, auf, sie schaut aus den Exzentriktänzen der ganzen Truppe hervor, und sie zieht in ihrem scharfen Tempo an allen Muskeln dieses kalten Menschentums/ Die Musik von Fritz Le Huer zeigt beste Haltung in allen modernen Tan-formen, besonders bet de« originelle« Blues. dt. Das Aktionsprogramm des BurgtheatrrS. Als nächste Bremicre des Burgtheaters acht kommenden Samstag Plervet Frondaies „Blanche Caline" in Szene.' Dann folgt im Akademietheater, und zwar am 2. April, Paul Clauo e l s „M i t t a g s w e n d e". Im Akademietheater wird auch in terlwciser Neubesetzung (die Herren Paulsen und Romb er a) Hern.ann Vahrs Lustspiel „Das Kon zer 1" in den Spielplan ausaenommen. Erstaufführung am 90. d. — Ein interessanter Avend wird für den 12. April im Redoutensa a l der Hofburg vorbereitet. Es geht mit der Musik von Richard Strauß und mit Kräften des Burgtheaters und 8er Staotsoper Molieres „Bürger als Edelmann" in Szene. Wiener 23. März 1924 Nr. 1888 Die Eröffnung des Theaters in der Josefstadt unter der Direktion Max Reinhardt wurde nunmehr endgültig für Freitag den 28. März festgesetzt. Zur Ausführung gelangt das Lustspiel von Goldoui: „Der Diener zweier Herren" in folgender Besetzung: Pantalone: Hugo Thimig; Rosaura: Dagny Servaes; Dottore: Gustav Waldau; Silvio: Walter I aussen; Florindo: Paul Hart mann; Beatrice: Sybilles i nd e r; Brigholla: Wilhelm B oelcker; Smeraldma: Helene Th.imig; erster Träger: Georg Hilbert; zweiter Träger: Emil Heß: Aufwärter: Theodor Danegger. Die Regie führt Max. Reinhardt. Samstag den 29. und Sonntag den 30. d. finden Wiederholungen dieser Ausführung statt. Verein der Kunstfreund« 1887. Die letzte Akademie des Vereins, der in der heurigen Wintersaison. nach einer langen, notgedrungenen Pause seine gesellschaftliche' und künstlerische Tätigkeit wieder ausgenommen hat, gelvann durch d!e Mitwirkung der Konzertsängerm Frau Adele Thorn-Ehrenk r a n z besonderen Glanz. Die Künstlerin erntete besonderen Beifall durch den Vortrag des Cäcilia-Liedcs vo-n Richard Strauß und der Santnzza-Arie. Ebenso gab die Pianistin Fräulein Ikene Kijewsky, Tochter des Preßburger Kantors Kijewsky, -durch den Bortrag von Mendelssohns Capriccio und Webers C-Dur-Sonate Proben ihres großen Talents. Vorlesung Uriel Birnbaum. Sonntag den 19. April, halb 8 Uhr abends, liest im großen Saal des Ingenieur- und Architektenvereins. 1. Bez., Eschenbachgasse 9, Uriel Birnbaum aus eigenen Werken. Das Programm umfaßt Vorlesungen aus den Bänden „In Gottes Krieg", „Leben in Liebe" sowie biblischer Sonette. Karten bei R. Löwit, 1. Bez., Rotenturmstraße 22, Richard Lanyi, 1. Bez.. Kärntnerstraße 41 und im Kartenbureau Basar, 1. Bez., Rotenturmstraße 19. TschaikowskyS „Pathetique" bildet die Grundlage eines Tanzdramas von Emanuel Saint-Aves, das am kommenden Mittwoch im großen Konzerthaussaale zur Erstaufführung gelangt. Aus dem reichhaltigen Soloprogramm seien hervorgehoben: „V e n u s h a u s" nach Bizet, „Kaiserin von Byzanz" nach Rimsky-Korsakow, „Orchidee" und „T o d e s v i s i o n" nach Saint-Saens. Das große Orchester dirigiert Andre Hummer. Karten bei Gutmann-Synip h o n i a und in der S e z e s s i o n. Kleine Kunstnachrichte». Die Müchener Kunstausstellung INI im Glaspalast wird am 1. Juni eröffnet. Anmeldungen und Emlieferung findet im Monat April statt, die Ausstellungspapiere sind ab 20. d. im Sekretariat des Glaspalastes erhältlich. — Im Rahmen des Landeskulturveremes ungarischer Juden hat sich in Budapest ein Kreis von Kunstliebhabern zwammengefunden, der unter dem Titel „Omike" eine Folge von 14 Kunstblättern im Verlag Eduard Stemmer herausgegeben hat. Die Mappe enthält Lichl^raphien und Radierungen, die von den bekannten Künstlern Magyar- Mannheimer, Ernst B a r t a, Ferdinand K a t o n a, Mols Fe ny es. Isaak Perlmutter, Jda Kahn er, Friedrich Frank, Leopold H e r m a n n, Wilhelm Perlrott- Csaba, Stephan Zador, Arnold Gara und Julius Beron stammen. — Neben der großen im Baseler Kunstverein ftattfiudenden HansThoma-Ausstellung, über die wir bereits ausführlich berichtet haben, ist jetzt rm dortigen Museum eine zweite große Ausstellung eröffnet worden, und zwar Hans von Mare es. Sie enthält nur Zeichnungen des Meisters, aber in einer Fülle und Schönheit, wie sie überhaupt noch niemals zusammen ge'ehen worden sind. — Die Londoner Kunstzeitschrist „The Studio", die schon früher der bäuerlichen Kunst Oesterreichs eine Sonderstu'blikation gewidmet hat, wird demnächst eine Schweizer Sondernummer herausbringen. — Vom Maler und Graphiker Emil Orlik erscheint demnächst in einer Auflage von 100 Exemplaren eine Mappe von acht Originalradierungen „Zuhörer und Zuschauer", die aus den Zehren 1911 bis 1923 stammen. Die Stimmungssthasen >des Publikums werden virtuos charakterisiert. Am de« Theater«. Volksover. Heute, 7,3 Uhr nachmittags. „D e r Freischütz". 7 Uhr abends „Carmen". Morgen (Montag') „Die Meistersinger von Nürnberg". Dienstag den 26. d.. abends, eröffnet Kammersänger Theodor Scheid! von der StaalSoper in Berlin fein Gastspiel als Scarpia in „Tose a*. Im Deutschen BolkStheater findet die Aufführung von August Strindbergs historischem Schauspiel „E r i k itflV." nun nach Weiderberstellung des Darstellers der Titelrolle Jakob Feldhammer Samstag den 28. d. statt. Zn den Kammerspielen findet Donnerstag den 27. d., 10 Uhr abends, die erste der vier geschloffenen Vorstellungen statt, in denen Frank Wedekinds Idylle „Sonnens p e k t r n m* zum ersten Male gegeben wird. In „Sonnenipektrum* spiele» Maria O r 8 k a das Schneewittchen, Ralph Arthur Roberts den Dr. PuslowSki. Anton Kuh den Eoban. Vor „Sonenspettrum wird „Der Kammersänger" aufgeführt. Johann Strauß-Theater. Uebermorgen Erstaufführung der Operette „M a r i e t t a". Der Komponist Walter Kolo wird zur Premiere erwartet. Heute und Dienstag nachmittags gastiert Raoul Asla» als Kaiser Josef in der Operette „DieFörsterchristl*. In der Renaissancebühne gelangt der dreiattige Schwank „A l m e n r a u s ch* von Armin Friedmann und Louis DOROTHEUM Versteigerungs-Einteilung <«.* ITi*+**#i QebnunhsgsgsMtlad» Im Lnawtgstorff-, Rössler- und Roiowntt-Sul; speziell Dl I. IV. Schöne Wäsche, Pelze, Kleider, Persevtcppfehe, Nähmaschinen, r'ahriäder; jed« » PbotoBpfaratt, Fsraglisar, Relsazeage, Schreibmaschinen; Fe 28. Hi. Musiki*« trumefit», Musi lullen; Fr 4. IV. Hgiwaffts, SporUtutrlslunf, Sat eizeug, Pelze Im Ludwigs* torH-Sul. Is 24. IM., 3 Uhr nachmittag», D (Feiertag' 25. hl. bis Do 27. IN.. 10 Uhr vormittags und 3 Uhr nachmittags Fr 28 Hl, 3 Uhr nachmittags 88. Brlefmtrhss* Spezialatktlo«: Orsew Siazlal- (smsMimi von Österreich, Österreichische Post in der ^firkei, Ungarn und Anhang von Österreich-Kreta and Bosnien Beerbe tet durch das Markenhaus Rudotf Friadl; im Kielmansegg-Saal. TBgtMi Prettesen; Di I. IV. Silber* und Cninasilber; |eden Mi BrülentM- und Periemninuofc im Franz*Saal. led.Oo SohoMtMsWtler.Kf svisre, Peraarteppiebe, SemAMe, Luster, Kunstgewerbe im Frans Josef- Saal: Di 1. IV. und jeden Fr im Hocn*Sial, jeden Ml und Sa im Deckau-Saal: Kunstgewerbe,Oemilde, Teppiche, Antiquitäten: Mi M. III , Di I. IV. und jeden Fr Möbel. Luster, Bilder, Hausgeräte im Glashof. Jeden Do, Fr, Sa: 8Hoher im Eming<r Saal, Di 1 und Fr 4. I v Briefmarken, 6. Bezirk, Maria* hilferstram 73. Mi 2. IV. Teohnisohe Aiktlen: Automobile und Bestandteile, Maschinen, Wagen, Werkzeuge. Armaturen, Messapparate, 8. Bezirk, Feldgawe 6. Täglich Schaustellungen von 1 Uhr an Beginn der Versteigerungen um 3 Uhr Näheres durch die „Mitteilungen“ nnd „Nachrichtcnblätter". Taufstein anfangs Mai mit Gisela Werbezirk in der weibliche» Hauptrolle zur Uraufführung. Im Modern euTlieater findet Sonntag den 30 d., 11 Uhr vormitags, int Nahmen einer literarischen Matinee die Uraufführung von Adolf B r u st' Winterstück „Die Wölfe" 'tatt. Die tveibliche Hauptrolle spielt, mit Erlaubnis des Herr» Direktor Herterich, Auguste P ü u k ö s d v. Jüdische Bühne, 2. Bez.. Taborstraße 12. Heute, 1/28 abends, wird A. Goldbergs Operette „Königin E sth er" aufgeführt. Esther — Frau Lea Weintraub-Gryf. A p 0 l l 0 - T b e ä t e r. Morgen findet die 25. Auf-' Führung der Robert Stolzscheu Operette .Ein B a l l r 0 m a n" (Der Kavalier von zehn bis vier) in der Prernierenbesetzung statt/ Nonwrtnschrichten. (Die nachstehenden Ankündigungen find entgeltlich.) Marko Gv>i».rr» der in lüdiichen Kreisen bekannte Pianist, der wiederholt bei jüdischen Veranstaltungen durch seine virtuose Beherrschung aufgefallen ist, veranstaltet Dienstag den 25. d., 7 Uhr abends, im Kleinen KonzerthauSsaal einen Klavierabend mit folgendem Programm: Brahms, Sonate FiS-Moll,op. 8j Bach, Partita, E-Moll; Schuhmann, Tokkate, op. 7; Debuffy, Suite hergamasque; Chopin, Berceuse, op. 57, Scherzo, Cis-Moll. Karten an der Konzerthauskassa. Eine bevorstehende Kl«ge übergangener Richter. Lcach dem Gesetz, das das sogenannte automatische Vorrückeu der Richter enthält, sollen Richter, die ein bestimmtes Dienstalte-r haben, in die 16. und 17. Besoldungsgruppe automatisch vorrücken, loenn Vvrmänner ans diesen Gruppen ausscheiden. In der letzten Zeit hat die Regierung die Ernennung in die nächsthöhere Besoldungsgruppe derjenigen Richter, die automatisch hätten vorrückeu sollen, mit der Begründung veriveigert, daß das Finanzininisterium seine Zustimmung zur Ernennung nicht erteile. Das Finanznvinisterium berief sich zur Begründung seines Standpunktes auf das Wiederanfbangesetz, das jedoch älteren Datums ist als das Gesetz über die Automatic. Die übergangenen Richter, deren Zahl eine verhältnismäßig geringe ist. haben nach Rücksprache mit der Richtervereinig-nng beschlossen, ein Komitee aus drei Richterir zu wählen und das Komitee beaustragt, in der allernächsten Zeit für jeden einzelnen der übergangenen Richter eine Klage gegen den Staat beim Berfassungsgerichtshof ein-, zubringen. Der Bundesbahninspektor als Kaffendieb. Der Oberste Gerichtshof verhandelte über die Nichtigkeitsbeschwerde des vom Schöffengericht in Linz wegen Unterschlagung von 216 Millionen Kronen aus der Linzer Frachtenbahuhofkasse zu acht Monaten schweren und verschärften Kevkcrs verurteilten Bnndcsbahni likewrs K:ri -id'a cä usl. Am 28. vorigen Jahres hatte Inspektor Hochhäusl, der den Dienst eines Hauptkaffiers am Linzer Frachtenbcchnhos versah, seinem Vorgesetzten einen cms Regensburg stanrmenden Brief feines Sohnes, des Mediziners Karl Hochhäusl, vorgewiesen, in welchem der Sohn dem Vater nritteilte, daß er in Wien einvin Wuch-ever in die Hände gefallen sei, dem er 216 Millionen Kronen schulde. In Begleitung dieses Migen Gläubigers fei er am 4. Oktober nach Linz gefahren und nachts in die elterliche Parterrewohnmcg e i n g e st i e g e n. wo er die SHlüffol Mir F r a ch t ie n b a h n h 0 f an sich genommen habe. Mit diesen habe er die Kasse des Frachtenbahnhofes geöffnet und ihr den Betrag von 216 Millionen Kronen entnommen. / Die auf Grund dieses Brieses vor genommene Kaffenskontrierung ergab tatsächlich den Abgang von 216 Millionen Kronen. Die Polizei nahm an. daß Vater und Sohn dkfen Diebstahl und den Brief vereinbart haben, umsomehr als Mediziner Hoch- ^häusl, der früher mittellos war und im überfüllten Me-- zinerheim in Wien gewohnt hatte, plötzlich vornehme Bergnngnngslokale in Wien frequentierte und an der Börse in Wien und am Badener Trabrennptatz große Sum-- men verspiele. Das Schöffengericht glaubte nicht den Beteuerungen des Vaters, daß er dem Diebstahl seines Sohnes sermsiche und verurteilte ihn. wie erwähnt, zu achtmonatigem Kerker. Der Oberste Gerichtshof hat nun die Nichtigkeits-- ebschwerde des Bernrtevlten als unibegvwndet verworfen. Der Hauptschuldige Sohn konnte bis jetzt nicht eruiert werden. Dagegen liegen Briefe von ihm aus verschiedenen Orten Deutschlands vor; in einem Le^ceen erklär: er zunisch, „er bereue zwar die Ta:, er bereue aber auch, daß er nicht mehr 216 Millionen genommen". f Eine Ehrenaffäre unter Parteigenoffen. Dem Strafbezirksgerich: lag gestern eine Ehrenbeleidigungsklage vor, die' der Rechtsanwalt und der Bezirksvorstehsr-Stellvertreter am' Neubau, Dr. Emil Maurer, gegen den Fabrikanten Anton Baumgarten angestrengt hatte. Nach Inhalt der Klage soll sich der Beschuldigte, der früher Fürsorgerat am Neubau war, aus Rache darüber, daß er bei den letzten Fürsorgevatswahlen im Bezirk nicht mehr aufgestellt wurde, wiederholt in Beschimpfungen und Schniähungen gegen den Kläger ergangen haben. Zu Beginn der Verhandlung gab Dr. Maurer bekannt, daß der Beschuldigte, der ebenso wie der Kläger der sozialdemokratischen Partei angehöre, gestern im Partens e k r e t a r i a t eine umfassende Ehrenerklärung abgegeben und die gegen ihn erhobenen Anwürfe als unhaltbar zurückgezogen habe. Auf Ersuchen des Vorstandes der' Sozialdemokratischen Partei habe sich Tr. Maurer v e x-- pfl ichtet, die Privatanklage zurüüzuziehen. Der Richter stellte auf Grund dieser Erklärung des Privatklägers das Strafverfahren gegen den Beschuldigten ein. * Gallos verurteilt. Vor einem Berufungssenat des Landesgerichtes in Strafsachen fand gestern gegen die von den Vorstaudsmrtgliedern des Zentralverbandes der Äriegsbc^ schädigten Br an de iß und Wolfmüller gegen Heinrich Gallos geführte Ehrenbcleidi.gungsaingelegewlielt, die in erster Instanz zu einem elstägigen Prozeß geführt hatte, ihren Abschluß. Gallos war zu einer Arreststrafe poourteilt, jedoch in zwei Punkten, von dem Borwurf der msarnen Lüge und Lügner freigesprock)en worden. Bei der Berufungsverha'ndlun.g wurde Gallos auch in den zwei Punkten vemrteält und iw.' Strafe erhöht. Arheberrechtsprozeß gegen den sächsischen Staatsmimster Dr. Reinhold. Der Schriftsteller Dr. Nikolaus Coude n h ov e -K a le rgi hat gegen die Druüereisirma D r ngulin Ges. n Leipzig und die Wiener Literarasche Aktiengesellschaft (Wila) eine Klage auf Verbotserlassung angestrengt, weil Staatsminister Dr. Peter Reinhold als Inhaber des „Neuen Geistverlag" in Leipzig seinen Verlag m die Drugulingesellschaft aufgehen ließ und hierbei die Rechte des Klägers, der Werke in diesem Verlag hatte wsü-einen lassen, nicht achtete. Es war vom Kläger eine einstweilige Verfügung erwirkt worden, auf Grund deren für die beiden Verlagsfirmen das Verbot ausgesprochen wurde, eine Neuauflage zweier seiner Werke «u veranstalten. Das Handelsgericht hat die gestrige Verharw-- lang zur Vernehm-ung des'/Ministers Dr. Rein hold vevts tagt.

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